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Investitionspolitik
der Stadt
Zerbricht
das Regenbogenbündnis wegen der Flughafenfrage oder kann
es den Ausbau von Bahn und Straßenbahn erfolgreich fortsetzen?
Regenbogen befindet sich in
einer komplizierten Situation, denn der Spielraum für
kommunale Politik wird erbärmlich eng. Durch die chronische
Einfältigkeit der CSU hat Regenbogen allerdings einen
geschenkten Bonus, gegen den bisher auch die Kampagnen der
Augsburger Allgemeinen wenig fruchten. Es ergeben sich aber
auch – manchmal überraschend große –
Spielräume für kommunale Politik, die Regenbogen
nutzen sollte und könnte. Hier zeichnet sich die Gefahr
ab, dass die Regenbogenfraktionen mangels Prinzipien oder
Konzepten zum Spielball großbürgerlicher, militärischer
oder staatlicher Mächte werden und in eine ungewisse
Zukunft trudeln. Vor allem die Verkehrspolitik macht zu schaffen.
aus dem Inhalt:
- Abenteuer
Zivilflughafen Lagerlechfeld
- Die
Fronten
- SPD
setzt Regenbogenkoalition aufs Spiel
- Die
Bahn als Alternative
- Die
Wirtschaft setzt vor allem auf den Straßen- und LKW-Verkehr
- IKEA-Ansiedlung
höchst problematisch
- Neue
EU-Grenzwerte als Hoffnungsschimmer? Rückbau von Straßen?!
- Die
6er muss kommen!
- FCA-Stadion,
Schauspielhaus, Eisarena: auf welche Klientel ist Regenbogen
aus?
zum
Artikel
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Sie
kamen aus Kissing, Mering, Lagerlechfeld, Augsburg und vielen
anderen Orten. Sie trugen Plakate, Transparente, Schilder.
„Tornado Terror reicht uns“ hieß es darauf,
„Charter, Billig, Fracht, fliegen Tag und Nacht“,
oder auch einfach „Zivilflughafen in Lechfeld? Wir sagen
Nein!“. Bis zu 800 Teilnehmer hatte das „Bündnis
gegen einen Zivilflughafen auf dem Lechfeld“ (BGZL)
für den Demonstrationszug angemeldet. Gekommen waren
über 1000. Für den Meringer Bodo Hasubek, Vorsitzenden
des BGZL, ein klares Zeichen: „Das beweist, was wir
schon lange sagen: Die Region Augsburg ist gegen diesen Flughafen.“
[…]
Ähnlich
denkt Reinhold Scherle. „Es wäre sinnvoller, wenn
man dafür Schulbücher kauft“, so der Vater
von zwei Kindern. Scherle hat ein altes Bild dabei. Es zeigt
Wirtschaftsminister Otto Wiesheu - als Freisinger Kreistagsabgeordneter
inmitten von Demonstranten gegen den Flughafen München
II, so der Untermeitinger: „Wiesheu schiebt uns den
Flughafen zu, weil er mit einer weiteren Startbahn in München
Probleme in seinem Stimmkreis bekommen würde.“
[…]
Lauten
Applaus erntete Dill [Sprecher der Kissinger Bürgerinitiative]
für seine Kritik an Augsburgs OB Paul Wengert: „Nachdem
es mit der Kulturhauptstadt nichts geworden ist, hat sich
Herr Wengert ein neues Hobby gesucht - fliegen. Aber nicht
mit uns“, versicherte er. Das sah auch Karin Brandl
so. Sie ist die Sprecherin der jüngsten Bürgerinitiative
gegen den Flughafen - die in Augsburg. „Der Airport
ist ein reines Prestigeprojekt von Wengert“, sagte sie.
