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| Begrüssung
zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus 1. November
2004
Liebe Freunde, Freundinnen und
Gäste 1950 wurde von der Stadt Augsburg
hier ein Denkmal für die Opfer des Faschismus errichtet. 235 Opfer
des faschistischen Terrors fanden hier ihre letzte Ruhe. Sie alle sind
Vorbilder des aktiven Widerstands gegen den deutschen Traum eines 1000jährigen
Reiches. Heute, fast 60 Jahre nach der Befreiung,
ist die Erinnerung an Menschen - und für manche der lebenden Zeitzeugen
die Erinnerung an Freunde und Freundinnen - ein wichtiger Augenblick
der Erinnerung an die gemeinsame Geschichte. Unabhängig der Parteizugehörigkeit
oder der Konfession verbindet das erlittene Leid und der Widerstand
gegen das faschistische Grauen die Opfer des Faschismus. Für
die hier Ruhenden stehen stellvertretend Leonhard
Hausmann (1933 in Dachau ermordet) Josefa
Miller (1937 im Frauengefängnis in Aichach) Innozenz
Rehm (1938 durch medizinische Versuche umgebracht) Sepp
Weichenberger (im Zuchthaus) Anni
Weichenberger (26. Juli 1942 ermordet, KZ Ravensbrück) Michael
Wiedemann
(10.8.1942 ermordet, KZ Dachau) Fritz
Pröll (Selbstmord, kurz bevor man ihn im KZ Dora umgebracht hätte) Josef
Graf (November 1942 hingerichtet)
Bebo
Wager (Hinrichtung am 12. August 1943 in München Stadelheim) Herman
Frieb (Hinrichtung am 12. August 1943 in München Stadelheim) Pfarrer
Dr. Max Josef Metzger (1944 hingerichtet), Clemens
Högg (Verbleib 1945 ungeklärt) Paula
Frieb (1945 umgekommen) Hans
Adelhoch (entkräftet im Lager 1945 gestorben) Jakob
Pesold (im KZ Dachau) Karl
Hitzler (im KZ Buchenwald ermordet) ... Sie alle sind Opfer aus dem Arbeiterwiderstand
wie er in den Gewerkschaften, in den kommunistischen, sozialistischen,
sozialdemokratischen und religiösen Organisationen gewachsen
war. Meist brutal mißhandelt früher oder später ermordet
oder aus Verzweiflung in den Selbstmord getrieben, ist ihre Lebens-
und Leidensgeschichte bei vielen heute vergessen. Aus der Geschichte für die
Zukunft lernen, sollte ihr Vermächtnis sein. Eine Erkenntnis,
die mit Grundlage unseres Handelns in der VVN/BdA wurde. Gedenktage
wie heute sind ein Bestandteil, gerade nicht der Forderung mancher
nachzukommen "die Nazivergangenheit endlich ruhen" zu lassen. Eine Vergangenheit die für
einen wachsenden Teil in Deutschland wieder zum Vorbild wird. Vor 40
Jahren wurde die NPD gegründet. Aus formalen Gründen scheiterte
ein Parteiverbot im Jahr 2002. Ein neues Verbot wird seitens der Bundespolitik
nicht angestrebt. Die Demontage der sozialen Stabilität, die hohe
Arbeitslosigkeit usw. verstärken den Nährboden für die
braunen Ideologien. Schon formiert sich eine "Volksfront von Rechts".
Der Schulterschluss zwischen parteiunabhängigen Neonazis
zeigte sich dieses Wochenende auf dem NPD-Parteitag. Neonaziführer
Thorsten Heise (geb. 1969) - im September 2004 in die NPD eingetreten - wurde
in den Vorstand gewählt. Der Neuaufbau eines Dritten Reiches ist
ihr Ziel. An dieser Stelle würde unser
Kamerad Martin Löwenberg (Münchner, 79 Jahre; ehem. KZ-Häftling)
erklären "Es ist legitim, ja legal, sich den Totengräbern
der Demokratie entgegenzustellen". Für diesen Ausspruch wurde
er wegen "öffentlicher Aufforderung zur Straftat" rechtskräftig
verurteilt. Der Neuaufbau des Dritten Reiches
bleibt straffrei! Dem braunen Sumpf entgegenzutreten
ist die Aufgabe aller. Es darf in dieser Auseinandersetzung keine Aus-
bzw. Abgrenzung von Antifaschisten und Antifaschistinnen geben. Das Erbe der Opfer sollte uns Ermahnung sein, gemeinsam an der "Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln"(1) zu arbeiten. Nur wenn dies gelingt haben wir eine Chance auf eine Zukunft ohne rassistischer, antisemitistischer und/oder neofaschistischer Grundlage. Die gemeinsame
Anstrengung liegt in der Entwicklung einer solidarischen und friedlichen
Zukunft. Antifaschismus ist unsere und auch eine kommunale Aufgabe. . Gedicht
von Innozenz Rehm verfaßt am 24.10.1935: Trotzig
Widerstand ich allen Stürmen. Mutig
zeigte ich dem Sturm den Weg. Und
siehe da - er ging den Weg, den
ich ihm wies - darum sei unverzagt und
trotze dem jetzigen Wind. Nach
dem Winter kommt der Frühling. Nach
dem Regen wieder Sonnenschein. Nach jeder Nacht erglüht sogar auf
Erden ein schönes, neues Morgenrot.
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