EADS-Ausstellung im Rathaus: 90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg – ein Hohes Lied auf die Rüstungsproduktion und eine Verhöhung der Opfer

Proteste gegen die Ausstellung und die Rede des OB – Reaktionen von Menschen, Politikern, Medien…

 

Horst Thieme als Moderator bei der Verleihung der Kunstförderpreise im Goldenen Saal des Rathauses am 16.11.2006

Horst Thieme ließ es sich nicht nehmen lassen, bei der Moderation 
des Kunstförderpreises am 16. November darauf hinzuweisen, dass es schwer ist, 
derzeit ins Rathaus, in den Goldenen Saal zu gelangen: „durch eine 
Phalanx von martialischem Kriegsspielzeug und einer Baustelle im 
Treppenhaus“.

 

Offener Brief von Klaus Stampfer für die Augsburger Friedensinitiative (AFI)
an den OB, eingegangen 15.11.2006

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

vom 25. Oktober bis zum 20. November 2006 wird im Augsburger Rathaus die EADS-Ausstellung „90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg“ gezeigt. Diese Ausstellung stellt den Flugzeugbau in Augsburg und die beteiligten Firmen vor. Aus unserer Sicht wird dabei die Tatsache ausgeblendet, dass es sich hierbei zu einem Großteil um Waffensysteme handelt, die in Angriffskriegen eingesetzt und mit denen unzählige Menschen getötet wurden. In der Ausstellung wird die Firma Messerschmitt, der Inhaber Wilhelm Messerschmitt und weitere Personen gewürdigt, die das menschenverachtende Nazi-Regime aktiv unterstützt und die einen wesentlichen Beitrag zur Kriegsführung im 2. Weltkrieg geleistet haben. … weiter »» 

 

Die umstrittene Rede des Oberbürgermeisters Paul Wengert

Grußwort zum Jubiläum 90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg

25. Oktober 2006

…Und wieder war Augsburg mit vorne dabei und hatte einen nicht unerheblichen Anteil an der rasanten Entwicklung des Flugzeugbaus in den vergangenen 90 Jahren. Der gerade präsentierte Film hat uns dies eindrucksvoll und unterhaltsam vor Augen geführt.

So wurde am 24. Oktober 1916 auf dem späteren Werksgelände von Messerschmitt eine Zweigniederlassung der ersten deutschen Flugzeugfabrik gegründet: die Bayerische Rumpler-Werke GmbH, die das bayerische Fliegerkorps mit Maschinen versorgen sollte. Von 1917 bis 1919 wurden 350 Maschinen gebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand daraus die Bayerische Flugzeugwerke AG, 1938 wurde dann die Messerschmitt AG gegründet.

Fast auf den Tag genau feiern wir daher heute 90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg und dazu darf ich Sie herzlich im Goldenen Saal unseres Rathauses willkommen heißen.

An die bedeutenden Flugzeugbau-Pioniere erinnern heute zahlreiche Straßennamen im heutigen Universitätsviertel, das ja auf dem Areal des alten Flughafens entstanden ist: Rumpler, Messerschmitt und Bölkow – diese Namen stehen bis heute für Spitzentechnologie „Made in Augsburg“.

Und mit unserer seit über 40 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft mit Dayton spannen wir den Bogen über den Atlantik zu den ersten Motorfliegern der Welt, den Gebrüdern Wright, denen dort vor 103 Jahren der erste motorbetriebene Flug gelang.

In die Fußstapfen von Rumpler, Messerschmitt und Bölkow ist auch EADS Augsburg getreten, als größtes Einzelzulieferer-Werk in Deutschland für Airbus und Hersteller des Mittelteils des Eurofighters.

„Wenn Sie mit Airbus-Maschinen reisen“ erkläre ich unseren vielen Besuchern, „befinden Sie sich immer auf sicherem Augsburger Boden“, werden doch u.a. die Fußboden-Querträger hier gefertigt!

Im Interesse des Unternehmens und seiner gegenwärtig rund 2.500 Mitarbeiter, aber auch im Interesse des gesamten Standorts hoffen wir, dass dem Flugzeugbau in unserer Stadt auch in Zukunft unsanfte Landungen erspart bleiben, denn Management und Mitarbeiter geben in Augsburg ihr Bestes für den Erfolg unserer Luftfahrt-Industrie… zur Rede des OB

 

Aichacher Zeitung 14.11.2006

Gribl schließt sich an

Nachspiel der Kritik an Wengerts Grußwort zur EADS-Ausstellung

Kurt Gribl, parteiloser Oberbürgermeister-Kandidat der CSU, hat sich ein erstes Scharmützel mit dem politischen Gegner geliefert.

