|
|
Mahnwache
des DGB anlässlich
des 61. Jahrestages der Bombenangriffe auf Augsburg
Aktionen
gegen die DVU und andere Faschisten
in der Stadt |
|

Die hervorragende Rede des DGB-Vorsitzenden Helmut Jung (links)
veröffentlichen wir demnächst |
Dem Aufruf des DGB zur
Mahnwache am 25. Februar 2005 folgten 300 Menschen, darunter die Stadtspitze und die
SPD-Spitze:
“Mit der Mahnwache wollen wir deutlich machen, dass
der Nationalsozialismus in Deutschland Ausgangspunkt und
Ursache für das Leid war,
das mit der Bombardierung Augsburgs einen seiner Höhepunkte
hier in der Region fand. Leider nutzen auch die Rechten in
Form der DVU hier in Augsburg diesen Tag für eine Veranstaltung,
mit der sie Geschichtsfälschung
zu betreiben versuchen.
Deshalb ist es besonders wichtig,
dass sich möglichst
viele von uns zu unserer Mahnwache einfinden und damit ein
Zeichen für Frieden und Freiheit und gegen rechte Gesinnung
zu setzen.”
|
|
|
NEUES
SCHWABENLAND
hier bin ich daheim hier bin ich geboren
wo die kneipen RHEINGOLD & WALDHORN heißen
wo die kneipen RHEINGOLD & WALDHORN heißen
& die insassen der hohlwelt zum walkürenritt blasen
wo die insassen der hohlwelt zum walkürenritt blasen
deren hirne genauso hohl sind wie ihr neu-schwabenland
deren hirne genauso hohl sind wie ihr neu-schwabenland
die erwarten den entsatz durch die antarktis-ufos des führers
die erwarten doch nur den entsatz durch
die antarktis-ufos des führers
doch inzwischen vergiften sie die wirkliche welt
inzwischen vergiften sie die wirkliche welt
in der bin ich daheim in der bin ich geboren
wir sind nicht alle hier geboren aber alle in dieser welt
daheim
& die lassen wir uns nicht so machen wie die faschos wollen
& die lassen wir nicht so bleiben
wie sie ist unsere wirkliche welt
in dieser stadt wo jedes von nazis verschmierte scheißhaus
gleich
RHEINGOLD & WALDHORN heißt
wo jeder park gesteinigt wird
von amtsträgern mit goldrand für jedes scheißhaus
im sudetenland
hier im neu-sudetenland bin ich daheim in dieser antarktis
bin ich geboren
wo diesel rollen für den endsieg mit patenten aus augsburg
wo bomben fallen für den endsieg
mit flugzeugen aus augsburg
wo faschos feiern für den endsieg & widerstand wird
mundtot gemacht
wo die MAN-waffenschmieden neben den polizeikasernen stehen
& ein paar blocks weiter vom waldhorn kannst du die staatsanwaltschaft
sehn
wo wir uns finden wohl unter blinden
im land wo die kanonen blühn
da bin ich geboren da hab ich nichts verloren das will ich
nicht mehr sehn
sollen doch die insassen der hohlwelt
den walküren
einen blasen
sollen sie sich an ihren verfaulten hirnen selbst vergasen
wir fegen mit unseren worten den abschaum
von den straßen
wir sind patrioten denn wir sind geboren als menschen & wir
sind hier daheim
wir fegen mit unseren worten den abschaum
weg & wer
uns davon abhält
dem liegt wohl nicht so viel an menschen in der wirklichen
welt
Gerald Fiebig
Schriftsteller
Werkkreis
Literatur der Arbeitswelt
|
|
 |
Was uns die Stadtspitze in
ihren schönen Reden
leider nicht verriet und wir der Webseite der DVU entnehmen
mußten,
war eine juristische Auseinandersetzung der Stadt mit der DVU
als Anmelderin der rechtsextremen Versammlung im Vorfeld. Die
Stadt verhielt sich dabei – fast möchten wir sagen
wie gewohnt – unsäglich stümperhaft:
„Die Stadt Augsburg hatte […] folgende Auflage an
die Deutsche Volksunion, Kreisverband Augsburg, verfügt,
mit der die engen Voraussetzungen einer Versammlungsauflösung
umgangen werden sollten:
„Kommt es zu Tätlichkeiten oder Störungen, die
geeignet sind, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu
gefährden oder kann sich der Versammlungsleiter nicht durchsetzen,
so hat der Versammlungsleiter die Versammlung sofort für
beendet zu erklären und die Teilnehmer aufzufordern, sich
umgehend zu entfernen.“
