Nachhaltige Stadtentwicklung am Beispiel des Hasenbräugeländes – oder wie geht die Stadt Augsburg mit Einwendungen der Bürger um

Im Augsburger Innenstadtbereich erstreckt sich nahe der Kirche St. Ulrich zwischen Kapuzinergasse im Norden und Kohlergasse im Süden, begrenzt von Konrad-Adenauer-Allee im Westen und Maximilianstraße im Osten ein Gebiet, das als „Hasenbräugelände“ bezeichnet wird. Der Name kommt daher, weil der größte Teil des Geländes im Eigentum der dort bisher produzierenden Brauereien Hasen-Bräu AG und Tucher-Bräu KG (Goldene Gans) steht. Nach Verlagerung der Produktionsstätte der Brauereifirma Hasenbräu in den Augsburger Stadtteil Haunstetten soll nun das gesamte Gebiet von 3,8 ha (davon 3,5 ha im Eigentum von Hasenbräu) zur Wohnbebauung genutzt werden. Der notwendige städtbauliche Vertrag zwischen den Brauereien und der Stadt Augsburg wurde bereits vor Ablauf der öffentlichen Auslegungsfristen des Bebauungsplans am 30. 04. 2001 geschlossen.
Für den Erlass eines Bebauungsplans sind zwei öffentliche Auslegungsfristen unter Einbeziehung der Bürger durch öffentliche Informationsveranstaltungen etc. vorgeschrieben. Danach wird der Plan bekannt gemacht und tritt in Kraft. Eine weitere Genehmigung durch übergeordnete Behörden (z.B. Regierung von Schwaben) ist nicht erforderlich. Gegen den Bebauungsplan ist dann nur noch die Klage vor dem Verwaltungsgericht möglich.
Die Einwendungen von Bürgern und Interessensgemeinschaften sollen im Planungsverfahren berücksichtigt werden. Einwendungen kann im übrigen jeder erheben. Es ist nicht erforderlich, dass er im Stadtgebiet wohnt.

die Öffentlichkeit

Im Rahmen der zweiten Auslegungsfrist wurde nun am 13. Sept. 2001 im evangelischen Gemeindesaal St.Ulrich, Kitzenmarkt 1 eine öffentliche Informationsveranstaltung durchgeführt. Eingeladen hatten das Forum Augsburg lebenswert e.V. (Vorsitzende Eva Leipprand) und das Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung der Lokalen Agenda 21. Als Referenten standen zur Verfügung: der Leiter des Stadtplanungsamts Herr Illner, der leitende Architekt Herr Schrammel und für das Fachforum der Agenda 21 Wolfgang Hatz (Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeographie). Ebenfalls auf dem Podium saßen auch drei Herren des Investors, die aus ihrer Sicht Auskunft gaben.
In der Einladung des Forums Augsburg lebenswert wurde kritisiert, dass bisherige Einwendungen nur unzulänglich berücksichtigt wurden. So sei der ursprüngliche Bebauungsplan nur in Details verändert worden. Die Kritik an der Bebauungsdichte und Ausrichtung der Bebauung, an ihrer Struktur und an zu wenig Grün- und Freiflächen wurde nicht angenommen. Auf Forderungen nach einem Wettbewerb mit Alternativplanungen wurde nicht eingegangen. Abgelehnt wurde auch eine Verkehrsberuhigung in der Kapuzinergasse. Zusätzliche öffentliche Kinderspielplätze wurden ebenfalls abgelehnt.

kein Wettbewerb möglich?