Das „Forum friedliches und solidarisches Augsburg“ hat vergangene Woche den amtierenden OB Paul Wengert (SPD) wegen dessen Grußwort zur EADS-Ausstellung im Rathaus angegriffen, weil Wengert nicht auf die einstige Zwangsarbeit in der Flugzeugindustrie eingegangen war. Gribl bekräftigte diese Kritik per Pressemitteilung.

Das Echo kam prompt: Der Bundestagsabgeordnete Heinz Paula (SPD) bezeichnet Gribls „nachgeplapperte Kritik“ als „Ausdruck großer Ahnungslosigkeit“: Die Erwähnung der Zwangsarbeiter sei Aufgabe des Hauptredners gewesen und bei dem handelte es sich um den CSU-Staatssekretär Hans Spitzner.

Zudem sei Gribl „verborgen geblieben, dass sich hinter dem ‚Forum solidarisches und friedliches Augsburg‘ unter anderem eine Reihe Altkommunisten, Ultralinke und PDS-ler verbergen.“

Wengert hat inzwischen persönlich auf die Vorwürfe reagiert: Er habe sich in der Sache „kein Versäumnis vorzuwerfen“, die Aufarbeitung der dunklen Geschichte sei Aufgabe der EADS gewesen.

Hier die Pressemitteilung der SPD im Orginal,
die wir leider nicht von der SPD bekamen, sondern von der Presse.
(zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

 

Kommentar

Warum hetzt Heinz Paula gegen das Forum?

In einer Pressemeldung, die das Büro Paula an uns nicht herausgibt (trotzt Bitte von uns und Zusage des Büroleiters), scheint MdB Heinz Paula kräftig gegen das Forum zu hetzen. Als Vorsitzender des Bündnisses für Menschenwürde steht ihm das nicht gut an. Auch die gute Zusammenarbeit mit dem Forum, z.B. anlässlich der Neofaschismus-Ausstellung, die sogar zu einer gemeinsamen Erklärung führte, ist Herrn Paula wohl nicht mehr viel wert – oder es war damals schon nicht ernst gemeint. Als SPD-Repräsentant fällt Paula zurück in den Kalten Krieg gegen alles was links ist. [i]

Heinz Paula macht sich auch für den Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ stark, will aber im Ernstfall die Erinnerungsarbeit auf EADS und die CSU bzw. die Staatsregierung abschieben – wo sie ja bekanntlich in besten Händen ist.

Übrigens, auch Herr Gribl, bzw. das Büro der CSU-Stadtratsfraktion, gibt (trotz Nachfrage und Bitte) die Presseerklärung des OB-Bewerbers Gribl nicht heraus.

Damit bringen die Herrschaften zum Ausdruck, dass sie die Forumsbeiträge und die Diskussion darum nur benutzen wollen für ganz andere politische Zwecke. Dieser Mißbrauch erfüllt uns ebenso mit Abscheu wie die Feigheit von CSU und SPD, ihre eigenen Presseerklärungen dem Forum zur Verfügung zu stellen. Wir müssen davon ausgehen, dass diese örtlichen Parteigliederungen von CSU und SPD nicht mal zu ihren eigenen Pressemeldungen stehen. Ihre Pressemitteilungen sind gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht, ihr Inhalt soll gar nicht nachgeprüft werden können. Diese Pressemitteilungen sind nur dazu gedacht, den bürgerlichen Medien gewisse Stichworte zu geben und das, was davon dann wirklich in der Öffentlichkeit landet, der bekannten Veranwortungslosigkeit dieser Medien zu überlassen.

Heraus kommt dann in den bürgerlichen Medien in der Regel eine Mischung aus Halbwahrheiten, nicht nachprüfbaren Aussagen etc. Die Medien haben was sie wollen – ein bißchen Sensation – und Gribl und Paula haben was sie wollen – sie sind wieder mal genannt. Wenn man sich gleichzeitig von Antifaschisten und Kriegsgegner absetzen kann – und hier liegt offensichtlich ein gemeinsames Interesse von bürgerlichen Politikern und bürgerlichen Medien vor – so ist doch wirklich alles paletti.

