Arbeiter und Aktionäre der Firma Caterpillar Inc. (CAT) protestieren gegen den Einsatz von Caterpillar-Baumaschinen gegen die Palästinenser

Von Hanna Corniels

Caterpillar Inc. ist in der ganzen Welt bekannt für seine riesigen Baumaschinen, Bagger und Planierraupen, der Sitz der Firma ist in Peoria/Ill. In den Fabriken von CAT in Illinois, Colorado, Pennsylvania, Tennessee und Kanada arbeiten ca. 60 000 Arbeiter, von denen 8000 in der UAW (United Auto Workers) organisiert sind.

In den 90er Jahren gab es über 6 Jahre lang Auseinandersetzungen zwischen der Gewerkschaft und dem Management um einen neuen Tarifvertrag, die zu mehreren Streiks führten. Die Arbeiter wurden monatelang, 1994 sogar 17 Monate lang ausgesperrt, während die Fabriken mit Büroangestellten und Streikbrechern in Gang gehalten wurden. Das führte zu einer Flut von Reklamationen und Schadensersatzklagen gegen die Firma wegen der vielen Mängel an den ausgelieferten Maschinen. Am 31. März dieses Jahres wurden neue Tarifgespräche begonnen, die bis jetzt ohne Ergebnis verlaufen sind und die Arbeiter müssen zu ihrer Verbitterung zur Kenntnis nehmen, dass Caterpillar lieber Millionen Dollar an Anwalts- und Gerichtskosten zahlt, als ihren Beschäftigten auch nur einen Cent mehr zuzugestehen.

Da Caterpillar in Aurora/ILL ein großes Werk hat (die Firma ist in dieser Stadt von inzw. 160 000 Einwohner der größte Arbeitgeber), wo ich bis 1998 gewohnt habe, habe ich die Streiks während der 90er Jahre praktisch vor meiner Haustür miterlebt. Ich habe Freunde, die durch diesen Arbeitskampf, der letztlich ergebnislos endete, ihre Häuser verloren haben und im Bankrott geendet sind. Viele Ehen sind damals zerbrochen und es gab viele, die Selbstmord begangen haben. Heute erlebe ich, wie immer mehr Arbeiter und ehemalige Beschäftigte von Caterpillar frühzeitig sterben. Anhand der Todesanzeigen lässt sich feststellen, dass ein Caterpillar-Arbeiter in Aurora/ILL kaum das Rentenalter von 65 Jahren erreicht. Die Arbeit in der Fabrik ist schon wegen der enormen Größe der Maschinenteile ungeheuer anstrengend, dazu kommen die ständige Schichtarbeit und die starke Luftverschmutzung.

Vor diesem Hintergrund ist es besonders interessant, dass Caterpillar in den letzten Tagen massiv wegen seiner Handelsbeziehungen mit Israel angegriffen wurde.

Während der Aktionärsversammlung in Chicago am 14. April wurden die Aktionäre von Aktivisten, die selbst Aktionäre von CAT sind (die Arbeiter und Angestellten der Firma haben einen großen Teil ihrer Altersversorgung in CAT-Aktien angelegt), oder die Gruppen von Aktionären vertraten, dazu aufgefordert zu untersuchen, ob der Verkauf von Caterpillar-Baumaschinen an die israelischen Streitkräfte mit den ethischen Grundsätzen einer globalen Firma vereinbar ist. Die Demonstranten kritisierten, dass die schweren Maschinen, für die die Firma weltweit berühmt ist, dazu benutzt werden, Häuser und Wohnungen von Palästinensern niederzuwalzen, wobei immer wieder Menschen unter den Planierraupen lebendig begraben werden. Einigen der Demonstranten war es als Aktionäre möglich, auf der Versammlung zu sprechen und einen Antrag zu stellen, der den Aufsichtsrat dazu aufforderte, den Gebrauch der Maschinen, die an das israelische Verteidigungsministerium geliefert werden, zu kontrollieren. Der Antrag ist von 4 % der Anwesenden unterstützt worden, damit haben die Aktivisten das Recht erhalten, dass sie nächstes Jahr ihren Antrag nochmal zur Abstimmung vorlegen können.

Liat Weingart von der Organisation Jewish Voice for Peace erklärte, dass 50 000 Menschen in Palästina ihre Wohnung durch diese Zerstörungen verloren haben, die wenig mit der Sicherheit des Staates Israel zu tun haben. Einige der Palästinenser wurden unter den Maschinen lebendig begraben.

