Bauausschuss für Erhalt der Direktorenvillen im Textilviertel?

Das Textilviertel, annähernd 200 ha groß, soll als innenstadtnahes industrielles Brachgebiet verstärkt zur Wohnbebauung und gewerblichen Nutzung verwendet werden.
„Die vereinzelt gelegenen Grünflächen sollen zu einem ökologisch wirksamen Verbundssystem vernetzt werden, das die Wallanlagen des östlichen Altstadtrandes mit den Uferbegleitenden Grünflächen des Lechs verbindet“ so sieht es der städtebauliche Rahmenplan vom Sept. 2000 vor.
Trotzdem entsteht der Eindruck, dass Teilflächen vermarktet werden, deren Bebauungsplan nicht diesem Gesamtkonzept entspricht. Zu dichte Wohnbebauung wird vorgesehen, weil diese die Kreditwürdigkeit für das Baugebiet erhöht und damit dem Investor größere finanzielle Möglichkeiten gibt.
Ob der Bauplan einer zukunftsorientierten Städteplanentwicklung entspricht, bleibt außen vor. Feststeht jedenfalls, dass die Stadt mit der Absegnung des Bauplans Tatsachen schafft, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Zwischen Genehmigung und endgültiger Realisierung kann ein Zeitraum von 10 Jahren verstreichen. Die Voraussetzungen und städtebaulichen Erfordernisse können inzwischen ganz andere sein. Eine Rücknahme oder Abänderung der Genehmigung wird jedoch in der Regel nicht erfolgen. „Schadenersatzforderungen des Investors“ heißt das Zauberwort, das dann jeden Vernunftgründen entgegensteht. Erschwerend kommt in Augsburg hinzu, dass es keine langfristige Wohnraumbedarfsplanung gibt.
Nur dem Einsatz engagierter Menschen aus unterschiedlichen Kreisen – das Spektrum reicht hier vom Stadtheimatpfleger und Denkmalpfleger bis zur Bürgerinitiative Textilviertel und dem Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung bei der Agenda 21 – ist es zu verdanken, dass der Bauausschuss offensichtlich eingelenkt hat. Die denkmalgeschützten Direktorenvillen und das ehemalige Waschhaus sollen nicht abgerissen werden. Dafür soll der Spielplatz an die Straße – also weg von den Wohnungen. Es sollen keine öffentlichen Wege an den Villen vorbeiführen. (1) Damit wird eventuell auch der vorgesehene Durchgang gestrichen. Die zu dichte Wohnbebauung soll bleiben.
Ob dann noch ein industriegeschichtlicher Rundgang rund um das geplante Textilmuseum möglich ist, bleibt offen. Elli Frana

Bilder (130 KB)
Einwendungen der Bürgeraktion Textilviertel gegen den Bebauungsplan Nördlich der Provinostraße
Anregungen und Anträge mit ausführlicher Begründung (125 KB pdf)
Einwendungen des Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung bei der Agenda 21
Resolution des ersten Round-Table-Gesprächs zur Industriekultur

(1) Augsburger Allgemeine 17.1.2003


   
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