Gegen diese Auflage erhob die DVU am 22. Februar 2005 Widerspruch
und ersuchte die Stadt Augsburg, die Auflage aufzuheben. Komme
es zu Tätlichkeiten oder Störungen, so habe nicht der
Versammlungsleiter die Versammlung sofort für beendet zu
erklären, sondern die Versammlung habe Anspruch auf Schutz.
Da die Stadt Augsburg die Aufhebung ablehnte, rief die DVU, vertreten
durch Rechtsanwalt Gerhard Frey, am 24. Februar 2005, das Verwaltungsgericht
Augsburg an.
Das Verwaltungsgericht Augsburg hat mit Beschluss (Az. Au 4 S
05.164) von gestern Mittag die von der Stadt verhängte Auflage
außer Vollzug gesetzt: „Die Regelung ist mit der
verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung nicht vereinbar und verstößt
gegen Art. 8 Abs. 1 Grundgesetz.“ Das Gericht verwies dabei
auf den „hohen Stellenwert, den die Verfassung und die
verfassungsgerichtliche Rechtsprechung dem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit
beimisst“.“
Soweit die DVU. Der Versuch der Stadt, eine solche Auflage
zu erzwingen, ist nicht nur stümperhaft sondern auch direkt
fahrlässig und gefährlich für die Demokratie.
Stümperhaft,
weil die Stadt mit der gleichen Begründung schon mal gescheitert
ist, und zwar vor dem Bundesverfassungsgericht. Bei einem Verbot
einer NPD-Demonstration 2001 hob die Stadt allein auf die Gefährdung
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ab und wollte
es dem Veranstalter auferlegen, die öffentliche Sicherheit
und Ordnung zu gewährleisten. s. unsere Berichterstattung »» Seitdem
hat die Stadt es schriftlich, dass sie ein Verbot einer Versammlung
oder eine Einschränkung durch Auflagen mit dieser Maßgabe
nicht erreichen kann. Fast möchten wir sagen: und das
ist auch gut so, denn so ließe sich auch jede demokratische
Versammlung unterbinden – ohne inhaltliche Bewertung!
Vom Standpunkt der Demokratie ist der Kurs der Stadt, oder
sagen wir mal, der Kurs des Ordnungsreferenten Kirchner, direkt
gefährlich. Die Stadt hat es schriftlich vom Bundesverfassungsgericht,
dass „Versammlungsverbote nur zum Schutz elementarer
Rechtsgüter in Betracht kommen während die bloße
Gefährdung der öffentlichen Ordnung im Allgemeinen
nicht genügt“. Der Kurs der Stadt, einer inhaltlichen
Auseinandersetzung mit faschistischer Propaganda strikt auszuweichen,
wird so zum Eigentor. Es ist schon blamabel: Kann eine rot-grün
geführte Stadtregierung keine elementaren
Rechtsgüter erkennen, die es im Kampf gegen die Neofaschisten zu schützen gilt?!?
Hinzu kommt die Masche der Stadt, solche juristischen Schachzüge
im Hintergrund durchzuführen, ohne die demokratische Öffentlichkeit
einzubeziehen. Damit isoliert sich die Stadt von jeder öffentlichen
Unterstützung und kassiert fahrlässig Niederlagen
in der Auseinandersetzung mit den Neofaschisten. Das muss ein
Ende haben und ist jetzt wenigstens mal Thema im Bündnis
für Menschenwürde und bei einem Runden Tisch mit
der Stadt im April.
|
|
| |
|
Der Vorsitzende des Augsburger Bündnisses
für Menschenwürde und der SPD, der Bundestagsabgeordnete
Heinz Paula, hielt eine ganz ordentliche Rede. Allerdings bezeichnete
er die Bombardierungen des Deutschen Reiches durch die Alliierten
im Verlaufe des zweiten Weltkriegs als zunehmend „wahlloser“.
Damit wollte er wohl jenen eine Brücke bauen, die neben
den deutschten Faschisten auch die Antihitler-Koalition wegen
des Bombenkriegs kritisiert sehen wollen. Das ist ein nicht ungefährliches
Spiel. Denn die Übergänge zu rechten und rechtsextremen
Positionen sind leider fließend. Für ein rechtsbürgerliches
Blatt wie die Augsburger Allgemeine waren die Bombardierungen
deutscher Städte verbrecherisch – ebenso verbrecherisch
wie die Taten der Faschisten. Und die Neofaschisten gedenken
nur noch der deutschen Opfer und der „Verbrechen“ der
Alliierten. Andere Verbrechen gibt es für diese (Neo)Faschisten
selbstredend nicht.

