Neujahrsspecial:

 

Jahresrückblick 2005

Bildquelle: Augsburger Allgemeine 31.12.2005

Die Chefredaktion der Augsburger Allgemeinen überschlägt sich in der Sylvesterausgabe: “In Rom und Berlin tut sich Unerhörtes – und das ist gut so […] Auch 60 Jahre nach Ende der Hitlerdiktatur ringt Deutschland noch mit sich, ringt um Liebe und Anerkennung. Kann es eine höhere, eine tiefere Form der Anerkennung geben, als die Besteigung des Petrusthrones? Wer einen Papst hervorbringen kann und darf, der ist gerettet. Er ist gerettet, selbst dann, wenn es einer Rettung möglicherweise gar nicht mehr bedurft hätte. Wir sind Papst. Wir Deutschen sind es, und wir Bayern fügen hinzu: Wir Bayern sind Papst. […] Und genau das, das Unerwartete, das von allen klugen Köpfen nicht Vorhergesagte, tut, wenn es eintritt, besonders gut. Wir sind Papst und die Hälfte von uns ist Kanzlerin.”

Irgendwas scheint Rainer Bonhorst aber doch nicht ganz gut getan zu haben: “Wir sind Päpstin und die Hälfte von uns ist Kanzlerin”?! Wenn wir uns das beim Chefredakteur konkret vorstellen wollen, so fragen wir uns: Welche Hälfte verkörpert nun seine Wampe? Den Papst oder eine schwangere Päpstin oder was? Und welche Hälfte von ihm ist “Kanzlerin”? Vielleicht können uns einige Fotodokumente helfen herauszufinden, wo die Angela im Rainer steckt:

nur nebenbei: Rainer durfte hier mit Andreas, dem Geschäftsführer, an der Nelkenrevolution des bayerischen Kabinetts teilnehmen. Diese fand beim diesjährigen Augsburger Presseball statt und war selbstverständlich eine weiße Revolution.

Als Rainer von Claudia umgarnt wurde – irgendwie muss sie sich ja revanchieren für die gute Presse – nahm die Kanzlerin in ihm ganz schöne Formen an:

Auch Bischof Mixa konnte sich mit dem Ausspruch Rainers “Wir sind Papst und die Hälfte von uns ist Kanzlerin” sofort anfreunden, vor allem mit dem ersten Teil. Wobei dem Bischof – ehrlich gesagt – ein junger, knackiger Kanzler lieber gewesen wäre. Dennoch gingen ihm bei dem Gedanken an Angie verschiedene, in der Regel züchtige, Vorstellungen durch den Kopf:

Die Reaktionen in der Familie waren gemischt, als Rainer mitteilte, dass die Hälfte von im Kanzlerin ist.

Die Sozis tun sich da leichter, sie brauchen sich weder das mit der “Päpstin” noch das mit der “Kanzlerin” antun. “Haben, sagen die Schwaben.”

Die Sozis sagen einfach: “Wir sind Crazy” – und das ist echt nachvollziehbar.

Wir müssen zugeben, die Probleme Herrn Bonhorsts sind allgemeinerer Art. Eine deutsche „Kanzlerin“ ist ein absolutes Novum, es gibt dafür eigentlich gar keinen Begriff, so dass man sich mit „Frau Bundeskanzler“ notdürftig behilft. Einiges aber ist schon mal da gewesen, wie man an dem Foto von der NS-Kundgebung um 1935 in Ludwigshafen sehen kann:

Allerdings scheint die deutsche Reformpolitik allmählich zu greifen und ungeahnte Erfolge zu zeitigen:

An der bayerischen Nelkenrevolution nahm selbst verständlich auch Frau Roth teil, sie weiß eben, was sich gehört…

… und kann auch kämpfen

Claudia Roth könnte sich vorstellen, mit CDU-Kanzlerin Angela Merkel befreundet zu sein. „Sie aus dem Norden, ich aus dem Süden. Unsere politisch unterschiedlichen Meinungen - es gäbe sicher viele Gesprächsthemen“, sagte Roth in einem Interview. Freunde seien für sie Menschen, die sich die Meinung sagten. „Frau Merkel und ich trinken gerne mal ein Glas Wein zusammen. Man kann mit ihr lachen“, sagte Roth. (dpa)

Irgendwie brachte Claudia ihre Freundin auch zu der schmeichelhaften Aussage: “Wir sind Roth” – wie das folgende Foto beweist.

