![]() |
||||
|
Rede von Jürgen Kerner, erster Bevollmächtigter der IG-Metall Augsburg, beim Ostermarsch 2004
Anfang April haben Berlin, Köln und
Stuttgart Kundgebungen erlebt, wie sie in unserem Land nicht alle Tage
vorkommen. Hunderttausende sind aufgestanden, um gegen die Agenda 2010,
gegen die sozialen Grausamkeiten der rot-grünen Bundesregierung,
gegen die Vorschläge der Opposition, ja, gegen die Unterwerfung der
Wirtschafts- und Sozialpolitik unter die Interessen und Wünsche der
Wirtschaft zu protestieren. Und die Menschen waren sich in ihrem Protest
einig mit Millionen anderer Menschen aus vielen europäischen Ländern! All das begründet durch die Globalisierung und zum Wohl des Ganzen, genauer: dem Wirtschaftsstandort. Und weil eine solche Politik überall betrieben wird, erleben wir eine allmähliche Angleichung der Arbeits- und Lebensverhältnisse – aber auf einem immer niedrigeren Niveau. Man spürt: täglich wird es kälter in Europa – ich erinnere nur an die Worte von Stoiber „Sozial ist was Arbeit schafft“! Kälter wird es auf der Welt. Offen wird inzwischen von der Regierung Bush zugegeben, dass die Anschuldigungen gegen den Irak nicht zugetroffen haben – doch von Skrupeln oder gar einem Umdenken keine Spur. Sollte es doch nur um wirtschaftliche und strategische Interessen gegangen sein – wie nach wie vor vehement abgestritten wird? Diktatoren kann man mit Waffengewalt stürzen, doch Frieden schaffen kann man nicht mit noch so modernen Hightechwaffen. „Frieden ist zwar nicht alles“,
aber, wie Willy Brandt seiner Zeit sagte, „ohne Frieden ist alles
nichts“. „ Gut ist was nützlich ist: WHO, Weltbank
etc. Wie schwer es ist, Misstrauen und Hass
abzubauen, zeigen die immer wieder aufflammenden Unruhen im Kosovo. Der
Krieg ist lange vorbei, doch Frieden – Frieden hat die Region noch
lange nicht! Terrorismus kann langfristig nur mit Vertrauen und wirtschaftlicher Hilfe und Kontakten unter den Menschen bekämpft werden. Damit diese Worte mit Leben gefüllt werden, müssen auch wir uns an die eigene Nase fassen. Kontakte unter den Kulturen und Vertrauen, das beginnt hier bei uns im Land! Wir dürfen aber auch nicht die Augen vor der Gewalt in der Welt verschließen. Auch wenn in der Regel die Ursachen bei wirtschaftlichen Interessen einzelner liegen – müssen wir, wenn Prävention versagt – Antworten auf das Morden geben. Hunderttausende sind in Ruanda und in anderen Ländern ermordet worden – wo waren wir? Haben wir eine Position wie wir Despoten, selbsternannte Führer von Mord, Vergewaltigung und Verstümmelung abhalten? Ich tue mich schwer mit Antworten, denn
auch ein Gewaltmonopol der UNO setzt letztendlich die Fähigkeit –
Konflikte mit Gewalt zu lösen – voraus. Doch Wegsehen und Schweigen
ist keine Lösung! Um unserer Glaubwürdigkeit willen müssen
wir uns damit Auseinandersetzen. Europa ist unsere Zukunft. Wir wollen
ein offenes, ein soziales, aber wir wollen auch ein friedliches Europa.
Europa darf nicht den Irrweg forcierter militärischer Aufrüstung
gehen. Uns ist das Glück vergönnt, länger als ein halbes
Jahrhundert in Frieden zu leben. Wir haben historische Feindschaften überwunden
und Formen friedlicher Konfliktlösung gefunden. »»
Rede drucken
|
||||
|
||||