Moschee im Hochfeld – was wollen und was sagen Gegner und Befürworter?

Im Hochfeld beim Siemens-Technopark wollen die beiden Türkisch-Islamischen Unionen e.V. aus Haunstetten und vom Katzenstadel ein Islam-Zentrum bauen. Auf 10.500 Quadratmetern sollen ein Gebetshaus (Moschee), ein türkisches Bad (Hamam), eine Mehrzweckhalle, ein Kindergarten und Geschäfte entstehen. Dagegen gibt es erklärte Gegner, es gibt Unruhe bei Teilen der Bevölkerung im Hochfeld und es gibt Befürworter. Für jemanden, der sich nicht einfach deshalb gegen ein solches Projekt wenden will, weil es religiös orientiert ist, und der an der Organisierung eines Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund interessiert ist, erscheint es zunächst sinnvoll, sich mit den Hinter- und Beweggründen derjenigen zu befassen, die sich hier zu Wort melden... »»

Artikel aus Berichte aus Augsburg und Schwaben 31.10.2003

 

 

Keine Angst, so schön wird das Hochfeld nicht werden

 

 

 

Foto: Moschee Zayed, Abu Dhabi CC0 1.0 Pixabay

Islam-Zentrum: Bürger reden mit, Bauausschuss für Kommission – Keine „Volksabstimmung“

aus einem Artikel der Augsburger Allgemeinen 17.10.2003

Bürger dürfen beim Bau des neuen Islam-Zentrums im Hochfeld mitreden. Eine „Volksabstimmung“ über das Vorhaben wird es aber nicht geben. Gestern einigten sich die Stadträte im Bauausschuss auf ein Moderationsverfahren mit allen betroffenen Gruppen. Die Kommission wird Vorschläge einbringen. Danach werde es eine zügige Genehmigung für das Großprojekt an der Haunstetter Straße geben, sagte OB Paul Wengert. Zuletzt waren die Wogen in der Bevölkerung hoch geschlagen. ...

Wie berichtet, soll im Hochfeld eines der größten türkischen Kulturzentren Deutschlands entstehen. Beim Siemens-Technopark sind auf 10500 Quadratmetern eine Moschee mit Minarett, ein türkisches Bad, Kindergarten, Mehrzweckhalle, Büros und Konferenzräume geplant. Gemeinsam bauen wollen zwei Vereine, die türkisch-islamische Union und der türkisch-islamische Verein.
Gestern beschloss der Bauausschuss einhellig einen Kompromiss. Ein langwieriges Verfahren ist vom Tisch. Stattdessen soll eine Bürgerbeteiligung bis Ende 2003 Ergebnisse in strittigen Fragen bringen. Anschließend soll es zügig eine Baugenehmigung geben. Konkret wird jetzt eine Kommission gebildet, in der Vertreter von Stadtrat, Verwaltung, Projektanten, Bürgern, Grundeigentümern und Ausländerbeirat sitzen. Die Moderation übernimmt der Augsburger Friedenspreisträger Helmut Hartmann. Das Gremium soll Vorschläge zum Bauvorhaben und auch zum Betriebskonzept machen. Die türkischen Vereine sollen sich dann im Gegenzug verpflichten, die Empfehlungen zu übernehmen. Laut OB ist dieses Vorgehen in Vorgesprächen, die bis gestern im OB-Referat liefen, mit den Projektanten abgestimmt. Auch die türkischen Vereine seien an einer „einvemehmlichen Lösung“ interessiert. ...

 

Georg Barfuß, Bürgermeister von Lauingen, über das Zusammenleben mit Muslimen in einer schwäbischen Kleinstadt:

Das Herzstück des Buches ist das Kapitel über den Bau einer richtigen Moschee mit Kuppeln und Minarett in Lauingen. Mit viel gesundem Menschenverstand, großem diplomatischen Fingerspitzengefühl und Verständnis für die Befürchtungen und Vorbehalte seiner Lauinger Bürger umschifft Georg Barfuß die zahlreichen Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen. Er will damit Mut machen, solche Projekte, die manch einer von vornherein zum Scheitern verurteilt sieht, dennoch in Angriff zu nehmen.
Das enthaltene Bildmaterial zeigt leider nicht nur schöne Aufnahmen der Moschee, sondern auch zutiefst ausländerfeindliche Briefe, gespickt mit üblen Beschimpfungen und Drohungen. Auf ein langes Schreiben einer alten Frau geht der Autor im Schlusskapitel des Buches gesondert ein, weil ihn die tiefsitzende Furcht der Verfasserin vor den "bösen" Muslimen so erschütterte.

aus der Homepage der Stadt Lauingen,aktuell dort nicht mehr vorhanden

 

Eine Moschee für Lauingen
Bürgermeister Georg Barfuß berichtet über praktische Integration in einer schwäbischen Kleinstadt
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aus der Homepage des Lehrstuhls für Sozial- und Wirtschaftsgeographie an der Universität Augsburg

s. a. die Dissertation über Moscheen in Deutschland mit einem ausführlichen Kapitel über die Lauinger Moschee (wie auch die Bobinger Moschee):

