
Augsburger Allgemeine
10.5.2004 |
US-Folter
– Good Morning, Vietnam!
Augenzeugen, die Täter, der verhaltene Aufschrei, US-Gefängnisse,
Partys
Hanne Corniels
…
sollte man sich die Biografien dieser SoldatInnen ansehen,
denn sie sind typisch für viele Amerikaner, die bei den
US-Streitkräften als Freiwillige dienen. … Alle
diese SoldatInnen haben eines gemeinsam, sie stammen aus dem
südlichen Appalachengebirge, das als das Armenhaus Amerikas
gilt. Die Appalachen, ein Mittelgebirge, das sich im Osten
der USA von Maine im Norden bis nach Georgia im Süden
erstreckt, hat durch den Kohletagebau die Staaten Virginia
und West Virginia fast völlig verwüstet, ebenso
das westliche Maryland und Teile von Pennsylvania. Genau dies
sind die Gegenden, in dem diese Männer und Frauen wohnen.
In dieser einst sehr schönen Landschaft haben seit Generationen
schlecht bezahlte Bergarbeiter unter oft unmenschlichen Bedingungen
gearbeitet. Ganze Bergkuppen wurden durch den Tagebau abgetragen,
die Wälder abgeholzt und verwüstet. In den verlassenen
Gruben brennen oft jahrelang Schwelfeuer, die die Luft, das
Wasser und den Boden vergiften.
Zu Beginn des Irakkriegs schrieb Mike Bryan für den „Dream
Center“ den Artikel: „Mr. President, please attack
Appalachia“. Darin führt er aus, dass man dort
nicht lange nach Massenvernichtungswaffen suchen müsste,
da die ganze Gegend radioaktiv verseucht ist. Außerdem
ist Appalachia schließlich ein Land der Dritten Welt
mit einer potenziell terroristischen, bis an die Zähne
bewaffnete Bevölkerung, denn extreme Armut und schlechte
Bildung sind schließlich der Grund für das Aufkommen
des Terrorismus. …
Wenn
man bedenkt, dass es die Amerikaner seit Jahren hinnehmen,
dass Amerikaner in amerikanischen Gefängnissen gefoltert
werden, sollte man nicht überrascht sein, wenn ein großer
Teil der Bevölkerung sich wenig darüber empört,
wenn Gräueltaten gegenüber „feindlichen“
Gefangenen bekannt werden. …
Es
war der bekannte Journalist Seymour Hersh von dem Elite-Magazin
„The New Yorker“, der den Taguba-Report des Pentagons
und die Amateurfotos aus dem Abu Ghraib Gefängnis im
Internet entdeckt und sofort veröffentlich hat. Interessanterweise
war es auch Seymour (Sy) Hersh, der 1968 die erschreckenden
Bilder von dem Massaker in My Lai in Vietnam an die Öffentlichkeit
gebracht hatte. Im gleichen Jahr organisierte er den Wahlkampf
des Friedenskandidaten, Senator Eugene McCarthy, der die große
Friedensbewegung der amerikanischen Jugend gegen den Vietnamkrieg
und Lyndon Johnsons Politik auf den Weg brachte.
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