US-Vorwahlkampf
Teil 1

Iowa Caucus, erste Station des Wanderzirkus

Die erste Station des Wanderzirkus der Präsidentenwahl ist der Caucus in Iowa am Montag, den 19. Jan. Aber Achtung! Der Iowa Caucus ist keine Vorwahl, er ist eine Art Volksbefragung, wie sie 1846 eingeführt wurde, als Iowa ein US-Bundesstaat wurde, es ist also ein völlig antiquiertes Verfahren.

In mehr als 1900 Wahlbezirken werden Zusammenkünfte abgehalten, in Kirchen, Turnhallen, privaten Wohnzimmern oder Küchen. Dort wird erst einmal ausgiebig gegessen, dann werden die Kandidaten der Demokratischen Partei vorgestellt, dann bilden die Anhänger der verschiedenen Kandidaten Gruppen oder Grüppchen, die Unentschiedenen stehen abseits und werden kräftig umworben. Es ist also keine freie und geheime Wahl, sondern es wird mit den Füßen in aller Öffentlichkeit abgestimmt und nicht mit Stimmzetteln. Per Taschenrechner wird nun bestimmt, welche der Kandidaten mindestens 15% der Stimmen der Anwesenden erhalten haben, diese Kandidaten bleiben im Rennen, die anderen scheiden aus. Dabei wird keineswegs direkt ein Kandidat gewählt, sondern nur Delegierte, die dann auf dem Demokratischen Parteitag für diesen Kandidaten stimmen sollen.

Dieses Wahlverfahren ist übrigens für den Irak für die so genannten Wahlen im Sommer geplant, daher gehen dort z.Z. Zehntausende auf die Straße, um gegen dieses Verfahren und für freie und geheime Wahlen zu demonstrieren.

Natürlich wird alle vier Jahre gefragt, wofür dieses Kasperltheater eigentlich gut sein soll? Das führt regelmäßig zu einem Schrei der Empörung in Iowa, denn dieser Caucus ist für diesen landwirtschaftlichen, dünn besiedelten Staat im Mittleren Westen die einzige Möglichkeit, auch mal von den Medien beachtet zu werden. Iowa ist so groß wie Westdeutschland, es hat ca. 3 Millionen Einwohner und 10 Millionen Schweine. Es besteht hauptsächlich aus endlosen Mais- und Sojabohnenfeldern, von der ursprünglichen Prärie ist nichts mehr übrig.

Die Bevölkerung ist dementsprechend konservativ, aber vielen ist die Bushregierung zu radikal und sie wünschen sich eine friedlichere Politik. Gerade in diesen Agrarstaaten gibt es noch viele Veteranen, die im 2. Weltkrieg, Korea und Vietnam gekämpft haben und die vom Krieg genug haben. Ethnisch gesehen ist Iowa überwiegend weiß, mit einem starken deutschen Bevölkerungsanteil, dazu gehören auch Amische Gemeinden, die sowieso nie wählen.

In den Schlachthöfen und Fleischfabriken arbeiten aber immer mehr Mexikaner für schlechten Lohn und bei miserablen Arbeitsbedingungen. Nur wenige von ihnen sind aber wahlberechtigte amerikanische Staatsbürger. In letzter Zeit werden allerdings klammheimlich immer mehr muslimische Einwanderer in Iowa angesiedelt, wo sie, weit ab von den amerikanischen Bevölkerungszentren, die gesunde Landluft (voller Herbizide und Pestizide) genießen können.

Traditionell haben im Iowa Caucus die Kandidaten die besseren Aussichten, die aus dem Mittleren Westen stammen. Dieser Trend wäre Dick Gephardt aus Missouri zugute gekommen, aber damit rechneten nur die Wenigsten. Der Demokratische Abgeordnete, im Repräsentantenhaus seit 1982, war immer ein Kämpfer für die Arbeiterschaft, die Gewerkschaften, die soziale Gerechtigkeit. Sein großes Handicap war aber heute, dass er im März für den Irakkrieg gestimmt hat. Inzwischen ist im linken Flügel der Demokratischen Partei, die ihn unterstützen sollte, die Stimmung aber so, dass ein Kandidat, der für diese Invasion gestimmt hat, bei den linken Demokraten keine Chance mehr hat.

Dass John Kerry und John Edwards in Iowa gut abgeschnitten haben (38% und 32%) hat also nicht viel zu sagen. Bemerkenswert ist aber, dass Howard Dean eine Abfuhr erhalten hat, irgendwie ist es eben nicht gerade glaubhaft, wenn der Sohn eines Wallstreet-Bankers den Leuten vorzumachen versucht, er wäre ja auch nur einer der einfachen Leute (ordinary American).

Bedenklicher ist schon, dass seine Niederlage eine Folge des Kesseltreibens sein könnte, das von dem Camp John Edwards in Gang gesetzt wurde. Das Thema ist dabei die Frau von Howard Dean, die sich fast nie während der Wahlkampagne sehen lässt. Sie ist praktizierende Landärztin mit zwei Söhnen 16 u. 19 Jahre alt) und ist der Meinung, dass es ihr wichtiger ist, ihre Praxis und den Haushalt zu führen, als als Galionsfigur in den Wahlkampf zu ziehen. John Edwards Frau dagegen, deren Kinder erst 2 und 5 Jahre alt sind, kämpft unermüdlich im ganzen Land für ihren Mann. In Amerika spricht man ständig von „family values", aber wehe, man nimmt das ernst.

Der Senator von Massachusetts, John Kerry ist ein Veteran des Vietnamkriegs und Träger mehrer Kriegsauszeichnungen. Wichtig ist, dass er Ein Gründungsmitglied der Friedensorganisation Veterans Against War ist. Er hat aber für die Invasion in Afghanistan und im Irak gestimmt. Er kann darauf hinweisen, dass er mehr Erfahrung in der Außenpolitik hat als alle anderen Demokratischen Bewerber und er behauptet, dass er die Besatzung des Irak mit Hilfe der UN und des Auslands schnell beenden könnte. Seine Stärke ist die Umweltpolitik, er war maßgebend daran beteiligt, dass die Ölbohrungen in Alaska blockiert wurden.

Sen. John Edwards von North Carolina ist erst durch seine Bewerbung als Präsidentschaftskandidat bekannt geworden, er ist für viele ein recht unsicherer Kandidat. Es ist aber richtig, dass er als Senator des konservativen Südstaats North Carolina, sich immer wieder für fortschrittliche und liberale Gesetze engagiert hat. Wie Clinton seinerseits in Arkansas, so hat auch Edwards in seinem Heimatstaat viele Feinde, während er als Kandidat mit seinem versöhnlichen Ton und seiner gemäßigten Agenda viele Sympathien gewonnen hat. Auch er hat mit Tom Daschle für den Krieg gegen den Irak gestimmt, er vertritt eine ähnliche Linie wie John Kerry. Aber er hat praktisch in der Außenpolitik überhaupt keine Erfahrungen.

Der Iowa Caucus war schon deswegen nicht repräsentativ, weil zwei der Demokratischen Kandidaten, General Wesley Clark und Senator Joseph Lieberman, sich an dieser Abstimmung gar nicht beteiligt haben. Sie betrachteten das Ganze nur als Geldverschwendung und konzentrieren sich statt dessen auf die Vorwahlen in New Hampshire am 27. Januar.

Hanna Corniels, 20.1.2004

Der 2. Teil folgt nach der Vorwahl in New Hampshire am 27. Januar.