Abschiebungen stehen unmittelbar bevor
10 + x-Fälle in Augsburg
Insgesamt
sind dem Augsburger Flüchtlingsrat
und den Beratungsorganisationen etwa 20 Fälle von Menschen
bzw. Familien bekannt, die bereits länger als 10 Jahre
in Deutschland sind. Hier einige Beispiele von diesen Menschen,
denen die Abschiebung droht:
Sacha Mpongo und Sohn Salek Kakuta, Kongo
Herr M., Demokratische Republik Kongo, allein erziehender
Vater, lebt bereits seit 1992 in Augsburg. Sein Sohn K. kam
1992 mit dem Vater nach Deutschland, lebte anfangs unter
anderem Namen bei einer befreundeten Familie in einer anderen
Stadt und wohnt seit 1998 mit seinem Vater in einer Sammelunterkunft
in Augsburg. Der Asylantrag des Vaters wurde nach sechs Jahren,
der des Sohnes schon 1993 – durch die jeweils zuständigen
Verwaltungsgerichte abgelehnt. Der Vater stellte 1998 einen
Asylfolgeantrag, der 1999 rechtskräftig abgewiesen wurde.
Ende 1999 beantragten Vater und Sohn eine Aufenthaltsgenehmigung
aufgrund einer politischen Vereinbarung der Innenministerkonferenz
für sogenannte „Altfälle“. Der Antrag
wurde abgelehnt, weil Vater und Sohn nicht die ganze Zeit
in Deutschland zusammengelebt haben und sie damit nicht die
in dieser Regelung vorgesehene Aufenthaltszeit für Familien
erreichten. Ein weiterer Grund waren mehrere Strafen des
Vaters, die größtenteils gegen ihn verhängt
worden waren, weil er seinen Sohn – vor seiner Verteilung
nach Augsburg 1998 – immer wieder unerlaubt besucht
hatte und einmal auch ohne Fahrkarte. Inzwischen sind diese
Strafen getilgt, weil sie schon Jahre zurückliegen und
im Ausländerzentralregister findet sich kein Eintrag
mehr.
Ein Abschiebeversuch der Augsburger Ausländerbehörde
scheiterte im Juni 2000 in den Niederlanden, Vater und Sohn
kehrten nach Augsburg zurück. Der Vater unterliegt seit
Jahren schon einem Arbeitsverbot, der 17-jährige Sohn
hat in Deutschland seine Volksschulzeit verbracht, absolviert
derzeit das zweite Lehrjahr als Zahntechniker und ist außerdem
ein gefragter Basketballer und Leichtathlet. …
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| Kommentar Flüchtlingsrat geht in die Offensive
Augsburg, 11.4.2005. Der Augsburger Flüchtlingsrat
versucht, wenigstens die „Altfälle“ unter
den Asylbewerbern vor Abschiebung zu schützen. Nach
jahrelangen Bemühungen des Flüchtlingsrats, gestützt
auf das Bündnis für Menschenwürde, mit den
Behörden der Stadt ins Gespräch zu kommen und sie
zu einem konstruktiven Verhalten zu bewegen, verlief der
letzte „runde Tisch“ Anfang April 2005 ohne Ergebnis.
Die Stadt hält an ihrem harten Kurs fest und will Flüchtlinge,
die schon zwischen zehn und fünfzehn Jahren hier leben,
abschieben (so genannte 10 + x-Fälle). Der Referent
für Ordnungswesen, Klaus Kirchner, und der Leiter des
Bürgeramtes, Klaus Sulzberger, erweisen sich als Hardliner.
Sie sind verantwortlich für die Linie der Ausländerbehörde,
die den zynischen Titel „Bürgeramt Ausländerbehörde“ trägt.
Die Behördenhengste haben gar nicht den Versuch gemacht,
das Gespräch mit den Flüchtlingen, ihren Betreuern, Ärzten,
Anwälten, Angehörigen… zu suchen um zu einer
toleranten Lösung zu kommen. Stattdessen verschickten
sie so genannte „Grenzübertrittsbescheinigungen“.
Darin steht, der Flüchtling habe bis zum soundsovielten
auszureisen! Dieses knallharte Vorgehen steht in merkwürdigem
Kontrast zum Begriff der „Toleranz“, den die
Stadt im Friedensjahr 2005 ausufernd reklamiert.
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