Wer demonstriert bei Pegida und wo stehen die Pegida-Demonstranten politisch? Was tut sich bei der Anti-Pegida? Teil 1

Neue Studien zur Anhängerschaft von Pegida

Die Initiative AugeNAuF – Augsburg gegen Nationalismus, Ausgrenzung Fremdenfeindlichkeit organisiert die dritte Kundgebung. Rede der Europäischen Linken am 26. Januar

zur Druckversion  


Ausgelöst durch die Pegida-Demonstrationen der „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden und anderswo formieren sich Gegenkräfte und halten Gegenkundgebungen ab, vorzugsweise montags. Auch in Augsburg, wo Pegida bisher noch nicht antrat, entwickelte sich eine links-progressive Gegenbewegung mit erstaunlich hohen Teilnehmerzahlen.

Die Initiative AugeNAuF

Die zweite Kundgebung der Initiative AugeNAuF – Augsburg gegen Nationalismus, Ausgrenzung Fremdenfeindlichkeit am 26. Januar am Königsplatz / kurze Bahnhofstraße brachte 600 Teilnehmer auf die Beine. So viele wurden nach unseren Informationen tatsächlich gezählt. Es waren damit etwa doppelt so viele, als verschiedene Medien verlautbarten, und mindestens dreimal so viele wie bei der vorangegangenen Kundgebung am 19. Dezember[1] . Die Augsburger Kundgebung wurde sogar in den Nachrichten des Bayerischen Rundfunks erwähnt, neben Aktionen in Würzburg und München. Für Montag, den 16. Februar, um 18 Uhr auf dem Königsplatz ist die dritte Kundgebung von AugeNAuF angekündigt.[2]

In der Einladung zur heutigen Kundgebung schreibt die Initiative:

AugeNAuF Augsburg ist eine überparteiliche, unabhängige und gleichberechtigte Initiative und eine Plattform für all diejenigen, die etwas gegen den Rassismus, der in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit stark präsent war, unternehmen wollen und sich für ein solidarisches und respektvolles Miteinander einsetzen.

Die regelmäßigen Kundgebungen sollen ein Zeichen setzen gegen Rassismus und sollen die bunte, vielfältige Gesellschaft in Augsburg zeigen und repräsentieren.

Alle, die dieses Anliegen unterstützen, sind herzlich eingeladen. Vertreter rassistischer und faschistischer Anliegen sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.

In Zukunft will die Initiative an jedem dritten Montag im Monat auftreten, auch Infostände der beteiligten Organisationen sind vorgesehen.

Das Bündnis für Menschenwürde[3] hat jetzt seinerseits eine Aktion angekündigt: „Für ein solidarisches, buntes und weltoffenes Augsburg“ am Samstag, 7. März 2015, um 12 Uhr auf dem Augsburger Rathausplatz[4] . Die Vorsitzende der SPD Augsburg, Ulrike Bahr, hat sich in ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglied beim Bündnis für Menschenwürde bei der Initiative AugeNAuF für die Einladung zur heutigen Kundgebung bedankt und ihr eine Mitwirkung beim Bündnis für Menschenwürde angeboten[5] . Schon zuvor auf seinem Januar-Treffen stellte die Initiative AugeNAuF dazu fest: „Das Bündnis für Menschenwürde will sich offenbar nicht an den Aktionen beteiligen. Wir finden das schade und betonen erneut, dass wir auf keinen Fall eine Konkurrenz zum BfM sein wollen und sind gerne und jederzeit bereit für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit.“[6]

Politisch dürfte einer Zusammenarbeit nichts im Wege stehen, denn die oben zitierte Einladung der Initiative AugeNAuF enthält im Grunde die gleiche Stoßrichtung gegen Rassismus und für eine vielfältige Gesellschaft in Augsburg wie der Aufruf des Bündnisses für Menschenwürde.[7]

Im Grunde ist der Aufruf des Bündnisses für Menschenwürde der weitergehende, denn er stellt sich ausdrücklich auf die Seite der Flüchtlinge und tritt einer Einteilung in Bürgerkriegsflüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge entgegen: „Wer aus seiner Heimat flieht, hat gute Gründe.“ Neben einer positiven Position zur Zuwanderung setzt sich das Bündnis für Menschenwürde „entschieden gegen antisemitische, islamfeindliche, fremdenfeindliche und homophobe Tendenzen und Parolen und jegliche andere Ausgrenzungen in unserer Gesellschaft zur Wehr“.

Im Namen der Initiative AugeNAuF – Augsburg gegen Nationalismus, Ausgrenzung Fremdenfeindlichkeit erklärte Peter Biederwolf auf Facebook, warum die Programmatik der Initiative so knapp gehalten ist: „AugeNAuF wurde im Herbst letzten Jahres gegründet als Plattform, um zügig etwas gegen Pegida und Co zu unternehmen. Es ist eine sehr breite Sache mit nur geringen programmatischen Festlegungen. Das haben wir bisher auch beibehalten, um die Aktion so wenig wie möglich einzuschränken. Der Name ist allerdings Programm.“[8]

Auch die Initiative AugeNAuF will zu den nächsten Aktionen gezielt Flüchtlinge, Flüchtlingsorganisationen und Migrantengruppen einladen.[9]

Es wird wohl in Zukunft in der Stadt neue, demokratische Beteiligungsmöglichkeiten am politischen Diskurs geben. Daraus könnte sich eine neue kommunale Debattenkultur ergeben, die einige Lücken füllen könnte, die die verödeten Diskurse so mancher Partei, Parteigliederung oder auch Initiative in Augsburg inzwischen hinterlassen.