Das pikante an unserem Fallbeispiel ist allerdings, dass Paula Gribl rechts überholen will. Der CSU-OB-Bewerber hat sich nun mal auf die Kritik des Forums bezogen und diese unterstützt. Während der SPD-Vorsitzende die Kritik des Forums abtut und gegen das Forum hetzt. Für den Kommunalwahlkampf, um den es sich hier ja bereits handelt, sind das keine schönen Aussichten. Wenn der Parteivorsitzende der SPD es als seine Aufgabe betrachtet, den „ahnungslosen“ CSU-Bewerber vor dem Forum solidarisches und friedliches Augsburg zu warnen, in dem sich „unter anderem [Hervorhebung der Redaktion] eine Reihe Altkommunisten, Ultralinke und PDS-ler verbergen“ und antifaschistische und antimilitaristische Kritik abbügelt und mit Hetze gegen solche Kritiker kontert – so ahnt man, wohin die SPD in diesem Wahlkampf will. Es gab und gibt in der Augsburger SPD starke Tendenzen, mit der CSU gemeinsame Sache zu machen und linke Kritiker auszuschalten. Der SPD-Vorsitzende scheint nicht abgeneigt, sich auf eine solche Linie zu retten.

Gerechtigkeitshalber müssen wir sagen, dass auch die grüne Fraktion im Rathaus komplett abtaucht. Nicht nur, dass Claudia Roth sich zu einem Falken entwickelt, der sogar noch den Verteidigungsminister rechts überholt. Grünen-Stadtrat Reiner Erben, der sich ganz maßgeblich an der Kampagne für die Erhaltung der Halle 116 im Sheridan-Kasernengelände als KZ-Gedenkstätte stark macht, kann es anscheinend mit sich vereinbaren, widerstands- und widerspruchslos durch die EADS-Ausstellung im unteren Rathausflez zu gehen jedes Mal wenn er sich zu den Stadtratsgremien oder in sein Fraktionsbüro begibt. Wo doch die Intention der Ausstellung im Rathaus der Intention der Initiative „Denkort Halle 116“ mit Erinnerung an das ehemalige KZ-Außenlager Pfersee und an den unmenschlichen Einsatz der Häftlinge in den Messerschmitt-Werken vollständig ins Gesicht schlägt. Es verwundert uns nicht, dass Reiner Erben – so weit uns bekannt – als Mitarbeiter von Frau Roth geführt wird. So kuschen sie alle, Paula vor EADS und Erben vor Roth.

Auch OB Paul Wengert nimmt zwar gegenüber allen möglichen Medien Stellung zu seiner Rede, nicht aber gegenüber dem Forum, das ihn ja direkt angesprochen hat, und auf dessen Recherchen und Berichterstattung ja die Medien und die Politiker aufsetzen. Das ist kein guter Stil. Noch schlechterer Stil ist es, auf offene Briefe an den OB einfach nicht zu antworten. Dadurch kommt eine Geringschätzung seiner Kritiker zum Ausdruck, die für den OB, der ja wiedergewählt werden will, nicht sehr vorteilhaft ist. Denn viele dieser Kritiker – wahrscheinlich alle, die im Stadtgebiet wohnen – dürften ihn in der letzten Stichwahl gewählt haben. Dies wird 2008 wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein.



[i]  s. unseren Bericht zur der Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ im Thalia http://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Antifa/051110_neofaschismus-ausst/index.htm und hier insbesondere den Text des Flyers. Dieser Text kann als gemeinsame Erklärung der Aktionseinheit betrachtet werden und wurde vom Forum entworfen und schlussredaktionell mit Heinz Paula und dem VVN-Sprecher bis auf jede einzelne Formulierung abgestimmt: http://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Antifa/051110_neofaschismus-ausst/flyer.pdf

Herr Paula gibt also aktuell zu verstehen, dass er das, was er damals als gemeinsam erarbeitete Position von VVN Kreisverband Augsburg, IG Metall Augsburg, DGB Region Augsburg, Forum solidarisches und friedliches Augsburg und Bündnis für Menschenwürde Augsburg und Schwaben e.V. mittrug, (heute) als SPD-Vorsitzender nicht mehr mittragen will. Wir nennen das sozialdemokratische Verlässlichkeit.

zur Vollansicht bitte auf die Grafiken klicken

Lyrik von i.kaya, eingegangen 14.11.2006

 

Augsburger Allgemeine 13.11.2006

Wengert wehrt sich im Streit um Grußwort

Paula attackiert Gribl: „Nur Nachplapperei“

Der Streit um das Grußwort von OB Paul Wengert beim Festakt der EADS im Rathaus geht weiter. Erstmals äußert sich der OB nach seinem Urlaub gegenüber der AZ zu der Kritik. Und: SPD-Parteichef Heinz Paula greift den designierten CSU-OB-Kandidaten Kurt Gribl an – für dessen „nachgeplapperte Kritik“.