„Es kann nicht sein, dass man trotz leerer Stadtkassen
Millionen in dieses Projekt stecken will.“ Augsburger
Allgemeine 25.10.2004 |
| Große
Demonstration der Gegner des Flughafens Lagerlechfeld am 23.10.2004
in Augsburg |

Bilder:
http://www.kissing-sagt-nein.de
Ein
Bericht über die Demonstration findet sich in Berichte
aus Augsburg und Schwaben »» |
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Angriffskrieg
und Arbeitsplätze. Lagerlechfeld: Der Inspekteur
der Luftwaffe, Generalleutnant Gerhard Back (links), und der
stellvertretende Kommodore des Jagdbombergeschwaders 32, Oberstleutnant
Hans Berlin (rechts), mit „Verteidigungs“minister
Peter Struck vor einem ERC-Tornado. Das Jagdbombergeschwader
auf dem Lechfeld umfasst 44 ERC-Tornados. Struck plauderte mit
Soldaten und Zivilbeschäftigten: „Hier ist Ihr Arbeitsplatz
krisensicher“. Oberstleutnant Wilhelm May betonte die
hohe Leistungsfähigkeit und die führende Position
der ERC-Tornados innerhalb der Nato. Das Jagdbombergeschwader
in Lagerlechfeld, dem einzigen Standort der Maschinen in Deutschland,
war von März bis Juni 1999 bei der Operation „Allied
Force“ im Kosovo im Kriegseinsatz. May unterstrich in
diesem Zusammenhang die außerordentliche Belastung für
die Zwei-Mann-Besatzung der ERC-Tornados. Quelle: Augsburger
Allgemeine 26.11.2002
Angriffsmanöver. Im Mai 2004 fand die Luftwaffen-Übung „ELITE“
auf dem Lechfeld statt. 18 Nationen mit 110 Bodensystemen und
100 Luftfahrzeugen nahmen an dem zweiwöchigen Manöver
teil, das sich über ganz Süddeutschland erstreckte.
ELITE wurde unter dem Kommando des Befehlshabers Luftwaffenführungskommando
geführt. Dabei sollten „komplexe und realitätsnahe
Szenarien“ und das Zusammenwirken der unterschiedlichsten
Waffensysteme der Luftstreitkräfte geübt werden. Es
flogen italienische, britische und deutsche Tornados, schwedische
Viggen sowie F-16 der türkischen und griechischen Luftwaffe.
Es galt, „gegnerische Radar- rund Raketenstellungen zu
erkennen, ihnen auszuweichen und sie auszuschalten.“ Augsburger
Allgemeine 5.5.2004 |
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Schwenk
Marsch. Der SPD-Landtagsabgeordnete Horst Heinrich spricht von einem
„Oberschwabenstreich“, die Diskussion um das Lechfeld
wieder zu eröffnen. Nicht nur, dass eine parallele militärische
und zivile Nutzung aus seiner Sicht, die er auf Luftwaffenangaben
stützt, nicht möglich ist. Durch das fortwährende
Bohren sieht er auch den Militärstandort in Frage gestellt,
der 4000 Arbeitsplätze umfasse und jährlich eine Kaufkraft
von 307 Millionen Euro erbringe. „Wer diese wichtigste
Wertschöpfung Schwabens gefährdet, ist töricht
und kurzsichtig“, teilt Heinrich mit. Augsburger Allgemeine
4.12.2002
Plünderung. Die
Bundeswehr will getarnte Flugzeughallen sowie ein Munitionslagers
wegen des geplanten Zivilbetriebs verlegen. Dafür will
die Bundeswehr 18 Mio. € von den Gebietskörperschaften.
