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Sudetendeutscher Tag
in Augsburg 2005 von historischer Qualität
Das Kriegsbeil ist ausgegraben
Der „Sudetendeutsche“ Tag in Augsburg war,
wie wir schon befürchtet haben, an politischer Hetze
gegen Tschechien kaum mehr zu überbieten. Als am Pfingstsamstag
die Meldung die Runde machte, dass am Montag in Prag ein
Denkmal zu Ehren von Edvard Benes enthüllt werden
soll, fing die Spitze der Sudetendeutschen Landsmannschaft
und Stoiber in Augsburg zu toben an. Die tschechische Öffentlichkeit
fühlte sich bedroht, der tschechische Rundfunk verlautbarte,
die deutsche Seite mische sich ein wie 38. […]
Ein unfassbares Signal aus der Friedensstadt Augsburg
im Festjahr Pax 2005: Tschechien, Mitglied der Europäischen
Union, wird von den Spitzen der Sudetendeutschen Landsmannschaft,
der CSU und des Freistaates Bayern in seiner Staatlichkeit
angegriffen! Unfassbar auch, dass der Oberbürgermeister
von Augsburg solche notorischen Unruhestifter eingeladen
hat, ihre Hetzveranstaltung in zwei Jahren erneut in der
Stadt abzuhalten. […]
zum
Artikel »» |
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Stramme Töne
Die Welt 17.5.2005: «Die
Aufstellung einer Benesch-Skulptur vor dem Prager Außenministerium
hat das komplizierte deutsch-tschechische Verhältnis weiter
belastet. Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL)
und der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU)
sehen in diesem Vorgang, nur wenige Stunden nach dem 56. Sudetendeutschen
Tag in Augsburg, eine „versuchte Provokation“ und
einen Verstoß gegen den Geist guter Nachbarschaft. Der
SL-Bundesvorsitzende Bernd Posselt sprach von Menschen, „die
den Götzen
der Vergangenheit huldigen“.» Führende Leute aus der tschechischen
Politik sowie die Prager Bevölkerung, die der Einweihung des
Benes-Denkmals beiwohnten, sind also für Bernd Posselt Menschen,
die den Götzen der Vergangenheit huldigen.
Bild: Edvard-Beneš-Denkmal in Prag,
Urheber bzw.
Nutzungsrechtinhaber Hejkal,
1. Juni 2007, Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Deutschland, Quelle wikipedia |
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Stoibers Steinbruch-Strategie
Sudetendeutscher Tag fordert Verhandlungen
mit Prag „auf gleicher Augenhöhe“ und Abkehr
der Signatarstaaten vom Potsdamer Abkommen »»
Artikel von Renate Hennecke |
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| Wengert in
schlechter Gesellschaft. Beim Stehempfang für den Vorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft
am 13. Mai im Fürstenzimmer des Rathauses sagte der OB: „Trotz
der angespannten Finanzlage haben wir […] alle Anstrengungen
unternommen, Sie bei der Ausrichtung dieses Sudetendeutschen
Tages zu unterstützen“. Wer ist „wir“?
Wie viel Kohle hat Wengert rübergeschoben und in wessen
Auftrag? |
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Hintergrund |
VON WALTER STAIN BIS CHRISTA STEWENS
Die bayerischen Arbeits- und Schirmherrschaftsminister
1954 übernahm der Freistaat Bayern die Schirmherrschaft über
die „sudetendeutsche Volksgruppe“. Beim Sudetendeutschen
Tag 2004 inszenierte Ministerpräsident Edmund Stoiber
medienwirksam eine Erneuerung dieses Generalversprechens, die
Sudetendeutsche Landsmannschaft und ihre Unterorganisationen
politisch zu stützen und aus Steuermitteln zu finanzieren.
Zuständig für die praktische Umsetzung dieses Versprechens
ist das bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung.
An seiner Spitze steht zurzeit die CSU-Politikerin Christa
Stewens. Werfen wir einen Blick auf die „Schirmherrschaftsminister“ vor
ihr.
Walter Stain – ehem. SdP-Mitglied und HJ-Führer
Erster in der Reihe war Walter Stain, bayerischer Arbeitsminister
von Dezember 1954 bis Dezember 1962. Stain (*1916) stammte
aus der Tschechoslowakei und hatte seine politische Laufbahn
in der Sudetendeutschen Partei (SdP) Konrad Henleins begonnen,
1938 im Sudetendeutschen Freikorps gegen die Tschechoslowakei
gekämpft und seinen Einsatz für Großdeutschland
nach dem „Anschluss“ der tschechoslowakischen Grenzgebiete
und der Übernahme der SdP-Mitglieder in die NSDAP als
Gaujugendführer des NS-Turnerbundes und Führer der
Hitlerjugend (HJ) fortgesetzt. Nach 1945 wurde er Mitbegründer
und Vorstandsmitglied des „Witikobundes“, der „nationalen
Gesinnungsgemeinschaft“, in der sich nach dem Zweiten
Weltkrieg in der BRD ehemalige führende Aktivisten der
SdP sammelten. Im bayerischen Landtag saß er als Abgeordneter
des aggressiv revanchistischen GB/BHE (Gesamtdeutscher Block/Block
der Heimatvertriebenen und Entrechteten), und unter Ministerpräsident
Hans Ehard (CSU) war er bereits ab 1950 als Staatssekretär
im bayerischen Innenministerium untergekommen. Sein Chef dort
war Wilhelm Hoegner (SPD). Als dieser 1954 eine Viererkoalition
mit FDP, Bayernpartei und GB/BHE bildete und die CSU für
drei Jahre auf die Oppositionsbank schickte, stellte er seinen
früheren Staatssekretär an die Spitze des Arbeits-
und Sozialministeriums und verlagerte dorthin auch den Bereich „Flüchtlingswesen“,
der vorher im Innenministerium angesiedelt war.
Auf dem Ministersessel gelandet, umgab sich Stain mit seinesgleichen:
Als Kanzleichef im Range eines Regierungsdirektors holte
er sich den ehemaligen SS-Hauptsturmführer Walter Hergl,
der Kommunalreferent in Henleins Sudetendeutscher Partei gewesen
war, bevor er im „Sudetengau“ als hoher Regierungsbeamter
in der Reichsstatthalterei und als Leiter der Gauhauptstelle
der NSDAP tätig wurde. Auch Hergl gehörte zu den
Gründern und Vorstandsmitgliedern des Witikobundes.
Zu seinem persönlichen Referenten machte Stain den ehemaligen
SS-Hauptsturmführer Friedrich Priller, der vorher bei
Prof. Theodor Oberländer beschäftigt gewesen war.
Letzterer stand als bayerischer Staatssekretär für
Flüchtlingswesen nicht mehr zur Verfügung, weil er
mittlerweile für den GB/BHE in den Bundestag eingezogen
war. Oberländer hatte schon 1923 an Hitlers Marsch auf
die Feldherrnhalle teilgenommen. 1957 – mittlerweile
war er CDU-Mitglied – machte ihn dann der damalige Bundeskanzler
Konrad Adenauer zum Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge
und Kriegsgeschädigte. Der Beteiligung an grauenhaften
Pogromen der Einheit „Nachtigall“ im Gebiet des
ukrainischen Lwow (Lemberg) beschuldigt und in der DDR deswegen
zum Tode verurteilt, musste Oberländer 1960 zurücktreten. … weiter »»
Artikel von
Renate Hennecke in Deutsch Tschechische Nachrichten Nr. 65 April
2005 |
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