Die bayerische Nelkenrevolution fand teilweise auf dem Petersplatz statt …

… teilweise auf dem Marienplatz
in Form einer Solidaritätskundgebung mit der NATO-Sicherheitskonferenz …

… und teilweise in Neu-Ulm

Hier geriet die weiße Bewegung fast außer Kontrolle. Zunächst hatte es den Anschein, dass ganze Kohorten des Augsburger Polizeipräsidiums zu Plünderungen übergingen (wohl als Kompensation für die eiserne Sparpolitik Stoibers und Faltlhausers). Bald stellte sich dies als Falschmeldung heraus. Die Einsatzkräfte handelten tatsächlich in vollem Auftrag des Polizeipräsidiums und des Innenministeriums, als sie die Lebensmittel mitnahmen (im Bild der Laden des Multikulturhauses Neu-Ulm).

Als die Hundertschaft das Multikulturhaus in Neu-Ulm im Rahmen der weißen Revolution stürmte, nahm sie auch die Einrichtung mit, alles „was nicht niet- und nagelfest war“, wie die Augsburger Allgemeine schreibt. Der schreiende Widerspruch zwischen der kargen Ausstattung der Polizei und dem Luxusmobiliar der Islamterroristen in Neu-Ulm war wohl so nicht hinnehmbar. Da man sonst nichts juristisch verwertbares fand, auch bei zwei vorangegangenen Razzien nicht, mußte man sich ja irgendwie schadlos halten. Außerdem mußte man den Muslimen schon mal zeigen, wo der Bartel den Most holt, beziehungsweise „wer Herr im Hause ist“, wie sich Herr Bonhorst mal ausdrückte. Auch wenn einem das „Haus“ gar nicht gehört und “Haßpredigten” – wenn überhaupt – eigentlich nur aus der Staatskanzlei zu vernehmen sind.

Auch in der Gefährderderdatei von Kill More People, wo “die gefährlichsten Gefährder und Hassprediger aufgelistet” sind, fanden wir keinen Hinweis auf Neu-Ulm.

Allerdings sollen die bayerischen Fahnder, unterstützt vom Verfassungsschutz, im Internet gravierendes Material gefunden haben (s. Bild rechts), das sie ganz eindeutig dem Multi-Kulturhaus in Neu-Ulm zuordnen konnten. Und da hört sich der Spass dann schon langsam auf!

Oder wie Bayerns Innenminister Günther Beckstein sagte: Den Behörden lägen zwar keine konkreten Hinweise auf drohende Anschläge vor. Mit dem Verbot zeige Bayern Anhängern extremistischer Ausländer-Organisationen aber “eine klare Grenze auf”.

 

Für die Presse waren die Neu-Ulmer Vorfälle natürlich ein gefundenes Fressen. So berichtete die STATTZEITUNG für Südbaden unter der Überschrift „Neu-ULM: Hassprediger als Hauptberuf anerkannt“ bereits kurz vor dem Verbot des Vereins und der kompletten Räumung des Kulturzentrums :

Die Bayrischen Behörden haben nun Neu-Ulm ernstlich ins Visier genommen. Nachdem sie sämtliche verfügbaren Dienste jahrelang angesetzt haben, haben sie immer noch keine praktizierenden Terroristen gefunden. […]

Trauriges Fazit nach allen Recherchen, Spitzeleinsätzen und Razzien: Terrorismus selbst in dem üblich gewordenen weitesten Sinn des Begriffs ging von Neu-Ulm nicht aus. Tatsächlich wären echte Verschwörer doch etwas leichtfertig, sich geade in dem seit Jahren überwachten und vermutlich durch und durch verwanzten Kulturzentrum Neu-Ulms zu tummeln.

Bleiben als Trostbeute die Hass-Prediger.

Diese neue Berufsart wurde zunächst anhand der Prozesse gegen den sogenannten Kalifen von Köln entwickelt. Es muss sich dabei um eine Tätigkeit handeln, die eine Art psychischer Treibsätze für spätere Terroristen entwickelt, ausbaut und skrupellos anwendet. Da ganz im Gegensatz zu den geläufigen Vorstellungen sowohl die Attentäter aus dem Hamburger Umkreis wie die aus London sich recht gewandt und „integriert“ in deutschen und englischen Kreisen bewegten, kann es nicht die ganze verworfene islamische Kultur gewesen sein, die zu den Taten trieb. Auch nicht der Koran für sich allein. Es muss etwas hinzugetreten sein, was denen Antrieb und gutes Gewissen verschaffte. Äußere Umstände dürfen es nicht gewesen sein. Sonst hätten die Terroristen ja möglicherweise einen nachvollziehbaren Grund für ihr Handeln.
Den gibt es nicht. Den nötigen Hass flößt grundlos der Hassprediger ein. Und deshalb muss der raus.