Weil OB Paul Wengert in seinem Grußwort bei der Jubiläumsfeier der EADS im Rathaus (90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg) das Thema Zwangsarbeiter der Vorgängerfirma Messerschmitt nicht angesprochen hat, wurde er vom Forum solidarisches und friedliches Augsburg massiv kritisiert (AZ berichtete). Erstmals äußerte sich Wengert, der zwischenzeitlich im Urlaub war, zu den Angriffen. Er habe sich „kein Versäumnis“ vorzuwerfen, betont er auf Anfrage. Von Salomon Idler bis hin zum Airbus A 380 habe er einen großen Bogen gezogen. Außerdem sei es nur ein Grußwort gewesen. Die historische Aufarbeitung sei Sache des Unternehmens. Er habe die Bedeutung der EADS für Augsburg aufgezeigt.

„Falsche Adresse“

Nachdem zwischenzeitlich auch Gribl den OB wegen seiner Nicht-Thematisierung kritisierte, schrieb SPD-Parteichef Paula eine Pressemitteilung. Darin wirft er Gribl „große Ahnungslosigkeit“ vor. Er plappere die Kritik des Forums nur nach. Bis heute habe Gribl zu Augsburgs Zukunftsprojekten überhaupt keine inhaltliche Stellung bezogen, so Paula. Er kritisiere aber am OB herum. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema wäre Aufgabe des Festredners gewesen. Doch Staatssekretär Hans Spitzner (CSU) sei mit keinem Wort darauf eingegangen. „Wenn Gribl kritisiert, dann bitte an die richtige Adresse“, so Paula.

zur Vollansicht bitte auf die Grafiken klicken

Aichacher Zeitung, 11.11.2006

 

Augsburger Allgemeine, 11.11.2006

  Augsburger Allgemeine 10.11.2006 Reaktionen und Proteste gegen die EADS-Ausstellung im Rathaus und die Rede des OB
 
 

EADS-Ausstellung im Rathaus: 90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg – ein Hohes Lied auf die Rüstungsproduktion und eine Verhöhung der Opfer

Proteste gegen die Ausstellung und die Rede des OB – Reaktionen von Menschen, Politikern, Medien…

 

Horst Thieme als Moderator bei der Verleihung der Kunstförderpreise im Goldenen Saal des Rathauses am 16.11.2006

Horst Thieme ließ es sich nicht nehmen lassen, bei der Moderation 
des Kunstförderpreises am 16. November darauf hinzuweisen, dass es schwer ist, 
derzeit ins Rathaus, in den Goldenen Saal zu gelangen: „durch eine 
Phalanx von martialischem Kriegsspielzeug und einer Baustelle im 
Treppenhaus“.

 

Offener Brief von Klaus Stampfer für die Augsburger Friedensinitiative (AFI)
an den OB, eingegangen 15.11.2006

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

vom 25. Oktober bis zum 20. November 2006 wird im Augsburger Rathaus die EADS-Ausstellung „90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg“ gezeigt. Diese Ausstellung stellt den Flugzeugbau in Augsburg und die beteiligten Firmen vor. Aus unserer Sicht wird dabei die Tatsache ausgeblendet, dass es sich hierbei zu einem Großteil um Waffensysteme handelt, die in Angriffskriegen eingesetzt und mit denen unzählige Menschen getötet wurden. In der Ausstellung wird die Firma Messerschmitt, der Inhaber Wilhelm Messerschmitt und weitere Personen gewürdigt, die das menschenverachtende Nazi-Regime aktiv unterstützt und die einen wesentlichen Beitrag zur Kriegsführung im 2. Weltkrieg geleistet haben. … weiter »» 

 

Die umstrittene Rede des Oberbürgermeisters Paul Wengert

Grußwort zum Jubiläum 90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg

25. Oktober 2006

…Und wieder war Augsburg mit vorne dabei und hatte einen nicht unerheblichen Anteil an der rasanten Entwicklung des Flugzeugbaus in den vergangenen 90 Jahren. Der gerade präsentierte Film hat uns dies eindrucksvoll und unterhaltsam vor Augen geführt.

