“Volkstrauertag” 2005: Stadt gedenkt “unserer gefallenen Helden” zusammen mit Faschisten?!

 

 

 

 

 

Die Veranstaltung der Stadt Augsburg an der Blauen Kappe am Volkstrauertag 13.11.05 wurde auch von ca. 20 Frauen und Männern der Augsburger Antifa und der VVN-BdA besucht. Ab 11 Uhr versammelten sich wie jedes Jahr ca. 30 junge und alte Faschistinnen und Faschisten um ihren Anführer Roland Wuttke, der eine dreiviertel Stunde lang beflissen den Heldengedenk-Kranz der DVU bewachte. Dieser Kranz war in einer exakt ausgerichteten Reihe neben den Kränzen der Stadt Augsburg, des Bundesministers der Verteidigung, einiger politischen Parteien und Vereinigungen wie z. B. der Marinekameradschaft Augsburg vor dem Glockenturm zur Schau gestellt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, inmitten der trauernden Bürgerinnen und Bürger gedachten die Vertreterinnen und Vertreter der hiesigen Antifa und Mitglieder der VVN-BdA der im Kampf gegen Deutschland Gefallenen sowie den Opfern des Naziterrors mit Transparenten und der Fahne der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Die Augsburger Polizei, die verstärkt angerückt war und auch Zivilbeamte zum Einsatz brachte, nahm vor allem die anwesenden Antifaschistinnen und Antifaschisten ins Visier und gestattete, dass diese während der Gedenkveranstaltung von den nationalen Buben und Mädeln ausgiebig fotografiert und gefilmt wurden. Im Glockenturm, welcher von Soldaten mit Stahlhelmen umzingelt war, wurde als erster der Kranz der Stadt Augsburg durch Herrn Oberbürgermeister Wengert und als letzter der Kranz der Nationalen durch den NPD-Funktionär Wuttke und einen Kameraden der DVU niedergelegt. Mit dem Absingen der Nationalhymne und einem Wort des Dankes an die Anwesenden durch den Oberbürgermeister endete die Veranstaltung. – F Bild: mit freundl. Genehmigung von Ruth Plössel

Kommentar

Wenn uns nicht alles täuscht, sehen wir rechts vom Regierungspräsidenten Schmid Bernd Kränzle, den Vorsitzenden der Augsburger CSU (rechts im Bild), dann die Stahlhelmabordnung der Bundeswehr, den Vorsitzenden des Marinevereins Grimminger (mit Schiffermütze) und ganz außen Roland Wuttke (im dunklen Mantel vor der Augsburg-Fahne) ins Gespräch vertieft mit einem Führer der DVU. Es stehen schon die richtigen beieinander, der Regierungspräsident bei der CSU, die CSU beim Barras, die Militaristen vom Marineverein in der Nähe der Rechtsextremisten. Aber was hat der Oberbürgermeister da zu suchen als Repräsentant der Stadt, noch dazu einer rot-grünen Stadtratsmehrheit?! Die Vertreter von SPD und Stadt sind ja da nicht irgendwie unverhofft hineingeraten. Sie mußten damit rechnen, dass Militaristen und Faschisten sich dazugesellen.

Die Sache hat ja Tradition, und zwar eine schauderhafte. Vor Jahrzehnten hielt der Wehrmachtsoberst Karl-Wilhelm Thilo mehrfach die Rede am „Volkstrauertag“ in Augsburg. Er unterzeichnete als Chef des Stabes der 1. Gebirgsdivision Massenmordbefehle gegen Jugoslawen und Griechen. Und er schrieb mit an Büchern, die in der Bundeswehr kursierten, um den Völkermord zu preisen, so Hubert Lanz (Hg.) „Gebirgsjäger – Die 1. Gebirgsjäger-Division 1935/1945“. Unter „Beute“ führte Thilo in seinen Berichten an den Divisionsstab auch „tote Banditen“ auf, und dies waren 153 Männer, Frauen, Kinder und Greise im Alter von 1 bis 75 Jahren, die im Dorf Mousiosas/Griechenland am 25. Juli 1943 ermordet wurden. Thilo entkam dem Nürnberger Gerichtshof nur wegen der Selbstamnestierung der NS-Generäle, die ihnen von den herrschenden Kreisen der Nachkriegszeit zugestanden wurde.

