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Muß
Polen den BdV alleine stoppen?
Polens
Regierungschef Miller gab sich im Streit um das geplante Zentrum
zuversichtlich: „Ich glaube nicht, dass diese Debatte
die deutsch-polnischen Beziehungen ernsthaft stören könnte.
Zu viele Leute haben zu hart dafür gearbeitet, als dass
jemand das jetzt auslöschen könnte.“
Der
stellvertretende Chefredakteur der polnischen Zeitschrift
verteidigte die Montage seines Magazins. „Unser Titelbild
ist nur ein Symbol für das, was Frau Steinbach uns in
den vergangenen Monaten angetan hat“, sagte Piotr Gabryel.
„Erika Steinbach ist einer der Gründe, warum die
Freundschaft zwischen Polen und Deutschen, die sich in den
vergangenen Jahren entwickelt hat, in einem Scherbenhaufen
enden könnte.“
aus
Augsburger Allgemeine 22.9.2003
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| Gegen
das „Zentrum für Vertreibungen“ liegt jetzt
eine echte Gegenposition vor
Der Aufruf „Für einen kritischen
und aufgeklärten Vergangenheitsdiskurs“ wurde von
Hans Henning und Eva Hahn, Alexandra Kurth, Samuel Salzborn
und Tobias Weger initiiert. Unter den 116 Erstunterzeichnern
aus 12 Ländern finden sich neben zahlreichen renommierten
Wissenschaftlern und Künstlern u.a. auch die Namen des
letzten lebenden Anführers des Warschauer Ghetto-Aufstands
von 1943, Marek Edelman, des ehemaligen polnischen Außenministers
Bronislaw Geremek, des Chefredakteurs der polnischen Gazeta
Wyborcza Adam Michnik, des Vorsitzenden der Jüdischen
Gemeinde Prag Tomáš Jelínek sowie des Direktors
der Gedenkstätte Terezín (Theresienstadt) und
Vorsitzenden der Föderation der Jüdischen Gemeinden
der Tschechischen Republik, Jan Munk.
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Für einen kritischen und aufgeklärten
Vergangenheitsdiskurs
Kaum eines Themas wurde in der Geschichte
der Bundesrepublik so umfassend erinnert und gedacht wie der
Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.
In fast jeder deutschen Stadt steht ein Gedenkstein, fast
überall erinnern lokale Mahnmale an diesen Teil der deutschen
Geschichte. Die wissenschaftliche Forschung zum Thema war
von Beginn an umfangreich, wie auch die literarische Verarbeitung
und die öffentliche Auseinandersetzung.
Ungeachtet dessen steht das Thema Flucht und Vertreibung heute
wieder auf der politischen Agenda. Ein „Zentrum gegen
Vertreibungen“ soll entstehen, in dem Erinnern und Gedenken
ihren Platz bekommen sollen.
Die Erinnerung der Vertreibung hat ihren legitimen Ort im
individuellen Gedenken der Menschen, fest verwurzelt in einer
pluralen und kontroversen Erinnerungslandschaft der Bundesrepublik.
Bei der aktuellen Forderung geht es aber um etwas anderes:
Hier soll ein zentrales Mahnmal entstehen, mitgetragen aus
öffentlichen Mitteln und abgesichert durch staatliche
Weihen. Ein Zentrum, das ein einheitliches Geschichtsbild
etablieren und durchsetzen soll.
Die große Gefahr, die dieses Ansinnen
in sich birgt, besteht in einer staatlich sanktionierten Umdeutung
der Vergangenheit, ja einer Revision der Geschichte und der
Torpedierung eines auf europäischen Dialog angelegten
gesellschaftlichen und politischen Diskurses.
Wir sagen es mit aller Deutlichkeit: Ein „Zentrum gegen
Vertreibungen“ würde der kritischen Aufarbeitung
der Vergangenheit nicht nutzen, könnte aber statt dessen
die unterschiedlichen Erfahrungen der europäischen Nationen
in Frage stellen und damit die europäische Integration
behindern. Mehr noch: Aller mühsam erarbeitete Fortschritt
beim Bau eines gemeinsamen Hauses Europa könnte gefährdet
werden.
Dabei sehen wir vor allem zwei Gefahren in
historischer und politischer Dimension. Historisch betrachtet
droht eine Entkontextualisierung der Vergangenheit, die Negation
des ursächlichen Zusammenhangs von NS-Volkstums- und
Vernichtungspolitik auf der einen und Flucht und Vertreibung
der Deutschen auf der anderen Seite. Die politische Gefahr
besteht insbesondere in der Ethnisierung von gesellschaftlichen
Konflikten, also der Umdeutung von politischen und sozialen
Kontroversen in ethnische – und damit der Zementierung
eines völkischen Verständnisses von Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft.
Statt über Details eines „Zentrums gegen Vertreibungen“
zu debattieren, sollte eine europäische Aufarbeitung
der Vergangenheit sich auf einen pluralen, kritischen und
aufgeklärten Diskurs gründen. Gerolstein, 10.
August 2003
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