Es gab diesmal zwar Bündnisverhandlungen von AugeNAuF für die zweite Kundgebung am 26. Januar, aber keinen Aufruf. Dennoch schien der Aufruf von der ersten Aktion[10] noch nachzuwirken. Die Kundgebungsbeiträge der beteiligten Organisationen und einzelner Teilnehmer am offenen Mikro waren – so weit von uns vernommen – durchweg kritisch, progressiv bis links. Es fiel auf, dass die Parteien sich nicht beteiligten, und das Bündnis für Menschenwürde, der Integrationsbeirat und auch die VVN nicht zu sehen waren. Das gilt auch für die Linke, die nicht in der Lage war, als Augsburger Kreisverband die Kundgebung zu unterstützen. Zur Ehrenrettung hielten Jennifer Rath und Tania Knöbl vom Ortsverein Gersthofen zwei Beiträge, sie sprachen aber mehr für den Bundesverband Queer bzw. für die Europäische Linke, als für den KV Augsburg. Auch Thorsten Frank dürfte vor allem als engagiertes Mitglied der SPD aus der Jakober Vorstadt gesprochen haben und weniger für die Augsburger SPD.

Inzwischen hat ein weiteres Bündnistreffen von AugeNAuF stattgefunden.

Entwicklung von Pegida ist nach Spaltung offen, Stärkung der AfD durch Pegida? „Rechtspopulismus schlägt Rechtsextremismus“?

Es liegen inzwischen mehrere wissenschaftliche Studien über die Zusammensetzung der Pegida-Teilnehmer und Pegida-Freunde vor. Die Teilnehmerzahlen an den Pegida-Aufmärschen, die im Westen Deutschlands noch nie groß waren, gehen jetzt auch im Osten deutlich zurück. Die Führungsriege von Pegida hat sich gespalten. Nach ihrem Rückzug aus der Führungsriege wollen mehrere ehemalige Vorstandsmitglieder ein neues Bündnis gründen. „Direkte Demokratie“ und „Zuwanderung“ sollen die Haupthemen werden. „Wir gehen in Richtung direkte Demokratie, werden aber mit Sicherheit auch die Thematik kontrollierte Zuwanderung in unserem Programm haben.“ Auf dem AfD-Parteitag hat wohl ein gewisser Kurswechsel stattgefunden, dabei spielt auch das Thema „direkte Demokratie“ eine große Rolle. In einem Beitrag in junge Welt hält Thomas Wagner das „elitäre Kalkül“ bei der „direkten Demokratie“ von Leuten wie Lucke für gefährlicher als die Linie der Parteirechten.[11]

Das sollte uns wachsam machen. Die Theorie bürgerlicher Medien, wie zum Beispiel des Berliner Tagesspiegels, lautet in etwa: Pegida und AfD: Die Brache zwischen Union und NPD wird besiedelt. Und das könnte so bleiben, selbst wenn Pegida wieder untergeht. Das würde eine Stärkung und Stabilisierung der AfD bedeuten, „Rechtspopulismus schlägt Rechtsextremismus“ …[12]

Diese Dinge wollen wir in diesem und einem Folgeartikel anschneiden sowie den Redebeitrag von Tania Knöbl (Die Linke) dokumentieren.

Wir sagen hier bewusst „anschneiden“, denn wir sind uns sicher, dass uns die neuen Entwicklungen noch länger beschäftigen werden. Denn sie sind komplex, diffus, schwer durchschaubar. Die Einschätzungen auch in der Linken gehen zum Beispiel schon in der Frage auseinander, ob es historische Parallelen für die gegenwärtigen Entwicklungen gibt – sich also nur Altbekanntes in neuem Gewande zeigt und genauso bekämpft werden muss wie damals – oder ob es sich um etwas Neues handelt, das von den Linken auch neue Antworten verlangt. Eine im Zusammenhang mit Pegida beliebte, aber wahrscheinlich unfruchtbare Streitfrage ist: Sind es Rechtsextreme, die man klar bekämpfen müsse, oder sind es besorgte Bürger, Enttäuschte und zu kurz Gekommene, auf die man zugehen müsse?

Neue Studien zur Anhängerschaft von Pegida

Inzwischen muss man nicht mehr mutmaßen, wer sich an Pegida-Aktionen beteiligt oder mit der Pegida-Bewegung sympathisiert. Es gibt inzwischen mindestens sechs Studien, fünf davon aus dem Wissenschaftsbereich – Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Parteienforschung – und eine aufwendige Recherche der Zeit-Redaktion anhand des Facebook-Verhaltens von Pegida-Anhängern. Ferner gibt es eine aufwendige Datenbank über die Sprache Pegidas und sogar eine erste Studie zu NoPegida (Siehe Anhänge am Ende des Artikels).

