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BuchbesprechungNoam Chomski: The Attack, 2001deutsch im Europa Verlag Hamburg, 2002Bereits im Jahre 2001, also kurz nach den Anschlägen des 11. September auf das WTC in New York, erschien dieses sehr aufschlussreiche und zugleich spannende Büchlein. Es versucht, die Ereignisse weltpolitisch einzuordnen und zeigt auf, wie einseitig in der westlichen Welt mit diesem Thema sowie mit „Terror“ im allgemeinen umgegangen wird. Noam Chomski, geb.
1928, US-Amerikaner, ist Sprachwissenschaftler und Professor am Massachusetts
Institute of Technology (MIT) sowie Mitglied der American Academy of Art
and Sciences und der National Academy of Science. Er ist politisch engagiert
und schreibt regelmäßig zu verschiedenen Themen. Nach dem 11.
September legte er die wahrscheinlich erste umfangreiche Analyse vor. Die Erklärung der Attentate zum „Krieg“Chomski klärt zunächst Begriffe, er legt dar, warum die USA das Attentat als Krieghandlung definieren: Wäre es „nur“ ein Verbrechen, so müsste man es juristisch ahnden. Es wären Gesetze zu beachten, die Unschuldsvermutung würde gelten etc. Ein Krieg dagegen hat Angreifer und Verteidiger („wir“). Die Terroristen haben den Krieg begonnen und „wir“ schlagen zurück. Man sei daher auch vom – anfangs verwendeten - Begriff „Kreuzzug“ wieder abgekommen, aber auch wegen den arabischen Verbündeten. (S.9f.) Der Begriff des TerrorismusNoam Chomski schließt
sich der Terrorismus-Definition des US-Rechts an, nämlich als „kalkulierte
Anwendung oder Androhung von Gewalt, um Ziele zu erreichen, die ihrem
Wesen nach politisch, religiös oder ideologisch sind …“
– und misst diese an der US-Praxis, um zu dem Schluss zu kommen,
dass es eine „propagandistische Bedeutung des Begriffs gibt, die
darin liegt, dass obige Definition nur für „unsere“ Feinde
gilt – nicht aber für die USA und ihre Verbündeten. Das Bündnis gegen des TerrorismusNach den Anschlägen schmiedet(e) die US-Regierung ein – allgemein anerkanntes „Bündnis gegen den Terrorismus“. Aber „Natürlich kann nicht jeder in diese erlesene Koalition aufgenommen werden“. Z.B. habe es die US-Regierung ausdrücklich abgelehnt, dass Nicaragua daran teilnimmt. Hingegen ist die „Nordallianz“ in Afghanistan Bündnispartner, obwohl sie „zuvor in Afghanistan für so viel Zerstörung und Terror gesorgt hatten, dass die Bevölkerung die Taliban mit offenen Armen empfing.“ (S. 28 f.) Mit zweierlei Maß gemessenAus diesem einseitigen
Begriff des Terrorismus ergibt sich, dass ständig mit zweierlei Maß
gemessen wird. Hierfür nennt der Autor einige Beispiele: Religiöser Fundamentalismus„Im Grunde haben
die USA … gegen religiösen Fundamentalismus an sich nichts
einzuwenden, er ist in der Alltagskultur der Vereinigten Staaten sogar
weit verbreitet und kann extreme Formen annehmen. In der islamischen Welt
ist neben dem Taliban-Regime Saudi-Arabien ein stark fundamentalistisch
ausgerichteter Statt, der allerdings von Anfang an ein Satellit der USA
war …“ (S. 13) Die (US-)PresseChomski zeigt auch auf, wie schwierig es ist, in der Öffentlichkeit mit kritischen Analysen zu bestehen. Als er darauf hinwies, dass Clintons Bombardierung der pharmazeutischen Fabrik Al-Shifa im Sudan ähnliche Folgen für die Menschen hatte wie der Anschlag vom 11. September, war er massiven Angriffen in der Presse und im Internet ausgesetzt. Heute sagt er, seine Bemerkung sei sogar eine Untertreibung gewesen. Kinder sterben im Sudan an Malaria und Tuberkulose, da ihnen die Medikamente fehlen. Außerdem weist Chomski zurecht darauf hin, dass hier – im Gegensatz zum WTC – die Attentäter genau bekannt sind. (S.31f.,36) Die TäterZwar seien die Angriffe auf die Zwillingstürme keine direkte Folge der US-Politik. Aber „Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Täter aus dem terroristischen Netzwerk kommen, dessen Wurzeln in den Söldnerarmeen liegen, die von den USA und anderen Ländern … ausgebildet wurden.“ (S. 59) Die „internationale Staatengemeinschaft“„Wenn westliche Staaten und intellektuelle sich dieses Ausdrucks bedienen, meinen sie die westliche Staatengemeinschaft. … Wer die Aktionen der reichen und mächtigen Nationen nicht unterstützt, gehört eben nicht (dazu)“ (S. 56) FazitDas Buch nimmt in kompakter und glaubwürdiger Weise (81 Seiten + Anhang) Stellung zu vielen Facetten der Anschläge auf das WTC. Es stellt bekannte und neue Fakten in einen sinnvollen Zusammenhang. Sehr empfehlenswert! Thomas Hacker, 16.02.2003
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