„In der arabischen Welt steht der Name ‚Caterpillar‘ für die Zerstörung von Häusern und der Infrastruktur und nicht für eine Firma, die als Baufirma bekannt ist.“ Das Logo CAT ziert zahlreiche T-Shirts, Mützen und Kappen und vor allem Spielzeug in aller Welt.

Caterpillars Vorsitzender, Jim Owens, erklärte dazu, dass die Firma Mitleid mit den obdachlosen Palästinensern habe, dass sie aber nicht in der Lage ist, zu kontrollieren, wie die 2 Millionen Maschinen, die sie jedes Jahr weltweit verkaufen, eingesetzt werden.

Im Zentrum des Bankenviertels von Chicago, der La Salle Street, protestierten 30 Leute mit einer Planierraupe aus Pappe mit der Aufschrift „Ca-terror-pillar“. Sie demonstrierten mit Fotos von Rachel Corrie, die im März 2003 in Gaza von einer Caterpillar Planierraupe überfahren und getötet wurde. Die 23-jährige Amerikanerin war im Gaza aktiv gewesen, um dort den Menschen zu helfen.

Einer der Aktionäre erklärte den Demonstranten, dass er gegen den Antrag gestimmt hatte, weil er meinte, dass man die Zerstörungen in den Palästinenservierteln durch die Israeli nicht ohne weiteres als „illegal“ bezeichnen kann. Aber der gleiche Aktionär, James Stahr aus Wheaton/ILL hatte auf der Versammlung den Aufsichtsrat dazu aufgefordert, den Einsatz ihrer Produkte in dieser Region zu überprüfen.

„Wir müssen uns sehr darum bemühen, unser gutes Image zu bewahren, „ sagte einer der Aktionäre nach der Versammlung. „Nur zu sagen, dass wir besorgt sind und Mitleid (mit den Opfern) haben, ist nicht genug. Es muss für uns ein ernstes Anliegen sein zu kontrollieren, wie unsere Erzeugnisse genutzt werden.“

Nur wenige Tage später fand am 24. April vor dem Firmensitz von Caterpillar in Peoria/ILL eine Protestdemonstration statt. Sie wurde organisiert von der Gruppe Stop Cat Coaltion. Eine Gruppe von 350 Demonstranten versammelte sich auf dem Parkplatz des Civic Center, wo die Redner und Musikgruppen die Aufmerksamkeit der Bürger der Stadt auf sich zogen. Von das aus zogen die Demonstranten zum Caterpillar-Werk mit Slogans wie: „Israel ermordete Rachel Corrie, Caterpillar ist der Schuldige“ oder „Caterpillar is a killer“.

Sie blockierten die Straßen der Innenstadt und überall sah man Polizisten in Kampfausrüstung. Vor dem Eingang zur Fabrik demonstrierten sie mit einem hölzernen Modell einer Caterpillar Planierraupe und einer Demonstrantin, wie Rachel Corrie verzweifelt versucht hatte, den Fahrer der Maschine zum Halten zu bringen und mit einem fürchterlichen Schrei einfach überfahren wurde.

Die Eltern von Rachel Corrie, die sich an der Protestdemonstration beteiligt hatten, hatten um eine Unterredung mit Jim Owens, dem Vorsitzenden des Konzerns, gebeten, aber Jim Owens ließ sich verleugnen. „Ich wünschte mir, dass er sich mit uns getroffen hätte. Es gibt da einiges, das er nicht weiß,“ meinte Craig Corrie, Rachels Vater. „Wenn seine Enkel ihn einmal fragen werden, was er während der israelischen Aggressionen (gegen die Palästinenser) getan hat, hoffe ich, dass er eine bessere Antwort hat als „Ich habe den Aktienwert steigen lassen „“. „Solange Caterpillar an den Gewalttaten im Nahen Osten beteiligt ist, werden wir immer wieder hierher kommen“, sagte seine Frau Cindy Corrie.
Viele der Demonstranten waren aus den umliegenden Bundesstaaten gekommen, aus Chicago, St. Louis, Milwaukee, Louisville und Iowa City, um auf das Schicksal der Palästinenser aufmerksam zu machen.

Das israelische Ehepaar Naomi und Kobi Peterzil, die zurzeit an der University of Illinois arbeiten, erklärten: „Wir müssen die Besetzung Palästinas beenden, die Juden und Araber in Israel müssen die gleichen Rechte erhalten.“ Zu der Entschuldigung von Caterpillar, sie seien für den Einsatz ihrer Maschinen nicht verantwortlich, meinten sie: „Das ist nicht wahr. Würde Bin Laden Caterpillar-Planierraupen einsetzen, würde sich die Firma sofort davon distanzieren, dass ihre Maschinen als Massenvernichtungswaffen missbraucht würden.“

AP, Copley News Service