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Dr. Paul Wengert
Oberbürgermeister
Grußwort zur Friedensdemonstration
der Augsburger Friedensinitiative
am 15. März 2003, 12 Uhr, auf dem Rathausplatz
Liebe Augsburgerinnen
und Augsburger,
Sie sind zusammengekommen,
um für den Frieden und gegen einen Krieg zu demonstrieren; denn nur
im Frieden kann ein Gemeinwesen gedeihen. Gerade in Augsburg wissen wir,
was der Krieg und seine Folgen bedeuten. Wir haben aus der Geschichte
gelernt.
Frieden wollen wir
alle - weltweit. Strittig sind allein die Wege dazu. Ich kann nicht glauben,
dass ein Krieg der richtige Weg zum Frieden ist. Er kann es nicht sein.
Denn ein Krieg ist immer Anfang neuer Gewalt. Der Krieg, das haben uns
Jahrhunderte europäischer Geschichte gelehrt, darf nicht mehr Mittel
der Politik sein, gerade dann nicht, wenn man Frieden erreichen will.
Und das wollen wir, das müssen wir. Wir sind, auch wenn wir dann
als „altes Europa“ bezeichnet werden, kriegsmüde geworden
- aus den Erfahrungen heraus, die beispielsweise den Vereinigten Staaten
erspart geblieben sind. Diese „Kriegsmüdigkeit“ betrachte
ich als Errungenschaft und nicht als Schwäche.
Es darf heute, im
21. Jahrhundert, nach all den geschichtlichen Erfahrungen und angesichts
eines Rüstungspotentials, das unseren ganzen Erdball nicht nur einmal
zerstören kann, ganz einfach keinen Krieg mehr geben. Alle Mittel
müssen ausgeschöpft werden, um einen Krieg zu vermeiden. Darauf
hinzuweisen und dafür einzutreten, haben wir gerade in Augsburg,
der Stadt des Hohen Friedensfestes und der Friedensstadt - in der die
Wunden, die der letzte Krieg hinterlassen hat, noch immer als Narben sichtbar
sind - eine besondere Verpflichtung. Eine Verpflichtung auch deswegen,
weil unsere Stadt schon immer enge Beziehungen zu den USA unterhält,
Beziehungen, aus denen nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges Freundschaft
und viele persönliche Freundschaften wurden. Ich weise nur auf die
Verbundenheit mit unserer Partnerstadt Dayton hin.
Unter Freunden darf,
nein muss man offen sein. Freunden darf - und muss - man auch seine Besorgnis
mitteilen dürfen. Wir tragen Sorge, dass ein Krieg im Nahen Osten,
wie er hautnah bevorsteht, verheerende Folgen haben könnte. Vor allem
dürfte der Terrorismus, den wir gemeinsam bekämpfen, dadurch
neuen Nährboden erhalten. Die Folgen für uns alle sind nicht
absehbar. Nicht absehbar sind auch die Folgen für den Irak, aber
auch für den ganzen Nahen Osten. Massensterben, Massenflucht, Massenelend
sind zwangsläufige Folgen eines Krieges.
Wenn es das Ziel ist,
einen Diktator zu entwaffnen und ihn zu entmachten, muss es - immer noch
- andere Wege geben, dies zu erreichen, als mit einem Krieg, der Tod und
unsägliches Elend über die Menschen brächte.
Nur mit Frieden und
im Frieden können wir die Probleme lösen, die gelöst werden
müssen - derer gibt es allzuviele - , nur so können wir aus
dem Teufelskreis der Gewalt ausbrechen, nur so können wir auch eine
Eskalation des Terrorismus verhindern.
In dem Willen sind
wir uns alle einig, da darf es keine Völker-, Nationen- oder Parteienunterschiede
geben: Wir wollen den Frieden und keinen Krieg, weil wir eine glückliche
Zukunft wollen - für alle Menschen.
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