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Gereizte Stimmung
Nach zwei Fällen rechter Gewalt trifft die Stadt Vorsorge für den Volkstrauertag
Ausgerechnet kurz vor dem Volkstrauertag am kommenden Sonntag haben sich in Augsburg gewalttätige Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen in einem ungewöhnlichen Maße gehäuft. Der Ordnungsreferent und 2. Bürgermeister Klaus Kirchner (SPD) lässt nun erstmals die Kranzniederlegung am Katzenstadl absperren. Er will Zusammenstöße verhindern - und sich diesmal die Peinlichkeit ersparen, Seite an Seite mit bekannten Neonazis zu gedenken.
Mittwoch, 1. November: Am Westfriedhof gedenken 60 Mitglieder der Augsburger Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) den Opfern des Nationalsozialismus, als zehn teils vermummte Personen auftauchen und die Teilnehmer fotografieren. Es kommt zu Rangeleien, die Störer – laut Polizei „dem rechten Spektrum zuzuordnen“ – flüchten und werden bald von 17 Streifenwagen und einem Polizeihubschrauber verfolgt. Sieben werden festgenommen und angezeigt (wir berichteten). In einem Artikel der lokalen Tagespresse lief der Vorfall unter „Zusammenstöße zwischen linken und rechten Aktivisten“, wogegen der [so im Orginal, Red.] VVN/ BdA protestierte.
Samstag, 5. November: In Oberhausen versammeln sich auf Einladung der NPD in einer Gaststätte 60 teils von weit angereiste Gäste aus der rechten Szene, um einen Vortrag des einschlägig bekannten Friedhelm Busse (77) zu hören.
Tags darauf: Die Polizei meldet, dass sie am Vorabend eine Auseinandersetzung mit 13 teils betrunkenen Schlägern am Oberhausener Bahnhof hatte ..., verschweigt aber zunächst, dass es sich um Neonazis handelte, welche die Heimreise vom Busse-Vortrag antreten wollten. Sie hatten am Bahnhof gemeinsam einen einzelnen Mann verprügelt. Erst nachdem die Polizisten körperliche Gewalt und Pfefferspray eingesetzt hatten, konnten sie die Personalien aufnehmen...
DerWN/BdA hatte für Sonntag eine Demonstration am Rande der Kranzniederlegung angemeldet. Nun richtet sich sein Unmut gegen Kirchner, der diese Kundgebung an einen anderen Ort verlegt hat.
Aber auch nach rechts will Kirchner sich absichern: Erstmalig hat er angeordnet, dass die Kranzniederlegung am Mahnmal an der Blauen Kappe durch ein Absperrband gesichert wird. Zugelassen sind nur Kränze der Stadt, der Regierung von Schwaben, der Rathausfraktionen und der Kriegsgräberfürsorge. Der Ordnungsreferent will sich eine Neuauflage der Peinlichkeiten vom Vorjahr ersparen. Roland Wuttke (NPD) aus Mering, der bekannteste rechte Aktivist der Region, und Vertreter der DVU hatten 2005 ihren Kranz säuberlich neben den übrigen platziert und standen beim Gedenken in einer Reihe mit den etablierten Augsburger Politikern – Häme und Kritik folgten auf dem Fuß... |
Aichacher Zeitung 14.11.2006 (Auszüge) |
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Gedenktag: Stadt sperrt Extreme aus
Linke Demo verlegt, rechte Aktivisten unerwünscht
Nach den Zusammenstößen von linken und rechten Aktivisten vor zehn Tagen am Westfriedhof hat die Stadt Augsburg erste Konsequenzen gezogen. Bei der zentralen Veranstaltung zum Volkstrauertag am 19. November wird das Mahnmal an der Blauen Kappe abgesperrt. Eine nebenan geplante Demonstration von Linken will Bürgermeister Klaus Kirchner verlegen lassen. Zugleich soll auch Angehörigen der rechten Szene der Zugang zum Mahnmal verwehrt werden.
„Wir werden auf diesem abgesperrten Platz unser Hausrecht ausüben“, sagt Kirchner. Er legt damit eine Linie fest, die es so zum ersten Mal bei der Feier zum Volkstrauertag gibt. In den vergangenen Jahren war der Zugang zum Mahnmal an der Blauen Kappe für alle offen, wenn die Stadt dort ihre Gedenkfeier beging. Das hatte allerdings unerwünschte Folgen. Unter Politiker und Soldaten mischten sich auch rechte Aktivisten, um einen Kranz niederzulegen, 2002 sangen einige von ihnen demons-trativ die erste Strophe des Deutschlandlieds statt der dritten.
Linke Gruppen warfen der Stadt daraufhin vor, gemeinsam mit rechten Extremisten zu feiern. Dieses Jahr soll es so etwas nicht mehr geben. Eine an der Blauen Kappe geplante Veranstaltung linker Gruppierungen wurde dort untersagt. Sie soll an anderer Stelle stattfinden. Ans Mahnmal selbst sollen nur geladene Gäste dürfen – und damit eben auch keine Anhänger rechter Gruppierungen. „Wir ziehen damit auch die Konsequenzen aus dem Vorfall am Westfriedhof“, sagte Kirchner...
Unter „Kurz informiert“ weiß Redakteur Sascha Borowski noch, scheinbar absolut objektiv:
• Augsburg ist nach Erkenntnissen des bayerischen Verfassungsschutzes keine Hochburg des Rechtsextremismus. Die Zahl der Anhänger der rechten Szene liege etwa im „unteren zweistelligen Bereich“. Allerdings stellen die Verfassungsschützer auch in Augsburg zunehmende Kontakte zwischen rechten Parteien, Skinheads und gewaltbereiten Neonazis fest.
• Als linksextremistisch werden in Augsburg unter anderem die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (WN-BdA) und die linken Autonomen eingestuft. Auch für sie sei Augsburg allerdings kein Schwerpunkt. |
Augsburger Allgemeine 9.11.2006 |
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Bundestag
19. November 2006, 16 Uhr
Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch in diesem Jahr wieder im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin. Die Feierstunde, die traditionell unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten steht, beginnt um 16 Uhr und wird vom ZDF direkt übertragen.
Die Gedenkrede hält Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Bundespräsident Professor Dr. Horst Köhler spricht das Totengedenken.
Arno Surminski liest aus seinem Roman „Vaterland ohne Väter“.
Die musikalische Gestaltung obliegt dem Windsbacher Knabenchor und der Streicherbesetzung des Musikkorps der Bundeswehr.
Die diesjährige Veranstaltung widmet sich den zahlreichen Vätern, die als Soldaten durch den Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren. Millionen von Kindern mussten ohne ihren Vater aufwachsen. Eine große Zahl von ihnen hatte nie Gelegenheit, den Vater kennen zu lernen. Viele Kinder verspüren deshalb eine große Leere in ihrem Leben, die oftmals noch durch Ungewissheit über den Verbleib des Vaters verstärkt wird.
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zu unserem Bericht über den traurigen Verlauf des „Volkstrauertages“ in Augsburg im vergangenen Jahr:
„Volkstrauertag“: Stadt gedenkt “unserer gefallenen Helden” zusammen mit Faschisten?! »» |
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| siehe auch die Berichterstattung bei http://www.vvn-augsburg.de/ |
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