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Ostermarschkundgebung
2006
15. April
Königsplatz |
„Kein Interesse für Ostermarsch
in Augsburg“ kann man gleichlautend lesen in der Augsburger
Allgemeinen, der Schwabmünchner Allgemeinen, der Neu-Ulmer
Zeitung und den Aichacher Nachrichten. Die Mittelbayerische
Zeitung weiß, gestützt auf die dpa: „Nur
auf wenig Interesse sind am Samstag in Bayern die traditionellen
Ostermärsche der Friedensgruppen gestoßen. In
Augsburg wurde der Ostermarsch der Friedensinitiative ganz
abgesagt: Nur 20 Teilnehmer waren laut Polizei zu der Auftaktkundgebung
auf dem Königsplatz zusammengekommen. …“ Gleiches
verbreitete auch der Bayerische Rundfunk.
Tatsächlich waren es in Augsburg ca. 80 Teilnehmer
und eine ausgezeichnete Kundgebung. Das kann man feststellen,
wenn man Gelegenheit hat, die Reden nochmal nachzulesen.
Diese Gelegenheit wollen wir hiermit unseren Lesern geben,
es lohnt sich. Die bürgerlichen Medien haben sich auf
den Tenor verständigt, dass die Friedensbewegung zusammenbreche
und am verschwinden sei. Tatsächlich scheint uns, dass
die Friedensbewegung wachsam ist und im politischen Urteil
gereifter. Sie läßt sich von den laufenden Propagandakampagnen
weniger denn je ins Bockshorn jagen. Wenn die bürgerlichen
Medien jetzt auch frohlocken, dass die Friedensaktivisten
auf „wenig Interesse“ stoßen würden – das
kann sich schnell ändern bei der nächsten militärischen
Eskalation. Und dann ist vor allem wichtig, dass die Friedensbewegung
klare Standpunkte hat. |
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Nicht der Iran
bricht den Atomwaffensperrvertrag, …
sondern
es sind diejenigen, die dem Iran internationales Recht vorenthalten.
„Israel dem Erdboden gleichmachen, zerschlagen, vernichten,
zerstören, tilgen, ausradieren, von der Landkarte löschen“ -
das habe der iranische Präsident gefordert - lesen oder
hören täglich.
Aber betrachten wir genauer, was der iranische Präsident
Mahmud Ahmadinedschad gesagt hat. Die 'New York Times' hat
die Rede komplett zur Verfügung gestellt. Einige Sätze
davon in deutscher Übersetzung: "Man sagt, eine
Welt ohne USA und Zionismus sei nicht möglich. Aber
Sie wissen, dass das ein mögliches Ziel und eine mögliche
Losung ist. [...] Unser lieber Imam sagte, das Besatzungsregime
müsse von der Karte gefegt werden. Und das war eine
sehr weise Äußerung. Wir können mit dem Thema
Palästina keine Kompromisse machen. [...] Unser lieber
Imam zielte auf das Herzstück des Weltunterdrückers
in seinem Kampf und meinte damit das Besatzungsregime. Ich
habe keinen Zweifel, dass die neue Bewegung, die in Palästina
begonnen hat - und wir nehmen das auch in der islamischen
Welt wahr - den Schandfleck aus der islamischen Welt entfernen
wird."
Es wird klar. Die Äußerungen des iranischen Präsidenten
sind in den Medien manipuliert wiedergegeben. Irans Präsident
bezeichnet die Beseitigung der Regime, die in Israel und
den USA an der Macht sind, als mögliches Ziel. Das ist
richtig. Aber nirgends fordert er die Beseitigung oder Auslöschung
Israels. Er macht deutlich, dass Veränderungen möglich
sind. Das von den USA gestützte Schah-Regime in seinem
eigenen Land wurde überwunden. Und so gibt er der Hoffnung
Ausdruck, dass auch in Israel bzw. Palästina Veränderungen
möglich sein werden.
