Cemal Bozoglu: „Eine baulich schön gestaltete Moschee direkt im Zentrum der Stadt könnte das kulturelle Leben in Augsburg bereichern. Neben dem Dom und der Synagoge wäre eine Moschee schon angebracht.“

Nach der Ablehnung des türkisch-islamischen Zentrums im Bauausschuss: „Interkultureller Dialog nötiger denn je“

Interview des Forums mit Stadtrat Cemal Bozoglu von der Grünen-Fraktion, 16.1.2004

Forum: Der Bauausschuss sah sich am Donnerstag 15. Januar genötigt, den Antrag der türkischen Projektgruppe abzulehnen. Was führte dazu?

Bis zum Tag, als der Bauausschuss sich traf, war eigentlich klar, dass eine positive Entscheidung gefällt werden kann. Am Montag traf sich Regenbogen und stellte Zustimmung fest unter der Maßgabe, dass sich die Projektträger an die Ergebnisse der städtischen Arbeitsgruppe halten werden. Am Dienstag entschied sich die SPD-Fraktion positiv für das Projekt. Auch Freie Wähler und FBU signalisierten Zustimmung unter dieser Voraussetzung. Am Donnerstag Vormittag wurden uns vom Baureferat Größenordnungen per Fax durchgegeben. Dabei stellten wir fest, dass die vereinbarte Größe bei fast allen Objekten überschritten war. Die Gesamtgröße lag jetzt bei 3800 qm statt 2800 qm. Das war so auch für uns nicht akzeptabel, weil die Grüne Fraktion an den Ergebnissen der Moderationsgruppe mitgearbeitet hat und sich auf diese Vereinbarungen festgelegt hatte. Es blieben uns zwei Möglichkeiten: entweder Vertagung oder Ablehnung. ... »» zum Interview

Islam-Zentrum: Nein zu größerer Variante. Pläne weichen von Vereinbarungen ab - Stadträte sauer

Überraschende Wende beim türkisch-islamischen Kulturpark: Wie sich erst gestern Morgen beim Nachrechnen in der städtischen Bauverwaltung herausstellte, weicht der neue Bauantrag der beiden türkischen Vereine erheblich vom Kompromiss der Moderationsgruppe unter Friedenspreisträger Helmut Hartmann ab. Das Vorhaben ist in der Summe um 1000 Quadratmeter größer als vereinbart. Der Bauausschuss erteilte dem erweiterten Projekt eine einstimmige Absage. Begründung: In seiner neuen Größe würde das Zentrum den Charakter des Gewerbegebietes im Hochfeld sprengen.
Der neue Bauantrag war am Montag eingegangen und bis Mittwochnachmittag von einem Architckturbüro überprüft worden. Erst am Donnerstagmorgen stand dann in der Bauverwaltung endgültig fest: Die überbaute Fläche des Zentrums mit Moschee, Mehrzweckhalle, türkischem Bad, Büros und Kulturräumen ist 3800 Quadratmeter groß - und damit 1000 Quadratmeter größer als in der Moderationsgruppe vereinbart. …
Parteiübergreifend war gestern der Unmut unter den Politikern groß. Sie fühlten sich von den türkischen Bauherren ausgetrickst. „Erst setzen wir eine Bürgerarbeitsgruppe ein, jetzt sind die Ergebnisse Makulatur“, ärgerte sich OB Paul Wengert über die nicht abgestimmten Änderungen. … AZ

 

Islamzentrum: Kommt ein neuer Antrag? Stadt warnt vor Vorurteilen gegenüber Türken

Nach der Ablehnung des zuletzt größer beantragten türkisch-islamischen Kulturzentrums sieht OB Paul Wengert „keine negativen Konsequenzen“ für das Zusammenleben der Religionen und die Integrations-Bemühungen in Augsburg. Die Stadtspitze machte noch einmal deutlich, dass die Verantwortung für das vorläufige Scheitern allein bei den Antragstellern liege. Ob die Türken eine neue Bauvoranfrage auf der Basis der Ergebnisse der Projektgruppe stellen werden, blieb auch gestern weiter unklar. ...
Bestätigt sieht sich das Stadtoberhaupt aber darin, mit dem Moderationsverfahren einen „guten, tragfähigen Weg“ gefunden zu haben, um schwierige Fragestellungen anzugehen. In allen Städten lösen Anträge für islamische Zentren massive Proteste aus - Augsburg habe als Stadt des Friedens und der Toleranz diese Kontroverse in „vernünftige Bahnen“ gelenkt.
Wie geht es nun weiter? Die Türken könnten einen neuen Antrag stellen, der dem Projektgruppen-Ergebnis entspricht. Über diesen wäre laut OB neu zu entscheiden. Ob sie das tun, blieb gestern offen. ... AZ 17. Januar 2004

 

„Fühle mich reingelegt“. Moderator Hartmann rechnet nicht mehr mit Islamzentrum

... „Wie gelähmt“ zeigte sich nach der Sitzung Projektleiter Mustafa Özen. Er wisse nicht, sagte er, wie die Unstimmigkeiten in den Plänen zustande kamen. Der Architekt sei beauftragt gewesen, in den Änderungsantrag die Ergebnisse der von der Stadt eingesetzten Projektgruppe einzuarbeiten. Gestern Abend teilte Özen der AZ mit, vom Architekturbüro sei „aus Versehen die falsche Planversion“ an die Bauverwaltung übergeben worden. Das habe man der Stadt wenige Stunden vor der Sitzung mitgeteilt und die richtigen Pläne gefaxt. Özen versicherte, man habe „nicht mauscheln" wollen. Er wisse nicht, wie es nun weitergehen solle. Es sei Sache der Bauherren, also der beiden türkischen Vereine am Katzenstadel und in Haunstetten, zu entscheiden, ob noch eine zweite, dann abgestimmte Bauvoranfrage eingereicht wird. ... AZ

 
Ein überraschend schneller Abgesang Augsburg TV vom 16.1. Für OB Wengert sei es bedauerlich, dass das Zentrum durch einen Formalfehler gescheitert sei. Friedenspreisträger Hartmann meint, das Bauvorhaben sei mittlerweile „ein Flop“ geworden. Das Kulturzentrum im Hochfeld könne wohl nicht mehr gebaut werden, weil zu viel Scherben im Hochfeld zerschlagen worden seien. Die Redaktion von Augsburg TV meint, dass Siemens das Gelände wohl nicht mehr an die türkischen Betreiber verkaufen würde. Die Frist sei gestern abgelaufen, und es gäbe genügend andere Interessenten...  


   
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