Außerdem will die Bundeswehr für die zivile Mitnutzung
der militärischen Infrastruktur eine saftige Jahresmiete
von den Nutzern, sprich der Augsburger Flughafen GmbH. |
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| Wengert, der Königstreue. Der
1. Bürgermeister der Stadt Füssen und damalige OB-Kandidat
(ab 1.5.2002 neuer Oberbürgermeister) von Augsburg Paul
Wengert besuchte Manfred Wolf bei seiner Nominierung
zum SPD-Bürgermeisterkandidaten 2002 für Kissing und
brachte „Seine königliche Hoheit Ludwig II“
als bunte bemalten Pappkameraden in Lebensgröße mit. – Die Zeiten haben sich geändert. Wengert, der
Königstreue, frisst nun der Staatskanzlei und den Kapitalisten
aus der Hand und Wolf befindet sich im Widerstand – wohlgemerkt
nur, was den Zivilflughafen Lagerlechfeld betrifft. |
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| Die Sozis und der Barras. Ansonsten
glaubt Wolf als Sozialdemokrat natürlich genauso
wie Wengert, das beste Verhältnis zum Barras pflegen zu
müssen. Er empfängt Astronaut Oberstleutnant Reiter und Oberst Stütz, Kommandeur des Jagdbombergeschwaders
32 ECR, Lagerlechfeld. Dennoch steht Wolf jetzt auf
der schwarzen Liste des Landrats Knauer ganz oben, weil er im
Widerstand gegen den Zivilflughafen eine führende Rolle
spielt. |
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| Die
Wirtschaftsvertreter Sebastian Priller, Dieter R. Kirchmair und Ralf Hartung „sehen“ zum Standort Lagerlechfeld
für den Zivilflughafen „keine Alternative“. Sebastian Priller, Chef der Brauerei
Riegele, übernahm die Firma von seinem Vater, dem Oberst
Josef Priller. Dieser war ein berühmter und hochdekorierter
Jagdflieger der Hitlerwehrmacht. Mit seinen üppigen Bezügen
aus der Naziluftwaffe vermochte er später wohl als Geschäftsführer
von Riegele landen. Wir zitieren aus der Webseite WaffenHQ,
die seinen Einsatz an der Westfront gegen britische und amerikanische
Truppen würdigt: „Priller jagte in etwa nur 50 Metern
Höhe über den Boden und beharkte die Truppen mit seinen
Bordwaffen. […] Dies war sicherlich einer der verrücktesten
Einsätze des gesamten Krieges – er wurde im legendären
und prominent besetzten Kriegsfilm "Der längste Tag"
stilgerecht verewigt. […] Am 15. Juni 1944 erreichte der
Oberstleutnant als siebenter Jagdpilot der Westfront seinen
100. Luftsieg. […] Nach dem Krieg engagierte sich der
populäre und überall sehr beliebte Priller in der
„Gemeinschaft der ehemaligen Jagdflieger“, trat
jedoch nicht wieder in die Bundesluftwaffe ein. Stattdessen
war er als Geschäftsführer einer bekannten Augsburger
Brauerei erfolgreich. Im Mai 1961 starb Priller im Alter von
erst 45 Jahren überraschend an einer schweren Herzattacke.
Während der Beisetzung in Augsburg flogen Düsenjäger
der Bundesluftwaffe zur Ehrung über die Menschenmenge.“
– Wen wundert es, dass Dr. Sebastian Priller jr. der Fliegerei
verbunden ist. In seiner Eigenschaft als Vizepräsidenten
der IHK für Augsburg und Schwaben äußert er
die Auffassung, dass der Airport alleine mit Linienflügen
wirtschaftlich nicht zu betreiben sei. „Natürlich
brauchen wir auch die Chartermaschinen.“ Augsburger
Allgemeine 23.9.2004. Wenn dann auch noch die Verkehrsinfrastruktur
auf der Straße B 17 und A 96 – geschlossen werde,
sei das Allgäu von Lagerlechfeld aus in kurzer Zeit zu
erreichen. Allgäu-Touristen müssten demnach nicht
zwingend in Memmingerberg landen. Dieter R. Kirchmair ist von der Deutschen Bank freigestellter
Promotor für regionale Standortpolitik. Er wurde schon
in den 90er Jahren installiert, da die Kapitalisten dem damaligen
Wirtschaftsreferenten Hintersberger ebenso wenig trauten wie
den Leuten von Wengerts munterer Company Augsburg AG.
Kirchmair meint, es gebe noch ausreichend Flächen für
Firmenansiedlungen rund um Lagerlechfeld. „Die Region
wird attraktiver. Da entsteht Leben.“ Ralf Hartung ist der Chef der Daimler Benz-Niederlassung
in Augsburg. Es wäre wohl etwas obszön gewesen, hier
einen Vertreter von EADS auftreten zu lassen. Aber der Stamm
(Daimler) ist nicht weit vom Apfel (DASA/EADS). Jedenfalls sind
Kirchmair und Hartung Sprecher und Vorstandsmitglied der Initiative
„Pro Schwaben Airport“. Damit ist klar, wer hinter
den Flughafenplänen steckt: die größte Bank
und der größte Konzern haben die Führerschaft. |
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