Wir sind sicher,
dass Heinz Paula als Berufspolitiker seine Worte zu wählen
weiß. Wahllos kam das Wort „wahllos“ nicht
in seine Rede. Aber wir sind uns nicht sicher, ob Heinz Paula
der Kontext solcher Formulierungen restlos klar ist. Hätte
er sich nach der Kundgebung am Rathausplatz noch zum Martin-Luther-Platz
begeben, wo die Faschisten „mahnten“, wäre
ihm der Kontext vielleicht aufgefallen. Aber an der „Barrikade“ fand
man auch andere Sozialdemokraten nicht. Sie waren hier so
dünn
gesät wie Grüne am Rathausplatz beim DGB. Nur Herr
Leypoldt bahnte sich einen Weg durch die Absperrung. Die
antifaschistischen Demonstranten würdigte er keines
Blickes. Der Vorstandsvorsitzende der Augsburg AG hat wichtigeres
zu tun als gegen Nazis auf der Straße zu stehen, versteht
sich. |
|
|
|
|
Die
Nazis brachten knapp 50 Typen auf die Beine, von denen die wenigsten aus Augsburg gewesen sein
dürften. Der Polizeischutz für die Nazis war wie immer
massiv. Die Polizei riegelte die Annastraße nach beiden
Seiten hin ab. Die Augsburger Allgemeine schreibt in gewohnter
Polizei-Geilheit: „Die Innenstadt wird zur Festung“.
Etwa 150 GegendemonstrantInnen sammelten sich an der Absperrung
am Martin-Luther-Platz und verhöhnten die Nazis lautstark.
Völlig isoliert hielt der traurige Nazihaufen seine Kundgebung
ab, die außer ihnen selbst niemand hören konnte. Dass
sie besser abhauen sollten, hatten sie permanent schriftlich
im Nacken. Die „Spitzenfunktionäre“ der
Nazis Teufel, Wuttke, Käppler … versuchten krampfhaft
gute Miene zum bösen Spiel zu machen. |
 |
 |
|

Da die Stadt zur Zeit keine schützenswerten Rechtsgüter im
Kampf gegen faschistische Aufmärsche erkennen kann, versucht
die orientierungslose Polizei prompt die Falschen zu schützen – mit
mehr oder weniger Erfolg. So lernen Kinder frühzeitig, was
sich in diesem System gehört. Das Gequatsche über Aufklärung
der Jugend über die Gefahren des Neofaschismus sollten
sich die Verantwortlichen aber dann lieber gleich sparen. |
|
|
 |
 |
| |
Die Nazi-Gruppe „Widerstand
Süd“ kommentiert auf ihrer Webseite unsere Gegenaktion: „Auch
die sog. „Linke Szene“ ließ es sich nicht
nehmen, jede Mülltonne aus zu leeren, um genügend
Gegendemonstranten auf die Straße zu bekommen. So ergab
sich auf der Gegenseite das übliche Szenario: ein brüllender,
kreischender und drogenkontaminierter Haufen…“
Interessant ist dabei nicht nur das Menschenbild der Faschisten,
das hier recht deutlich wird. Interessant ist vor allem, dass
die Faschisten zugeben, dass sie am Martin-Lutherplatz sonst
kein Publikum hatten, was in ihrer Formulierung zum Ausdruck
kommt: „Ein Redner der Mahnwache richtete sich driekt
[Schreibfehler im Orginal] an das betrunkene Publikum…“
|
|