Die auch von den Teilnehmern der Veranstaltung mehrfach monierte Ablehnung eines Wettbewerbs wurde vom Stadtplanungsamt damit begründet, dass „dem vorgelegten Entwurf eine Analyse von Alternativlösungen vorausging und nachdem der Planer der Projekte Hasenbräugelände und Kaisermeile identisch sei, sich die Stadt einen teuren und zeitaufwändigen städtebaulichen Wettbewerb sparen könne“. Der Ersteller der Analyse ist übrigens auch „identisch“ (Anm. der Red.). Das ganze wurde vom Stadtrat so abgesegnet, und „dies sei halt nun mal eine demokratische Entscheidung der Mehrheit, auch wenn es manchen der anwesenden Kritikern nicht passe“ (so mehrfach vom Leiter des Stadtplanungsamts während der Veranstaltung betont). Die erarbeiteten Alternativen wurden dem Stadtrat jedoch nicht vorgelegt, wie Dieter Ferdinand als Mitglied der Grünen im Bauausschuss einwandte. Auf den Wettbewerb verzichtet wurde hauptsächlich im Interesse der Hasenbräu AG. Denn wie die Vertreter der Brauerei selbst bestätigten: durch den Verkauf solle schließlich die Umsiedlung finanziert werden und deshalb müsse auch ein entprechender Preis herausspringen. Diese wirtschaftlichen Interessen der Brauerei konnte der Zuhörer ja noch nachvollziehen. Was allerdings schon das Staunen des Publikums erregte, war die Meldung des Leiters des Stadtplanungsamts „die Bürger sind die erbittertsten Gegner von Wettbewerben“. auch die Bebauung des Prinz-Karl-Kasernen-Geländes sei schließlich ein „Superentwurf“ (die Abstandsflächen sind zwar immer noch unterschritten und es gibt Absatzprobleme – aber ansonsten …). Auch die Pläne für die Luitpoldbrücke (Pfersee) würden ständig von den Bürgern attackiert (schluchz).

der Plan

Aber zurück zum Hasenbräugelände: Vorgesehen ist eine Bebauung mit 500 Wohnungen und Mischgebäude mit gewerblicher Nutzung »» Plan (222 KB). Die Geschossflächenzahl beträgt somit 1,77 und überschreitet damit die nach § 17 BauNVO festgesetzte Obergrenze für allgemeine Wohn- und Mischgebiete von 1,2. Gerechnet wird mit ca. 1000 neuen Bewohnern. Ein Stellplatzschlüssel von 1,2 pro Wohneinheit soll garantieren, dass damit auch ca. 50 weitere Stellplätze für Anwohner zur Verfügung stehen. Dieser Stellplatzschlüssel, der nicht der Nachhaltigkeit von Stadtentwicklung entspricht (1), wurde auf Betreiben der Stadt (Bauausschuss) angelegt. Er ist nicht im Interesse des Investors, der sich einen niedrigeren Schlüssel gewünscht hätte, wie er auch in München vorgesehen ist (unter 1). Denn jeder Stellplatz mehr verursacht Kosten, die die Baupreise erhöhen. Ob die vorgesehenen Stellplätze auch sinnvoll sind, wurde von anwesenden Stadtteilbewohnern allerdings bezweifelt, denn bereits jetzt nutzen manche der dort wohnenden Bürger die Möglichkeit, ihren eigenen Tiefgaragenplatz an auswärtige Berufstätige zu vermieten und sich selbst für 60,- DM einen Anwohnerparkausweis zu besorgen.
Einwendungen gegen die vorgesehene Bebauungsdichte und die Forderung nach Verzicht auf ein Geschoss, die übrigens auch von den Grünen im Stadtrat vorgebracht wurde, lehnte das Stadtplanungsamt ab mit der Begründung: „diese orientiert sich an Werten der in der Agenda 21 empfohlenen Nachverdichtung in Stadtgebieten … und soll zu einer effizienteren Nutzung der bestehenden Infrastrukturen führen“.

