Pressemitteilung der Bürgeraktion Pfersee „SCHLÖSSLE“ e.V.
vom 5. November 2019

Bürgerhaus Pfersee: Zusammenarbeit zwischen Bürgerinitiative und Stadtrat ist zweifelhaft

12.11.2019

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Der Stadtrat hat am 29.5. zur Erweiterung einen Grundsatzbeschluss verabschiedet und (wie von uns angeregt) die vom Amt vorgeschlagene Beschlussvorlage um den Passus ergänzt „im weiteren Verlauf der Planungen, insbesondere der Außenanlagen, die Anregungen der Bürgerschaft weiterhin zu berücksichtigen und u.a. den Beirat des Bürgerhauses und das Jugendzentrum einzubeziehen“. Der Grundsatzbeschluss führt dabei eine Planfassung mit, die keine Räume mehr für eine Erziehungsberatung der AWO vorsieht. Die Räume der Erweiterung – immerhin ein Erfolg – sind weitgehend für die multifunktionale Nutzung Bürgerhaus vorgesehen. Zusätzlich soll das Bürgerhaus Familienstützpunkt werden. Dafür ist ein Büroraum reserviert und weiterhin der Umbau im EG Bestandsbau für eine sog. Großtagespflege. Weil wir die o.g. Ergänzung zum Beschluss so interpretiert haben, dass damit die Voraussetzungen für konstruktive Abstimmungsgespräche im Stadtteil gegeben wären, haben wir im Juli die für uns weiterhin ungelösten Fragen in einem Brief an die Regierung als Zuschussgeber zusammengefasst und eine Auseinandersetzung damit erhofft. Änderungen an der Bauplanung haben sich daraus bisher keine ergeben. Es scheint als sollte die Diskussion auf den Komplex Außenanlagen reduziert werden, um welchen Schein auch immer zu wahren. (Dietmar Egger)

Stadträtinnen und Stadträte
im Jugendhilfeausschuss der Stadt Augsburg
und die im Stadtrat vertretenen Fraktionen
und Ausschussgemeinschaften

Offener Brief – Bürgerhaus Pfersee, Erweiterung und Neukonzeption

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben im Mai mit dem Grundsatzbeschluss zur Erweiterung des Bürgerhauses Pfersee die Verwaltung beauftragt, „im weiteren Verlauf der Planungen, insbesondere der Außenanlagen, die Anregungen der Bürgerschaft weiterhin zu berücksichtigen und u.a. den Beirat des Bürgerhauses und das Jugendzentrum einzubeziehen“.

Dieser Beschluss sollte, nach unserer Interpretation, sicherstellen, dass dieses Projekt in ruhige Fahrwasser gelotst und im Einvernehmen mit den Nutzern weiterentwickelt wird. Nun können wir zwar bestätigen, dass zwischenzeitlich der Beirat des Bürgerhauses zu den geplanten Außenanlagen informiert wurde. Wir haben allerdings den Eindruck, dass damit jegliche Diskussion zu allen offenen Fragen, den Erweiterungsbau betreffend, seitens der Verwaltung als abgeschlossen erachtet wird. Vor einer Definition der Außenanlagen sollte aber doch wohl das Gebäudevolumen und dessen räumliche Situierung auf dem Grundstück geklärt sein. Insbesondere, um, bei ohnehin beengten Verhältnissen, keine Resträume mit zweifelhafter Funktionalität entstehen zu lassen.

Nach unserem Dafürhalten unterläuft daher das gezeitigte Vorgehen den Wortlaut und die Absicht Ihres Beschlusses. Und wir verstehen nicht, warum sich ausgerechnet der Sozialreferent so schwer tut mit Begriffen wie „Miteinander“ und „Gemeinsam – in einer Bürgerstadt“. Was wäre denn falsch daran gewesen, wenn sich die kleine Runde vorab mit den Planern über Prioritäten verständigt hätte, um dann den Gremien eine abgestimmte Position zu präsentieren. Wir meinen ein Einvernehmen, wie o.g., würde grundsätzlich Gesprächsbereitschaft und eine angepasste Kommunikation erfordern, die nicht mehr nur verlautbart.

Im Einzelnen

Wir können nicht nachvollziehen, auf welche Anregung aus der Bürgerschaft sich die Planung bezieht, wenn von dem Konzept eines gemeinsamen Eingangsbereiches für Bürger- und Jugendhaus komplett Abstand genommen wird. Der Bürgerwerkstatt wurde der verlegte Zugang noch als tragende Entwurfsgrundlage präsentiert, qua als baulich manifestiertes Miteinander der Generationen.