Thilo gründete übrigens in den 60er Jahren den Wehrpolitischen Arbeitskreis der CSU in Augsburg. Bei der CSU wundern uns solche Verbindungen wenig. Aber was ist mit der SPD? Nun, die Augsburger Sozialdemokraten haben tatsächlich etwas zu schaffen mit dem Marineverein. Immerhin hat die Patenschaft mit der jetzigen Fregatte Augsburg seinerzeit OB Breuer übernommen – seine Frau knallte die Sektflasche an die Bordwand. OB Wengert stieg unmittelbar nach seinem Amtsantritt in diese Tradition ein und besuchte die Fregatte für mehrere Tage! Und mit wem im Schlepptau außer seiner Frau? Mit dem Vorstand des Marinevereins, also darf man darauf wetten, mit Herrn Grimminger. Auch Herrn Göttling, Polizeihauptkommissar Polizeidirektion Augsburg, Mitglied der CSU-Fraktion im Stadtrat, früheres REP-Mitglied hatte der OB dabei. Niemand hat den Oberbürgermeister gezwungen, mit solchen Leuten das Kriegsschiff zu besuchen. Es machte ihm Freude, weiß die Presse. Uns dreht sich der Magen um.

Das Fahrwasser, in das sich die Stadtspitze begibt, ist jedenfalls trübe. Die Repräsentanten von Bezirk und Kommune können nicht mit bundesweit bekannten Faschisten wie Wuttke zusammen Kränze niederlegen für „unsere gefallenen Helden“. Das ist nicht nur ein Hohn für die Opfer des Naziregimes und der faschistischen Wehrmacht, das ist direkt eine Einladung für alle Sorten von Militaristen und Faschisten.

Die Stadtspitze kennt Wuttke als einen Drahtzieher des Rechtsextremismus in Südbayern, sie weiß von seiner Kooperation mit Martin Wiese, sie weiß von seinen rassistischen Umtrieben auch in Augsburg, sie hat ihm auch schon mal einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung verpasst. Rot-Grün hätte in Augsburg die Möglichkeit, das braune Treiben ganz stark zu unterbinden. Dazu müsste die Stadt aber selbst Abstand nehmen, den „Volkstrauertag“ auf diese Weise zu begehen, sonst bietet sie den Faschisten zunehmend eine Plattform. Dazu müsste die Stadt sich aber mit Militärkreisen anlegen, die auf solchen Feierstunden bestehen, um selbst aufmarschieren zu können und alte und neue Militärtraditionen zu pflegen. Von strammen Sozialdemokraten ist es vielleicht zuviel verlangt, mit militärischen und deutschnationalen Traditionen zu brechen. Aber von Repräsentanten einer Kommune, die als „Friedensstadt“ punkten will, kann man das verlangen.

Und vielleicht will sich eine rot-grüne Stadtregierung doch noch ein wenig absetzen von rechten Landräten wie Eichner (Landsberg) und Vogele, die heuer in einer „Gedenkstunde“ auf dem Soldatenfriedhof Schwabstadl zusammen mit Landsberger Offizieren aktuelle Kriege und Militäreinsätze, die die Bundesregierung führt und noch führen will, würdigten. Eichner dankte ausdrücklich den Soldaten, „die für uns ihren gefährlichen Dienst tun in Afghanistan, auf dem Balkan oder in anderen Gebieten der Welt.“ – Die spannende Frage ist, wollen sich die sozialdemokratischen und grünen Kommunalpolitiker von einer solchen Militärpropaganda wirklich absetzen? Einfach dazu schweigen, reicht nicht. Sonst hat man die Faschisten am Hals, denn Faschismus und Krieg gehören zusammen. Sozialdemokraten sollten das wissen.

“Volkstrauertag” 2004 Martialisches Auftreten von 20 Neonazis des lokalen Bündnisses „Nationale Opposition“ und der Kameradschaft Augsburg. Sie "trauern" zusammen mit Bundeswehrangehörigen, StadtvertreterInnen und LokalpolitikerInnen um die gefallenen deutschen Soldaten. Die Faschisten schwenken schwarze Fahnen und die Deutschlandfahne. Sie bestimmen das Bild. Der Regierungspräsident Schmid hält die Rede.


   
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