Schmitt, Thomas: Moscheen in Deutschland. Konflikte um ihre Errichtung und Nutzung. Herausgegeben im Auftrag der Deutschen Akademie für Landeskunde e.V. von Otfried Baume, Alois Mayr, Jürgen Pohl und Manfred J. Müller (federführend), Forschungen zur deutschen Landeskunde, Band 252, Dissertation u E-Book, Gekürzte und überarbeitete Dissertation, TU München 2002, Deutsche Akademie für Landeskunde, Selbstverlag, Flensburg 2003, 383 S., kostenlos * pdf, Link zum Volltext http://www.geo.uni-augsburg.de/de/lehrstuhl_professur/
humgeo/medienverzeichnis1/data/praxis_m/schmitt/2003tschm_publ_moscheen-dtschl.pdf

 
An die Bevölkerung von Thannhausen und Umgebung
Thannhausen ve cevresindeki Türklere

Ergebnisse der Diskussion vom 13.03.2003 im türkischen Hochzeitshaus „MELODY“ über den Thannhauser Moschee-Bau-Konflikt
Antworten auf Fragen der gleichnamigen Bürgerinitiative - jetzt Thannhauser Bürgerforum - an den Islamischen Verein Thannhausen e.V. »»

Hochinteressante Dokumentation des Lehrstuhls für Sozial- und Wirtschaftsgeographie an der Universität Augsburg (dort nicht mehr verfügbar)

 

Islamische Organisationen in Deutschland / Thomas Lemmen. - [Electronic ed.]. - Bonn, 2000. - 86 S.
Die Expertise wird von der Abteilung Arbeit und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht. »»

 
Dachverband DITIB 
Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion »»
 
Debatten über Islam und Muslime in Deutschland Islamdebatte.de Fakten. Forschung. Dokumentation, ein interessantes Portal »»  

Zu dieser Moschee in Mannheim will das Augsburger Sozialreferat eine Besichtigungsfahrt organisieren

The Mosque of Mannheim. Seen on a city walk through Mannheim, 30.5.2009. Foto: Romtomtom CC BY 2.0 Flickr

Die neue Moschee, vom Islamischen Bund Mannheim e.V. erbaut, wurde am 4.März 1995 in Mannheims Stadtteil Jungbusch nach fast zweijähriger Bauzeit als die bislang größte Moschee Deutschlands ihrer Bestimmung übergeben. Sie bietet rund 20.000 muslimischen Einwohnern der Quadratestadt ca. 2.500 Gebetsplätze. Der Bau kostete ca. 10 Mio DM, die aus Spenden von Mannheimer Muslimen zusammengetragen worden waren. Die bebaute Grundstücksfläche beträgt 1.209 qm. Neben 50 Tiefgaragenplätzen befinden sich im Erdgeschoß 6 Geschäftsräume, ein Vorstandsraum, ein Jugendsaal, ein Frauensaal, eine Bildgalerie und ein Institut für deutsch-türkische Integrationsstudien sowie ein attraktiver ritualer Waschraum mit Springbrunnen.
Im 1.OG befinden sich vier Unterrichtsräume und vier Wohnungen zu je 80 qm. Imponierend für jeden Besucher ist der in der Mitte des 1.OG befindliche runde Gebetssaal mit seiner Empore (insgesamt 1.500 qm) und der von kunstvollen kalligrafischen Arbeiten verzierten Kuppel.
Die architektonische Vollendung der Moschee stellt das 32,5m hohe Minarett dar.

aus dem virtuellen Stadtrundgang der Stadt Mannheim (im Netz nicht mehr verfügbar)

Die Mannheimer Moschee auf einem Foto der Stadt Mannheim

... Dies meint eben keine globale Verkirchlichung, sondern betont den profanen Charakter der Moschee…

Die Moschee ist … eine einzigartige muslimische Institution, die sich von ihren jüdischen und christlichen Gegenstücken, der Synagoge bzw. der Kirche, grundlegend unterscheidet… Bei der Moschee als dem Ort muslimischer Gottesverehrung handelt es sich nicht um einen sakralen Raum. Ihre Bedeutung ergibt sich vielmehr aus ihrer Funktion als Stätte zur gemeinsamen Verrichtung des Pflichtgebetes. Nur das Gebet macht den Ort relevant und nicht der Ort das Gebet. Dieses Gebet besteht in der Rezitation von Texten aus dem Koran…
Dem Wesen des muslimischen Ritualgebetes zufolge bedarf es zu seiner Ausführung keines besonderen Raumes, sondern lediglich eines freien Platzes. Ist die Absicht zum Gebet formuliert, richtet der Beter seinen Blick nur noch auf die Stelle des Gebetsteppichs, die er bei der Niederwerfung mit seiner Stirn berühren wird. Eine Ablenkung hiervon macht das Gebet ungültig. Masdschid, im Sinne von Moschee, im Sinne von Ort der Niederwerfung, ist also beschränkt auf den Teil des Bodens, den der Beter während des Ritualgebets einnimmt. Einem Wort des Propheten Muhammad zufolge kann es überall stattfinden, da die ganze Welt eine einzige Moschee Gottes sei. Dies meint eben keine globale Verkirchlichung, sondern betont den profanen Charakter der Moschee. Denn es handelt sich nicht um einen geweihten oder heiligen Raum. Vielmehr wird die Moschee durch ihre Funktionalität in zweidimensionaler Hinsicht bestimmt. Dem Wesen des Gebetes zufolge braucht sie keine besonderen Gegenstände zur Erfüllung des Gebetsrituals zu enthalten. Entscheidend ist die Fläche, auf der die Niederwerfung vollzogen wird. Einrichtungsgegenstände wie Altäre, Bänke oder Sitze sind der Moschee wesensfremd …
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