Anlässlich des bevorstehenden „Volkstrauertages“

Forderung nach Unterstützung der Mahnwache am ehemaligen Gestapogefängnis durch die Stadt

Stadt sieht sich gezwungen, die Nazis von der offiziellen Gedenkfeier auszuschliessen

Protest gegen Ausgrenzung und Verleumdung der Antifaschisten in der Stadt durch Polizei, Ordnungsreferent und Medien

 

Bündnis „Gegen das Vergessen“
15.11.06, Augsburg

Presseerklärung zum Volkstrauertag

Das Bündnis „Gegen das Vergessen“ hat für den 19. November 2006, dem Volkstrauertag, eine Mahnwache zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus angmeldet. Diese sollte von 10:00 bis 11:15 Uhr vor dem ehemaligen Gestapogefängnis am heutigen Bürgeramt an der Blauen Kappe stattfinden. Am Volkstrauertag findet jedes Jahr eine offizielle Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ statt. Diese wird von der Stadt Augsburg und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltet und in den letzten Jahren zunehmend von Alt- und Neonazis besucht. Dass letztere Gefallen an der Veranstaltung finden, ist keineswegs Zufall, sondern inhaltlich begründet. Durch den undifferenzierten Opferbegriff, der die gefallenen Wehrmachtssoldaten, die Vertriebenen, die Toten der Allierten Bombenangriffe, die Mauertoten und die in den Konzentrationslagern Ermordeten auf eine Ebene stellt, findet eine nicht hinnehmbare Verdrehung der Kategorien „Opfer/ Täter“ statt, die es den Nazis erst ermöglicht an dieser Veranstaltung teilzunehmen. … weiter »» 

 

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Gereizte Stimmung

Nach zwei Fällen rechter Gewalt trifft die Stadt Vorsorge für den Volkstrauertag

Ausgerechnet kurz vor dem Volkstrauertag am kommenden Sonntag haben sich in Augsburg gewalttätige Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen in einem unge­wöhnlichen Maße gehäuft. Der Ordnungsreferent und 2. Bürger­meister Klaus Kirchner (SPD) lässt nun erstmals die Kranzniederlegung am Katzenstadl ab­sperren. Er will Zusammenstöße verhindern - und sich diesmal die Peinlichkeit ersparen, Seite an Seite mit bekannten Neona­zis zu gedenken.

Mittwoch, 1. November: Am Westfriedhof gedenken 60 Mit­glieder der Augsburger Vereini­gung der Verfolgten des Nazire­gimes Bund der Antifaschis­ten (VVN/BdA) den Opfern des Nationalsozialismus, als zehn teils vermummte Personen auf­tauchen und die Teilnehmer fotografieren. Es kommt zu Rangeleien, die Störer laut Polizei „dem rechten Spektrum zuzuordnen“ flüchten und werden bald von 17 Streifenwagen und einem Polizeihubschrauber verfolgt. Sieben werden festge­nommen und angezeigt (wir berichteten). In einem Artikel der lokalen Tagespresse lief der Vorfall unter „Zusammenstöße zwischen linken und rechten Aktivisten“, wogegen der [so im Orginal, Red.] VVN/ BdA protestierte.

Samstag, 5. November: In Oberhausen versammeln sich auf Einladung der NPD in einer Gaststätte 60 teils von weit an­gereiste Gäste aus der rechten Szene, um einen Vortrag des einschlägig bekannten Fried­helm Busse (77) zu hören.

Tags darauf: Die Polizei meldet, dass sie am Vorabend eine Aus­einandersetzung mit 13 teils betrunkenen Schlägern am Oberhausener Bahnhof hatte ..., verschweigt aber zunächst, dass es sich um Neonazis handelte, welche die Heimreise vom Busse-Vortrag antreten wollten. Sie hatten am Bahnhof gemeinsam einen ein­zelnen Mann verprügelt. Erst nachdem die Polizisten körper­liche Gewalt und Pfefferspray eingesetzt hatten, konnten sie die Personalien aufnehmen...

DerWN/BdA hatte für Sonntag eine Demonstration am Rande der Kranzniederlegung angemeldet. Nun richtet sich sein Unmut gegen Kirchner, der diese Kundgebung an einen anderen Ort verlegt hat.

Aber auch nach rechts will Kirchner sich absichern: Erstmalig hat er angeordnet, dass die Kranzniederlegung am Mahnmal an der Blauen Kappe durch ein Absperrband gesi­chert wird. Zugelassen sind nur Kränze der Stadt, der Regierung von Schwaben, der Rathaus­fraktionen und der Kriegsgräberfürsorge. Der Ordnungsreferent will sich eine Neuauflage der Pein­lichkeiten vom Vorjahr erspa­ren. Roland Wuttke (NPD) aus Mering, der bekannteste rechte Aktivist der Region, und Vertre­ter der DVU hatten 2005 ihren Kranz säuberlich neben den übrigen platziert und standen beim Gedenken in einer Reihe mit den etablierten Augsburger Politikern Häme und Kritik folgten auf dem Fuß...

