 |
„Der Himmel hängt
voller Arschgeigen“
Albrecht Raus Gedichtband Hirnschrittmacher
ist das Buch zur aktuellen Gemütsverfassung der Republik
Von Gerald Fiebig
Hirnschrittmacher heißt das erste Buch des Augsburger
Lyrikers Albrecht Rau. Der Titel des Gedichtbandes benennt
genau das, was Deutschland vor der Wahl fehlt und zweifellos
auch nach der Wahl fehlen wird, wenn sich die hartnäckige
große
Depression auf die anstehende große Koalition reimen
wird.
Den Ausweg aus der Krise kann auch Albrecht Rau nicht zeigen.
Dafür sind Sachbücher geeigneter wie die solide
argumentierende, faszinierend materialreiche und begründet
optimistische Denkschrift Wider die herrschende Leere – Neue
Perspektiven für Politik und Wirtschaft von Stephan
Hebel, Wolfgang Kessler und Wolfgang Storz. Das Verdienst
von Poesie in der gegenwärtigen Situation kann es aber
sein, uns in aller Dichte damit zu konfrontieren, wie weit
es schon mit uns gekommen ist, wohin uns die politisch-soziale
Lage schon getrieben hat: In reine, nackte Angst. Angst vor
der Pleite. Angst vor dem Durchbrennen aller sozialen Sicherungen.
In Albrecht Raus Gedichten zeigt sie sich als Angst etwa
vor der sexuellen Insolvenz in der erweiterten Sonderwirtschaftszone
der Samstagnacht, dem Unmöglichwerden dauerhafter Beziehungen
oder gar Familienplänen, Angst vor dem vereinsamten
Sterben als „Einzelmännchen“ in einer Welt,
in der nur die Wirtschaft global agiert, während die
Spielräume des Individuums immer geringer werden. Angst
davor, dass „Ich-AG“ und Abstieg in die Obdachlosigkeit
tendenziell immer näher aneinanderrücken. Angst
davor, den „Stimmbandsalat“ der entmenschten
Medienfressen von Bohlen bis Stoiber nüchtern ertragen
zu müssen, und Angst vor dem Alkoholismus, vor „Dosenbier
und Depressionen“. …
zur Rezension »» (pdf
28 KB)
Download am besten mit Klick rechte Maustaste/Ziel speichern unter…
|