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Umsiedlung
war Folge der NS-Verbrechen –
Sudetendeutscher Tag leugnet Kausalzusammenhang
In Nürnberg fand zu Pfingsten
der 55. Sudetendeutsche Tag statt. Er gestaltete sich in starkem
Maße zu einer Wahlkundgebung der CSU. Die Tagungsregie
hatte die Aufgabe, in einer Situation der Niederlage –
die CSU ist bekanntlich mit ihrer Forderung gescheitert, die
Tschechische Republik dürfe nur in die EU aufgenommen
werden, wenn sie vorher die sog. Beneš- Dekrete aufhebt
– eine neue Aufbruchstimmung zu erzeugen. …
Aufmerken ließ dagegen
der Nachdruck, mit dem heuer der Kausalzusammenhang zwischen
NS-Verbrechen und Umsiedlung geleugnet wurde. Johann Böhm
wandte sich ausdrücklich gegen die Auffassung, der „Krieg
sei der eigentliche Auslöser der Vertreibung“ gewesen,
und erklärte, die ersten tschechischen Vertreibungspläne
gingen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück. Auch bei
der Gründung der 1. Tschechoslowakischen Republik 1918/19
seien derartige Pläne von tschechischen Politikern geäußert
worden. Böhm wörtlich: „Hitlers brutale Politik
hat also nicht die Vertreibungspläne entstehen lassen,
sie hat sie realisierbar gemacht.“ Die Sudetendeutschen
träfe an all dem keine Schuld…
Böhms Rede wurde von
Stoiber gepriesen als „sehr mutige Worte, die vielleicht
nicht jedem gefallen haben. ...
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zur Berichterstattung von Renate Hennecke in Deutsch Tschechische
Nachrichten
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| Kommentar
Man ahnt, was auf uns im Jahre
2005 zukommt. Die Augsburger Messe-AG hat mit der Sudetendeutschen
Landsmannschaft offensichtlich bereits einen Termin für
den Sudetendeutschen Tag in Augsburg vereinbart. Es soll der
14. und 15. Mai 2005 sein, dafür wird sogar die Frühjahrsausstellung
vorverlegt.
Haben die Funktionäre
der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) in Augsburg beim
Sudetendeutschen Tag 2003 noch Kreide gefressen und getönt,
sie hätten ja gar keine Besitzansprüche mehr, sie
wollten von der tschechischen Seite nur eine Geste des Bedauerns,
so klingt das jetzt schon anders. Waren wir im vergangenen
Jahr noch verwundert und befremdet über die ultrarechten
Genozid-Thesen, so wundert uns heute gar nichts mehr. Dienen
sie doch strategisch der juristischen Vorbereitung auf Restitution,
wie die SL jetzt offen einräumt. Die sogenannte Vertreibung
sei also ein von langer Hand vorbereiteter Völkermord
der Tschechen an den Deutschen gewesen. Darüber könne
auch das neue EU-Recht nicht hinwegsehen…
Wer also gedacht hatte, die
SL, Stoiber, Klerus und reaktionäre Konsorten würden
langsam aufgeben und uns in Augsburg würden solche grauenhaften
Veranstaltungen in Zukunft vielleicht erspart bleiben, hat
sich getäuscht. Ein tschechischer Student aus Liberec
– einer Partnerstadt von Augsburg – teilt nun
in einer Zuschrift an die Deutsch Tschechischen Nachrichten
mit:
Was
mir auch Sorgen macht, ist eine Gang von Nazi-Skinheads
hier in der Stadt. Das sind hauptsächlich junge Leute
zwischen 15 und 30 Jahren, die sich „auf dem Weg zum
Besseren“ von einer örtlichen Band mit dem Namen
„Reichenberg“ leiten lassen. Die Texte dieser
Band sind rassistisch und profaschistisch. Es gibt eine
Menge derartiger Gruppen hier. Sie rufen ihre Slogans den
Vorübergehenden zu, fast ohne sich um irgendwelche
Gesetze zu kümmern. Manchmal kommt es auch zu Angriffen.
Vor ungefähr einem Monat wurde einer von diesen Angreifern
drei Monate eingesperrt, weil er drei Leute mit einem Messer
verletzt hatte, nur wegen ihrer Hautfarbe oder weil sie
eine andere Meinung hatten. Aber vielleicht gehört
das zum üblichen Leben in der Großstadt, und
viele von uns reagieren gar nicht darauf oder sie wollen
es nicht sehen. Wir sind blind für einander. Vielleicht
kann ein normaler Mensch gar nicht verstehen, warum all
diese Dinge heutzutage passieren, die an die Geschehnisse
von vor 60 Jahren erinnern und eigentlich längst vergessen
sein sollten. dtn 3.6.2004
Man erfährt aus der Augsburger
Allgemeinen, dass der Bürgermeister von Liberec vor kurzem
zu einem Besuch in Augsburg war. Und dass der Augsburger Stadtjugendring
mit dem Jugendverband von Liberec Kontakt aufgenommen hat.
Die Städtepartnerschaft läßt sich also entwickeln
und die Stadt macht – in aller Stille – auch gewisse
Schritte in die richtige Richtung. Das ist sehr erfreulich.
Aber die Stadt Augsburg ist
offensichtlich auch bereit, die SL zum Sudetendeutschen Tag
im nächsten Jahr wieder mit offenen Armen zu empfangen.
Das ist eine blanke Katastrophe für das zarte Pflänzchen
der Verständigung, das mit der Städtepartnerschaft
allmählich gedeihen könnte. Die SL will von „Liberec“
nichts wissen, sie will „Reichenberg“ wieder beleben.
Was kommt dabei heraus? Eine faschistische Band mit Namen
„Reichenberg“, die in Liberec anfängt aufzuwiegeln
und Terror auszuüben, ist kein gutes Omen und sollte
auch der Stadtverwaltung eine Warnung sein.
Auch der Stadt Augsburg kann
es nicht guttun, wenn sie regelmäßig von den Revisionisten
der SL heimgesucht wird. Der Ruf als Kulturstadt würde
nachhaltig beschädigt. Am Schluss könnte Liberec
international besser dastehen, denn mit der nordischen WM
in 2009 hat Liberec schon was zu bieten. Und was hätte
Augsburg zu bieten: einen Haufen schwarzer und schwarzbrauner
Reaktionäre, die sich alle
zwei Jahre in Augsburg zusammenrotten und von hier aus ihre
Hetzparolen in die Welt posaunen. Die Stadträte der Regenbogenkoalition
mögen sich doch mal das internationale Presseecho auf
den letzten Sudetendeutschen Tag in Augsburg zu Gemüte
führen. Sie lassen zu, dass die SL die Stadt in Verruf
bringt und geben der SL dafür auch noch Zuschüsse
und Rabatte.
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