Investitionspolitik der Stadt

Zerbricht das Regenbogenbündnis wegen der Flughafenfrage oder kann es den Ausbau von Bahn und Straßenbahn erfolgreich fortsetzen?

Regenbogen befindet sich in einer komplizierten Situation, denn der Spielraum für kommunale Politik wird erbärmlich eng. Durch die chronische Einfältigkeit der CSU hat Regenbogen allerdings einen geschenkten Bonus, gegen den bisher auch die Kampagnen der Augsburger Allgemeinen wenig fruchten. Es ergeben sich aber auch – manchmal überraschend große – Spielräume für kommunale Politik, die Regenbogen nutzen sollte und könnte. Hier zeichnet sich die Gefahr ab, dass die Regenbogenfraktionen mangels Prinzipien oder Konzepten zum Spielball großbürgerlicher, militärischer oder staatlicher Mächte werden und in eine ungewisse Zukunft trudeln. Vor allem die Verkehrspolitik macht zu schaffen.

Abenteuer Zivilflughafen Lagerlechfeld

Augenfällig stürzt sich der OB und die SPD nach längerem Zaudern in das Abenteuer Zivilflughafen Lagerlechfeld. Dieses Projekt ist nicht rein zivil, es beruht auf der Kooperation mit einem Militärflughafen, von dem aus die Tornados sich für Kampfeinsätze wie seinerzeit in Jugoslawien bereithalten. Die Bundeswehr will am Standort Kosten senken und sich von den Kommunen und Landkreisen Miete zahlen lassen. Hinzu kämen eigene Investitionen der Gebietskörperschaften in einen Zivilflughafen, deren Kosten kaum abschätzbar sind. OB Wengert redet von einem Betrag von zwei Millionen Euro, den die Stadt bereit sei, zu schultern. Das ist in jeder Hinsicht lächerlich. Und wie es scheint will die Bundeswehr zusätzlich horrende Summen für – angeblich nötige – Umbauten.

Firmen, v.a. große Konzerne, und der bayerische Wirtschaftsminister haben die Stadt gedrängt, den Flughafen Mühlhausen aufzugeben. Jetzt können die Grünen nicht mehr mitmachen, denn die nötige Auslastung eines großen Flughafens in Lagerlechfeld bringt zwangsläufig Jets, Fracht- und Charterverkehr. An Widerstand in der Region hat sich ein riesiger Zusammenschluss von Bürgerinitiativen gebildet, zahlreiche Bürgermeister zwischen Landsberg und Friedberg befinden sich in der Front der Gegner. Die Augsburger SPD, bzw. die Stadt Augsburg, repräsentiert durch den OB, legt sich mit der ganzen Region im Osten und v.a. Süden an wegen zweifelhafter Wirtschaftsinteressen. Und die Gegner eines Zivilflughafens in Lagerlechfeld haben, wie es scheint, gute und triftige Gründe, so dass man wirklich besorgt sein muss, ob die Stadt mit ihrem Kurs gut beraten ist.

Die Fronten

Die Fronten in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg sind etwa so: die CSU ist für den Flughafen, Grüne und Freie dagegen, die SPD ist gespalten, aber an den Brennpunkten auf der Seite der Gegner. So gehört z.B. der Kissinger Bürgermeister Wolf (SPD) zur Spitze der Gegner und sah sich bei dem großen Hearing der Bürgerinitiativen Kissing und Mering am 21.10.2004 massiven Angriffen von Landrat Christian Knauer (CSU) und stellvertr. Landrat Peter Feile (SPD) ausgesetzt. Peter Feile beharrt darauf, dass man im Kreisrat eine Zustimmung für einen Marketingfond und den Ausbau von Mühlhausen auf 400 000 Fluggäste durchgedrückt habe. Das müsse jetzt auch für Lagerlechfeld gelten. Peter Feile, ein Beamter der Augsburger Stadtverwaltung, dient mit dieser Position dem Augsburger OB. Er sollte als Rechnungsprüfer besser seine eigenen Aussagen beherzigen: „Wer über öffentliche Gelder verfügt, sollte sich keine Herrscherrolle zumessen, wir Beamte verwalten das Geld der Bürger nur in treuhänderischer Funktion.“ ZirbelNews 3-4/2004

