Mahnwache gegen den Krieg im Nahen Osten

Augsburger Friedensfest – die Renk A.G. rüstet die israelischen Panzer aus, die Stadt schweigt dazu

Zum Nahostkrieg wurde beim Augsburger Friedensfest am 8. August von den Repräsentanten aus Religion und Politik tunlichst nicht Stellung genommen. Dabei lag das Thema in der Luft und die Leute sprachen auch darüber. Dafür sorgte die Augsburger Friedensinitiative (AFI). Das Flugblatt der AFI, das die Forderungen und Bedingungen der Friedensbewegungen für einen sofortigen Waffenstillstand im Nahen Osten enthielt, war gefragt und wurde restlos verteilt.

 

 

Auch das vorgefertigte Protestschreiben an die Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde von einer ganzen Reihe von Leuten unterzeichnet bzw. mitgenommen, um es zu vervielfältigen und weiterzuverbreiten.

 

 

 

 

 

 

 

Zum Brief bitte hier klicken!

Lediglich der katholische Bischof Mixa, der in der Anna-Kirche auch vor der sozialdemokratischen Prominenz predigte, kam auf das Thema Libanon zu sprechen. Laut Augsburger Allgemeine sagte er:

Bischof Mixa, Gastprediger in der evangelischen Hauptkirche, setzte dem Krieg im Namen aller Kirchen ein klares Nein entgegen. Er müsse durch die Christen geächtet werden. Denn: „Jeder Krieg schafft einen unwiederbringlichen Verlust an Menschlichkeit, zerstört Kultur und die Lebensgrundlagen und am Schluss gibt es nur Verlierer.“ Ungerechte Mittel könnten keine gerechten Zustände schaffen – „nicht im Libanon, nicht im Irak und nirgends sonst“. Krieg zu verhindern sei „die wahre Heldentat des 21. Jahrhunderts“. Mixa, auch Militärbischof für die Bundeswehr, würdigte den Friedenseinsatz deutscher Soldaten in aller Welt. Augsburger Allgemeine 9.8.2006

Schlitzohrig spricht Bischof Mixa von Kriegsschauplätzen, an denen deutsche Soldaten (noch) nicht beteiligt sind. Unerwähnt läßt er Afghanistan, wo deutsches Militär an einem Krieg beteiligt ist, der nicht weniger schmutzig ist als der im Irak oder im Libanon. Unerwähnt läßt der Militärbischof Mixa auch, dass er den Afghanistan-Einsatz uneingeschränkt befürwortet.

Die evangelische Stadtdekanin Kasch schwieg vornehm zum Thema Libanon und wurde dafür von einer Teilnehmerin des Gottesdienstes, die vorher am Stand der AFI war, zur Rede gestellt. Für die Stadtdekanin, aber auch für den Oberbürgermeister ist der Libanonkrieg kein Thema, im Gegenteil, es ist gar nicht erwünscht, dass darüber öffentlich gesprochen wird. Am Sonntag den 6.8.2006 beim Symposion im Rathaus über Die Kunst des Friedensschließens wagte eine Referentin Kritik. Dr. Ulrike Bechmann von der Universität Bayreuth und Friedenspreisträgerin der Stadt Augsburg übte Kritik am deutschen Rüstungsexport und ging auf die Agression gegen den Libanon ein. Sie wurde sofort vom Moderator gestoppt, solche generellen Aussagen seien hier nicht angebracht. Wenn die Friedenspreisträgerin sich zu theologischen Themen im Alten Testament äußert, läßt man sie reden. Wenn aber eine Theologin, die auch Arabistik und Islamwissenschaften studiert hat, auf die Rüstungsproduktion und Rüstungslieferungen zu sprechen kommt, läßt man sie nicht mehr reden. Wir verweisen in dem Zusammenhang auf eine gute Studie Frau Bechmanns über den Konflikt um Jerusalem auf der Seite des Friedensratschlags http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Nahost/bechmann.html

  Militärtechnik auch aus Deutschland. Tel Aviv ist gut gerüstet. München/Tel Aviv (afp). Die israelische Armee führt ihre Angriffe im Libanon mit großer militärischer Überlegenheit. Sie gilt als bestens ausgerüstet und sehr schlagkräftig. Ein wichtiger Rüstungslieferant für Israel ist dabei Deutschland. Aktuell stehen nach Angaben der Bundesregierung zwar keine Entscheidungen über Lieferungen an. In der Vergangenheit verkaufte Deutschland aber so viele Rüstungsgüter, dass Experten sicher sind, dass im Libanon auch Waffen „Made in Germany“ im Einsatz sind. Laut dem Rüstungsexportbericht der GKKE lieferten deutsche Firmen im Jahr 2002 für 160 Millionen Euro und im Jahr 2003 für 132 Millionen Euro Wehrtechnik an Israel. Der größte Teil dieser Lieferungen bestand demnach in Komponenten für bereits vorhandenes Gerät. Dazu gehörten Motoren und Getriebe für den israelischen Merkava-Kampfpanzer. AZ 20.7.2006