Eine Reuters-Meldung vom 21.2.2006 bestätigt dies: "Der
iranische Außenminister Manuchehr Mottaki hat [...]
dementiert, dass sein Land den jüdischen Staat Israel
'von der Landkarte tilgen' wolle. [...] Irans Präsident
Mahmud Ahmadinedschad sei falsch verstanden worden. 'Niemand
kann ein Land von der Landkarte entfernen.' Ahmadinedschad
habe nicht den Staat Israel sondern das dortige Regime gemeint
[...]. 'Wir erkennen dieses Regime nicht als rechtmäßig
an.’ “ (Quelle: http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/kein-krieg/index.html)
Ich denke, damit ist auch eine weitere Hetze gegen den Iran
entlarvt. … »»
Auszug aus der sehr interessanten
Rede von Klaus Stampfer, Augsburger Friedensinitiative
(AFI) und Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen
(DFG-VK)
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Wir haben in den vergangenen Jahren erreicht, …
dass
eine Mehrheit der Bevölkerung in Europa sich nicht mehr für militärische
Aktionen begeistern lässt und dass ein breites Bewusstsein
für die Ursachen und Wirkungen kriegerischer Konflikte entstanden
ist. Unser Problem: Ein verhinderter Konflikt ist kein Medienereignis,
präventive Verhandlungen müssen leider auch oft geheim
bleiben, damit beide Seiten ihr Gesicht wahren können...
Wir müssen bestehende Vermittlungsinstitutionen wie die
UN stärken und auf eine weitere Verrechtlichung und demokratische
Gestaltung internationaler Beziehungen dringen. Immer wieder
müssen wir den Vorrang ziviler Konfliktvorbeugung einklagen
und zusammen mit unseren internationalen Freunden und Freundinnen
informieren und vor gefährlichen Gewaltspiralen warnen.
Auch im Inland müssen wir wachsam bleiben. Seit dem Ende
des Kalten Krieges und dem „9/11“ hat der Westen
die Muslime unter generellen Terrorverdacht gestellt. und zum
Feindbild erklärt. Da interessiert sich die Medienwelt
auf einmal sogar für Rechte der muslimischen Frauen. Bei
uns hat die CDU/CSU wieder einmal versucht, sich im Wahlkampf
auf dem Rücken der EinwanderInnen zu profilieren mit verschiedenen
Fragebögen für Einbürgerungswillige, deren Gesinnungsfragen
mehr oder weniger subtil auf MuslimInnen abzielen. Ich bin
mir allerdings nicht sicher, ob Herr Öttinger auf dem
Stuttgarter Wasen im Bierzelt eine auf dem Boden des Grundgesetztes
stehende Antwort bekäme auf die Frage: „Stellen
Sie sich vor, Ihr volljähriger Sohn kommt zu Ihnen und
erklärt, er sei homosexuell und möchte gerne mit
einem anderen Mann zusammen leben. Wie reagieren Sie?“ oder „Ihre
Tochter bewirbt sich um eine Stelle in Deutschland. Sie bekommt
jedoch ein ablehnendes Schreiben, Später erfahren Sie,
dass eine Schwarzafrikanerin aus Somalia die Stelle bekommen
hat!“
Besonders amüsierte mich, dass im Hessischen Fragebogen
die Einstellung der NeubürgerInnen zur Gleichberechtigung
abgefragt wird, aber im Wissensteil nur nach berühmten
deutschen Männern gefragt wird. Jahrzehntelang versuchte
die CDU/CSU feministische Politik in allen politischen Gremien
vom Gemeinderat bis zum Bundestag lächerlich zu machen
und haut dann im Wahlkampf einbürgerungswilligen Muslimen
die Gleichberechtigung aber schon so um die Ohren. Eigentlich
müsste ich mich freuen, „Emanze, du bist Deutschland,
das hat auch die CDU-CSU begriffen.