Die Politik von Wengert und Wiesheu ist echt auf Spaltung angelegt. Mit dem Standort Lagerlechfeld glaubt man die Städte Neusäß, Gersthofen, Aichach aus der Front heraus zu haben. Aber man bringt die größten Städte der beiden Landkreise, Königsbrunn und Friedberg, in die Front. Man legt sich mit den größten Gemeinden des Landkreises Aichach-Friedberg an, Mering und Kissing, und mit der viertgrößten Stadt des westlichen Landkreises, Bobingen. Wengert bzw. die Augsburger SPD-Führung tun der Entwicklung der SPD in der Region keinen guten Dienst. Zwar hat die CSU in beiden Landkreisen um die 50% und die SPD nur um die 20%, aber wichtige und Städte und Gemeinden sind bereits SPD-regiert: Friedberg, Mering, Kissing, Bobingen etc. haben SPD-Bürgermeister (bzw. SPD-regierte Räte). Ein Trend, den man ausbauen könnte. In Königsbrunn ist die SPD dabei, die CSU-Vorherrschaft zu brechen… Und jetzt fährt ihnen die Augsburger SPD in die Parade zusammen mit den CSU-Politikern. Damit zerschlägt Wengert und die Augsburger SPD das Bündnis mit der Region, das sie seit Jahren einfordern und das sie schon mit dem Flughafen Mühlhausen ständig unterminiert haben, endgültig. Die SPD verbaut sich auch eine Chance, in den südlichen und östlichen Stadtteilen von Augsburg wieder stärker Fuß zu fassen.

Inzwischen wurde auch in Augsburg eine „Bürgerinitiative Augsburg gegen den Regionalflughafen Lechfeld“ gegründet. Betroffene vor allem aus Haunstetten, Bergheim und Lechhausen fühlen sich schon jetzt durch die Militärflieger stark belastet und halten eine Zunahme an Fluglärm für unzumutbar, teilt Sprecherin Karin Brandl mit. Die Initiative will die Augsburger aufklären, dass auch das Stadtgebiet und die Naherholungsgebiete von zusätzlichem Fluglärm und Umweltverschmutzung nicht verschont bleiben würden. Als „unverantwortlich“ werde es bezeichnet, Steuergelder für einen zusätzlichen Flughafen einzusetzen. (Kontakt: Karin Brandl, Telefon 0821/157443)

SPD setzt Regenbogenkoalition aufs Spiel

Hinzu kommt, dass die Augsburger SPD wegen der Flughafenfrage die Regenbogenkoalition mit den Grünen knallhart aufs Spiel setzt. Die Grünen und die ÖDP werden gezwungen sein, bei den Haushaltsberatungen für 2005 die Ausgaben für Lagerlechfeld abzulehnen und die Stadtbonzen sind schon ganz gierig, die Regenbogenkoalition platzen zu sehen. Auch die Taktik der Grünen im Stadtrat, ihre Gegnerschaft zu einzelnen Punkten zum Ausdruck zu bringen, aber das umstrittene Gesamtpaket dann anzunehmen, läßt sich nicht so oft strapazieren. Sonst besteht die Gefahr der Selbstdemontage, wie bei den jüngsten Entscheidungen zum Flughafen Mühlhausen praktiziert: um das – zweifelhafte – gemeinsame Anliegen einer Reduzierung der Kosten des Flughafens Mühlhausen zu retten, stimmten die Grünen der regulären Benutzung der Sicherheitsstreifen zu und verzichteten auf die Forderung eines Wirtschaftlichkeitsnachweises vor weiteren Investitionen. Das ist ein offener Bruch der Affinger Vereinbarung bzw. des Konsenses, der auch dem Gerichtsverfahren zugrunde lag.

