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| Ostermarsch 2005 |
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Kurt Köpruner spricht:
Ein Gespenst namens „Sachzwang“ geht
um
Zum sechsten Jahrestag des Beginns des Nato-Bombardements
[…] In diesen Tagen, meine sehr geehrten Damen und
Herren, jährt
sich zum sechsten Mal ein Ereignis, das schon beinahe vollständig
der Vergessenheit anheim gefallen ist, das aber mit gutem
Grund die Wiedereinführung des Faustrechtes genannt
werden kann: Das NATO-Bombardement gegen Jugoslawien.
Erinnern wir uns: Ab dem 24. März 1999 bombardierten
19 Nato-Staaten 78 Tage und Nächte lang ein kleines,
fast wehrloses Land. Dabei wurden tausende Menschen getötet,
hunderttausende vertrieben und die Lebensgrundlagen von Millionen
zerstört. Nato-Soldaten sorgen dort seither für
Ruhe und Ordnung. Was sie in sechs Jahren erreicht haben,
ist ein totales Fiasko. Kein einziges der angeblichen Ziele
dieser Bombenaktion wurde erreicht. Und doch werden uns die
Bomben bis heute erfolgreich als der erste Krieg der Geschichte
verkauft, bei dem es ausschließlich um Menschenrechte
gegangen sei.
Selbst Vergleiche mit Auschwitz wurden gezogen. Man erklärte,
einen multikulturellen Kosovo herbeibomben zu müssen – und
hat das genaue Gegenteil erreicht: Der Kosovo, das läßt
sich nicht bestreiten, ist heute jenes Land der Erde, in
dem die Nationalitäten so scharf wie nirgendwo sonst
von einander getrennt leben müssen.
Allein damit schon könnte man den ganzen Irrsinn der
Bomben und die vielen Lügen entlarven. Doch das für
uns entscheidende Ergebnis dieses Krieges ist die Tatsache,
dass mit der Mißachtung des UNO-Sicherheitsrates so
ganz nebenbei das Völkerrecht außer Kraft gesetzt
wurde: Wenn es hart auf hart geht, ist es seit dem März
1999 das Papier nicht mehr wert, auf dem es steht. Seither
gilt letztlich wieder das Faustrecht.
Trotzdem ist die Welt mit sich im Reinen und kein Mensch
spricht mehr davon. Wie ist das möglich?
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Behzad Mihankhah
Der gespannte Bogen aus Schrei dunkel, dunkel, die Dunkelheit
Darin steht ein gespannter Bogen nur aus Schrei
jedoch unvollendet schießt er den Komet der Stimmen
schweigend schweigt
der Stumme, stumm in der Stummheit
Jedes Wort, Jede Stimme
Ist eine schmale Riefe
Im unendlichen Gesicht der Nacht
Du denkst; das ist gar nichts?
jeder Blitz bedeutet Fur mich
Das Geheimnis, das ich enthüllen werde
Wenn die Morgendämmerung einbricht.
Selbst wenn keine Morgendämmerung mehr käme.
Selbst wenn den Komet der Stimmen
Nur unvollendet schießt, der gespannte Bogen aus Schrei
So nackt,
Ganz als Mensch
Ist der Einsame, einsam in der Einsamkeit
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Übersetzt aus dem persischen
von D.S.
Überarbeitet und beim Ostermarsch vorgetragen von ibrahim kaya
Augsburg 26.3.2005 |
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Zum Glück ist das Friedensdenken
der Normalfall, sonst wäre ein Zusammenleben von Menschen
unmöglich. Es muss also Arbeit geleistet werden, um eine
Gesellschaft in den geistigen Kriegszustand zu versetzen. Diese
Arbeit heißt Kriegspropaganda, und sie funktioniert immer
nach denselben Prinzipien. Es gibt ein hübsches kleines
Buch darüber von der belgischen Historikerin Anne Morelli,
die ihrerseits die Beobachtungen des englischen Pazifisten Lord
Ponsonby aus der Zeit des Ersten Weltkrieg fortschreibt. Die
wichtigsten dieser Prinzipien
sind:
1. Wir wollen keinen Krieg, der Feind zwingt uns dazu.
2. Der Feind trägt dämonische Züge.
3. Wir kämpfen für das Gute, nicht für eigennützige
Ziele.
