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Protest gegen Gebirgsjägertreffen in Mittenwald 2004 Sommer, Sonne, Edelweiß, Massenmord und Polizeieinsatz Zum dritten Mal fand die Protestaktion
gegen das jährliche Treffen der Gebirgsjägertruppen auf dem
Hohen Brendten in Mittenwald statt. Es waren Gäste aus Griechenland,
Italien und Frankreich dabei – Überlebende der Massaker, die
von den schon damals als Eliteeinheiten geltenden Wehrmachtstruppen verübt
wurden. „Kommeno, Distomo, das war Mord – Entschädigung
der Opfer jetzt sofort!“ war deshalb auch die am häufigsten
skandierte Parole im Demonstrationszug. Der Hauptredner der Auftaktkundgebung war Uli Sander, Sprecher der VVN/NRW. Er wies darauf hin, dass schon in den 1960-er Jahren die Parole ausgegeben wurde, „die Gebirgsjäger kämpften für ein vereintes Europa“ – Parolen die man auch jetzt im Verfassungsentwurf der EU wieder findet. Das politisch vereinte Europa soll Parlamentsbeschlüsse für Militäreinsätze überflüssig machen. Wenn in den US-Medien über die Foltermethoden im Irak gesagt wird „solche Dinge passieren eben in einem Krieg“, so sage die BRD-Regierung das gleiche über die Nazi-Verbrechen. Auch fänden bei der Ausbildung der
Gebirgstruppe in der Infantrieschule in Hamelburg Methoden Anwendung,
bei denen Vergewaltigungen nachgestellt und diese dann „psychologisch
aufgearbeitet“ würden. Auch würden Offiziersstudenten
in der Publikation „Information der Truppe“ mit Parolen wie
„Abwehr kultureller Überfremdung“ geimpft… Wenn
Neonazis sagen „unsere Opas waren in Ordnung“ so wird dies
von des Ex-General Thilo unterstützt. Nur wegen der Selbstamnestierung
der NS-Generäle, die ihnen von den herrschenden Kreisen der Nachkriegszeit
zugestanden wurde, entkam Thilo dem Nürnberger Gerichtshof. Wehrmachtsoberst
Karl-Wilhelm Thilo unterzeichnete als Chef des Stabes der Statt das VVN-Büro in Wuppertal zu durchsuchen und ihn selbst wegen „Beleidigung der Mitglieder der Gebirgstruppe“ anzuklagen, solle die Staatsanwaltschaft lieber die Archive des Kameradenkreises Gebirgstruppe beschlagnahmen. Dort würden sie dann genügend Belege für die Beweise finden, dass die von der Edelweiß-Truppe verübten Verbrechen stattgefunden haben. Stattdessen würde Sander als verfassungsfeindlicher Extremist bezeichnet und im „Verfassungschutzbericht“ Schilys genannt – eine „Auszeichnung“ die Sander selbst als Kompliment betrachte. Nachdem nun auch höchste Gerichte in Italien Urteile gefällte hätten, wonach die BRD Entschädigungszahlungen leisten muss, wäre es endlich an der Zeit die Opfer zu entschädigen. Eine Diskussion über geplante EU-Verfassung könnte auch eine Auseinandersetzung über den Rüstungshaushalt sein. Der Abbau des Sozialstaats durch die Agenda 2010 bedeute auch eine erhöhte Kriegsgefahr für die Völker. Soweit der Kollege Sander. Auf der Zwischenkundgebung
erhielt Tobias Pflüger das Wort. Auch er rief dazu auf, die unsägliche
Tradition zwischen Bundeswehr und Wehmacht zu beenden. Von der Gründung
der Bundeswehr bis heute gäbe es Traditionslinien, die auf die Wehmacht
zurückgehen. Innerhalb der europäischen Union werden militärische
Spezialkräfte aufgebaut. Die Elite-Kampftruppe der Bundeswehr „Kommando
Spezialkräfte“ in Calw ist daran beteiligt. Dieses Kommando
„kämpft“ übrigens in Afghanistan. Angeblich seinen
dort „keine Gefangenen gemacht worden“. Diese wurden aber
aller Wahrscheinlichkeit nach an das US-Militär abgegeben. So sei
die Bundeswehr nun „Zulieferer“ für das US-Militär
in Afghanistan, wo die Folter freigegeben ist. Ansonsten zeigten sich Polizei-Truppen verglichen mit dem letzten Jahr moderater. Allerdings ging es natürlich nicht ohne die übliche Schikane im Vorfeld: Straßenkontrollen, Autos mit autonomen Linken herauswinken, Durchsuchen, Transparente photographieren, vorläufige Festnahmen (drei – soweit dies über Lautsprecher bekannt gegeben wurde). Gefilmt wurde seitens des Staats wie Weltmeister – teilweise durch zivile Polizei, die als Kamerateam auftrat. Die Hoffnung, dass das Filmmaterial als Beispiel staatsbürgerlicher Widerstandspflicht in Schulen verwendet wird, wird sich vermutlich nicht erfüllen. Allerdings gab es eine Beteiligung von SchülerInnen aus der „Gegend“ an der Protestaktion. Eine Arbeitsgruppe des Werdenfelser Gymnasiums in Garmisch fertigte im Werkunterricht eine Gedenktafel für die Opfer der Gebirgsjägertruppen im 2. Weltkrieg an. Diese sollte als Ersatz für das im letzten Jahr am Rathaus befestigte Provisorium dienen. Ein Provisorium für eine endgültige Gedenktafel, die hoffentlich bald in Mittenwald das bisherige „Gebirgsjägerdenkmal“ ersetzen wird. Für die antifaschistische Gedenktafel werden noch Entwürfe gesammelt (auch am Ort!). Lange hing die Tafel der SchülerInnen des Gymnasiums leider nicht an der Katholischen Kirche im Ort. Schon wenige Minuten, nachdem der Demozug weiter gezogen war, wurde sie von „einheimischen“ Jugendlichen abgemacht und kaputtgeschlagen. Trotzdem zeigt sich allmählich auch ein Erfolg der Protestaktion. Auch der katholische Pfarrer wollte in diesem Jahr nicht mehr am Feldgottesdienst der „Traditionspfleger“ teilnehmen. Nach der Demonstration fand eine „Dauerkundgebung“
in Mittenwald statt, bei der auch TouristInnen, die Möglichkeit haben
sollten, über ein offenes Mikrophon eine Debatte über die Kriegsverbrechen
der Wehrmacht zu führen und Kollagen zum bayerischen Ministerpräsidenten
Stoiber zu bewundern. Lieder der Partisanen und Hits der Alliierten sollten
für Stimmung sorgen. Demo-Parolen: Zur Aktion am Sonntag, 30. Mai auf dem Hohen Brendten hier zwei kurze Auszüge aus dem Münchner Merkur, die zeigen, dass die teilnehmenden Militaristen weniger und die Antimilitaristen mehr werden und die Kampagne doch erhebliche Wirkung hat:
»» Artikel drucken Presseschau zum 30.5.2004: GEBIRGSJÄGERTREFFEN
IN OBERBAYERN Keine
Pauschalurteile und Tabus in der Geschichts-Aufarbeitung „…
denn die Hölle wartet schon“ Gedenken
voller Hass und Zorn
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