Der Großwiderstand gegen den Flughafen Lagerlechfeld, den Stoiber schon bei seiner Europawahlkundgebung in Augsburg zu spüren bekam, soll wohl mit einer noch unausgesprochenen Erpressung unterlaufen werden: die Bundeswehr könnte auch gehen, wenn ein Zivilflughafen verhindert wird, und mit ihr 4000 Arbeitsplätze. Und das wäre doch ein eindeutiger arbeitsmarktpolitischer Schaden, der das Argument der Gegner leicht aufwiegt, ein Zivilflughafen würde nur unbedeutend Arbeitsplätze schaffen? So könnte die bayerische Staatsregierung wohl versuchen, den Widerstand zu brechen, denn gegen den Militärstandort Lagerlechfeld wollen die Bürgerinitiativen aus verschiedenen Gründen nichts sagen. Auf der Demonstration der Flughafengegner am 23.10.2004 in Augsburg tauchte allerdings auch die Parole auf: „Tornado Terror reicht uns“. Das deutet darauf hin, dass in der Bewegung latent doch auch ein Haß auf den Militärstandort vorhanden ist.

Jedenfalls, Regenbogen will gegen den Militärstandort Lechfeld nichts sagen und die SPD-Fraktion läßt sich von Wiesheu in ein Kooperationsprojekt mit der Bundeswehr steuern, das vom friedenspolitischen Standpunkt aus unsittlich, vom kommunalpolitischen Standpunkt riskant, vom ökologischen Standpunkt verwerflich, vom verkehrspolitischen Standpunkt im Sinne einer ausgewogenen, zukunftsorientierten Struktur kontraproduktiv ist und vom finanzpolitischen Standpunkt an Veruntreuung öffentlicher Gelder grenzt.

Die Bahn als Alternative

Als Alternative fällt einem als erstes die Bahn ein. Die überregionalen Entscheidungen fallen natürlich nicht in Augsburg, obwohl sie die Stadt stark tangieren, bzw. eben nicht mehr tangieren. Die Nord-Süd-Verbindung München-Nürnberg über Ingolstadt, statt über Augsburg, macht beim Ausbau erhebliche technische, finanzielle und terminliche Probleme. Aber eine Kehrtwendung über Augsburg statt Ingolstadt wird es nicht geben. Der Ausbau der Strecke Augburg-Stuttgart ist ernstlich gefährdet. Der Bahnausbau innerhalb Schwabens, von Ulm/Neu-Ulm ins Allgäu, bzw. von München an den Bodensee mit Alpentransversale über die Schweiz ist gefährdet.

Einziger Hoffnungsschimmer ist zur Zeit der geplante Umbau des Hauptbahnhofs und die Einführung des Regio-Schienentaktes der Bahn im Jahr 2007. Der Ausbau des Hauptbahnhofs zu einer „Mobilitätsdrehscheibe“ mit Straßenbahnkreuz vor dem Bahnhof, neuen Straßenbahnlinien, Untertunnelung des Bahnhofs, Öffnung nach Westen (Pfersee) ist ein sehr großes Investitionsprojekt, das allein die Stadtwerke 200 Mio. € kosten wird. Es hat über ein Jahrzehnt gedauert, bis sich offenbar auch das bürgerliche Lager, vielleicht zuletzt sogar die Augsburger CSU mit dem Gedanken einer Reform des Bahnverkehrs im Großraum Augsburg anfreunden konnte. Es wird natürlich wie immer bis zuletzt offen bleiben, was unter einer „Mobilitätsdrehscheibe Hauptbahnhof“ letztendlich zu verstehen ist bzw. was dabei herauskommt. Man kann nur hoffen, dass die hochgesteckten, wirklich fortschrittlichen Ziele nicht nur Manöver für die Landtags- und Kommunalwahlen sind. Was am Augsburger Hauptbahnhof an Investitionen alles nötig wäre, hat das Forum Augsburg Lebenswert in einer 20seitigen Broschüre zusammen mit dem Behindertenbeirat, dem BN, VCD, ADFC, ANA etc. zusammengestellt. »»

Der Standpunkt der Wirtschaft hierzu im O-Ton: „Gravierend sei für die Wirtschaft neben dem sechsspurigen Ausbau der A 8 die Frage eines Bahnknotens, so Saalfrank. Das geplante Güterverkehrszentrum gehöre ebenso dazu wie die künftige ICE-Anbindung, für die Allianzen mit Nordbayern geschmiedet würden. Wichtig sei aber auch ein S-Bahn-ähnlicher Schienenverkehr, der rund um Augsburg auf den Weg gebracht werden müsse: Ein Netz an Haltestellen sei für eine Großstadt unentbehrlich, sagte Saalfrank.“ Augsburger Allgemeine 15.1.2003

