Dr. Paul Wengert
Oberbürgermeister

Grußwort zur Friedensdemonstration
der Augsburger Friedensinitiative
am Ostersamstag, 19. April 2003


Liebe Augsburgerinnen und Augsburger,

der Krieg im Irak ist zu Ende oder zumindest fast zu Ende. Wir sind froh darüber und erleichtert. Aber wo wird der nächste Krieg entzündet? Wo werden als nächstes mit dem Ziel - oder zumindest unter dem Vorwand -, Menschen Freiheit und Demokratie zu bringen, Waffen eingesetzt, Menschen getötet und verletzt, Existenzen zerstört, Städte zerbomt und ihre Infrastrukturen vernichtet?

Die Demonstrationen in aller Welt, und natürlich auch in der Friedensstadt Augsburg für den Frieden und gegen einen Krieg gegen den Irak waren vergebens gewesen. Die Proteste von vielen Millionen rund um den Erdball blieben ungehört. Der Krieg kam. Nein, er kam nicht wie eine Naturkatastrophe. Er wurde mit Absicht in ein ohnehin geschundenes Land hineingetragen, in dem freilich die Menschen jetzt aufatmen: aus Freude über eine Befreiung oder ganz einfach deshalb, weil die Waffen weitgehend wieder schweigen? Aber wie wird es weitergehen? Wird die Freude der Menschen an-dauern, wenn die unterschiedlichen Ethnien um die Vorherrschaft rivalisieren werden und es womöglich zu Bürgerkriegen kommt?

Es werde ein „sauberer Krieg“ werden, wurde zuvor versprochen, mit präzisen „militärischen Operationen“ - als wolle man einen Patienten heilen - sollten weitestgehend „Kollateralschäden“ vermieden werden, womit Zivilopfer gemeint sind, als ob Soldaten, auf beiden Seiten, keine Menschen wären.

Wieviele Opfer dieser Krieg bisher gefordert hat, wissen wir nicht, sollen wir wohl auch nicht erfahren. Aber wir konnten es täglich im Fernsehe erleben, dass dieser Krieg so sauber doch nicht ist, weil ein Krieg a priori nicht „sauber“ sein kann. Nicht zuletzt die Tatsache, dass auch schon rund ein Dutzend Journalisten unter den Kriegstoten sind, beweist dies. „Krieg! Krieg! Wisst ihr auch, was ihr ruft? Dass es euch leicht vom Munde geht, ist wohl natürlich; wie lumpig aber unsereinem dabei zumute ist, kann ich nicht sagen“, heißt es in Goethes „Egmont“.

Dies muss der letzte Krieg gewesen sein. Wir müssen alles tun, um weitere Kriege zu verhindern. Wir müssen weiterhin demonstrieren, damit die Politiker in aller Welt er-fahren, dass die Menschen gegen Kriege sind. Ein Krieg ist stets eine Niederlage für die Diplomatie, die Menschlichkeit und den von allen Menschen gewollten Frieden.

Unsere Demonstrationen konnten den Krieg im Irak nicht verhindern. Wir müssen uns künftig gemeinsam noch stärker für den Frieden einsetzen, damit Kriege überhaupt abgeschafft werden können. Sie hätten immer schon vermieden oder verhindert müs-sen, aber ins 21. Jahrhundert passen sie schon gar nicht mehr. Wir alle wollen, end-lich, in endgültigem Frieden leben, wenn ich auch weiß, dass dieser Wunsch noch für absehbare Zeit Utopie bleiben wird.

Nach all den geschichtlichen Erfahrungen und angesichts eines Rüstungspotentials, das unseren ganzen Erdball nicht nur einmal zerstören kann, darf es ganz einfach kei-nen weiteren Krieg mehr geben. Darauf hinzuweisen und dafür einzutreten, haben wir gerade in Augsburg, der Stadt des Hohen Friedensfestes und der Friedensstadt - in der die Wunden, die der letzte Krieg hinterlassen hat, noch immer als Narben sichtbar sind - eine besondere Verpflichtung. Eine Verpflichtung die wir unter anderem auch mit un-serer Partnerstadt Dayton in den USA und ihren Bürgern teilen, die ebenfalls zur Been-digung des Krieges und zum Frieden aufgerufen haben.

Nur mit Frieden und im Frieden können wir die Probleme lösen, die gelöst werden müssen - derer gibt es allzuviele. Wir wollen den Frieden und keinen Krieg, weil wir eine glückliche Zukunft wollen - für alle Menschen.


   
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