| Die Internet
Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), eine
Stiftung nach US-Firmenrecht, delegiert die TLD-Verwaltung
an regionale bzw. nationale Institutionen. In Deutschland
ist das z.B. die "DENIC Domain Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft
eG" in Fankfurt am Main. Wer eine de-Domain haben möchte,
beantragt diese bei seinem Provider, dieser wiederum bei
der DENIC. So oder so ähnlich funktioniert das überall
auf der Welt. Die ICANN vergibt also diese berühmten
Kürzel wie "com", "org", "de" oder "su" an ihr genehme
Organisationen, welche dann wiederum das Monopol auf alle
Domains in ihrem Bereich habenn.
Das
Gehirn des Internets arbeitet in den USA
Die Sache hat nur einen Haken: Die ICANN ist beileibe nicht
neutral, denn sie untersteht dem US-Handelsministerium! Damit
ist die US-Regierung weisungsbefugt und kontrolliert letztlich
mittels ihr 13 Großrechner den Verkehr im Internet.
Auf diesen so genannten Root-Servern werden die TLD's verwaltet.
Die Websites eines Landes, dem hier der Zugang gesperrt würde,
könnten weltweit nicht mehr erreicht werden.
Das war früher alles kein Problem bzw. hat niemanden
interessiert. Das World Wide Web entwickelte sich mehr oder
weniger spontan (übrigens aus einer zunächst militärischen
Vernetzung von US-Computern - aber das ist ein anderes Thema),
war zunächst mehr eine Sache für Freaks und für
Wissenschaftler. Doch inzwischen wurde daraus bekanntlich
etwas mehr. Die Weltwirtschaft ist ohne das WWW kaum mehr
denkbar. Die Kommunikation per E-Mail wäre zu Ende,
wenn das ICANN nur wollte . Dies beunruhigt nun so manchen
Staat und so manches Kapital. Man wird sich langsam bewusst,
dass hier ein Land das Monopol über eine sehr bedeutende
Ressource hat - und mal schnell den Daten-Hahn abdrehen könnte.
Genau darüber ging der Streit beim "UN-Weltgipfel
der Informationsgesellschaft" in
Tunis. Zu dem dreitägigen Weltgipfel kamen ca.
12.000 Besucher. UN-Generalsekretär Kofi Annan nahm ebenso
teil wie Vertreter von Staaten und großen Konzernen.
Die Teilnehmerländer des Netzgipfels in Tunis wollten
ein regierungsübergreifendes Forum schaffen. Es war
sogar von einer drohenden Spaltung des Internets die Rede
(die Auswirkungen wären für alle Seiten fatal;
technische Details können an dieser Stelle nicht erläutert
werden).
Streitpunkt war - ganz klar - die Dominanz der US-Organisation
ICANN, die das weltweite Netz "verwaltet". Die EU sowie Vertreter
der Schwellen- und Entwicklungsländer fordern seit Jahren
eine alternative internationale Internet-Verwaltung. Doch
die USA wollten - eigentlich ebenso klar - das Heft nicht
aus der Hand geben.
Das Ergebnis des Kongresses
Alles bleibt beim Alten, nur
ein bisschen kosmetisch entschärft - und
alle sind zufrieden, auch Kofi Annan. Gegenwärtig sei
die Verwaltung des weltweiten Netzes durch ICANN sinnvoll,
sagte der GenSek. Die Vereinten Nationen seien nicht die
geeignete Institution für eine "Internet-Regierung",
erklärte er in Tunis. Einige Fragen sollen künftig aber
(mit Zustimmung der USA) einem internationalen Gremium übertragen
werden. So genannte "Foren" beraten künftig über
Fragen zur Netzkriminalität, zu Computerviren und Spam.
Kurzum: Die ICANN macht weiter wie bisher, und um die anderen
Länder zu beruhigen, hat man machtlose Diskussionsforen
geschafften. Man sollte sich aber nicht täuschen. Hier
sind handfeste Konflikte abzusehen.
China
Die chinesische Regierung hat übrigens damit
gedroht, das Land vom weltweiten Datenverkehr
im Internet abzukoppeln und eigene Wege zu gehen, wenn
die US-Kontrolle über
das Netz fortbesteht.
Washington machte seine "nationalen Sicherheitsinteressen
geltend". Das kennt man ja.
Quellen:
http://www.welt.de/data/2005/11/16/804536.html 16.11.05
http://www.heise.de/newsticker/meldung/66913 2.12.2005
http://www.zeit.de/online/2005/46/Weltgipfel 16.11.2005
Offizielles
zum Gipfel im Tunis: http://www.itu.int/wsis/tunis/index.html
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