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Im
Februar eskalierten die Proteste der Bewohner des Asyllagers auf dem Lechfeld
– und heute?
Wir greifen die Ereignisse vom Februar/März
dieses Jahres erneut auf, weil die Situation im Asyllager Lechfeld nach
wie vor unhaltbar ist. Die Justiz hat die Revolte durch Massenverhaftungen
niedergeschlagen. Nach Monaten wurden 13 Asylbewerber aus der Haft entlassen,
bei den meisten wurde der Haftbefehl lediglich außer Vollzug gesetzt.
Zwölf Flüchtlinge sind bis heute in Haft. Augsburger Kripo und
Staatsanwaltschaft „ermitteln“ – „eine unglaubliche
Arbeit“, so Staatsanwalt Weith. Kein Wunder, versuchen sie doch,
den Inhaftierten nicht nur Brandstiftung sondern auch „versuchten
Mord“ nachzuweisen. Ganz klar, die Afrikaner und Iraker haben nichts
anderes im Sinn, als sich selbst gegenseitig umzubringen. Wahrscheinlich
sind sie auch aus ähnlich niedrigen Beweggründen aus ihren Heimatländern
abgehauen.
In einer Presseerklärung stellte Dr. Monika Kaiser, Sprecherin des
Augsburger Flüchtlingsrates, fest: „Die Ereignisse in dem Containerdorf
sollten dazu Anlass geben, nach alternativen Standorten im Landkreis für
kleinere Gemeinschaftsunterkünfte, die keinen solchen Ghettocharakter
haben, mit allen Mitteln zu suchen.“ (1) Es
folgten Elisabeth Köhler, Landtagsabgeordnete der Grünen, Marianne
Grönninger, Vorstandssprecherin der Grünen im Landkreis Augsburg,
und Matthias Schopf-Emrich, Vorstandsmitglied des Vereins „Tür
an Tür“ in Augsburg. Sie forderten im März eine Schließung
des Lagers, eine humanere Unterbringung der Flüchtlinge und eine
Lockerung der Residenzpflicht. (2)
Das kommt natürlich unter dem Regiment von Herrn Olbrich, Regierung
von Schwaben, Dr. Karl Vogele, Landrat im Landkreis Augsburg und seinem
Adjutanten in der Krachledernen, Rainer Schaal, Regierungsrat im Landratsamt
und stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion im Augsburger Stadtrat,
– nie in Frage. Aus „Sicherheitsaspekten“ – versteht
sich. Der Landrat weiß von einer „großen Gruppe der
Straftäter und Identitätslosen“ in den Lagern, „besonders
in der Gemeinschaftsunterkunft Lechfeld“. Deshalb würden Anträge
auf Ausnahmen von der Residenzpflicht „im Regelfall abgelehnt“.
(3)
So gnadenlos, wie die CSU-Riege in den Landratsämtern und Ausländerbehörden
das „Ausländerrecht“ und „Asylrecht“ vollstrecken,
so scharf kontern sie ihre Kritiker aus dem christlich-humanen Lager.
Als der Sozialberater der Caritas den privaten permanenten Wachdienst
im Lechfelder Asyllager als „noch mehr Isolation“ kritisierte
und weitere „Gewalt aus dem Erleben von Ohnmacht“ erwartete
(4), fielen der Landrat und seine Getreuen über
ihn her:
„Die Ablehnung eines Asylantrages in einem rechtsstaatlichen Verfahren
und die gesetzmäßige Behandlung durch die Ausländerbehörde
als „Erleben von Ohnmacht“ zu bezeichnen und damit Gewalttaten
zu erklären, widerspricht dem Prinzip des demokratischen Rechtsstaates
nach dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Das Gewaltmonopol
liegt beim Staat. Öffentlich zu erläutern, warum weitere Gewalt
zu befürchten ist, wirkt wie eine Entschuldigung von Verbrechen und
ist daher völlig inakzeptabel.“ (5)
Würden die Behörden die gleiche Energie, die sie auf die Verfolgung
der Asylbewerber verwenden, auf die Verbesserung ihrer Unterbringung verwenden,
wäre wahrscheinlich schon viel geholfen. Der Arbeitskreis „Unterbringung“
des Vereins Tür an Tür stellt auf seiner Homepage fest: „Die
Stadt und der Landkreis Augsburg hätten die Möglichkeit, die
Residenzpflicht aus humanitären Gründen aufzuheben. Eine Praxis,
die in anderen schwäbischen Städten und Landkreisen kein Problem
ist, wird in Augsburg bislang noch verweigert.“ (6)
In langwierigen Verhandlungen mit Behördenvertretern versucht das
Bündnis für Menschenwürde in Augsburg, eine Verbesserung
der Lage von Migranten und Flüchtlingen zu erreichen. In Punkto Ausnahmegenehmigungen
bei der Residenzpflicht soll es in Augsburg inzwischen Lockerungen geben.
Eine allgemeine Aufhebung der Residenzpflicht zwischen der Stadt und dem
Landkreis scheitere jedoch am Widerstand des Landkreises in Gestalt von
Herrn Vogele und Herrn Schaal. Damit wird hierzulande blockiert, was zwischen
München und Umland, aber auch zwischen Memmingen und dem Landkreis
Unterallgäu möglich ist.