Wohin ist diese Idee entschwunden, wenn die aktuelle Planung den bisherigen Eingangsbereich für das Jugendhaus vollständig zugunsten von Parkplätzen okkupiert und für Beschäftigte im Bürgerhaus reserviert? Wir weisen darauf hin, dass bereits mit Bekanntwerden der ersten Erweiterungsabsichten die Frage nach erforderlichen Stellplätzen aufgeworfen wurde. Die Bürgerwerkstatt wurde diesbezüglich durchgängig damit beschieden, dass der Erweiterungsbau lediglich zwei Stellplätze für Behinderte auslösen würde.

Zudem, was für ein fatales Signal wird damit ausgesendet, wenn das bisher grüne Vorgelege des Jugendhauses für 6 Stellplätze kassiert wird, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder seiner Nutzer aber zu den Mülltonnen hinter‘s Haus verfrachtet werden?

Wir unterstellen, dass ein Jugendhaus auch einen gewissen Erziehungsauftrag erfüllt. Wie wollen wir da eine Planung verantworten, die so tut, als hätte man in dieser Stadt den Begriff Mobilitätswende noch nie gehört? Warum muss im Jahr 2019, im Sichtbereich der Nahverkehrshaltestellen „Pfersee“ und „Bgm.-Bohl-Straße“ ein wie immer gearteter Stellplatzschlüssel erfüllt und warum können Stellplätze hier nicht abgelöst werden?

Dazu passt in`s Bild, dass Fahrräder von Bürgerhausbesuchern fortan keine Überdachung mehr genießen sollen. Wir weisen daher darauf hin, dass es in den 1980er-Jahren, zur Entstehung des Bürgerhauses, möglich war, zum Erhalt von Grünanlagen auf Stellplätze für das Bürgerhaus zu verzichten und die Anforderungen bei Umnutzung des gesamten Pferseer Schlössles auf 5 Stellplätze zu begrenzen.

Außerdem bieten sich Alternativen an:

– So könnten die besagten Behindertenstellplätze längs der Stadtberger Straße ausgewiesen werden. Die Stadtberger Straße ist als Einbahnstraße gewidmet. Daher kann auch auf der Fahrerseite geparkt werden und der Bürgersteig vor dem Bürgerhaus zum Aus- und Einsteigen benutzt werden. Eine vergleichbare Lösung ist im Übrigen vor dem Pfarrsaal der Gemeinde Herz-Jesu realisiert, in der Franz-Kobinger-Straße (– nur ungünstiger, da Gehweg auf der Beifahrerseite situiert).

– Und für sonstige Stellplätze kann das gegenüberliegende und bereits vollflächig versiegelte städtische Areal, das frühere Depot der Stadtreinigung in der Stadtberger Straße 22, herangezogen werden.



Den Landschaftsplanern gehört unser Mitgefühl. Wird ihnen doch die Quadratur des Kreises zugemutet, wenn sie für die entstehenden Restflächen Funktionen nachweisen sollen. Nur kann ein Möblierungsplan mit Bierbänken nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei Veranstaltungen im Freien auch Versorgungsstände oder Veranstaltungsflächen erforderlich sind. Wir deuten Möblierungsvorschläge, wie den einer dauernden Geländemodulation als Bühne im bisherigen Standbereich einer stattlichen Kastanie, als relativ hilflose Versuche grundsätzliche Defizite zu übertünchen.

Nicht ansatzweise ausräumen kann die Planung damit aber den Eindruck, dass der Erweiterungsbau – wie bisher vorgesehen – zu Lasten der Grünflächen und Multifunktionalität der Außenbereiche sowie zum dauernden Nachteil des Jugendhauses erfolgen würde.

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar Egger


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Kontakt: Dietmar Egger – Egelseestraße 9, 86157 Augsburg, Telefon 448 15 90





Erweiterungsbau Bürgerhaus Pfersee – Freianlagen Bürgerhaus und Jugendhaus



Der Bereich vor dem Jugendhaus einschließlich der Rasenfläche soll Parkplatz werden

Bürgeraktion Pfersee: „… für sonstige Stellplätze kann das gegenüberliegende und bereits vollflächig versiegelte städtische Areal, das frühere Depot der Stadtreinigung in der Stadtberger Straße 22, herangezogen werden.“




Dieser überdachte Fahrrad-Abstellplatz soll auch entfallen


Von links: Schlössle, Jugendhaus, Bürgerhaus – vom Park aus gesehen, 5. März 2019


   
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