Sheridan Gebäudehalle 116 Pfersee

Auseinandersetzung mit dem KZ-Außenlager

Veranstaltung am 4.3.04
Referat: Wolfgang Kucera, Geschichtswerkstatt Augsburg

Ein Bericht von Hanne Corniels

Geschichte

Bis zu den 30er Jahren wurde das Gelände landwirtschaftlich genutzt (Grasiger Weg). Im Zug der Aufrüstung unter den Nazis sollte das in Augsburg stationierte Militär aus der Innenstatt in die Außenbezirke verlegt werden, wo es mehr Möglichkeiten zur Erweiterung gab.
Die spätere Sheridan Kaserne wurde von der Baufirma Griesmann 1934 gebaut und hieß General-Kneußl-Kaserne. Stationiert war dort die 27. Wehrmachtsdivision (Infanterie, Artillerie und Panzerabwehr). 1936 wurde die Kasernen für den Nachrichtendienst für Luftfahrt und Heer gebaut, wo auch Funker ausgebildet wurden, der Mannschaftsstand betrug zwischen zwei- und dreitausend Soldaten.

Während des Krieges waren die Kasernen von Genesungs- und Ersatzeinheiten belegt. 1945 waren hier 2400 polnische DPs untergebracht.
Am 15.7.46 übernahm die US-Army die Sheridan und Reese Kasernen und legten sie zusammen. Das Areal wurde abgesperrt mit bewachten Zugängen, der Grasige Weg hatte einen Sonderstatus als Durchgangstraße. Stationiert waren US-Infanterie, Artillerie, Fallschirmspringer und Nachrichtendienste.

Architektur

Die Kasernen wurden hier, wie in ganz Deutschland, als aufgelockerte Hofanlagen angelegt, d.h., die Gebäude wurden um einen Exerzierplatz herumgruppiert. Im Vergleich zu den Kasernen in der Innenstadt war diese Anlage dezentralisiert, sie konnten, wohl auf Hinblick auf die Nachrichteneinheiten, besser getarnt werden.
Wie in den übrigen, damals gebauten Kasernenanlagen, wurden die Mannschaftshäuser von Norden nach Süden angelegt, für jeden Soldaten wurden eine „Wohnfläche“ von 4 ½ bis 6 Meter berechnet. Der Stil wurde der regionalen Landschaft angepasst. Im ehemaligen Offizierskasino gibt es heute noch ein Wandgemälde von der Schlacht auf dem Lechfeld, in der Reese Kaserne sind noch Schmuckelemente aus der Nazizeit erhalten und ein Wandgemälde vom Befreiungskrieg.

Ansonsten legte man Wert auf Dauerhaftigkeit. Die Amerikaner haben nur wenig verändert, sie haben die Militäranlage nur erweitert, um die Kirche, einen Festsaal, Sporthalle und Sportplätze und ein Bowlingcenter. In den 80er Jahren haben sie die Gebäude renoviert, ohne die Strukturen zu verändern.

Halle 116

Stadtberger Gate
Die Nummer stammt von der US Army

Dort waren am 25. Februar 1944 nach der Bombardierung der Messerschmitt Werke 15- bis 20-Tausend Zwangsarbeiter der Messerschmitt Werke untergebracht.
Vorher war die Halle eine Gerätehalle, bzw. Garage gewesen. Die Gefangenen waren in 8 Block zu je 200 Gefangene aufgeteilt, die nur durch Drahtzäune abgeteilt waren. Praktisch haben hier jahrelang 1 600 Menschen in einem einzigen Raum geschlafen. Dazu gab es laut Zeitzeugen noch einen „Baby-Block“ für kleine Buben, einen Block für die Funktionshäftlinge und ein „Krankenrevier“, das auch von anderen Zwangsarbeiterlagern in der Region genutzt wurde, denn Augsburg galt im schwäbisch-bayerischen Raum (einschließlich Allgäu) als Hauptlager.

