generation golfkrieg

& die einen werden auf dem hochhausdach stehen
an silvester mit dem sektglas in der hand mit dem siegel
ring & dem feuerwerk zusehen über der stadt
wie das letzte mal & das mal davor & dabei sagen
„man kommt sich ja vor wie im kosovo“ & wenn ihnen jemand
die feuerwerksmusik abschaltet sagen „gesocks“

& das gesocks im kosovo wird langsam krepieren an der strahlung
aus den splittern der uranverstärkten amerikanischen bomben
während der blutkrebs der nato-bodensoldaten das balkan-syndrom
in den lazaretten versteckt wird der atomkrieg light willkommen
im 80er-jahre-jahrtausend willkommen zum nächsten letzten mal
willkommen zum letzten letzten mal „willkommen Sie haben post“

& die anderen werden auf ihre displays starren
& auf die verbindung warten & sie werden noch warten
mit starren fingern wenn die datenströme schon nur mehr
von relais zu relais wandern ohne empfänger und ohne
bedeutung durch die strahlungsgebiete des blauen planeten
blau im licht der bildschirme die keiner mehr anblickt

Gerald Fiebig

„generation golfkrieg“ ist in dem Buch „erinnerungen an die 90er jahre“ im Münchner yedermann Verlag (2002) veröffentlicht
http://www.yedermann.de/yfiebig.htm

 

 

basra club med

es folgen die bilder von CNN VERDUN. summen im ohr – [...]
geht’s jetzt nach Verdun? ins friendly fire?
direkt in den himmel?
Thomas Kling, Der erste Weltkrieg, 1999

der blaue himmel den die fernsehgeräte
an die decken zahlloser wohnungen werfen
in denen sich die emigrierten verwandten der toten
den nobelpreis für nägelkauen verdienen

während die börsen sich unentschlossen verhalten
als wären sie ein unberechenbares tier das man
nicht töten kann & dem man dann doch immer folgt
ein wildes tier ein weißer wal zum beispiel

der blaue himmel über der wüste
der in hunderttausend brechende spiegel fällt
in hunderttausende verdorrende braune augen
& ab & zu blau in blau: friendly fire

während der weiße wal sich unentschlossen verhält
& die ölpreise freundlich tendieren weil sie absacken
ohne dass irgendwer wirklich den grund weiß
& die air force brandbomben auf die felder von basra wirft

der blaue himmel in dem die bomberpiloten
monokain fressen damit sie unsichtbar werden
wie ihre maschinen tarnkäppchen & der böse golf
der stealth-bomber als fliegender ölteppich

damit das plötzliche überangebot nicht die eigenen preise ruiniert
& probleme mit den anwohnern der fördergebiete nicht erst entstehen
ein paradies aus petroleum: umwelt so gut wie gar nicht vorhanden
& menschenrechtsstandards wie sonst nur in nigeria

der blaue himmel als kulisse für ein remake dieb von bagdad
bitte für uns jetzt & zur muslimischen weihnacht
wenn die christbäume über euphrat & tigris aufleuchten
& wir uns zuprosten im blauen licht von al-dschasira verdun

Gerald Fiebig

Erstveröffentlichung