Die Wirtschaft setzt vor allem auf den Straßen- und LKW-Verkehr

In der Praxis allerdings baut das bürgerliche Lager in erster Linie auf den Straßen- und LKW-Verkehr und auf den Flughafen. Und das in beängstigenden Größenordnungen. Nur zwei Beispiele: Hama Trucks in Zusmarshausen – also direkt an der Autobahn A8 – ordert 1000 schwere MAN-LkW, also mehr als das britische Militär, das neulich 800 MAN-LkW bestellte. Es ist klar, dass ein Konzern wie MAN oder ein großer Spediteur wie Hama in erster Linie Druck machen, dass die Fernverkehrsstraßen ausgebaut werden, hier vorrangig die A8 sechsspurig. Aldi baut zur Zeit ein riesiges Logistikzentrum in Kleinaitingen direkt an der B17. 65 LkW können an der Lagerhalle gleichzeitig andocken. Ganz zu Schweigen von von den Holz- und Papiertransporten von UPM Kymmene per LKW oder von Walter Bau, die ja vom Autobahn- und Brückenbau lebt.

Hier werden also von der Wirtschaft harte Fakten geschaffen. Erhalt und Ausbau dieses Straßennetzes hat wirtschaftspolitisch wohl oberste Priorität.
Ob da noch Geld für den Schienenverkehr übrig bleiben wird oder übrig bleiben soll, ist mehr als fraglich. Eine Ansiedlungs- oder Industriepolitik der Stadt, die von einer weiteren Massierung auf die A8 und B17 als „Hauptschlagader“ der Region wegführt und auf die Schiene hinlenkt, ist nicht zu erkennen.

IKEA-Ansiedlung höchst problematisch

Im Gegenteil, mit der Ansiedlung von IKEA auf Gersthofer Gebiet betreibt die Stadt Augsburg ein weiteres Projekt, das massiv Verkehr auf die B17 ziehen wird: „Der Erschließungsverkehr läuft zum größten Teil über die B 17. Bis zu 1000 Fahrzeuge pro Stunde könnten zusätzlich kommen. Staus werden befürchtet. „Wer zahlt da den notwendigen Ausbau?“, so ein Beteiligter. …“ Augsburger Allgemeine 14.10.2004

Das pikante dabei ist, dass mit Segmüller und Hiendl eigentlich schon genug riesige Möbelhäuser da sind und Hiendl vielleicht dicht macht wegen der Konkurrenz durch IKEA. Davon wird noch nicht gesprochen, aber dass der Handel in der Augsburger Innenstadt erneut massiv gefährdet wird durch die Politik der Stadt – wie schon beim ECE-Center – steht schon fest: „Streitpunkt sind die für das Unternehmen [IKEA] lukrativen „innenstadtrelevanten Sortimente“ (Geschirr, Blumen, Gardinen, Teppiche etc.). Nur eine bestimmte Größenordnung ist zulässig, da sonst zu viel Kaufkraft aus Augsburg abgeschöpft würde. Deswegen könnte Augsburg das Projekt (auf Gersthofer Flur) verhindern, will es aber nicht.“ ebd.

Augsburg hätte definitiv die Möglichkeit, IKEA in der geplanten Größe als „baurechtswidriges Projekt“ zu verhindern. Was sagt nun die Stadt Augsburg in Gestalt des Vorstands der Augsburg AG, Dr. Wolfgang Hübschle: „Die Region will und braucht die Ansiedlung.“ – Wir wissen nicht, wen er da gefragt hat. Die Linie der Stadt Augsburg besteht nun nicht etwa darin, von dem Konzern IKEA eine Sortimentseinschränkung, sondern von Gersthofen einen Gewerbesteueranteil zu verlangen. Damit opfert die Augsburger Stadtverwaltung den Handel in der Innenstadt erneut ihrer Gier nach Gewerbesteuereinnahmen und läutet eine neue Straßenbaurunde ein. Die Augsburger SPD verzichtet darauf, ein „baurechtswidriges Projekt“ zu verhindern. Beim türkisch-islamischen Kulturzentrum war sie nicht so großzügig, hat im Gegenteil ohne Not eine Baurechtswidrigkeit konstruiert wo eigentlich keine war.