Aichacher Zeitung 14.11.2006 (Auszüge)
Aussperrung der Nazis am Volkstrauertag – eigenene Mahnwache der Antifaschisten gegen das Vergessen
 
 

Anlässlich des bevorstehenden „Volkstrauertages“

Forderung nach Unterstützung der Mahnwache am ehemaligen Gestapogefängnis durch die Stadt

Stadt sieht sich gezwungen, die Nazis von der offiziellen Gedenkfeier auszuschliessen

Protest gegen Ausgrenzung und Verleumdung der Antifaschisten in der Stadt durch Polizei, Ordnungsreferent und Medien

 

Bündnis „Gegen das Vergessen“
15.11.06, Augsburg

Presseerklärung zum Volkstrauertag

Das Bündnis „Gegen das Vergessen“ hat für den 19. November 2006, dem Volkstrauertag, eine Mahnwache zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus angmeldet. Diese sollte von 10:00 bis 11:15 Uhr vor dem ehemaligen Gestapogefängnis am heutigen Bürgeramt an der Blauen Kappe stattfinden. Am Volkstrauertag findet jedes Jahr eine offizielle Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ statt. Diese wird von der Stadt Augsburg und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltet und in den letzten Jahren zunehmend von Alt- und Neonazis besucht. Dass letztere Gefallen an der Veranstaltung finden, ist keineswegs Zufall, sondern inhaltlich begründet. Durch den undifferenzierten Opferbegriff, der die gefallenen Wehrmachtssoldaten, die Vertriebenen, die Toten der Allierten Bombenangriffe, die Mauertoten und die in den Konzentrationslagern Ermordeten auf eine Ebene stellt, findet eine nicht hinnehmbare Verdrehung der Kategorien „Opfer/ Täter“ statt, die es den Nazis erst ermöglicht an dieser Veranstaltung teilzunehmen. … weiter »» 

 

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Gereizte Stimmung

Nach zwei Fällen rechter Gewalt trifft die Stadt Vorsorge für den Volkstrauertag

Ausgerechnet kurz vor dem Volkstrauertag am kommenden Sonntag haben sich in Augsburg gewalttätige Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen in einem unge­wöhnlichen Maße gehäuft. Der Ordnungsreferent und 2. Bürger­meister Klaus Kirchner (SPD) lässt nun erstmals die Kranzniederlegung am Katzenstadl ab­sperren. Er will Zusammenstöße verhindern - und sich diesmal die Peinlichkeit ersparen, Seite an Seite mit bekannten Neona­zis zu gedenken.

Mittwoch, 1. November: Am Westfriedhof gedenken 60 Mit­glieder der Augsburger Vereini­gung der Verfolgten des Nazire­gimes Bund der Antifaschis­ten (VVN/BdA) den Opfern des Nationalsozialismus, als zehn teils vermummte Personen auf­tauchen und die Teilnehmer fotografieren. Es kommt zu Rangeleien, die Störer laut Polizei „dem rechten Spektrum zuzuordnen“ flüchten und werden bald von 17 Streifenwagen und einem Polizeihubschrauber verfolgt. Sieben werden festge­nommen und angezeigt (wir berichteten). In einem Artikel der lokalen Tagespresse lief der Vorfall unter „Zusammenstöße zwischen linken und rechten Aktivisten“, wogegen der [so im Orginal, Red.] VVN/ BdA protestierte.

Samstag, 5. November: In Oberhausen versammeln sich auf Einladung der NPD in einer Gaststätte 60 teils von weit an­gereiste Gäste aus der rechten Szene, um einen Vortrag des einschlägig bekannten Fried­helm Busse (77) zu hören.

Tags darauf: Die Polizei meldet, dass sie am Vorabend eine Aus­einandersetzung mit 13 teils betrunkenen Schlägern am Oberhausener Bahnhof hatte ..., verschweigt aber zunächst, dass es sich um Neonazis handelte, welche die Heimreise vom Busse-Vortrag antreten wollten. Sie hatten am Bahnhof gemeinsam einen ein­zelnen Mann verprügelt. Erst nachdem die Polizisten körper­liche Gewalt und Pfefferspray eingesetzt hatten, konnten sie die Personalien aufnehmen...

DerWN/BdA hatte für Sonntag eine Demonstration am Rande der Kranzniederlegung angemeldet. Nun richtet sich sein Unmut gegen Kirchner, der diese Kundgebung an einen anderen Ort verlegt hat.