4. Der Feind benutzt unerlaubte Waffen.
5. Unsere Mission ist heilig.
6. Wer unsere Berichterstattung bezweifelt, ist ein Verräter.
So dumm diese immer gleichen Lügen auch escheinen mögen,
sie tun ihren Dienst. Wir haben es im Kosovokrieg erlebt
- genau heute vor sechs Jahren begann er - wie die Propagandamaschine
in Gang gesetzt wurde und eine völlig gleichförmige
Berichterstattung und Kommentierung in allen Medien erzeugte.
Ich habe nicht vergessen, wie der jugoslawische Botschafter
in einer Fernsehdiskussion, zu der er eingeladen war, niedergeschrieen
wurde - der Vertreter des Bösen durfte nur vorgeführt
werden, nicht selbst zu Wort kommen. Zu den Wenigen, die
von Anfang an durchblickten, gehörte Kurt Köpruner.
Ich freue mich, dass er heute zu uns sprechen wird und empfinde
es als hohe Ehre für mich, mit ihm in einer gemeinsamen
Veranstaltung auftreten zu dürfen. Zwei Jahre später
hatte der "diensthabende Teufel" gewechselt; er
hieß jetzt Omar, regierte eines der ärmsten Länder
der Welt und bedrohte die USA und die Frauen. In beiden Fällen
kämpften "wir" für das Gute, für
die Menschenrechte, gegen Terror und Unterdrückung.
Dass dabei viele Tausende von Menschen ihre Heimat, ihre
Gesundheit, ihr Leben verloren, war eine bedauerliche Nebenerscheinung. aus
der Rede von Jost Eschenburg
zur
Rede »» |
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Kommentar
OB Wengert ließ der Ostermarschkundgebung ein schriftliches
Grußwort zukommen. Schriftlich wohl auch deshalb, weil
er in diesem Zeitraum an einer Wehrübung im Stab des Jagdbombergeschwaders
74 Neuburg teilnahm. Für den OB ist es „eine Selbstverständlichkeit,
teilzunehmen“ – nicht am Ostermarsch versteht sich,
sondern an einer Stabsübung. Gott sei Dank darf das Geschwader
seit 11. März
auf Initiative der PDS nicht mehr Mölders
genannt werden. Acht Jahre haben die Sozialdemokraten in der
Bundesregierung gebraucht, bis sie einen entsprechenden Beschluss
des Bundestages vollzogen.
In seinem Grußwort
an die Augsburger Friedensinitiative zitiert der OB ausgerechnet
Horst Köhler
(CDU): „Bundespräsident Horst Köhler, der
auch Schirmherr unseres Friedensjahres ist, formulierte es
in seiner Ansprache vor der „Stiftung Weltethos“ so: „Toleranz
fordert meinen Respekt vor dem Anderssein des Anderen, aber
sie fordert auch den Respekt des Anderen vor meiner Haltung
und Lebensweise. Nur so wird sich Toleranz letzten Endes nicht
als Schwäche, sondern als zivilisatorische Stärke
erweisen“.
Man kann das auch so sehen: Der OB trainiert mit den Jagdbombern,
die seit kurzem Dank der Unterschrift des Bundespräsidenten
im Zweifelsfall voll besetzte Zivilflugzeuge im Inneren abschießen
dürfen. Toleranz darf eben keine „Schwäche“ zeigen.
Für Horst Köhler gilt hier wohl, dass „zivilisatorische
Stärke“ gezeigt werden muss – in Deutschland.
Fand der OB oder sein(e) Redenschreiber(in) kein besseres Zitat?
„Toleranz […] fordert auch den Respekt des
Anderen vor meiner Haltung und Lebensweise“, schreibt
der OB der AFI ins Stammbuch. Ist das etwa unser Problem?
Wird deshalb zur Zeit von der Stadt die Abschiebung von Mpongo-Sacha
betrieben, der seit über zehn Jahren in Augsburg lebt?
Die Stadt ist wohl der Meinung: „Nur so wird sich
Toleranz letzten Endes nicht als Schwäche […]
erweisen.“ Muss
man vom „Anderen“„Respekt“ fordern?
Gibt es etwa Übergriffe oder dgl. von den „Anderen“ auf
uns? Haben die „Anderen“ etwa nicht genug Respekt
vor uns – den Deutschen? Muss man die, die sowieso
schon langsam Angst bekommen vor den „Deutschen“,
auch noch ermahnen? Wo doch der Übergang vom „Fordern“ und
Ermahnen zum Einschüchtern und Drohen bis hin zu faschistischer
Gewalt hierzulande fließend ist, und auch stattfindet – z.B.
gegenüber Migranten. |
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