Der Umbau der stauträchtigen B17-Kreuzungen Pfersee-Süd und Göggingen wird nun definitiv nötig, obwohl sich die Stadt dies nicht leisten kann. Was fällt Regenbogen dabei ein? Mit Hilfe eines Deals zwischen den Wohnungsbaugesellschaften Augsburg Land und Stadt soll Geld für den Umbau der B17 locker gemacht werden, Gelder die im kommunalen Wohnungsbau erwirtschaftet wurden und eigentlich für den gemeinnützigen Wohnungsbau zur Verfügung stehen müssten! Der Plan für diesen schmutzigen Deal stammt etwa aus einer Zeit, wo es in der Immobilienabteilung der Stadtsparkasse Augsburg bereits hieß: „Wir können bald von einer Wohnungsnot sprechen“. Augsburger Allgemeine 19.9.2002

Neue EU-Grenzwerte als Hoffnungsschimmer? Rückbau von Straßen?!

In dieser trüben Lage taucht nun ein Hoffnungsschimmer auf. Neue Grenzwert der EU für Feinstaub ab 2005 und Stickoxyde ab 2010 zwingen auch Kommunen und Landesregierung zum Handeln. Augsburg überschreitet momentan diese Grenzwerte anscheinend so weit, dass in der Öffentlichkeit gar keine Zahlen mehr genannt werden. Aber die Stadt hat bereits einen „Musterplan“ vorgelegt: „Augsburg setzt große Stücke auf den weiteren Ausbau des Straßenbahn-Netzes, gekoppelt mit dem Rückbau von Hauptverkehrsstraßen, auf eine bessere Vernetzung der Verkehrsträger, auf effizienteren Güterverkehr und mehr Radfahren. Dazu kommen Auflagen für Betriebe, die Schadstoffe ausstoßen, und die Förderung erneuerbarer Energien. Aber ob all dies genügt, um die bisher festgestellten Überschreitungen des künftigen Grenzwerts zu verhindern, wissen auch die Augsburger nicht. Deswegen sind weitergehende Zwangsmaßnahmen im Gespräch, zum Beispiel Fahrverbote in der Innenstadt…“ Augsburger Allgemeine 16.10.2004

Das wären schon revolutionäre Maßnahmen in Augsburg. Und der Ausbau der Straßenbahnlinien schreitet tatsächlich voran und der Rückbau von Straßen findet statt (Ulmer Straße, Donauwörther Straße). Vor allem mit der geplanten Straßenbahnlinie 6 nach Hochzoll versucht die Stadt, einen weiteren kräftigen Schritt in diese Richtung zu tun. Gefahr droht nun von der Regierung von Schwaben als Genehmigungsbehörde, sprich verlängerter Arm der Staatsregierung: „Die Genehmigungsbehörde fordert den Nachweis, dass der Autoverkehr nicht zusammenbricht, wenn die Friedberger Straße zugunsten der Tram schmäler wird. Verlangt werden nicht nur Korrekturen an der Blücherstraße, sondern auch der vierspurige Ausbau der kleinen Osttangente und eventuell ein Umbau am Theodor-Heuss-Platz mit Tieflage.“ Augsburger Allgemeine 13.10.2004

Die Genehmigungsbehörde bezweifelt, dass über die Haltestellen Rotes Tor und Theodor-Heuss-Platz künftig drei Tramlinien im 5-Minuten-Takt - 3er, 4er und 6er – fahren können, ohne dass es dort zu größeren Autostaus kommt. Verlangt wird deshalb, am Heussplatz eine Tieflage für die Tram zu überprüfen. Ferner verlangt die Regierung einen Umbau der B 2-Kreuzung im Süden Hochzolls (Schwabhof). Und nicht zuletzt soll die Stadt eine neue Variante prüfen, bei der die Straßenbahn vollständig von der Friedberger Straße verbannt wird und auf einer eigenen Brücke (!) über den Lech geführt wird.

Die 6er muss kommen!

