„Reden für Frieden und Akzeptanz“?

Jürgen Todenhöfer: ehemaliger entwicklungspolitischer und abrüstungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, 18 Jahre im Bundestag für die CDU und jetzt Geschäftsführer des Burda-Medien-Konzerns, bekannt durch seine spektakulären Auslands-„Missionen“ und nun von den Medien zum „Friedenskämpfer“ erklärt.
Er ist als Vortragender in der Reihe „Reden für Frieden und Akzeptanz“ am 3. Oktober vom Kulturbüro der Stadt Augsburg eingeladen und soll zum Thema „Frieden im 21. Jahrhundert – Gedanken über Massenvernichtungswaffen und Terrorismus“ sprechen. Für uns stellt sich allerdings die Frage, ob Todenhöfer wirklich der geeignete Mann für dieses Thema ist?

„Wer weint schon um Abdul und Tanaya? – Die Irrtümer des Kreuzzugs gegen den Terror“
Eine kritische Auseinandersetzung mit Todenhöfers Buch »»

Durchs wilde Afghanistan

Im Jahr 1980 macht sich Todenhöfer zum ersten Mal auf eigene Faust auf nach Afghanistan. Der Krieg mit der Sowjetunion hat gerade begonnen. Unter dem Schutz des Mudschaheddin-Führers Hekmatyar reist er durch das Kriegsgebiet.

Nach unseren eigenen Recherchen sieht die Lage dort so aus: Hekmatyar wird von Pakistan und den USA unterstützt und führt eine der islamistischen Gruppierungen an. Von der Ideologie her ist seine Partei „Hezb-e islami afghanistan“ als radikal islamistisch einzuordnen (Sharia, Schleierzwang für Frauen etc.). Todenhöfer bezeichnet diese jedoch als „eine der großen Befreiungsbewegungen Afghanistans“. Von der Unterstützung der islamistischen Kriegsparteien verspricht sich vor allem Pakistan eine Einflussnahmemöglichkeit, denn Pakistan braucht Afghanistan u.a. als militärisches Rückzuggebiet für seinen Krieg mit Indien. Waffen- und Geldlieferungen aus den USA laufen über den Pakistanischen Geheimdienst. Afghanistan wird missbraucht, einen Stellvertreterkrieg gegen die Sowjetunion zu führen. Die Rechnung des Westens geht auch auf, 1989 beendet die sowjetische Führung den Afghanistankrieg und zieht ihre Armee zurück. Bald darauf zerfällt die SU und der Krieg in Afghanistan hat einen nicht unerheblichen Anteil daran.

Als Zugang zu den Ölfeldern am Kaspischen Meer, spielt Afghanistan in den Überlegungen der westlichen Welt aber auch der Anrainer-Staaten eine erhebliche Rolle. So unterstützte jede interessierte Regierung die Kriegspartei, die ihr als spätere Verbündete am geeignetsten erschien, die eigenen Ziele durchzusetzen (größere Karte »»)

Einen Bin Laden will Todenhöfer „mit den bewährten Methoden der Terrorismusbekämpfung und dadurch, dass wir ihn von seinem Umfeld und seinen Sponsoren abschneiden“ ausschalten. Wenn’ s denn so einfach wäre. Der Bin Laden-Clan ist inzwischen ein weltweit verzweigtes Unternehmen, mit dem Firmen aus aller Welt (auch in der BRD) Geschäfte machen (Die verbotene Wahrheit, Jean-Charles Brisard).
Eine Einzelperson zum Abschuss freizugeben, ist nur eine Personifizierung der Liste der „Schurkenstaaten“, wie sie von den USA aufgestellt werden.

Man könnte zum Beispiel fragen, was denn nun eine afghanische Frau tun soll, die sich in die Wählerlisten für die Präsidentenwahlen am 9.10. eintragen will. Soll sie nun den Flugblättern der US-Soldaten glauben, die ihr sagen, wenn sie sich nicht einträgt, erhält sie keine Nahrungsmittel und medizinische Versorgung mehr. Oder soll sie den Flugblättern der Taliban glauben, die sie mit dem Tod bedrohen, wenn sie sich einträgt. Sollen sie und ihre Kinder also verhungern oder besser gleich sterben? Bild: Frauen mit ihren Familien am Brunnen beim Wasserholen, bei Kabul, im August 2010


   
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