„Augsburg Friedensstadt – Augsburg Stadt der Rüstungskonversion?“

Podiumsdiskussion am 29.7.2004
mit Peter Schönfelder, EADS
und Jürgen Grässlin, Bundessprecher DFG-VK

AFI-Beitrag (Klaus Stampfer)

Augsburg feiert seit 354 Jahren das Augsburger Friedensfest. Seit 1949 ist der 8. August gesetzlicher Feiertag in Augsburg. Soweit uns bekannt ist, ist es weltweit einmalig, dass eine Stadt einen Feiertag begeht, um an einen Friedensschluss zu erinnern.

Während über viele Jahre das Augsburger Friedensfest nur von der katholischen und evangelischen Kirche mit einigen offiziellen Vertretern der Stadt gefeiert wurde und die Augsburger diesen Feiertag nutzten, um ins Umland zum Einkaufen zu fahren, ist in den letzten Jahren eine Wandlung eingetreten. Die ersten Anzeichen waren vor ca. fünf Jahren erkennbar. Seitdem ist um das Augsburger Friedensfest ein beachtliches Veranstaltungsprogramm entstanden, das auch von der Stadt Augsburg betrieben und gesponsert wird. Das Augsburger Friedensfest wird thematisch nicht nur mehr auf den Religionsfrieden von 1650 beschränkt, sondern umfasst einen umfangreicheren Friedensbegriff. Im Rahmen der Bewerbung zur Kulturhauptstadt hatte die Stadt Augsburg das Thema Frieden weit oben angesiedelt. Der Stadtrat hat zumindest im letzten Jahr sich der Initiative „Cities for Peace“ angeschlossen, auch wenn er dies leider heuer nicht erneuert hat.

Die Augsburger Friedensinitiative (AFI) begrüßt die Ausdehnung der Thematik zum Augsburger Friedensfest und hat sich auch mit Veranstaltungen und Aktionen in den letzten Jahren ebenso wie heuer am Aktionsprogramm zum Augsburger Friedensfest beteiligt.

Die AFI betrachtet es jedoch als ihre Aufgabe, auch auf Themen hinzuweisen, die in dieser Stadt eine Rolle spielen und die mit dem Thema Frieden, so wie wir Frieden definieren, im Widerspruch stehen.

So unterhält die Stadt Augsburg eine Patenschaft zu einem Kriegsschiff, der Fregatte Augsburg. Doch dies ist heute nicht unser Thema.

Heute geht es um die Rüstungsbetriebe in Augsburg.

Der wohl größte Rüstungsbetrieb in Augsburg ist EADS. Von 1800 Beschäftigten sind ca. 600 in der Rüstungsproduktion, hauptsächlich in der Produktion des Eurofighters. Peter Schönfelder als Betriebsratvorsitzender der EADS kann hierzu noch genaueres sagen.

Rund 500 der 800 Beschäftigten der Firma Renk AG arbeiten im militärischen Sektor und stellen Getriebe für Kampfpanzer und Kriegsschiffe her.

Die Rheinmetall Landsysteme, besser bekannt als KUKA Wehrtechnik, entwickelt mit 87 Mitarbeitern Prototypen von Waffenstationen und MG-Türmen für gepanzerte Rad- und Kettenfahrzeuge.

In dem Familienunternehmen Ballonfabrik fertigen 90 Mitarbeiter Pilotenkleidung und Rettungsinseln für U-Boot- und Flugzeugbesatzungen, sowie flexible Kraftstofftanke für Hubschrauber und Panzer.

(Süddeutsche Zeitung, „Sieben wehrhafte Schwaben“, 02.04.2002)

Wenn ich die Rüstungsarbeitsplätze in Augsburg zusammenzähle, so komme ich auf ca. 1300. Bei 213.000 Beschäftigten in der Region Augsburg [1] entspricht der Anteil in der Rüstungsindustrie Beschäftigten 0,6% und damit das dreifache des Bundesdurchschnitts, der laut „Soldat und Technik Online“ [2] bei 0,2% liegt.
Doch Augsburg ist nicht nur eine Stadt der Rüstungsbetriebe, sondern auch eine Stadt, die mit drei amerikanischen Kasernen eine große Garnisonsstadt in Süddeutschland darstellte. Mit dem Abzug der US-Armee wurden riesige Geländeflächen frei. Auf dem ehemaligen Geländer der Flak-Kaserne am Kobelweg ist heute ein Industriegebiet mit tausenden Beschäftigten entstanden. Für das Gelände der Sheridan-Kaserne in Pfersee existiert ein Erschließungsplan mit einem Wohn-, Erholungs- und Industriegebiet. Die Stadt wird mit den Einnahmen, die aus diesen Industriegebieten entstanden sind, weit besser fahren, als es mit den amerikanischen Soldaten, die sich größtenteils mit eigenen Geschäften versorgten, je der Fall war.

Augsburg hat somit Erfahrungen mit Rüstungskonversion und in Augsburg gab es mal ein Projekt PUR, das sich mit der Konversion der Rüstungsproduktion befasst hat.
Für die AFI ist es zwangsläufig, dass die Stadt Augsburg das Thema der Konversion der Rüstungsbetriebe neu aufgreift, um glaubhaft sich als Stadt des Friedens präsentieren zu können.


[1] Augsburger Allgemeine, 28.7.2004, Seite 30, „Eine Region ist in Bewegung“, Der Wirtschaftsraum hat ein negatives Pendlersaldo. Das heißt, es verlassen mehr Beschäftigte die Region als Mitarbeiter außerhalb der Stadt Augsburg und der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg in den heimischen Wirtschaftraum kommen. In der Summe sind es 8510 Personen. Zur näheren Erläuterung: In der Region sind 213380 Personen registriert, die als sozialversicherungspflichtig eingestuft sind. Doch nur 204870 bleiben für ihre Tätigkeit auch im Wirtschaftsraum. Nicht unerwartet kommt, dass die Stadt Augsburg einen vergleichsweise hohen Einpendler-Überhang aufweist. 28500 Augsburger arbeiten außerhalb der Stadtgrenzen, dafür pendeln täglich 65000 auswärtige Frauen und Männer in das Oberzentrum. Macht in Summe ein Plus von 36500 Personen.

[2] Soldat und Technik Online.htm
Dipl.-Ing. Dieter Hanel ist Sprecher des Arbeitskreises Wehrtechnik bei den Unternehmensverbänden in Schleswig-Holstein
Die veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen und Haushaltsprobleme hatten in den letzten Jahren eine drastische Reduzierung der Entwicklungs- und Beschaffungsvorhaben zur Folge, so dass die Beschäftigtenzahl in der deutschen wehrtechnischen Industrie aufgrund eines umfassenden strukturellen Anpassungsprozesses von etwa 280000 Beschäftigten im Jahr 1990 auf 140000 im Jahr 1994 drastisch zurückgegangen ist. Im Jahr 2001 waren in rund 200 Unternehmen noch 50000 Mitarbeiter direkt in der Wehrtechnik beschäftigt (D. Hanel: Die Bundeswehr und die deutsche Rüstungsindustrie, S. 43, Bonn 2003). Das sind 0,2 Prozent am Gesamtumfang der Erwerbstätigen.


   
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