ein Platz an der Sonne

Vorgesehen ist nun aus Platzgründen eine im wesentlichen in Nord-Süd-Richtung ausgerichtete Bebauung (betrifft drei große Häuserriegel in der Mitte). Die bessere – wegen der ganztägigen Sonneneinstrahlung – und auch in der Ausnutzung natürlicher Energien günstigere Ost-West-Ausrichtung der Gebäude kommt kaum zum Tragen. Laut Plan trifft zwar ein Sonnenstrahl aus einem Winkel von 45 Grad auch die erdgeschossigen Wohneinheiten, jedoch bemängelt das Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung hier: die Berechnungen von Sonnenstand und damit die Sonneneinstrahlung im Gebäude ergibt in diesem Fall (nach Wälzen einschlägiger Fachliteratur), dass die erdgeschossigen Wohnungen teilweise nur eine Stunde am Vormittag und eine Stunde am Nachmittag überhaupt Licht haben. Denn einen Sonnenstand von 45 Grad im Westen (wie im Plan ausgewiesen) gibt es nur im Juni. Ein Belichtungsnachweis, wie er in den Bauplänen enthalten sein sollte, wurde hier nicht gemacht.

alle(s) ganz dicht?

Die Überschreitung der Geschossflächenzahl wird übrigens im Bebauungsplan „mit der Angleichung an die Dichte der unmittelbar angrenzenden Altstadtstruktur begründet. Die gewählte städtbauliche Struktur gleiche die Nachteile im Hinblick auf die Belichtung, Besonnung und Belüftung aus“. Der Leiter des Stadtplanungsamts verwies auch auf die noch enger gebauten umliegenden Häuser der Gründerzeit und wollte damit die „großzügige“ Bebauung der Neuzeit deutlich machen. Der Architekt meinte: „die Lage erfordere eine gewisse ‘Urbanität’. Mit ‘unserem’ Grund und Boden in der Stadt können wir eben nicht wahllos umgehen und die Firsthöhe der Häuser in der Konrad-Adenauer-Allee sei schließlich noch um 8 m höher als die geplanten Häuser.“ Dass sogar laut Plan teilweise im ersten Stock und Erdgeschoss wegen der unterschrittenen Abstandsflächen keine Aufenthaltsräume erlaubt sind, mache gar nichts, denn hier sind Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder und Kinderwagen vorgesehen, und das „fördere ja auch die Kommunikation“ (kleines Gespräch unter Nachbarn beim Fahrradabstellen ?).

Grün in m2

Die Grünflächen betragen laut Plan 40 % der Gesamtfläche. Nachdem bisher nahezu vollständige Bodenversiegelung durch Betriebsflächen gegeben war, erfolgt laut Plan „kein ausgleichsbedürftiger Eingriff in Natur- und Landschaftsbestandteile“. Erhaltenswerte Bäume Anzahl: 2. Aber gut, immerhin 40 % das rechnet nach Gesamtfläche 3,8 ha = 3800 m2 : 100 x 40 = 1520 m2. Aber Pfeifendeckel - falsch gerechnet! Erst mal berichtigen 40 % = eigentlich 39,3 % (1,5 ha) - dann abziehen: „Begleitgrün“ (wohl Rankpflanzen an Tiefgarageneinfahrten?) = 0,02 ha, private Grünflächen = 1,33 ha – übrig für Spielplätze: 0,15 ha. Beachtlich: die privaten Grünflächen bestehen zu 0,9 ha Tiefgarage mit 60 cm Erde drüber (kleine Bonsai-Eichen können sicherlich gepflanzt werden). Als unversiegelte Bodenfläche ergibt sich also nur 0,6 ha nicht 1,5 wie der unbedarfte Betrachter auf den ersten Blick meint.

Kinder wohin?