Geht man der Meldung der Augsburger Allgemeinen „Militärtechnik auch aus Deutschland – Tel Aviv ist gut gerüstet“ nach und recherchiert weiter, so erfährt man z.B., dass die Getriebe für die israelischen Panzer bei Renk in Augsburg gefertigt werden. Wir empfehlen die sehr detaillierte Studie des Berliner Instituts BITS Rüstungskooperation zwischen Deutschland und Israel von Otfried Nassauer und Christopher Steinmetz http://www.bits.de/public/researchreport/rr03-1-3.htm, sowie die gemeinsame Studie von BITS und Oxfam Deutschland „Made in Germany” inside, Komponenten – die vergessenen Rüstungsexporte http://www.bits.de/public/researchreport/oxfam-5.htm. Aus dieser Studie stammen auch die folgenden Tabellenauszüge:

„Und das Getriebe kommt von der Augsburger Renk-AG“

[…] Die andere Seite. Seit Tagen fliegt die israelische Luftwaffe Angriffe im Libanon. Teile der Zielerfassung, sozusagen des Visiers der israelischen Kampfjets, basieren auf deutschem Know-how, entwickelt und geliefert unter anderem von einer damaligen Tochter der AEG. […]  
Auch am Boden kämpfen die israelischen Truppen mit deutscher Technik. Der Kampfpanzer "Merkava". Das Rückgrat der israelischen Boden-Truppen. Die Kanone ist eine deutsche Entwicklung von Rheinmetall, gebaut in Israel.
  
Der israelische Panzer: Ohne deutsche Technik schießt er nicht und fährt auch nicht. Denn auch der Motor entstammt deutscher Ingenieurskunst. Und das Getriebe kommt von der Augsburger Renk-AG.

Dagegen steht die Panzerabwehr-Rakete "Milan". […] Aber auch im Libanon, Syrien und Palästina gibt es nach Monitor-Recherchen rund 300 dieser panzerbrechenden Raketensysteme. Deutschland jedoch hat sie offiziell nie geliefert. Wie aber kommt die "Milan" in den Nahen Osten? Gebaut und verkauft wurde der Exportschlager in deutsch-französischer Arbeitseilung. Teile der Rakete lieferte das Unternehmen MBB aus Ottobrunn. Der Rest wurde von der Französischen Aerospatiale gefertigt. Der Verkauf an Drittländer wie den Libanon erfolgte über das Unternehmen Euromissile in Paris, das wiederum den deutschen und französischen Partnern gemeinsam gehörte. So konnte das "Milan"-Geschäft nach dem weniger strengen französischen Export-Recht abgewickelt werden. Und damit bewusst vorbei an den strengeren deutschen Richtlinien. Eine deutsch-französische Arbeitsteilung, die Vorbild war für viele Rüstungsdeals deutscher Unternehmen.

Krieg im Libanon. Deutsche Waffen auf beiden Seiten. Der israelische Panzer mit deutschem Motor und deutscher Kanonentechnik im Visier deutscher Panzerabwehr-Raketen? Während die Gefechte im Nahen Osten weitergehen und Menschen auch durch deutsche Waffen sterben, wird der nächste deutsche Rüstungs-Deal bereits eingefädelt. Es geht um diesen gepanzerten Truppentransporter vom Typ "Dingo". Israel will ihn. Nach unseren Recherchen hat die Bundesregierung der Lieferung eines ersten Test-Fahrzeugs vor kurzem erst zugestimmt. MONITOR wollte wissen, ob der "Dingo" trotz des Krieges geliefert wird. Die Bundesregierung jedoch lehnte dazu eine konkrete Stellungnahme ab.

