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Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes am 8./9.
Mai: 60 Jahre Kriegsende – 60 Jahre Frieden
Über Vernunft, Religion, Ideologien, Toleranz, Krieg
und Frieden
Vortrag von
Peter Jaworskij
[…] Vor etwa drei Wochen, am 16. April, dem 60. Jahrestag
der Schlacht auf den Seelower Höhen östlich Berlins,
mit der sich die Sowjetarmeen unter sehr hohen Verlusten
den Zugang zum Sturm auf Berlin erkämpften, sprach der
Ministerpräsident Brandenburgs auf einer Gedenkfeier
von einem Schatz, den es zu hegen und zu bewahren gelte, – den
nunmehr seit 60 Jahren währenden Frieden, – eine
der längsten Friedensperioden des letzten Jahrtausends.
Wie sehr der Frieden der Hege und Pflege bedarf, zeigen
uns deutlich die Kriege, die sich in unserer Zeit um uns
herum ereignen, – der Krieg auf dem Balkan, in Tschetschenien,
in Palästina, in Vietnam (am 8. Mai jährt sich
auch zum 51. Male die Niederlage der Franzosen bei Dien-Bien-Phu,
und zum 30. Male das Ende des Vietnamkrieges), Kambodscha,
in Afghanistan, im Irak, im Sudan, Kongo, Ruanda usw.
Gegen den zeitweiligen Verlust der Vernunft, gemeinsam mit
religiöser Intoleranz, dem Wahn der rassischen Überlegenheit,
Nationalismus, Machtstreben und Gier nach Land und Bodenschätzen,
die immer im Vorfeld kriegerischer Auseinandersetzungen anzutreffen
sind, machen leider weder zivilisatorische noch kulturelle
Errungenschaften gefeit! Dies wird sofort klar, wenn wir
die Ursachen der Kriege untersuchen.
[…] Als die Mörderbanden des fränkischen
Ritters Johannes Rindfleisch vom 20. April 1298 judenmordend
durch die Lande zogen, schützten die Augsburger übrigens
ihre Juden! Im Zuge dieser Judenverfolgungen, die sich auch über
Schwaben und Bayern bis nach Österreich ausbreiteten,
wurden über 120 jüdische Gemeinden, über 100.000
Juden ausgelöscht. Nur in Augsburg und Regensburg wurden
die Juden damals durch den Magistrat geschützt. Auch
im Jahr 1336 waren die Jüdischen Gemeinden vom Elsaß bis
nach Österreich von Verfolgung und Ausrottung betroffen.
Die Jahre 1348/49 wurden zu den schlimmsten Verfolgungsjahren.
In Europa wütete die Pest und die Juden wurden zum Verursacher
erklärt: Man beschuldigte sie der Brunnenvergiftung!
Was den Augsburgern 1298 zur Ehre gereichte, der Schutz
der jüdischen Bevölkerung, muss später verloren
gegangen sein. Jedenfalls waren zur Zeit der Religionskriege
die Juden schon aus Augsburg vertrieben worden. […]
Wir feiern in diesem Jahr bei uns in Augsburg den 450. Jahrestag
des „Augsburger Religions- und Landfriedens“,
mit dem die verfeindeten katholischen und protestantischen
Fürsten sich nach langen Verhandlungen im Jahre 1555
darauf einigten, die so genannte „Augsburger Konfession“ die
auf dem Reichstag von 1530 in Augsburg entstand, als reichsrechtlich
gleichberechtigt mit der katholischen anzuerkennen. Diejenigen
Protestanten, die anderen Gruppen als der „Augsburger
Konfession“ von 1530 angehörten, waren in diesem
Vertragswerk nicht eingeschlossen. […]
Dieser „Augsburger Religionsfriede“ hielt jedoch
nicht länger als 27 Jahre! Wir feiern also in Augsburg
nicht wie die Bezeichnung „Augsburger Religionsfrieden“ oberflächlich
betrachtet suggerieren könnte, einen 450 jährigen
Frieden zwischen den christlichen Konfessionen, sondern „nur“ den
450. Jahrestag einer Friedenskonferenz.
Die große Bedeutung dieser Augsburger Religions-Friedensverhandlungen
lag darin, dass sich die Vertreter der beiden christlichen
Konfessionen wieder an einen Verhandlungstisch setzten und
miteinander sprachen! […]
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