Die Gefangenen arbeiteten in zwei 12-Stundenschichten, d.h., die Strohsäcke waren Tag und Nacht belegt. Die Arbeit begann in der Fabrik um 6 Uhr, zuvor mussten sie zu Fuß durch Pfersee zu der Lokalbahnbahn an der Adelhochstraße laufen, von dort aus ging es mit der Bahn (falls sie überhaupt fuhr) nach Haunstetten. Nach der Rückkehr abends, mussten sie stundenlang auf dem Appellplatz stehen. Die Häftlinge wurden von den Firmen für 4-8 RM pro Tag von der SS gemietet, das Geld wurde von der SS eingesteckt.

Diese Lager hatten ihre eigene Hierarchie, in der die Juden und Russen die unterste Stufe darstellten, d.h., sie bekamen die schlechteste Ernährung und die härtesten Strafen.
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Behandlung der Zwangsarbeiter in Augsburg besser war als im Lager Kaufering, wo besonders viel Juden, die aus Auschwitz evakuiert worden waren, gearbeitet haben, dort war die Todesrate über 30%.
Die Todesursachen im Augsburger Lager waren Luftangriffe, Seuchen oder Misshandlungen. Genaue Angaben über die Todesfälle kann man nicht machen, weil bis zum Herbst 1944 die Toten in das Stammlager Dachau zurückgebracht werden mussten. Wegen der Überlastung des Krematoriums in Dachau wurden dann die Leichen im Westfriedhof im Krematorium verbrannt, später nur noch in Massengräbern beigesetzt. Bei der Umbettung, 1950, fand man wesentlich mehr Tote als vorher angenommen worden waren.

Vor der Befreiung durch die Amerikaner am 23.4.45 wurden die Häftlinge noch auf einen Evakuierungsmarsch geschickt, die Kranken wurden nach Dachau gebracht.
Auf dem Marsch in Richtung Schwabmünchen gab es Todesopfer, die bei Schwabstadel, Klimnach, Bergheim und Schwabmünchen beerdigt sind. Noch nach der Befreiung in Schwabmünchen gab es ein tragisches Unglück, 60 bis 70 Häftlinge starben an einer Ethanol-Vergiftung.

KZ Häftlinge wie in der Halle 116 haben fast ausschließlich in Rüstungsbetrieben gearbeitet, denn die Fabriken waren alle auf Rüstung umgestellt, sonst bekamen sie vom Staat kein Material zugeteilt. Das war für die sowjetischen Häftlinge besonders tragisch, denn sie wurden bei ihrer Rückkehr in die Heimat oft als Landesverräter bezeichnet und entsprechend diskriminiert.

Erhalt der Halle gesichert

Durch die Initiativen der Geschichtswerkstatt und der Initiativen für die Zwangsarbeiter ist es gelungen, einen Stadtratsbeschluss zum Erhalt der Halle durchzusetzen. Es sind auch nur noch wenige der Außenlager in unserer Region erhalten, die Halle 116 ist daher ein wichtiges Zeitdokument.
Da die zweistöckige Halle sehr groß ist, kann man nur einen Teil des Erdgeschosses als Museum umbauen. Das Problem ist, Mieter für die übrigen Räumlichkeiten zu finden, die dieser Nutzung zuträglich sind. Es liegen Anfragen vor, aber von einer Lösung ist man noch weit entfernt.

Die Diskussion, die sich dem Referat anschloss, brachte wenig Produktives, da in erster Linie Fragen zur Bebauung des Geländes der Reese Kaserne gestellt wurden.
Laut der AZ vom 11.3 04 ist der Kauf des Sheridangeländes durch die Stadt Augsburg abgeschlossen worden. Außer der Halle 116 können jetzt die Kasernen und Gebäude auf dem Gelände abgerissen werden.
Die Bebauung ist zu einem Drittel aus Wohngebäuden, einem Drittel Gewerbeflächen und einem Drittel Grünflächen geplant.

Hanne Corniels

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