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Die Wiederwahl von George
W. Bush 2004
von Hanna Corniels
Schon am 3. April meinte
der eher unparteiische „Globalist“ Robert
Cohen: „Wenn man Kerry vorwirft, dass er ‚französisch‘ sei,
dann können wir uns auf einen schmutzigen Wahlkampf
gefasst machen.“ Diese Kampagne von „fear and smear“,
von Angstmacherei und Verleumdungen, hatte jeder erwartet,
aber wie hatten sich Kerry und seine Mannschaft und die Demokratische
Partei darauf vorbereitet? Die Antwort auf diese Frage offenbart
die Krise, in der sich diese Partei befindet und warum sie
heute vor einem Scherbenhaufen steht. Denn sie hat ja nicht
nur die Präsidentschaftswahl verloren, sondern im Kongress
so viele Sitze eingebüßt, dass die Bushregierung,
zumindest in den nächsten zwei Jahren, eine völlig
freie Hand zur Durchsetzung ihrer Politik hat.
Sie können jeden noch so konservativen
und rechtsradikalen Richter in den Obersten Gerichtshof berufen
und in den 50 Bundesstaaten können sie die Bundesgerichte
mit den ihnen genehmen Kandidaten besetzen. Niemand wird
sie mehr daran hindern, Gefangene im Irak, Afghanistan und
Guantanamo auf unbestimmte Zeit einzukerkern, zu foltern
und zu töten.
Innenpolitisch kann die
US-Regierung nun die Steuererleichterungen für die Reichen festschreiben,
die Erbschaftssteuer ganz abschaffen und die Rentenversicherung
privatisieren. Wer beobachtet hat, wie schon in der Wahlnacht
die Börsenkurse nach oben schnellten, wusste schon,
wer die Wahl gewinnen würde.
Wenn man Kerrys Wahlkampf
kritisiert, sollte man sich im Klaren sein, dass Bush diese
Wahl so oder so gewonnen hätte. Aber die Fehler, die gemacht wurden,
zeigen die systemischen Schwächen der Demokratischen
Partei, die sich in so schicksalsschwere Abhängigkeiten
begeben hat, dass es ihr unmöglich geworden ist, einen
neuen Kurs einzuschlagen.
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