Nach Aussage (2) des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik ist ein Spielplatz mit einer Nettospielfläche von 500 m2 erforderlich. Die Einrichtung eines öffentlichen Spielplatzes (so wie er früher mal war: mit Spielfläche, Sandkasten, Spielgeräten, Bänken ect.) wurde „umgewandelt“ in: sage und schreibe „acht Kinderspielplätze mit einer Gesamtfläche von ca. 1500 m2“. Diese sind allerdings weitgehend im Privateigentum, d.h. Eigentum der Wohnungseigentümer. Weiter heißt es in der Anwort des Stadtplanungsamts auf die Forderung nach öffentlicher Spielplatzfläche, die auch von anderen Kindern genutzt werden kann: „Angesichts dieser umfangreichen privaten Spielflächen, die erfahrungsgemäß auch von Kindern außerhalb der Wohnanlage genutzt werden (allerdings nur solange es der Eigentümer erlaubt, Anm. der Red.), werden zusätzliche öffentliche Spielplatzflächen für nicht mehr erforderlich gehalten, zumal auch die Fußgängerbereiche im Plangebiet mit einer Gesamtfläche von ca. 240 m2 eine für Kinder zum Spielen geeignete Aufenthaltsqualität haben. Der ausgelöste Bedarf an Kinderspielplätzen (0 bis 6 und 6 bis 12 Jahren) gemäß BayBO wird an 8 Standorten im Bereich der privaten Grünflächen abgedeckt. Dies führt aufgrund der üblichen sozialen Kontakte zur Entspannung des Defizits in der umgebenden Bebauung. Die festgesetzten Fußgängerbereiche bieten Aufenthaltsflächen für alle Altergruppen.“
Eva Leipprand vom Forum Augsburg lebenswert wies darauf hin, dass öffentliche Kinderspielplätze mit Hinweis auf private Flächen zugemacht (bzw. nicht gebaut) werden und „wir dann ständig erleben, dass die privaten geschlossen und fremde Kinder ausgeschlossen werden.“
Der Investor meinte dazu übrigens: „Wenn Sie Plätze schaffen, die einer sozialen Kontrolle nicht unterliegen, dann schaffen Sie auch ein Potential (gemeint ist wohl Gefahrenpotential, – die Red.), das Sie bedenken müssen. Plötzlich verlagern Sie etwas, das am Königsplatz stattfindet hier hinein“.
Der Leiter des Stadtplanungsamts verwies auf das Konzept der Stadt, die Altstadtgassen als Kinderspielbereich zu öffnen. Man solle sich zum Beispiel die Spielmöglichkeit hinter dem römischen Museum anschauen ( man beachte hierbei die lang diskutierte Herkulesgaragenzufahrt – die Red.). Die Kinder sollten schließlich „miterleben“, so der Stadtvertreter weiter, „wie man sich verhalten muss“. Im übrigen sei der erste Gedanke bei den Planungen eben gewesen „was wird mit den Arbeitsplätzen“ und weitere Prioritäten (wie Spielplätze etc.) könnten eben nicht aus einer Maßnahme „herausgequetscht“ werden.

wenigstens verkehrsberuhigt?

Soweit sogut, die geplanten Querbindungen durchs Viertel sollen also „Spielstraße“ werden. Aber was ist mit den angrenzenden Nebenstraßen Kapuzinergasse und Kohlergasse und der mitten durchs neue Viertel verlaufenden Armenhausgasse und Weite Gasse? Werden diese wenigstens verkehrsberuhigt? Im Bebauungsplan heißt es: „Das Verkehrsgutachten KfZ-Verkehr vom Okt.99 ergibt, dass entgegen ursprünglicher Absichten die Armenhausgasse und die Weite Gasse aufgrund der vorhandenen und prognostizierten Verkehrsbelastungen nicht als verkehrsberuhigte Bereiche ausgewiesen werden können.“ Die Antwort des Stadtplanungsamts auf die Einwenderforderung, eine die beiden Quergassen als verkehrsberuhigte Zone auszuweisen, führt noch weiter aus: „eine Einschränkung dieser Verkehrsmenge (3500 KfZ täglich) durch verkehrssteuernde Maßnahmen, wie Signalisierungen oder Unterbinden von Abbiegebeziehungen ist nicht vorgesehen“. Also: wenn mehr als eine bestimmte Anzahl von KfZ am Tag durchrauscht, gibt es eben auch keine Verkehrsberuhigung. Ganz klar. Und wie der Leiter des Stadtplanungsamts noch weiter ausführt: „wenn die Verkehrszählung eine hohe KfZ-Belastung ergibt, kann die Stadt auch keine Zebrastreifen einrichten.“ Deshalb gibt es in Augsburg-Innenstadt eben keine Zebrastreifen. Logisch oder? Immerhin konnte Eva Leipprand wenigstens etwas zur Aufklärung des nun doch verblüfften Zuhörers beitragen: Die Planungen Kaisermeile und Hasenbräugelände müßten zusammengesehen werden. So habe das ursprüngliche Konzept schon eine Verkehrsberuhigung der gesamten Innenstadt vorgesehen und bei konsequenter Anwendung wäre auch eine Verkehrsberuhigung des geplanten Bebauungsgebiets herausgekommen. Diese ist jedoch durch ständiges Aufweichen des Gesamtkonzepts (erinnert sei z.B. an die Stöpsel-Parade der CIA, Anm. der Red.) verloren gegangen.

