Dem Textilviertel geht es an den Kragen

Weiterer Schritt zur Vernichtung Augsburger Stadtgeschichte
Von den Grünen im Stadtrat abgenickt

Der Bebauungsplan heißt „Nördlich der Provinostraße“ und hat die Nr.463. Im Klartext: Es handelt sich um das als Baugebiet ausgewiesene Teilstück des Textilviertels, umrahmt von der Provinostraße im Süden, der Schäfflerbachstraße im Osten und der Schleifenstraße im Norden. Bebaut werden soll mit sogenannter Riegelbebauung, d.h. ein Wohnblock bis zu vier Stockwerke hoch und 280 m lang im Norden, an den sich ein weiterer Block mit 130 m Länge im Osten anschließt. Eine Lärmschutzwand zur Schleifenstraße ist nicht vorgesehen – der nördliche Riegel ist die Lärmschutzwand. „Geschützt“ werden sollen die im Inneren vorgesehenen Einzelgebäude für Besserbetuchte. Sozialer Konfliktstoff ist vorprogrammiert. Im Süden ebenfalls nahezu durchgängige Wohnbebauung gemischt mit Gewerbe, durchbrochen von Stellplätzen. Hier müssen die zwei historischen Direktorenvillen der AKS und das alte Waschhaus weichen. Den Stadtrat interessiert wenig, dass die beiden Villen seit Anfang August 2002 unter Denkmalschutz stehen. Noch schnell vorher hat man in der Sitzung am 25.7. den Abriss beschlossen. Übrigens mit nur einer Gegenstimme und die kam von der CSU, weil dieser Stadtrat im Viertel wohnt. Für Bäume kein Raum. Von den 152 Bäumen werden 88 gefällt, insgesamt 5 neue gepflanzt. Der Grünflächenausgleich wird wie üblich durch das Einbinden eines Ackers direkt neben der A8 nördlich der Hammerschmiede gemacht (!). Die Grünvernetzung der Altstadt mit dem Lech – inzwischen etwas schwierig wegen der Schleifenstraße – war durch die vorgesehene Bebauung noch schwieriger geworden. Dank des massiven Einsatzes der Grünen konnte diese Grünvernetzung gerettet werden. Es gibt nun einen Eingang im Westen, 7 m breit, 6 m hoch und einen Durchgang zwischen den beiden Wohnblockriegeln im Nordosten ca. 5 m breit. Hurra!
Wenn der Bebauungsplan im Bauausschuss abgesegnet ist, kommt er nochmals in den Stadtrat. Dieter Ferdinand von den Grünen, der im Bauausschuss sitzt,
wird wohl auch mit „ja“ stimmen müssen, wünscht aber allen Gegnern des Plans viel Erfolg (Zit. bei der Begehung des Viertels). Eva Leipprand, die sich bei der Bebauung des Hasenbräugeländes als Vorsitzende des „Forums Augsburg Lebenswert“ besonders gegen eine solche „Riegelbebauung“ eingesetzt hat, „hat nun Schwierigkeiten mit nein zu stimmen“ (Zit. im Gespräch mit der Bürgeraktion Textilviertel und des Fachforums Nachhaltige Stadtentwicklung der Agenda 21).
Einwendungen gegen den Bebauungplan können noch bis zum 31.10.02 erhoben werden. Werden sie auch, sei es von den öffentlichen Trägern, wie Naturschutzbehörde, Stadt- und Heimatpfleger oder von den BürgerInnen der Initiative Textilviertel und dem Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung. Ob sie allerdings zum Erfolg führen, ist mehr als fraglich. Der politische Wille ist anscheinend mager, jetzt noch etwas zu verhindern. Auch wenn der Vorschlag verlockt, zum Textilmuseum (der neue Standort liegt gleich um die Ecke) einen textilgeschichtlichen Rundgang zu ermöglichen. Ermöglicht werden kann dieser natürlich nur, wenn die historisch mit der AKS in Zusammenhang stehenden Gebäude stehen bleiben: die beiden Direktorenvillen und das Waschhaus, das Chauffeurshaus, das Pförtnerhaus, der Färberturm, das „Beamtenhaus“ und das ehemalige Altenheim der AKS. Eine der Villen war mal Betriebskindergarten der AKS. Eine ähnliche Nutzung könnte man sich auch für die Zukunft vorstellen, zumal sowieso kein Kindergarten für das neue Wohnviertel vorgesehen ist.
Ohne Einsatz der Grünen und weiterer einzelner Stadträte/innen, die auch mal eine Meinung vertreten ohne vorher zu fragen, was der Fraktionsvorsitzende meint, wird es nicht gehen.
Wie soll Augsburg denn da Kulturhauptstadt werden und den Tag des offenen Denkmals im nächsten Jahr gestalten, wenn vorher die Abrissbirne da war.
Die Entscheidung wird in jedem Fall eine Signalwirkung haben. Positiv oder negativ – denn weitere Teile des Textilviertels sind bereits zum Ausverkauf vorgesehen ....
Elli Frana


   
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