So wurde am 24. Oktober 1916 auf dem späteren Werksgelände von Messerschmitt eine Zweigniederlassung der ersten deutschen Flugzeugfabrik gegründet: die Bayerische Rumpler-Werke GmbH, die das bayerische Fliegerkorps mit Maschinen versorgen sollte. Von 1917 bis 1919 wurden 350 Maschinen gebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand daraus die Bayerische Flugzeugwerke AG, 1938 wurde dann die Messerschmitt AG gegründet.

Fast auf den Tag genau feiern wir daher heute 90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg und dazu darf ich Sie herzlich im Goldenen Saal unseres Rathauses willkommen heißen.

An die bedeutenden Flugzeugbau-Pioniere erinnern heute zahlreiche Straßennamen im heutigen Universitätsviertel, das ja auf dem Areal des alten Flughafens entstanden ist: Rumpler, Messerschmitt und Bölkow – diese Namen stehen bis heute für Spitzentechnologie „Made in Augsburg“.

Und mit unserer seit über 40 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft mit Dayton spannen wir den Bogen über den Atlantik zu den ersten Motorfliegern der Welt, den Gebrüdern Wright, denen dort vor 103 Jahren der erste motorbetriebene Flug gelang.

In die Fußstapfen von Rumpler, Messerschmitt und Bölkow ist auch EADS Augsburg getreten, als größtes Einzelzulieferer-Werk in Deutschland für Airbus und Hersteller des Mittelteils des Eurofighters.

„Wenn Sie mit Airbus-Maschinen reisen“ erkläre ich unseren vielen Besuchern, „befinden Sie sich immer auf sicherem Augsburger Boden“, werden doch u.a. die Fußboden-Querträger hier gefertigt!

Im Interesse des Unternehmens und seiner gegenwärtig rund 2.500 Mitarbeiter, aber auch im Interesse des gesamten Standorts hoffen wir, dass dem Flugzeugbau in unserer Stadt auch in Zukunft unsanfte Landungen erspart bleiben, denn Management und Mitarbeiter geben in Augsburg ihr Bestes für den Erfolg unserer Luftfahrt-Industrie… zur Rede des OB

 

Aichacher Zeitung 14.11.2006

Gribl schließt sich an

Nachspiel der Kritik an Wengerts Grußwort zur EADS-Ausstellung

Kurt Gribl, parteiloser Oberbürgermeister-Kandidat der CSU, hat sich ein erstes Scharmützel mit dem politischen Gegner geliefert.

Das „Forum friedliches und solidarisches Augsburg“ hat vergangene Woche den amtierenden OB Paul Wengert (SPD) wegen dessen Grußwort zur EADS-Ausstellung im Rathaus angegriffen, weil Wengert nicht auf die einstige Zwangsarbeit in der Flugzeugindustrie eingegangen war. Gribl bekräftigte diese Kritik per Pressemitteilung.

Das Echo kam prompt: Der Bundestagsabgeordnete Heinz Paula (SPD) bezeichnet Gribls „nachgeplapperte Kritik“ als „Ausdruck großer Ahnungslosigkeit“: Die Erwähnung der Zwangsarbeiter sei Aufgabe des Hauptredners gewesen und bei dem handelte es sich um den CSU-Staatssekretär Hans Spitzner.

Zudem sei Gribl „verborgen geblieben, dass sich hinter dem ‚Forum solidarisches und friedliches Augsburg‘ unter anderem eine Reihe Altkommunisten, Ultralinke und PDS-ler verbergen.“

Wengert hat inzwischen persönlich auf die Vorwürfe reagiert: Er habe sich in der Sache „kein Versäumnis vorzuwerfen“, die Aufarbeitung der dunklen Geschichte sei Aufgabe der EADS gewesen.

Hier die Pressemitteilung der SPD im Orginal,
die wir leider nicht von der SPD bekamen, sondern von der Presse.
(zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

 

Kommentar

Warum hetzt Heinz Paula gegen das Forum?

