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Die Wählerstimmen, die nicht gezählt werden Paul Krugman Princeton, New Jersey. Wenn die Präsidentschaftswahlen heute stattfinden würden, und es gäbe eine faire Stimmenauszählung, würde Senator John Kerry wahrscheinlich gewinnen. Aber die Auszählung der Stimmen wird nicht fair sein und so wird die Benachteiligung der Wähler, die Minderheiten angehören, voraussichtlich das Wahlergebnis im Endeffekt bestimmen. Die letzten Umfragen zeigen Kerry in Führung
um die 3% (AP), aber das Gallup Poll [Umfrage des führenden Institus,
Red.] gibt Bush eine Mehrheit von 8%. Die unparteiischen Umfragen
zeigen, dass im Durchschnitt beide Kandidaten ca. 47% der Stimmen bekommen
würden. Auch das Verhältnis zwischen den Wahlmännern in den einzelnen Bundesstaaten zeigt ein Kopf an Kopf-Rennen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Mehrheit der unentschiedenen Wähler für Kerry stimmen würde, könnte Kerry es auf gut über 300 Wahlmänner bringen, die für ihn stimmen würden. Aber die Amerikaner, die ihre Nachrichten
nur über das Kabelfernsehen bekommen, haben wahrscheinlich eine ganz
andere Vorstellung von diesem Wahlkampf. CNN, das das Gallup Poll in Auftrag
gegeben hatte, sagt seinen Zuschauern höchst selten, dass andere
Umfragen ganz andere Ergebnisse zeigen. Das Gleiche gilt für Fox
Television, deren eigene Umfragen immer Bush den Vorteil geben. Daher
kommt es, dass die amerikanische Bevölkerung den Eindruck hat, dass
Bush einen großen Vorsprung hat. Alles in allem sieht es so aus, als ob Bush in großen Schwierigkeiten wäre. Aber wahrscheinlich wird er von den Schummeleien bei der Auszählung der Stimmen profitieren. Florida ist dafür das beste, aber nicht das einzige Beispiel. Die letzten Umfragen zeigen ein Kopf an Kopf-Rennen, das aber leicht zugunsten Bushs ausgehen kann, falls nicht alle Wählerstimmen gezählt werden. Und die Stimmen für Kerry werden systematisch unterschlagen. Letzte Woche habe ich über einen Artikel von Greg Palast in Harper’s berichtet, der einwandfrei beweist, dass Florida bei den Wahlen von 2000 Bush zugeschoben wurde, indem man durch gewisse Manipulationen die Stimmen der armen, schwarzen Wähler ungültig gemacht hat. Das geschah einmal durch die falschen Listen von Vorbestraften (Amerikaner, die wegen schwerer Vergehen vorbestraft sind, dürfen auch nach Verbüßung ihrer Strafe nicht wählen), wodurch Tausenden von Wählern das Wahlrecht ungesetzlicherweise aberkannt worden war. Kaputte Wahlmaschinen in den armen, schwarzen Wohnvierteln hatten verhindert, dass die Wähler dort ihre Stimmen abgeben konnten. Man sollte erwarten, dass Florida in den letzten 4 Jahren in der Lage gewesen wäre, diese Mängel zu beheben. Aber die große Mehrheit derer, denen das Wahlrecht in 2000 zu Unrecht aberkannt worden war, haben bis heute dieses Recht nicht zurückbekommen – und die Computer, die inzwischen die alten Stanzmaschinen ersetzen, sorgen nur für mehr Probleme. Nach dem Wahldebakel vom Jahr 2000 wurde von Floridas Gouverneur, Jeb Bush, ein Ausschuss gegründet, der dringend empfohlen hatte, dass neue Computer angeschafft werden, die die Zahl der ungültigen Stimmen drastisch vermindern würden und die Stimmzettel ausdrucken sollten, die dann von Scannern gelesen würden und mögliche Probleme sofort aufzeigen würden. Solche Maschinen gibt es heute in Florida, hauptsächlich in den reichen, weißen Wahlbezirken. Aber der Gouverneur ignorierte diese Empfehlungen
ebenso wie die Aufforderung von staatlichen Beamten, die von ihm verlangten,
dass er die neue Vorstrafenliste vernichten solle, weil ein Richter nur
ein paar Tage vor ihrer Veröffentlichung sie als falsch entlarvte
und den Staat Florida dazu verurteilte, dies öffentlich zuzugeben.
In diesen letzten 11 Tagen kann sich noch
vieles ändern und vielleicht gewinnt Bush überzeugend mit einer
großen Mehrheit. International Herald Tribune Übersetzung Hanna Corniels »» Artikel drucken
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