| Die
Bomber fliegen, die Aktienkurse steigen, die Zeit des endlosen
Gewäsch’s der Kriegsberichterstatter ist angebrochen.
Zunächst wollte die US-Militärpropaganda mit der
Ankündigung der Kriegstaktik „shock and awe“
den Irak und die weltweite Friedensbewegung demoralisieren.
Diese von den Geheimdiensten genährte Medienkampagne
dürfte bereits gescheitert sein. Die Nachrichtenagenturen
bestätigen, dass sich die weltweiten Proteste gegen die
Militäraktion am dritten Kriegstag intensiviert haben.
Im Irak treffen die Invasoren an vielen Punkten auf Widerstand.
Hier einige Schlaglichter auf das Widerstandsgeschehen, die
sich manchmal im Gewirr der bürgerlichen Medien finden,
meist aber aus unabhängigen Quellen im Internet stammen:
Weltweiter Widerstand
Eine halbe Million Menschen demonstrierten in Griechenland.
Kairo ist im Belagerungszustand, weil die Volksmassen auch
mit dem eigenen Regime abrechnen wollen. In Jordanien wurde
trotz Verboten demonstriert, die arabische Welt ist in Aufruhr.
In den kriegführenden Ländern USA und Großbritannien
lassen die Proteste nicht nach. Die britische Airbase Fairford,
von der die B-52-Bomber starten, ist von Demonstranten belagert.
Der irische Flughafen Shannon an der Westküste Irlands
ist - oder besser: war - einer der wichtigsten Umschlagpunkte
für die USA, um Soldaten und Material im Rahmen ihrer
Kriegsvorbereitungen in den Nahen Osten zu fliegen. Kriegsgegner
haben das Gelände und die Hangars dreimal gestürmt
und die Maschinen mit Äxten flugunfähig gemacht.
Mittlerweile haben drei der vier us-amerikanischen Fluggesellschaften,
die diese Transporte fliegen, jeglichen Flugverkehr über
Shannon aus Sicherheitsgründen eingestellt. Die britische
Kampagne „Reclaim the bases” (an event - aiming
at stopping/disrupting the war machine across the UK) hat
sich inzwischen neun Basen vorgenommen.
In New York sollen gestern eine Viertel Million demonstriert
haben, auch in anderen US-Städten gab es Proteste trotz
Massenverhaftungen von Kriegsgegnern. In Australien beteiligten
sich auch 2000 Soldaten an den Antikriegsaktionen; das ist
besonders brisant, da Australien das drittstärkste Kontingent
in der Kriegsallianz stellt. In Madrid haben gestern erneut
über eine Million Menschen demonstriert. Die Polizei
ging erneut mit unerhörter Brutalität gegen die
Demonstranten vor. Ein von Indymedia zitierter Korrespondent
schreibt: „Das Unglaubliche, was passiert ist in diesen
Tagen dringt nicht nach außen, weil es nicht verbreitet
wird. … Diese Vorkommnisse sollten den Sturz der Regierung
zur Folge haben müssen…“
Neben einer Großkundgebung in Berlin dürfte gestern
wohl in Frankfurt unter Verbotsdruck und Polizeirepression
eine wichtige und sehr große Aktion von Kurden stattgefunden
haben (zwischen 25.000 und 100.000!?).
Aus dem Irak
Die Armeen der Angreifer scheinen an vielen Fronten auf erheblichen
Widerstand zu treffen. Indymedia berichtet, gestützt
auf BBC und CNN, heute um 15.34: „Irak: Vormarsch gestoppt
–Hafenstadt Umm Qasr nicht erobert. Nasirijah gehalten“:
Mehrere Stunden zeigten BBC und CNN am Morgen Live-Bilder
vom Häuserkampf in Umm Qasr. "Die Aggressoren sind
in die Falle getappt", mit diesen Worten eröffnete
der irakische Informationsminister heute morgen eine in der
Folge anberaumte Pressekonferenz. Es seien weder der strategisch
wichtige Hafen Umm Qasr direkt an der kuwaitischen Grenze
noch die Stadt Nasirijah im Südirak unter Kontrolle der
Angreifer. Später mussten die Amerikaner schwere Kämpfe
bestätigen. Der irakische Minister erklärte: "Die
Söldner der Kolonisatoren sind in Panik versetzt worden.
(...) 6 Millionen Militante der arabischen sozialistischen
(Baath-) Partei sind unter Waffen." In der Konsequenz
würden die weltweiten Agressionspläne der "Gang
im weißen Haus" vereitelt. Überprüfungen
der Behauptungen haben ergeben, dass die irakischen Angaben
im Kern zutreffen. »»
Es sollen auch bereits anglo-amerikanische Soldaten gefangen
genommen worden sein. Es gab auch Meldungen, die USA hätten
den Aufmarsch vom Norden des Irak, also die zweite Front,
die die Südfront entlasten sollte, aufgegeben! Der Sender
Aljazeerah berichtet, dass der Zusammenhalt der Iraker größer
sei, als allgemein angenommen. Wir „erinnern Sie daran,
dass jeder im Irak höchstens zwei Verwandte weg von Bagdad
ist“ »»
Aus Bagdad selbst wird berichtet, das die Bomben „das
urbane und historische Stadtzentrum von Bagdad“ in einen
„immensen Scheiterhaufen“ verwandelt haben. Wer
ausschließlich von „Präsidentenpalästen“
spreche, tue dies wider besseres Wissen. Diese befinden sich
nämlich mitten in dicht besiedelten Wohn- und Einkaufsvierteln.
Der Wind hält weiter an und das Zentrum Bagdads ist wortwörtlich
in Flammen… »»
Viele ziehen Parallelen zum Vietnamkrieg. Es gibt aber Unterschiede.
Einer ist, dass die weltweite Antikriegsbewegung heute stärker
ist, früher eingesetzt hat und wahrscheinlich besser
informiert ist. Wir sollten alles tun, um diesen Krieg zu
stoppen. Wichtig für uns ist in diesem Zusammenhang,
den Heuchlern in Berlin genauer auf die Finger zu schauen
und zu klopfen. Dazu bald mehr.
23.03.2003 Peter Feininger
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