Aber auch nach rechts will Kirchner sich absichern: Erstmalig hat er angeordnet, dass die Kranzniederlegung am Mahnmal an der Blauen Kappe durch ein Absperrband gesi­chert wird. Zugelassen sind nur Kränze der Stadt, der Regierung von Schwaben, der Rathaus­fraktionen und der Kriegsgräberfürsorge. Der Ordnungsreferent will sich eine Neuauflage der Pein­lichkeiten vom Vorjahr erspa­ren. Roland Wuttke (NPD) aus Mering, der bekannteste rechte Aktivist der Region, und Vertre­ter der DVU hatten 2005 ihren Kranz säuberlich neben den übrigen platziert und standen beim Gedenken in einer Reihe mit den etablierten Augsburger Politikern Häme und Kritik folgten auf dem Fuß...

Aichacher Zeitung 14.11.2006 (Auszüge)

Gedenktag: Stadt sperrt Extreme aus

Linke Demo verlegt, rechte Aktivisten unerwünscht

Nach den Zusammenstößen von linken und rechten Aktivisten vor zehn Tagen am West­friedhof hat die Stadt Augsburg erste Kon­sequenzen gezogen. Bei der zentralen Ver­anstaltung zum Volkstrauertag am 19. No­vember wird das Mahnmal an der Blauen Kappe abgesperrt. Eine nebenan geplante Demonstration von Linken will Bürgermeis­ter Klaus Kirchner verlegen lassen. Zugleich soll auch Angehörigen der rechten Szene der Zugang zum Mahnmal verwehrt werden.

Wir werden auf diesem abgesperrten Platz unser Hausrecht ausüben“, sagt Kirchner. Er legt damit eine Linie fest, die es so zum ersten Mal bei der Feier zum Volkstrauertag gibt. In den vergangenen Jahren war der Zugang zum Mahnmal an der Blauen Kappe für alle offen, wenn die Stadt dort ihre Gedenk­feier beging. Das hatte allerdings unerwünschte Folgen. Unter Po­litiker und Soldaten mischten sich auch rechte Aktivisten, um einen Kranz niederzulegen, 2002 sangen einige von ihnen demons-trativ die erste Strophe des Deutschlandlieds statt der dritten.

Linke Gruppen warfen der Stadt daraufhin vor, ge­meinsam mit rechten Extremisten zu feiern. Dieses Jahr soll es so etwas nicht mehr ge­ben. Eine an der Blauen Kappe geplante Ver­anstaltung linker Gruppierungen wurde dort untersagt. Sie soll an anderer Stelle stattfin­den. Ans Mahnmal selbst sollen nur geladene Gäste dürfen – und damit eben auch keine An­hänger rechter Gruppierungen. „Wir ziehen damit auch die Konsequenzen aus dem Vor­fall am Westfriedhof“, sagte Kirchner...

Unter „Kurz informiert“ weiß Redakteur Sascha Borowski noch, scheinbar absolut objektiv:

Augsburg ist nach Erkenntnissen des bayerischen Verfassungsschutzes keine Hochburg des Rechtsextremismus. Die Zahl der Anhänger der rechten Szene liege etwa im „unteren zweistelligen Bereich“. Allerdings stellen die Verfassungsschützer auch in Augsburg zunehmende Kontakte zwischen rechten Parteien, Skinheads und gewaltbereiten Neonazis fest.

Als linksextremistisch werden in Augsburg unter anderem die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (WN-BdA) und die linken Autonomen eingestuft. Auch für sie sei Augsburg allerdings kein Schwerpunkt.

Augsburger Allgemeine 9.11.2006

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Bundestag

19. November 2006, 16 Uhr

Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch in diesem Jahr wieder im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin. Die Feierstunde, die traditionell unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten steht, beginnt um 16 Uhr und wird vom ZDF direkt übertragen.

Die Gedenkrede hält Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Bundespräsident Professor Dr. Horst Köhler spricht das Totengedenken.

Arno Surminski liest aus seinem Roman „Vaterland ohne Väter“.

Die musikalische Gestaltung obliegt dem Windsbacher Knabenchor und der Streicherbesetzung des Musikkorps der Bundeswehr.

Die diesjährige Veranstaltung widmet sich den zahlreichen Vätern, die als Soldaten durch den Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren. Millionen von Kindern mussten ohne ihren Vater aufwachsen. Eine große Zahl von ihnen hatte nie Gelegenheit, den Vater kennen zu lernen. Viele Kinder verspüren deshalb eine große Leere in ihrem Leben, die oftmals noch durch Ungewissheit über den Verbleib des Vaters verstärkt wird.

 

zu unserem Bericht über den traurigen Verlauf des „Volkstrauertages“ in Augsburg im vergangenen Jahr:

„Volkstrauertag“: Stadt gedenkt “unserer gefallenen Helden” zusammen mit Faschisten?!  »»

 
siehe auch die Berichterstattung bei http://www.vvn-augsburg.de/  


   
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