Die Regenbogenfraktion mag ja guten Willens sein oder diesen wenigstens
demonstrieren, aber dem Flüchtlingsrat, Tür an Tür oder
auch dem Bündnis für Menschenwürde fehlt die politische
Unterstützung aus dem Landkreis, aus dem Bezirk und von der Landesebene.
Was würde es Herrn Paula, dem Vorsitzenden des Bündnisses für
Menschenwürde, kosten, seine Landkreiskollegen, Bezirks- und Landespolitiker
in dieser Angelegenheit zu mobilisieren und – gerade jetzt in den
bayerischen Bezirks- und Landtagswahlen einen politischen Vorstoß
zu organisieren? Statt dessen führt man die Mitglieder des Bündnisses
mit Behördenvertretern, Amtsleitern und Polizeichefs zusammen, die
ihre Hände in Unschuld waschen und auf ihre Vorschriften und die
Gesetze verweisen. Das führt in die Ohnmacht.
Was würde es Christine Kamm kosten, als Landtagskandidatin die Initiative
ihrer Vorgängerin Elisabeth Köhler aufzugreifen und energisch
fortzuführen? Auf der Homepage von Christine Kamm findet man nichts
dergleichen. (7) Das Thema Flucht und Asyl gibt
es bei Ihr nicht. Dabei ist Christine Kamm Geschäftsführerin
der gemeinnützigen TüranTür-GmbH. Und Tür an Tür
hat schon seit 1996 ein Forderungsprogramm „Bayerische Mindeststandards
für die Unterbringung von Flüchtlingen“. (8)
Das könnten sich die Grünen doch jetzt auf ihre Fahnen schreiben!
Für Faschisten und Rechtsextreme sind die Vorgänge um das Lager
im Lechfeld ein gefundenes Fressen. Können Sie doch ihren Ruf als
Brandstifter läutern und jetzt mit dem Finger auf die Asylbewerber
zeigen: diese seien die Brandstifter und Straftäter! Auf der Website
von Neues Schwaben findet sich ein Beitrag „Brisant, brisant, Herr
Asylant!“, der zynisch über die Flüchtlinge herfällt
und die Sprecherin des Augsburger Flüchtlingsrats namentlich aufs
Korn nimmt. (9) Ziemlich offensichtlich ist, dass
die Rechtsextremen sich aus dem harten Kurs der CSU-regierten Behörden
munitionieren. Zu was führen SPD und Grüne eigentlich einen
Landtagswahlkampf, wenn sie hier nicht einsteigen?
Peter Feininger
Anmerkung: Ich verweise auf die sehr interessante Reportage, die Robert
Hösle unmittelbar nach den Ereignissen für Radio Lora geschrieben
hat »»
(1) Asylbewerber protestieren
gegen Containerdorf, Antifaschistische Nachrichten 6/2003 http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2003/06/container.php
(2) Für Schließung des Asyllagers auf dem Lechfeld – dezentrale
Unterbringung ist nötig Berichte
Augsburg-Schwaben 8/2003 (102 KB pdf)
zur Residenzpflicht siehe die sehr guten Ausführungen „Freedom
of movement – Für die Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge,
Abschaffung der Residenzpflicht“ http://ourworld.compuserve.com/homepages/jollesch/Texte/Reportagen/Report05-01.html
(3) Pressemitteilung Landkreis Augsburg 25.3.2003
http://www.landkreis-augsburg.de/behoerde/pressemi/2003/Presse-25-03-2003-2.html
(4) Augsburger Allgemeine 21.02.2003 http://www.augsburger-allgemeine.de/Portal/start?pagename=index&arid=1045711638775
(5) Augsburger Allgemeine 22.02.2003
(6) http://www.tuerantuer.de/akunter.htm
(7) http://www.christine-kamm.de/index.htm
(8) http://www.tuerantuer.de/aku_mind.htm
(9) Brisant, brisant, Herr Asylant! Asylbewerberunterkunft in Kleinaitingen
niedergebrannt
Neues Schwaben, März 2003
Kleinaitingen (hm). - Am 19. Februar verwüstete ein Feuer die Asylbewerberunterkunft
in Kleinaitingen vollständig. Unter dringendem Tatverdacht wurden zwölf
so genannte Asylbewerber festgenommen. Ihnen wird in 11 Fällen versuchter
Mord in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung vorgeworfen.
Vorausgegangen waren mehrere Sachbeschädigungen und ein Hungerstreik
der Asylanten, welche damit gegen den „unmenschlichen Ort“ ihrer
Unterbringung protestieren wollten. Nachdem sich der Landkreis Augsburg
doch tatsächlich weigerte, den Asylanten (die zu über 90 Prozent
zu Unrecht Asyl beantragen und damit auf ungerechtfertigte Weise Sozialhilfe
kassieren) ein Luxushotel zur Verfügung zu stellen, legten die Tatverdächtigen
wohl selber Hand an.
Die Sprecherin des Augsburger Flüchtlingsrats, Dr. Monika Kaiser, verteidigte
mehr oder minder das Vorgehen der Asylanten, indem sie die Lebensbedingungen
in Kleinaitingen als „derart psychisch belastend“ für die
Asylanten bezeichnete. Ob die sensiblen Asylbewerber jetzt auch Psychologen
zur Seite gestellt bekommen, ist noch nicht bekannt. http://www.neu-schwabenland.de/aktuell/akt028.htm
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