Lärmimmission

Die durch den Verkehr in der Konrad-Adenauer-Allee und im Plangebiet verursachten Lärmimissionen überschreiten die zulässigen Grenzwerte derzeit tagsüber um bis zu 9 dB und nachts um bis zu 11 dB. So führt der Plan aus. Nicht ausgeführt wird, dass eine Zunahme des Lärms um 3 dB jeweils eine Verdoppelung des Lärms bedeutet. Die Höchstbelastungswerte nach DIN 18005 betragen für Mischgebiete nachts 45 dB. Die Prognosen des Gutachtens sehen nach Bau der Schleifenstraße durch einen Rückgang des Verkehrsaufkommens in der Konrad-Adenauer-Allee eine Reduzierung der Immissionen um 1 dB vor und eine Zunahme des Erschließungsverkehrs und die damit verbundene Erhöhung der Immissionen um ebenfalls 1 dB. Also keine Änderung.

Nachhaltigkeit

Anhand des vom Fachforum der Agenda 21 entwickelten Kriterienkatalogs (3) wurden dem Plan hauptsächlich die Noten 3 (bemüht Nachhaltigkeit zu erreichen) bis 4 (Verbesserungen wünschenwert oder sogar notwendig) gegeben.
Die Note 1,8 konnte für die „stadtverträgliche Mobilitätssteuerung“ erreicht werden. Allerdings kein Wunder im Innenstadtbereich mit ÖPNV Anschluss um die Ecke. 1,8 deshalb, weil der hohe Stellplatzschlüssel negativ zum Tragen kommt.
Zu dem Punkt „vorsorgender Umweltschutz“ wurde hauptsächlich bemängelt, dass ein neues stadtklimatologisches Gutachten dringend erforderlich ist. Das letzte Gutachten datiert aus dem Jahr 1985. Ein Fernwärmeanschluss ist für das geplante Viertel vorgesehen. Jedoch fehlt es an Vorgaben für den Einbau von Sonnenkollektoren für Brauchwasser. Besonders negativ sind die hohen Lärmimmissionswerte. Auch weisen die Pflanzgebote zu wenig Artenvielfalt auf (nur 4-5 Arten statt wie üblich 12). Die Gesamtdurchschnittsnote von 2,9 konnte hier nur erreicht werden, weil der Grundwasserflurabstand mehr als 4 m beträgt. Dies ist allerdings weniger dem Stadtplanungsamt als dem Stadtgründer (siehe Bronzestatue auf dem Rathausbrunnen) zu verdanken. Die Römer haben halt schon immer gern auf einem Hügel gebaut.
Das Kapitel „ressourcenschonende Struktur“, welche zum Beispiel Heizungsenergiebedarf, Bebauungsdichte, Nutzung von Solarenergie, Grund- und Trinkwasserschutz und Recycling von Bauschutt vorsieht, bekam die Note 4,6. Grund: die Räumeschutzverordnung wird nur eingehalten (hierfür gibt es dann beispielsweise die Note 4); ein Besonnungsnachweis fehlt; ca. 40 % der Fläche ist in Nord-Süd-Richtung bebaut und zwar die Hauptgebäude (bei Ost-West-Zeilen Bebauung wird der Heizenergieaufwand um 20-35 % reduziert); für Regenwasserversickerung wurden keine Flächen ausgewiesen (aufgrund der hohen Versiegelung wird das meiste Regenwasser wohl im Kanal landen); für die Reduzierung von Trinkwasserverbrauch wurden keine Empfehlungen ausgesprochen (manche Städte empfehlen zumindest in ihren Bebauungsplänen den Einbau von Trinkwasserstutzen und Wasserdosierern in Toiletten).
