Türkisch-islamisches Kulturzentrum

Veranstaltung der städtischen Kommission im Hochfeld zur Moderation des Bauprojektes

Ein Bericht

11.11.2003 Der Pfarrsaal St. Canisius fasste gerade die ca. 300 Teilnehmer, ein Großteil der älteren Hochfeld-Generation angehörend. Vor dem Pfarrsaal verteilte die rechtsgerichtete „Nationale Opposition“ ein zweiseitiges Flugblatt mit eindeutig diskriminierendem und volksverhetzendem Inhalt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Helmut Hartmann, der den Einstieg mit einer moderaten, versöhnlichen Ansprache versuchte aber sehr bald von aufgebrachten Anwesenden zum Aufhören aufgefordert wurde. ...

Herr Hartmann leitete die Veranstaltung mit den Worten ein: „Ein heißen Eisen angehen …“. Als einer der ersten und einziger aus der Kommission meldete sich Herr Thiel zu Wort. Er brüstete sich, schon 2500 Unterschriften gegen das so genannte „Islamzentrum“ gesammelt zu haben (lauter Beifall aus dem Publikum) – „die Unterschriftenlisten seien wie warme Semmeln weggegangen“. Der Hinweis Hartmanns auf die Entwicklung einer multikulturellen Gesellschaft durch den Geburtenrückgang unter den Deutschen und damit die Integrationsnotwendigkeit von Menschen ausländischer Herkunft wurde wiederum mit lauten Zwischenrufen, teils sehr aggressiv, zurückgewiesen. ...

Strukturprobleme in Stadtteilen wie dem Hochfeld, mit überaltertem Wohnraum, teilweise seit Jahren leerstehenden Häusern, der dichten Wohnraumbesiedelung mit entsprechend hohem Verkehrsaufkommen, der Einzelprobleme im Zusammenleben unterschiedlicher Menschen, kristallisieren sich in der Wut von „Hochfeldern“. Als Sündenböcke werden hier „die Türken“ stigmatisiert. Ein einfaches Fressen für unverantwortliche Politiker, die dies verstärken und im populistischem Auftreten Wählerstimmen erhoffen. Eine Lösung der Probleme wird die Verhinderung des türkisch-islamischen Kulturzentrums für die einzelnen „Hochfelder“ nicht bringen. Die Ablenkungspolitik auf den Schultern von konstruierten Sündenböcken vergibt eine Chance des gemeinsamen Handelns aller Bewohner des Hochfelds, den Prozess der Veränderung im urbanen Leben zum Positiven zu gestalten. Die Ängste müssen ernst genommen werden. ... »» weiter
 
 

Kommentar: Eine gefährliche Situation entsteht

Die Moderationsgruppe der Stadt war schlecht beraten, mit so wenig Vorbereitungszeit die Informationsveranstaltung im Hochfeld bereits am 11. November anzusetzen. Wie zu erfahren war, wurde die Moderationsgruppe von der Bauerwaltung mit dem Termin überrumpelt. Was immer die Gründe für dieses Vorgehen waren – das Ergebnis war fast vorherzusehen. Zumal die CSU ja kurz zuvor mit einer eigenen Veranstaltung schon vorgeprescht war um dem sogenannten „Bürgerwillen“, der von Faschisten, Nationaler Opposition, CSU-lern wie dem Ex-Republikaner Göttling bis hin zu rechten SPDlern aus dem Hochfeld reicht, regelrecht eine Plattform zu bieten.

Schlecht vorbereitet und ohne entsprechende Aufklärungsmaßnahmen im Viertel hat die städtische Kommission ihren Vorsitzenden, den diesjährigen Friedenspreisträger Helmut Hartmann, ins offene Messer laufen lassen. Dies ist kein guter Stil und ein schwerer politischer Fehler. ... »» weiter

Auch in Augsburg sorgt Islamzentrum für Diskussion. Nicht nur in Thannhausen heftige Debatte zu Bauplänen

Nicht nur in Thannhausen sind muslimische Aktivitäten für viele ein bewegendes Thema. Eine heftige Diskussion entwickelt sich derzeit in Augsburg, wo ein großes islamisches Kulturzentrum entstehen soll. Dort kommt es möglicherweise gar zu einem Bürgerentscheid.
Augsburgs Oberbürgermeister Paul Wengert (SPD) und Friedenspreisträger Helmut Hartmann haben jetzt die Augsburger aufgefordert, mit Toleranz das Islamzentrum möglich zu machen und so den überregionalen Ruf als „Stadt des Friedens“ zu erhalten. Das sei auch im Sinne der Kulturhauptstadt-Bewerbung.
Im Rathaus übergab Hartmann als Moderator der Islamzentrum-Projektgruppe deren Ergebnisse an den OB. Sie werden Basis der im Januar im Bauausschuss anstehenden Entscheidung sein. …
In einer persönlichen Erklärung appellierte Hartmann an die Stadträte im Bauausschuss, sich mit „Kraft und Mut“ für das Projekt auszusprechen und auch gegen Widerstände durchzusetzen. Die Stadträte sollten zeigen, dass „wir nicht nur vom Frieden reden, sondern ihn auch tun“. …
OB Wengert rief dazu auf, den Ruf Augsburgs als weltoffene Stadt, in der sich seit Jahrhunderten die Kulturen begegnen, nicht aufs Spiel zu setzen. Er verkenne die Ängste vieler Bürger nicht, die durch die Nachrichten von Terroranschlägen fast täglich neu genährt würden.
Doch es müsse in der gesellschaftlichen Diskussion gelingen, die Dinge auseinander zu halten: Terrorismus dürfe nicht einfach gleichgesetzt werden mit der Glaubensrichtung des Islam. …
Augsburger Allgemeine 22.12.2003, Auszüge

 

Hetze

Flugblatt der rechtsextremen Nationalen Opposition »»

 


   
nach oben