Diese ganzen Vorschriften und Verlangen der Regierung laufen darauf hinaus, das Straßenbahnprojekt der Stadtwerke regelrecht zu torpedieren. Die Lage ist ernst und Regenbogen muss sich bewähren. Schützenhilfe für die Regierung kommt postwendend von der Augsburger Allgemeinen in Form einer Leserbriefkampagne. Die Gegner des öffentlichen Personennahverkehrs sehen die Dinge schon im Zusammenhang und befürchten einen systematischen Rückbau der zentralen Straßen, d.h. eine echte Einschränkung des innerstädtischen Automobilverkehrs. Die Verlängerung der 1er bis Ostfriedhof und die Verlängerung der 4er brachten eine Zurückführung der Blücherstraße und Donauwörther Straße auf jeweils eine Fahrspur für Autofahrer. Eine Verlängerung der 1er bis Hochzoller Bahnhof würde wohl einen komplett einspurigen Rückbau der Zugspitzstraße bedeuten und eine etwaige 1b bis Hammerschmiede würde das Gleiche für die Neuburger Straße bedeuten.

Um diese Entwicklung zu stoppen, will das Lager aus Wirtschaft und CSU wohl mit der Verhinderung der Linie 6 nach Hochzoll-Süd ein Exempel statuieren bzw. die Stadtverwaltung zur Kompensation dieser Linie in uferlose Investitionen in das Autoverkehrsnetz im Süden und Osten der Stadt treiben. Es geht wohl auch darum, Regenbogen ein Vorzeigestück vor den Kommunalwahlen 2008 aus der Hand zu schlagen. Denn die Stadtwerke planen die Aufnahme des Straßenbahnbetriebs der 6er im Jahr 2007.

Stadtwerke und Tiefbauamt lassen jetzt von Verkehrsgutachtern überprüfen, ob die Friedberger Straße auch nach dem Bau der Tramlinie 6 „zumindest in wichtigen Teilabschnitten“ vierspurig bleiben kann. Aber Manfred Hecker von der Stadtwerke Verkehrs-GmbH betonte gegenüber der Augsburger Allgemeine: „Am Tramprojekt selbst werde nicht gerüttelt. Seit Jahrzehnten sei es Auftrag des Stadtrats, das Tramnetz auszubauen. Die Linie 6 ist im Verkehrsentwicklungsplan als „dringlich“ eingestuft, der Stadtrat hat die Trasse festgelegt. Inzwischen ist die Linie Teil des Gesamtprojekts Mobilitätsdrehscheibe. Laut Hecker werden mit der 6er mehrere Ziele verfolgt: Sie erschließt die drei Stadtteile Textilviertel, Herrenbach und Hochzoll, wo über 30 000 Menschen wohnen. Es werde eine schnelle Verbindung sein – 5 Minuten vom Diesel-Gymnasium zum Kö. In der Friedberger Straße eröffne sich die Chance, das Stadtteilzentrum aufzuwerten. Wenn die Investition von 38 Millionen Euro mit Hilfe von Zuschüssen geschafft ist, ergäben sich für den Betrieb Vorteile. Da vier Buslinien wegfallen, werden für den Tramverkehr weniger Wagen und Fahrer gebraucht.“ Augsburger Allgemeine 22.10.2004

Aber das bürgerliche Lager ist auch in dieser Frage gespalten: die Hochzoller Wirtschaft und CSU betonte nochmal: „Die Linie 6 soll so kommen wie sie geplant ist. „Nur so können wir unser Zentrum mit weniger Autoverkehr umgestalten“, betonen CSU-Ortschef Hermann Högenauer und Uwe Künzel von der Aktionsgemeinschaft.“ ebd.

FCA-Stadion, Schauspielhaus, Eisarena: auf welche Klientel ist Regenbogen aus?

Natürlich will sich Regenbogen auch noch mit anderen Projekten profilieren, aber die Klientel ist eher bürgerlich oder schillernd und vor allem klein. Dies betrifft aktuell vor allem das Theater und das Stadion.
Regenbogen – sprich vor allem die SPD – ist drauf und dran, wegen einer relativ kleinen Klientel unverschämt viel Geld auszugeben. Nur weil diese Klientel wiedermal die Stadtbonzen und die Medien im Rücken haben.