In einer Pressemeldung, die das Büro Paula an uns nicht herausgibt (trotzt Bitte von uns und Zusage des Büroleiters), scheint MdB Heinz Paula kräftig gegen das Forum zu hetzen. Als Vorsitzender des Bündnisses für Menschenwürde steht ihm das nicht gut an. Auch die gute Zusammenarbeit mit dem Forum, z.B. anlässlich der Neofaschismus-Ausstellung, die sogar zu einer gemeinsamen Erklärung führte, ist Herrn Paula wohl nicht mehr viel wert – oder es war damals schon nicht ernst gemeint. Als SPD-Repräsentant fällt Paula zurück in den Kalten Krieg gegen alles was links ist. [i]

Heinz Paula macht sich auch für den Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ stark, will aber im Ernstfall die Erinnerungsarbeit auf EADS und die CSU bzw. die Staatsregierung abschieben – wo sie ja bekanntlich in besten Händen ist.

Übrigens, auch Herr Gribl, bzw. das Büro der CSU-Stadtratsfraktion, gibt (trotz Nachfrage und Bitte) die Presseerklärung des OB-Bewerbers Gribl nicht heraus.

Damit bringen die Herrschaften zum Ausdruck, dass sie die Forumsbeiträge und die Diskussion darum nur benutzen wollen für ganz andere politische Zwecke. Dieser Mißbrauch erfüllt uns ebenso mit Abscheu wie die Feigheit von CSU und SPD, ihre eigenen Presseerklärungen dem Forum zur Verfügung zu stellen. Wir müssen davon ausgehen, dass diese örtlichen Parteigliederungen von CSU und SPD nicht mal zu ihren eigenen Pressemeldungen stehen. Ihre Pressemitteilungen sind gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht, ihr Inhalt soll gar nicht nachgeprüft werden können. Diese Pressemitteilungen sind nur dazu gedacht, den bürgerlichen Medien gewisse Stichworte zu geben und das, was davon dann wirklich in der Öffentlichkeit landet, der bekannten Veranwortungslosigkeit dieser Medien zu überlassen.

Heraus kommt dann in den bürgerlichen Medien in der Regel eine Mischung aus Halbwahrheiten, nicht nachprüfbaren Aussagen etc. Die Medien haben was sie wollen – ein bißchen Sensation – und Gribl und Paula haben was sie wollen – sie sind wieder mal genannt. Wenn man sich gleichzeitig von Antifaschisten und Kriegsgegner absetzen kann – und hier liegt offensichtlich ein gemeinsames Interesse von bürgerlichen Politikern und bürgerlichen Medien vor – so ist doch wirklich alles paletti.

Das pikante an unserem Fallbeispiel ist allerdings, dass Paula Gribl rechts überholen will. Der CSU-OB-Bewerber hat sich nun mal auf die Kritik des Forums bezogen und diese unterstützt. Während der SPD-Vorsitzende die Kritik des Forums abtut und gegen das Forum hetzt. Für den Kommunalwahlkampf, um den es sich hier ja bereits handelt, sind das keine schönen Aussichten. Wenn der Parteivorsitzende der SPD es als seine Aufgabe betrachtet, den „ahnungslosen“ CSU-Bewerber vor dem Forum solidarisches und friedliches Augsburg zu warnen, in dem sich „unter anderem [Hervorhebung der Redaktion] eine Reihe Altkommunisten, Ultralinke und PDS-ler verbergen“ und antifaschistische und antimilitaristische Kritik abbügelt und mit Hetze gegen solche Kritiker kontert – so ahnt man, wohin die SPD in diesem Wahlkampf will. Es gab und gibt in der Augsburger SPD starke Tendenzen, mit der CSU gemeinsame Sache zu machen und linke Kritiker auszuschalten. Der SPD-Vorsitzende scheint nicht abgeneigt, sich auf eine solche Linie zu retten.

Gerechtigkeitshalber müssen wir sagen, dass auch die grüne Fraktion im Rathaus komplett abtaucht. Nicht nur, dass Claudia Roth sich zu einem Falken entwickelt, der sogar noch den Verteidigungsminister rechts überholt. Grünen-Stadtrat Reiner Erben, der sich ganz maßgeblich an der Kampagne für die Erhaltung der Halle 116 im Sheridan-Kasernengelände als KZ-Gedenkstätte stark macht, kann es anscheinend mit sich vereinbaren, widerstands- und widerspruchslos durch die EADS-Ausstellung im unteren Rathausflez zu gehen jedes Mal wenn er sich zu den Stadtratsgremien oder in sein Fraktionsbüro begibt. Wo doch die Intention der Ausstellung im Rathaus der Intention der Initiative „Denkort Halle 116“ mit Erinnerung an das ehemalige KZ-Außenlager Pfersee und an den unmenschlichen Einsatz der Häftlinge in den Messerschmitt-Werken vollständig ins Gesicht schlägt. Es verwundert uns nicht, dass Reiner Erben – so weit uns bekannt – als Mitarbeiter von Frau Roth geführt wird. So kuschen sie alle, Paula vor EADS und Erben vor Roth.