In den Feuilletons wird der Themenkomplex von den verschiedensten
Blickwinkeln beleuchtet. Wir werden immer wieder differenziert
Stellung beziehen müssen – und es sind Gradwanderungen
z. B. Antirassismus und Toleranz für andere Kulturen und
Traditionen versus Menschen- und vor allem Frauenrechte, liberale
Grundrechte oder Angst vor Terror, Meinungsfreiheit gegen Gotteslästerung
und Verletzung der Gefühle anderer.
Dabei stehen auch wir deutschen BürgerInnen längst
unter Generalverdacht, Telefon, Internet und Wohnräume
dürfen auch vorbeugend abgehört werden, gespeicherte
Emails unterliegen, wie das Bundesverfassungsgericht jüngst
bestätigte, nicht dem Fernmeldegeheimnis und manche PolitikerInnen
denken die generelle Überwachung aller auf der Autobahn
fahrenden KFZ an. … »»
Auszug aus dem Redemanuskript von Irmgard
Heilberger. Die zitierte Passage wurde aus Zeitgründen
leider nicht vorgetragen. Irmgard ist eine Sprecherin der Internationalen
Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) mit Beraterstatus
bei den Vereinten Nationen |
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„Der Westen muss
endlich zur Kenntnis nehmen …
und sich
ernsthaft darauf einstellen, dass die Traumata, Verletzungen
und Demütigungsgefühle der Kolonialzeit in der islamischen
Welt nach wie vor lebendig und gegenwärtig sind. Europa
und der Westen bedeuten gefühlsmäßig nach wie
vor: Kanonenboote, Unterwerfung und Ausbeutung. Sowohl die wirtschaftliche
Dominanz wie auch die politische Unterstützung autokratischer
Systeme zeigen den Westen in den Augen der muslimischen Bevölkerungen
nicht als Botschafter der Moderne, sondern nach wie vor als Hegemonialmacht,
der es nicht um Werte, sondern um Beherrschung geht. Das Unvermögen
gegen diese Übermacht anzukommen und an der Chancengleichheit
und Freiheit des Westens partizipieren zu können, schafft
ein Gefühl der eigenen Minderwertigkeit und Feindschaft
gegen das Fremde, von Bewunderung und Verachtung, Neid und Hass,
das den emotionalen Nährboden für unzählige Menschen
in der orientalischen Welt bildet. Vor allem Jugendliche, die
keine Perspektive für sich sehen, sind davon erfasst.“
Liebe Friedensfreundinnen und Freunde,
Europa muss es endlich schaffen – wenn nötig in
Abgrenzung zur amerikanischen Politik – die islamische
Welt als gleichberechtigte Partner anzuerkennen und einen ehrlichen
Dialog „auf Augenhöhe“ zu führen.
Dieser interreligiöse und interkulturelle Dialog ist heute
sicher eine wichtige Herausforderung gerade für alle Friedensbewegten.
Fordern wir dies auch deutlich von der herrschenden Politik. … »»
Auszug aus dem Redebeitrag von Christian
Artner-Schedler von pax christi
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Wir brauchen auch eine Politik, …
die statt in Waffensystem
und Auslandseinsätze der Bundeswehr,
in gesellschaftlich
notwendige Projekte investiert.
In 2004
waren 7300 Männer und Frauen
der Bundeswehr
in verschiedenen Ländern eingesetzt.
Uns kosteten
diese Einsätze
jährlich etwa 1,4 Milliarden Euro.
Für 1,4 Milliarden Euro
hätte der Staat
25 000 Krankenschwester und
20 000 Altenpfleger
beschäftigen können.
Wir brauchen,
statt 180 Eurofighter
für 21 Milliarden Euro
billige Mietwohnungen.
Wir brauchen,
statt 8 U-Boote
für 2 Milliarden Euro,
Kindergärten.
Wir brauchen,
statt 3 Fregatten
für 2 Milliarden Euro,
Studentwohnheime.
Ich bin mir sicher
Investitionen in Kriegsgeräte
ist gesellschaftlicher Unsinn. … »»
Auszug aus dem Redebeitrag von Michael Pfeiffer, IG Metall
Augsburg
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