Zum geplanten Neubau eines FCA-Stadions erschien ein Leserbrief in der Augsburger Allgemeinen, der an Deutlichkeit nichts zu Wünschen übrig läßt: „Augsburg war und ist seit den Tagen Helmut Hallers keine Fußballstadt und wird es auch nie sein. Echte Fans gibt es nur in geringer Anzahl (siehe Besucher in den vergangenen Saisonen), das Hinterland ist nur durch gute Leistungen zu aktivieren. Die aktuelle Tabellensituation lässt deshalb die Berichterstattung zum Bau eines 45 000 Personen fassenden Stadions als Anachronismus oder „Schildbürgerstreich“ erscheinen. Vor diesem Hintergrund sollte jedem vernünftig denkenden Bürger eine Investition der Stadt von 13 Millionen Euro zuzüglich Grundstück die Haare zu Berge stehen lassen. Für einen „Fanklub“ von – großzügig gerechnet – 250 Personen wohl etwas zu viel. Dass die Bürger dieser Stadt für ein absehbares Millionengrab bezahlen und im Gegenzug auf wesentlich wichtigere Investitionen (z. B. Verkehrsinfrastruktur) verzichten sollen, ist vor dem Hintergrund der Leistungen des Fußballklubs geradezu unanständig.“ Augsburger Allgemeinen vom 5.10.2004

Beim Stadttheater pumpt die Stadt schon eine ungeheure Summe an laufenden Zuschüssen – eine rechnerische Umlegung auf die Fan-Gemeinde wäre sicher auch hier interessant. Gottseidank scheint Regenbogen jetzt aber von der Idee eines neuen Schauspielhauses abgekommen zu sein und hat sich auf eine Sanierung der Komödie festgelegt. Auch wenn der Intendant Peters, CSU-Mitglied, Amok läuft. In der jüngsten Kampagne von CSU, Schönberg und Augsburger Allgemeine wird suggeriert, ein neues Schauspielhaus wäre jetzt wieder finanzierbar und auch für Regenbogen interessant. In einer Pressemitteilung dementiert die Stadt, bzw. der Kämmerer: „Im Haushalt 2004 sind aufgrund unserer desolaten Finanzlage keine Planungsmittel für ein Schauspielhaus vorgesehen. Im Investitionsprogramm für die Jahre 2003 bis 2007 zum Haushalt 2004 sind im Jahr 2005 Planungsmittel von 345.000 € im UA 3301 vorgesehen. Im aktualisierten Investitionsprogramm für die Jahre 2004 bis 2008 zum Entwurf des Haushalts 2005, der gegenwärtig versandt wird, habe ich diese Mittel „auf spätere Jahre“ verschoben. Dies habe ich Herrn Oberbürgermeister, dem Kulturreferat, den Fraktionen, Herrn Dr. Peters und Herrn Dr. Engert bereits in den letzten Wochen mitgeteilt. Dem Stadtrat bleibt es natürlich unbenommen, die Prioritäten anders zu setzen.“ Pressemitteilung der Stadt Augsburg 21.10.2004

Man darf hoffen, dass Regenbogen bei seiner Position bleibt. Zu fragen ist aber, warum die Planungsmittel für ein Schauspielhaus nur „auf spätere Jahre“ verschoben werden und nicht ganz gestrichen? Zu fragen ist auch, warum sich Regenbogen stattdessen nicht auf einen Neubau/Ausbau der Stadtbücherei festlegt. Die Klientel bzw. Fan-Gemeinde wäre hier überwältigend groß. Aber vielleicht kann dieser große Kreis nicht so viel Wind machen wie ein Peters-Club oder ein Panther-Club… Für die Eisarena, sprich das neue Panther-Stadion als Herzstück des geplanten Europolis am Bahnhofsgelände, soll jetzt wohl die seit Jahren geplante Fahrradstation geopfert werden. Die Stadt scheint bisher nicht in der Lage, die Fahrradstation gegenüber der Bahn und dem Schweizer Investor von Europolis durchzusetzen. Das ist allerdings auch kein gutes Omen für die vollmundigen Bahnhofspläne.

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