Rechts: der Augsburger DVU-Vorsitzende Walter Baur begrüßt einen uns nicht bekannten Faschisten, der später eine der Hauptreden hält
|
|
 |
Sind die Faschisten
etwa gegen Kriege? Nein – nur gegen „fremde“ Kriege.
Klar, ein
deutscher Soldat hat in einem deutschen Krieg
zu dienen. Unter der Flagge schwarz-rot-gold. Als wahrhafter
nationaler Bürger
und Patriot. Jedes Kind weiß dabei, dass es sich um Angriffskriege
handelt. – Warum tun sich Sozialdemokraten wie Paula so
schwer, gegen die aktuelle Propaganda der Neofaschisten anzutreten?
Die Antwort ist schlicht und erschütternd: weil es faktisch
Regierungslinie ist! D.h. im Umkehrschluss, wenn Rot-Grün
mit den Faschisten fertig werden will, müsste sie ihre eigene
Politik ändern und nicht nur mit scheinbar empörter
Geste auf die Nazis zeigen ohne irgend etwas gegen ihren Militarismus
zu sagen! |
|

links: NPD-Kreisvorsitzender von Augsburg,Teufel; Mitte: rechtsextremer
Rädelsführer Wuttke, seit neuestem Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes
München |
|

“nationale Bürger” im “Gespräch”, der mit dem Umhänger dürfte der Augsburger DVU-Vorsitzende Walter Baur sein |
|
 |

links:
NPD-Kreisvorsitzender Teufel
|
 |
Nazimahnwache erfolgreich gestört! Für den 25. Februar
hatten NPD und andere rechte Gruppen zu einer Mahnwache für
die „deutschen Opfer“ des „alliierten Bombenterrors“ aufgerufen.
Der DGB reagierte mit einer Kundgebung gegen jeglichen Krieg,
an der ca. 200 Menschen teilnahmen. Ein großer Teil der
anwesenden AntifaschistInnen begnügte sich nicht mit der
passiven Teilnahme an einer Kundgebung, sondern wollte sich
den FaschistInnen aktiv entgegenstellen.
Einheiten von Bereitschaftspolizei und USK riegelten Teile
der FussgängerInnenzone rund um den Martin-Luther-Platz,
wo sich die Rechten versammelten weiträumig mit Absperrgittern
ab. Dennoch gelang es etwa 100 AntifaschistInnen, die Kundgebung
der ca. 30 Nazis lauthals mit Parolen, Trillerpfeifen und Konfettiregen
zu stören.
Während die Mahnwache der FaschistInnen bereits begonnen
hatte, trafen etwa 15 größtenteils junge RechtsextremistInnen
aus München vom Hauptbahnhof kommend am Königsplatz
ein. Dort wurden sie von AntifaschistInnen und PunkerInnen
aufs herzlichste mit Schneebällen, Flaschen und wenig
zärtlichem Körperkontakt begrüsst, woraufhin
sie sich in ein Schuhgeschäft flüchteten und dieses
erst in Begleitung des heraneilenden USK zu verlassen wagten.
Gegen 18.15 Uhr beendeten die Nazis vorzeitig ihre Kundgebung
und die MünchnerInnen bewegten sich wiederum unter Polizeischutz
in Richtung Bahnhof. Dabei wurden sie von etwa 50 Antifas lautstark
begleitet und am Hauptbahnhof mit Schneebällen und Eierwürfen
aus Augsburg verabschiedet.
Auch wenn die Mahnwache der Nazis nicht verhindert werden konnte,
mussten die FaschistInnen erneut feststellen, dass sie in Augsburg
bei öffentlichen Auftritten mit entschlossenem und zahlreichem
Widerstand zu rechnen haben. Und dies nicht nur, wenn Protest
staatlich verordnet und inszeniert wird, um das Bild des geläuterten
Deutschlands zu wahren. Während Regierung und Opposition
nur im Hinblick auf den 60. Jahrestag der Kapitulation Nazideutschlands
am 8. Mai ein Problem mit öffentlich auftretenden FaschistInnen
haben, hat sich heute gezeigt, dass es unabhängig davon
doch noch viele Menschen gibt, die dem deutschen Opfermythos
und dem Geschichtsrevisionismus, wie er auch immer häufiger
in den bürgerlichen Medien vertreten wird, eine Absage
erteilen.
AK Antifa der autonomen Gruppe Contra Real
|

der
DVU-Vorsitzende Walter Baur spricht
|
|
|
 |
|
 |
 |
sogar mit einer Augsburg-Fahne treten
die Faschos auf – es wird richtig heimelig |
|
|