Auch OB Paul Wengert nimmt zwar gegenüber allen möglichen Medien Stellung zu seiner Rede, nicht aber gegenüber dem Forum, das ihn ja direkt angesprochen hat, und auf dessen Recherchen und Berichterstattung ja die Medien und die Politiker aufsetzen. Das ist kein guter Stil. Noch schlechterer Stil ist es, auf offene Briefe an den OB einfach nicht zu antworten. Dadurch kommt eine Geringschätzung seiner Kritiker zum Ausdruck, die für den OB, der ja wiedergewählt werden will, nicht sehr vorteilhaft ist. Denn viele dieser Kritiker – wahrscheinlich alle, die im Stadtgebiet wohnen – dürften ihn in der letzten Stichwahl gewählt haben. Dies wird 2008 wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein.



[i]  s. unseren Bericht zur der Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ im Thalia http://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Antifa/051110_neofaschismus-ausst/index.htm und hier insbesondere den Text des Flyers. Dieser Text kann als gemeinsame Erklärung der Aktionseinheit betrachtet werden und wurde vom Forum entworfen und schlussredaktionell mit Heinz Paula und dem VVN-Sprecher bis auf jede einzelne Formulierung abgestimmt: http://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Antifa/051110_neofaschismus-ausst/flyer.pdf

Herr Paula gibt also aktuell zu verstehen, dass er das, was er damals als gemeinsam erarbeitete Position von VVN Kreisverband Augsburg, IG Metall Augsburg, DGB Region Augsburg, Forum solidarisches und friedliches Augsburg und Bündnis für Menschenwürde Augsburg und Schwaben e.V. mittrug, (heute) als SPD-Vorsitzender nicht mehr mittragen will. Wir nennen das sozialdemokratische Verlässlichkeit.

zur Vollansicht bitte auf die Grafiken klicken

Lyrik von i.kaya, eingegangen 14.11.2006

 

Augsburger Allgemeine 13.11.2006

Wengert wehrt sich im Streit um Grußwort

Paula attackiert Gribl: „Nur Nachplapperei“

Der Streit um das Grußwort von OB Paul Wengert beim Festakt der EADS im Rathaus geht weiter. Erstmals äußert sich der OB nach seinem Urlaub gegenüber der AZ zu der Kritik. Und: SPD-Parteichef Heinz Paula greift den designierten CSU-OB-Kandidaten Kurt Gribl an – für dessen „nachgeplapperte Kritik“.

Weil OB Paul Wengert in seinem Grußwort bei der Jubiläumsfeier der EADS im Rathaus (90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg) das Thema Zwangsarbeiter der Vorgängerfirma Messerschmitt nicht angesprochen hat, wurde er vom Forum solidarisches und friedliches Augsburg massiv kritisiert (AZ berichtete). Erstmals äußerte sich Wengert, der zwischenzeitlich im Urlaub war, zu den Angriffen. Er habe sich „kein Versäumnis“ vorzuwerfen, betont er auf Anfrage. Von Salomon Idler bis hin zum Airbus A 380 habe er einen großen Bogen gezogen. Außerdem sei es nur ein Grußwort gewesen. Die historische Aufarbeitung sei Sache des Unternehmens. Er habe die Bedeutung der EADS für Augsburg aufgezeigt.

„Falsche Adresse“

Nachdem zwischenzeitlich auch Gribl den OB wegen seiner Nicht-Thematisierung kritisierte, schrieb SPD-Parteichef Paula eine Pressemitteilung. Darin wirft er Gribl „große Ahnungslosigkeit“ vor. Er plappere die Kritik des Forums nur nach. Bis heute habe Gribl zu Augsburgs Zukunftsprojekten überhaupt keine inhaltliche Stellung bezogen, so Paula. Er kritisiere aber am OB herum. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema wäre Aufgabe des Festredners gewesen. Doch Staatssekretär Hans Spitzner (CSU) sei mit keinem Wort darauf eingegangen. „Wenn Gribl kritisiert, dann bitte an die richtige Adresse“, so Paula.

zur Vollansicht bitte auf die Grafiken klicken

Aichacher Zeitung, 11.11.2006

 

Augsburger Allgemeine, 11.11.2006

  Augsburger Allgemeine 10.11.2006

EADS-Feier: War OB Wengert bei seiner Rede zu kritiklos?

