Menschen mit dunkler Hautfarbe, Angehörige der Roma- und Aschkali-Minderheiten, können ohne Gefahr für Leib und Leben in den Städten des Kosovo heute Straßen und öffentliche Plätze nicht mehr betreten. […] Innerhalb von nur drei Monaten wurde der größte Teil der Minderheiten indischer Abstammung, seit Jahrhunderten im Kosovo ansässig, aus ihren Heimatorten vertrieben und aus dem Lande gejagt. Die meisten ihrer Häuser, Dörfer und Stadtteil-Siedlungen wurden zerstört. Etwa drei Viertel der Roma und Aschkali müssen heute in Flüchtlingslagern oder Elendsquartieren in den Nachbarländern Montenegro, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien oder Albanien leben. Tausende wagen die gefährliche Flucht in überfüllten, zerbrechlichen Schiffen und Booten nach Italien. Nicht wenige von ihnen sind in der Adria ertrunken. Viele der im Kosovo gebliebenen Roma und Aschkali leben in Lagern des UNHCR für "displaced persons". Sie sind Flüchtlinge im eigenen Land. […]
Es muss für jeden Europäer unerträglich sein, dass eine Minderheit,
mit deren Ausrottung Hitler begonnen hatte, dass ein Volk, das seit einem Jahrtausend
auf unserem Kontinent ansässig ist, kollektiv verfolgt wird […]
Weil unter den Nationalsozialisten von Deutschland und Österreich schon
einmal ein Völkermord an Sinti und Roma ausging, muss es vor allem für
diese beiden Länder unerträglich sein hinzunehmen, dass europäische
Landsleute, nur weil die meisten von ihnen eine dunklere Hautfarbe haben als
die anderen Einwohner des Kosovo, verfolgt und vertrieben werden. Auch die
GfbV beklagt, dass die Truppen der KFOR ihre Aufgabe vielfach so ungenügend
wahrnimmt, vor allem jene zu schützen, denen heute die Vertreibung droht.
Es ist unverständlich, dass man einige der noch bewohnten, aber ständig
bedrohten Siedlungen der Roma und Aschkali nicht rund um die Uhr zu schützen
bereit ist. […]
Im Kosovo waren vor der Vertreibung etwa 150.000 Roma und Aschkali ansässig,
von denen allerdings etwa 30.000 in den Jahren vor Kriegsausbruch als politische
Flüchtlinge nach Westeuropa emigriert waren. Von diesen dürften sich
etwa 20.000 in Deutschland aufhalten.
Nach der NATO-Intervention wandten sich albanische Extremisten, zurückkehrende
albanische Flüchtlinge, häufig auch albanische Nachbarn der Roma
und Aschkali und vielfach uniformierte und bewaffnete UCK-Mitglieder überall
im Kosovo gegen die Minderheiten. Sie bedrohten Kinder, Frauen und Männer
vielfach mit dem Tode, schüchterten sie ein und forderten sie – nicht
selten mit vorgehaltener Waffe - ultimativ auf, ihre Häuser und Wohnorte
zu verlassen. Oft setzten sie ihnen eine Frist von wenigen Minuten oder Stunden.
Viele Roma und Aschkali konnten nur mit der Kleidung, die sie auf dem Leibe
trugen, entkommen.
In der Regel wurden die Häuser geplündert, Einrichtungsgegenstände,
Fernseh- und Videogeräte, Autos und in Einzelfällen auch Traktoren
gestohlen. […] In der Mehrheit der Fälle wurden dann die Häuser
in Brand gesetzt oder mit anderen Mitteln zerstört, […]
Angehörige der Minderheiten wurden bei den Vertreibungen nicht nur bedroht.
Es kam auch häufiger zu Misshandlungen, Entführungen, verbunden mit
Folter, zu einzelnen Vergewaltigungen und zu Morden. Vielfach sind Menschen
verschwunden oder gelten als vermisst. Mindestens in einem Fall wurde ein Rom,
ein behinderter Mann, in seinem Haus verbrannt. Die Zahl der Ermordeten oder
bei der Vertreibung Umgekommenen ist derzeit schwer zu beziffern. Das hängt
vor allem damit zusammen, dass die albanischen Zeugen zurzeit in ihrer großen
Mehrheit weder der KFOR noch Vertretern des Haager Tribunals oder westlichen
Journalisten Informationen über derartige Verbrechen geben. Die Mehrheit
der Roma- und Aschkali-Augenzeugen befindet sich inzwischen außerhalb
des Kosovo. Wir müssen zurzeit annehmen, dass die Zahl der Morde an Angehörigen
dieser Minderheit noch unter 50 liegt und dass andererseits wahrscheinlich
mehrere hundert Roma und Aschkali "verschwunden" sind. Weitere Tausende
haben seit Beginn der Vertreibungen keinen Kontakt mehr zu Familienangehörigen.
[…]
In verschiedenen Fällen versuchten albanische Nachbarn - zum Teil mit
Erfolg -, sich für die von der Vertreibung bedrohten Roma und Aschkali
einzusetzen. Meistens setzten sich aber albanische Extremisten, feindliche
Nachbarn oder UCK-Leute durch. In einigen Orten wie z. B. in Podujevo verhinderte
die Bevölkerung die Vertreibung der Minderheiten. So durften in Podujeva/
Podujevo über 1.500 Aschkali bleiben.
Die überwiegend feindliche Haltung der albanischen Bevölkerung gegenüber
den Minderheiten ermöglicht die kollektive Massenvertreibung. Diese wird
weiter durch das monatelange Fehlen von lokaler Polizei, Justiz und Verwaltung
begünstigt. Die KFOR hat in vielen Fällen die Minderheitenangehörigen
unzureichend geschützt, in ihren Siedlungen keine kontinuierliche militärische
Präsenz gezeigt, bei Verfolgung von Roma- und Aschkali-Angehörigen
häufiger nicht interveniert oder "Auseinandersetzungen" nur
angehalten, ohne das Recht auf Wohnung und Gesundheit der Bedrohten durchzusetzen,
und hat diese vielfach in die Nachbarländer eskortiert und somit die Vertreibung
begünstigt.
http://mitglied.lycos.de/szokoll/zigeunerinfo/Diskriminierung/kosowo.html