Der SÜDKURIER meldet nun, dass bayrische Sicherheitsbehörden in ihrer unermüdlichen Arbeit soweit sind, die Moschee im Kulturzentrum Neu-Ulm zu schließen, den Kulturverein, zu dem sie gehört vielleicht auch, und vor allem: mehrere Hassprediger abzuschieben. „Bereits im Februar und Juni waren Hassprediger des Hauses durch Bayern und Baden-Württemberg nach Ägypten abgeschoben worden“ (Südkurier).

Und so bleibt Neu-Ulm rein – oder wird es bald wieder. Und wir anderen hoffen, dass die neue Berufstätigkeit des Hasspredigens nicht bald auch bei anderen entdeckt wird. Zum Beispiel bei Kritikern der ganz normalen Zustände bei uns . Auch solche erzeugen neben Erkenntnis unvermeidlich Unlustgefühle, die ohne weiteres als Hass interpretiert werden könnten gegen diejenigen, die sie verursachen. Nur: wo ist das Ägypten, in das man uns verfrachten kann?

STATTZEITUNG

Aufmärsche und Versammlungen gab es auch in Augsburg vor dem Dom und im Dom. Auf dem Domplatz spielte das Luftwaffen-Musikkorps 1 Neubiberg zur Neueinsetzung des Augsburger Militärmachthabers namens Walter Mixa. Dieses Musikkorps spielt z.B. auch zur Truppenbetreuung in USA, Kanada und Großbritannien oder auf NATO-Musikfestivals. Zum Standardrepertoire dieser Militärkapelle gehören so vorwärtsweisende Märsche wie Der Grosse Zapfenstreich, Preussens Gloria, Mussinan-Marsch, Hohenfriedberger-Marsch, Parademarsch der 18er Husaren, Praesentiermarsch, Mein Schlesierland, Koeniggraetzer Marsch, Radetzky-Marsch … Also eigentlich alles Liedgut, das sich schon bei vorangegangenen Revolutionen bewährt hat.

ein pazifistischer Touch zur Begrüßung des Bischofs durfte nicht fehlen

Selbst der Auch der Kriegsminister nahm teil. Kurz nach den Umtrieben vor dem Dom mußte er leider zurücktreten. Struck über gab an Jung und übernahm das Regiment in der SPD-Fraktion im Bundestag, die er auch schon früher befehligte.

Für seinen Augsburger Parteisoldaten wird es kein Honigschlecken werden, vielleicht war der Presseball seine letzte frohe Stunde. Den Dresscode des Veranstalters hielten Heinz Paula und Gattin offensichtlich perfekt ein, was schon mal ein gute Voraussetzung ist für Paulas Mitarbeit in der Bundestagsfraktion, denn auch dort gelten Spielregeln.

Bis aus dem Allgäu kommt die treue Gefolgschaft, um dem neuen Militärbischof zu huldigen und den Nachwuchs segnen zu lassen. Als Ministranten sind sie noch zu jung, wird sich Mixa gedacht haben, aber so süße kleine Kadetten können schon noch was werden. Wir brauchen ja schließlich frisches und treu ergebenes Personal für unsere weltweiten Einsätze und da gibt es ja auch noch die Fregatte Augsburg … ein bißchen Hand auflegen kann da für’s erste sicher nicht schaden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt (Kanonenfutter und dergleichen …)

Die Parole “Wir sind Papst ” wird – wie kann es anders sein – nur vom Papst selbst übertroffen durch die Mega-Parole “Wir sind Goth”

“Blessed be those who pierce their lips and listens to black metal”.

In diesem Sinne wünschen wir allen ein frohes Neujahr und hoffen, dass das Reformtempo, das die Politik im vergangenen Jahr an den Tage gelegt hat, nicht nachlässt. Wir wollen da nicht so pessimistisch sein wie Stoiber, der schon fürchtet, dass manche durch das von ihm initiierte Tempo der Entwicklung überfordert sein könnten. Aber Zaudern ist nicht angesagt in 2006, das ist uns schon klar. Für die einen gilt es, noch härter zu arbeiten, für die anderen noch härter im Nehmen zu sein – im vollen Wortsinne. Wir sind absolut sicher, dass Deutschland damit vorankommen wird. Falls es Probleme gibt, müssen wir den Begriff „Deutschland“ eben genauer eingrenzen und vielleicht etwas enger fassen.

Eure Redaktion


   
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