Thema Zwangsarbeiter wurde nicht angesprochen – Unternehmen weist Vorwürfe von „Forum solidarisches Leben“ zurück

Mit großem Aufwand, einem Empfang im Goldenen Saal und einer Ausstellung feierte der Flugzeughersteller EADS 90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg. Auch OB Paul Wengert hielt ein Grußwort. Dafür muss er nun Kritik einstecken. Das „Forum solidarisches und friedliches Augsburg“ wirft Wengert vor, eine „schamlose, geschichtsvergessene“ Rede gehalten zu haben.

Statt auf die Zwangsarbeiter-Problematik der Vorgänger-Firma Messerschmitt hinzuweisen, habe Wengert sich nur lobend geäußert. Forumssprecher Gerald Fiebig fordert den OB nun auf, sich von seiner Rede zu distanzieren. Diese Kritik am OB weist Stadtdirektor Heinz Münzenrieder klar zurück. Wengert habe nur ein „Grußwort“ gehalten. Das historische Aufarbeiten sei Aufgabe des Unternehmens. Versäumnisse mit der geschichtlichen Aufarbeitung will sich auch

EADS-Sprecher Theodor Benien nicht vorwerfen lassen. Das Thema „Zwangsarbeiter“ sei zwar in der Rede nicht erwähnt worden, dafür aber in der Ausstellung. „Dort geben wir einen Überblick über die Entwicklung der Luftfahrt und haben dort bewusst die Problematik der Zwangsarbeiter nicht ausgeklammert, sondern ausdrücklich darauf hingewiesen.“ Unter dem Übertitel „Kriegszeit“ wird allerdings nur generell auf den Einsatz von zwei Millionen Zwangsarbeitern in deutschen Unternehmen hingewiesen, ohne auf Messerschmitt detailliert einzugehen. Ohne die Ausstellung genau gesehen zu haben, will sich der Vorsitzende der Geschichtswerkstatt, Gerhard Fürmetz, nicht zu dem Fall äußern. Er meint aber, dass sich Firmen durch einen offenen Umgang mit dem Thema nur profilieren können. Und viele Firmen setzten dies auch um. „An Kenntnissen über die Zwangsarbeit in Augsburg mangelt es nicht.“

 

Blog von Horst Thieme, 8.11.2006

 

Offener Brief an Oberbürgermeister Paul Wengert, von Gerald Fiebig, Träger des Kunstförderpreises der Stadt Augsburg, 7.11.2006

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Wengert,

aus gegebenem Anlass muss ich meinem tiefen Abscheu und meiner maßlosen Enttäuschung über Ihr politisches Verhalten Ausdruck verleihen, das ich bisher in vielen, insbesondere kulturpolitischen Belangen - ich denke etwa an das Konzept der "Friedensstadt" - für unterstützenswert hielt.

Noch bis 20. November 2006 bietet die Stadt Augsburg der Firma EADS, vormals Messerschmitt, mit der Ausstellung "90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg" im Rathaus Gelegenheit zur Selbstdarstellung.
Allein schon die Tatsache, dass die Stadt einem privaten Wirtschaftsunternehmen das Rathaus - den Beratungsort für die Vertreter der Bürger, des Souveräns! - für eine so offenkundig von wirtschaftlichen Partikularinteressen geleitete Selbstdarstellung zur Verfügung stellt, zeigt überdeutlich, dass Ihnen an eigenständigen Gestaltungsmöglichkeiten der Politik gegenüber der Wirtschaft rein gar nichts gelegen ist. Schon allein dadurch komme ich mir als Bürger im wahrsten Wortsinn verraten und verkauft vor. Mit meinem Verständnis von Volkssouveränität und Demokratie lässt sich diese Praxis nicht zur Deckung bringen.

Vollends verheerend wird die Situation jedoch durch die Rede, die Sie am 25. Oktober 2006 anlässlich der Eröffnung der Ausstellung hielten. … weiter »»

Dem offenen Brief von Gerald Fiebig schließen sich an:

Tina Bühner
Dr. Till Kuhnle
Bernd Spring
Michael Herbst
Alexander Gsell
Horst Thieme


   
nach oben