Aus wdr Monitor, gesendet am 27.7.2006

Merkava tank Mk IV
Urheber: Black Mammmba
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Merkava_mk_iv084.jpg&filetimestamp=20071019195313

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wengert hielt durch sein Schweigen der Augsburger Rüstungsindustrie, die am Libanonkrieg und der Aufrüstung Israels massiv beteiligt ist, den Rücken frei. Er zog es vor, im vornehmen Patriziergewande aufzutreten. Seine Frau bestritt allerdings, dass Paul und sie Patriziergewänder trügen, es seien nur Gewänder „wohlhabender Bürger“…

Wenngleich die Presse Paul Wengert ganz klar als Patrizier und damit im strengen Sinne als Herr mit geburtsständischem Anspruch auf einen Sitz im Rat und Exklusivrecht auf die wichtigen Ämter identifizierte, wollen wir den Vorbehalt von Frau Wengert gelten lassen. Wir müssen aber dagegenhalten: „Obgleich sich das Patriziat geburtsständisch definierte, musste es sich zuweilen aufstrebenden homines novi öffnen; prominentestes Beispiel: die Aufnahme der Fugger in das auf sieben Geschlechter geschrumpfte Augsburger Patriziat 1538. Die Bezeichnung Patrizier trugen in der FNZ [Frühen Neuzeit; Red.] weiterhin die alten und einflussreichen bürgerlichen Familien.“ Einführung in die Frühe Neuzeit »»

Der aus Augsburg stammende Historiker Bernd Roeck, nannte die herrschende Elite aus Patriziern und reichen Kaufleuten in Augsburg eine „verkrustete Oligarchie“. An anderer Stelle bezeichnete er die Obrigkeit auch als Plutokratie, als Herrschaft der Reichen, die sich insbesondere gegen die Armen und die Handwerker verschworen hatte. Roeck schreibt über die Lage nach der Mitte des 16. Jahrhunderts:

Ihr [der Bürgerschaft; Red.] stand ein Regiment vor, dessen Mitglieder auf geradezu unverschämte Weise miteinander verwandt, verschwägert und verfilzt waren. Seit dem Geharnischten Reichstag waren zahlreiche alte Geschlechter erloschen; obwohl der Kaiser Standeserhöhungen vornahm, teilten sich immer weniger Familien die Macht und die Verfügung über die städtischen Pfründen. Bern Roeck, Geschichte Augsburgs

Man fragt sich nun, ob Dr. Paul Wengert und seine Frau sich diesen Schichten irgendwie stärker verbunden fühlen? Oder ist es nur der innere Schauer, der sie reizt, wenn sie in solche Kostüme schlüpfen. Jedenfalls macht es sich schon prächtig, wenn man so vor den „Tafeln“ auftritt, wo man traditionell die Armen und Bedürftigen abspeist.

aus 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon 1885–1892

Ein bisschen martialisch mußten die historisch Gewandeten aber doch auftreten. Blinkende Schwerter, Harnische, Panzerungen und Helme mußten schon sein am „Friedensfest“, damit „unsere Stadtgesellschaft in ihrer Vielfalt“ abgebildet wird, wie Frau Leipprand sich ausdrückt. Man kann die Historie schon darstellen – auch am Friedensfest. Aber es kömmt darauf an, ob das mit kritischer Distanz geschieht, die sichtbar zum Ausdruck kommen muß oder ob da eine Horde von Waffennarren durch die Stadt laufen. Es ist u.E. auch schon unangebracht, wenn einige gedankenlose Leute, verliebt in ihre Kostüme, auftreten und auch noch stolz ihre Waffenkostüme zur Schau stellen. Die Geharnischten nahmen sogar am Gottesdienst in St. Anna teil – für den Militärbischof Mixa sicher eine Augenweide. Aber Prälat Bertram Meier kritisierte das am Infostand der AFI als ein Verhalten, das selbst im Spätmittelalter nicht geduldet worden wäre: Helm ab zum Gebet und Schwerter raus aus der Kirche. Aber heutzutage scheint das nicht mehr zu gelten.

Aus dem Newsletter des Kulturreferats:

Wer an der Friedenstafel am 8. August teilgenommen hat, wird die ganz besondere Stimmung gespürt haben, die aus dem ebenso festlichen wie gelassenen Zusammensein der Teilnehmer entstand, die unsere Stadtgesellschaft in ihrer Vielfalt, aber auch in ihrer Zusammengehörigkeit abgebildet haben. Die Organisatoren haben im Vorfeld viel Mühe darauf verwendet, Kontakt zu den unterschiedlichsten Akteuren aufzubauen, Vereinen, Verbänden, Schulen, Parteien, Religionsgemeinschaften und Initiativen aller Art, und sie zur Mitarbeit anzuregen. Mehr als hundert Gruppen haben sich Biertische abgeholt und nach ihren Vorstellungen vom Frieden gestaltet und an der Friedenstafel mit anderen ihr Essen geteilt.

die Künstler der schwarzen Tafeln und des blauen Flügels: Bratislav Rakic und Margot Marquardt (am vorderen Tisch)


   
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