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Rede
von Hanns Corniels für
die VVN und das Forum solidarisches und friedliches Augsburg beim Ostermarsch
2003
Vote to impeach
Sicher sind wir alle
froh, dass der Irak-Krieg zu Ende ist, auch wenn wir immer noch darauf
warten müssen, dass General Tommy Franks den Krieg offiziell als
beendet erklärt. Und wann wird das passieren? Und wenn so eine Erklärung
kommt, können wir ihr überhaupt Glauben schenken? Die Antwort
dazu gab dieser Tage der ehemalige Chef des CIA, James Woolsey, der heute
als Mitglied des Verteidigungspolitischen Beirats im Pentagon Verteidigungsminister
Rumsfeld berät. Während einer Veranstaltung an der Universität
von Kalifornien gab er vorige Woche seiner Meinung Ausdruck:
„Ich persönlich mag dieses Gerede vom Krieg gegen den Terror
überhaupt nicht. Ich ziehe die Formulierung meines Freundes Elliot
Cohen vor, dass das, was wir jetzt begonnen haben, richtiger als der IV.
Weltkrieg bezeichnet werden muss – der III. Weltkrieg war der Kalte
Krieg. Dieser Krieg, der IV. Weltkrieg, wird länger dauern als der
I. oder der II. Weltkrieg.
Gegen wen werden wir kämpfen? Gegen die islamischen Schiiten, die
mit der Hezbollah verbündet sind, gegen die faschistische Baath-Partei
und gegen die Moslems, die sich als Sunniten maskieren.“ Damit war
der Iran gemeint.
Auch wenn es ungewöhnlich war, dass Woolsey diese These an der Universität
von Kalifornien verkündet hatte, so sollten wir uns doch darüber
im Klaren sein, dass solche Parolen in Washington schon längst gang
und gäbe sind.
Und das macht uns Angst. Aber nicht nur wir haben Angst, sondern auch
die Amerikaner. Die Angst geht um in Amerika und hat alle Bevölkerungsgruppen
und Generationen erfasst. Menschen verschwinden, Häuser werden ohne
Durchsuchungsbefehl durchsucht, kurz, die meisten der Grundrechte, die
den Amerikanern in ihrer Verfassung garantiert sind, werden außer
Kraft gesetzt. Und bei einem Defizit von 450 Billionen Dollar und ständig
wachsender Arbeitslosigkeit, haben Millionen von Ihnen kaum mehr ein Einkommen
und keine Krankenversicherung, viele verlieren ihre Häuser und werden
obdachlos.
Aber am meisten Angst haben die Immigranten arabischer Abstammung. Sie
mussten sich bis zum letzten Dienstag, dem 15. April, alle registrieren
lassen, eine Schikane, die nur gegen die Einwanderer aus arabischen Ländern
ausgeübt wurde.
Dieser Tage versuchen Tausende dieser Immigranten, nach Kanada zu fliehen.
Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte Nordamerikas, dass Kanada
seine Grenzen zur USA dicht machen muss, weil es dem Ansturm von Flüchtlingen
nicht gewachsen ist.
In dieser Situation
kommen immer mehr Amerikaner zu der Einsicht, dass nicht nur Präsident
Bush seines Amtes enthoben werden muss, er ist schließlich nicht
einmal rechtsmäßig gewählt worden, sondern dass die ganze
Regierungsmannschaft, also Dick Cheney, Donald Rumsfeld und der Justizminister
John Ashcroft vor Gericht gestellt und ihrer Ämter enthoben werden
müssen. Das ist nicht etwa die Schnapsidee von einigen Extremisten,
sondern der ehemalige Justizminister Ramsey Clark, einer der angesehensten
Juristen Amerikas, hat diese Initiative „Vote to Impeach“
ins Leben gerufen und die Anklageschrift gegen diese Regierung verfasst.
Diese Anklageschrift besteht aus 10 Punkten, sie wurde am 15. Januar,
also noch vor dem Irak-Krieg, verfasst, man kann sie heute um viele Punkte
erweitern. Zusammenfassend heißt es dort:
„Präsident Bush wird der folgenden Verbrechen beschuldigt:
Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit. Niemals gab es so eine ernste Bedrohung für die Verfassung
der Vereinigten Staaten von Amerika, für die Charta der Vereinten
Nationen, für den Rechtsstaat und für die Zukunft der Menschheit.
Inzwischen ist es Vote to impeach gelungen im ganzen Land Mitstreiter
zu finden und genügend Geld zu sammeln, um mit Anzeigen in den großen
Zeitungen zu dieser Aktion aufzurufen.
Nun hört man schon von hochrangigen Diplomaten, dass eine Invasion
nach Syrien dem Präsidenten das Amt kosten könnte.
Nicht nur der berühmte Kolumnist Mike Krugman beschreibt die USA
in der New York Times als Koloss auf tönernen Füßen, fast
täglich kann man in den amerikanischen Zeitungen ähnliche Kommentare
lesen und es wird allgemein von Europa erwartet, dass sie daraus die Konsequenzen
ziehen, und sich von diesem Koloss befreien. Aber was machen die Regierungen
Europas? Sie streuen sich Asche auf das Haupt und treten den Gang nach
Canossa an.
Dieses Ostern werden in Deutschland mehr Menschen auf den Ostermärschen
demonstrieren als in all den letzten Jahren. Unsere Aufgabe sollte es
sein, sie über diese Lage aufzuklären, damit sie an die Regierung
Schröder diese Forderung stellen:
Unsere Politik soll nicht gegen die Amerikaner sein, sondern gegen die
verbrecherische Regierung Bush, unter der vor allem die Amerikaner selber
zu leiden haben.
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