Unter „sozialverantwortliche Wohnungsversorgung“ wurde insbesondere bemängelt, dass die nächsten öffentlich nutzbaren Freiflächen nicht im Nahbereich liegen. Zielvorgabe des Kriterienkatalogs ist: mind. 500 m2 im Nachbarschaftsbereich (bis 200 m Fußweg und mind. 5000 m2 im Quartier (bis 400 m entfernt). Für das betroffene Viertel sind die nächstgelegenen Freiflächen die Rote-Tor-Wallanlagen (600 m Luftlinie). Derzeit vorhandene nächste Versorgungseinrichtungen für den täglichen Bedarf (Lebensmittel) sind am Milchberg und in der Maxstraße. Dass dies nicht ausreiche, wurde im übrigen auch von derzeit dort wohnenden Anwesenden bestätigt. Insgesamt wurde hier die Note 4,4 erteilt.
Die schlechteste Bewertung erhielt das Kapitel „Bürgermitwirkung“ mit Note 4,9. Die öffentliche Bekanntmachung fand im wesentlichen durch die interessierten Bürgerinitiativen statt, nicht durch die Stadt selbst, wie es eigentlich gesetzlich vorgesehen ist. Eine Mitbeteiligung der Bürger durch Workshops, Foren, Zukunftswerkstätten etc. gab es nicht. Ein städtbaulicher Wettbewerb fand ebenfalls nicht statt.
Elli Frana

(1) Der Stellplatzschlüssel für nachhaltige Stadtentwicklung beträgt nur 0,7, da der Autoverkehr in Innenstädten möglichst reduziert werden soll
(2) das Wort Forderung wurde auf Einwendungen der Referenten berichtigt - Forderungen darf das o.g. Amt keine stellen, übrigens auch nicht das Umweltamt und nicht der Heimatpfleger, die diesen Wunsch ebenfalls geäußert hatten
(3) Der Kriterienkatalog Nachhaltige Stadtentwicklung soll helfen, Flächennutzungen auf ökologische, ökonomische und soziale Verträglichkeit zu prüfen. Er besteht aus acht Teilen, die aus dem Forschungsfeld „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)“ des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung abgeleitet sind. Er stellt eine Sammlung von Indikatoren dar, die auf verschiedene Aspekte einer nachhaltigen Stadtentwicklung hinweisen und kann dazu beitragen, erwünschte bzw. nicht erwünschte Entwicklungstrends zu kennzeichnen. Ziel des Agenda Teams ist, dass diese Vorgaben als Grundlagen für die städtebauliche Planungsarbeit und Gestaltung von den städtischen Behörden verwendet werden.
Der Katalog ist erhältlich vom Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung, Kontakt: Wolfgang Hatz, Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeographie, Universitätsstraße 10, 86135 Augsburg Tel. 0821/598-2281 Internet: http://www.geo.uni-augsburg.de/sozgeo (Stichpunkt: Aktuelles) oder http://www.augsburg.de/Seiten/augsburg_d/umwelt/augsburger_agenda21/augsburger_agenda21_u/einfuehrung1.shtml (Umwelt und Gesundheit/Agenda 21)
Das Fachforum trifft sich ca. alle 4 Wochen im Zeughaus, I.St.


   
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