Den meisten Studien wird vorgehalten, sie seien nicht repräsentativ, weil es so viel Verweigerer bei den Befragten gebe bzw. so wenig Rückläufer bei den ausgegebenen Fragebögen. Dem hält Prof. Werner Patzelt vom Institut für Politikwissenschaft der TU Dresden entgegen, dass seine Studie die vier vorangegangenen Studien von Hans Vorländer, Dieter Rucht, Franz Walter und Wolfgang Donsbach berücksichtige und daran anschließe. Patzelt kommt zu dem Schluss, dass eine Vergleichbarkeit mit den Stichproben der anderen Studien gegeben sei, die Befunde im wesentlichen zusammenpassen würden und damit „eine gewisse Chance auf Repräsentativität unserer Befunde entstand“[13] .

Wer demonstriert bei Pegida?

Im Folgenden beziehen wir uns – wenn nicht anders vermerkt – auf die Studie von Werner Patzelt. Nach seinen Ergebnissen lag das durchschnittliche Alter der Befragten (72 Prozent Männer, 28 Prozent Frauen) bei 46,4 Jahren. Patzelt bezieht sich auch auf die anderen vorliegenden Studien und resümiert:

Das durchschnittliche Alter der Befragten (72 % Männer, 28 % Frauen) lag in unserer Studie bei 46,4 Jahren …

Aus Vorländers Studie, weitestgehend durch die Befunde von Rucht und Walter bestätigt, kann ergänzt werden, dass es sich bei den Demonstranten um viele Arbeiter und Angestellte, auch um Freiberufler und Selbständige, um einen der Altersverteilung entsprechenden Anteil von Rentnern sowie um vergleichsweise wenige Studierende und Auszubildende handelt. Sehr wohl ist das ein –freilich nicht repräsentativer –Teil des „werktätigen Volks“. Durchaus hat man hier nicht die „Unterschicht“ vor sich, sondern – so sowohl Vorländer als auch Rucht und Walter – Leute mit Realschulabschluss, ja auch gar nicht wenige mit Abitur und (Fach-) Hochschulabschluss. Sie beziehen in der Regel auch auskömmliche Gehälter. Etwa drei Viertel der Demonstrierenden gehören keiner Konfession an. Das entspricht den in Sachsen landesüblichen Verhältnissen und lässt keine sonderlich ausgeprägte Sensibilität für Fragen von Religiosität oder Konfessionalität bzw. überhaupt für den Wert von Religion oder für die Bedürfnisse von Gläubigen erwarten. Bei der Interpretation der Befunde zur „Islamfeindlichkeit“ ist auch das zu berücksichtigen.

38 % der Befragten nahmen am 25. Januar zum ersten Mal an einer PEGIDA-Demonstration teil; nur 3 % hatten bislang alle 13 Demonstrationen mitgemacht. Der Mittelwert lag bei knapp vier Demonstrationsteilnahmen. …

Gleichwohl werden weiterhin die Befunde von Vorländer, Rucht und Walter zutreffen. Nach ihnen stellen Leute aus Dresden und Umgebung das Gros der Demonstrationsteilnehmer. Nach Vorländer kamen aus Dresden und Umgebung 36 % der Teilnehmer, aus Sachsen außer Dresden 38 %, aus Ostdeutschland ohne Sachsen 9 %, und aus Westdeutschland 6 %. Das alles lässt sich dahingehend zusammenfassen, dass die Dresdner PEGIDA-Demonstrationen durchaus eine ortsgebundene Zusammensetzung haben, selbst wenn die „Idee“ namens „PEGIDA“ auch andernorts seine Trägergruppen oder Verwirklicher gefunden hat.[14]

Im zweiten Artikel wollen wir hauptsächlich auf die Frage eingehen: „Wo stehen die Pegida-Demonstranten politisch?“. Ferner soll auf die oben gestellten politischen und theoretischen Fragen eingegangen werden, aber auch wieder über die örtliche Kundgebung berichtet werden.

Die nun folgende Rede von Tania Knöbl enthält auch eine These zur Pegida-Bewegung, die vielleicht noch zu erörtern wäre: Sie schreibt: „Es handelt sich keinesfalls um einen Ausdruck, der aus der »Mitte der Gesellschaft« kommt, sondern es ist gerade umgekehrt. Einflussreiche finanzstarke Kapitalgruppen versuchen, rechtes Gedankengut in die Massen verstärkt hineinzutragen und die Massenbasis für reaktionäre Politik zu vergrößern.“

Rede zur Aktion gegen Pegida am 26.01.2015 in Augsburg

Überarbeitetes Redemanuskript, Tania Knöbl, Europäische Linke

Es freut mich, dass Sie / Ihr heute so zahlreich zu unserer Aktion gegen Pegida gekommen seid. Herzlichen Dank!

Bedanken möchte ich mich auch bei allen, die uns am vergangenen Samstag so erfolgreich gegen die Kundgebung der sogenannten „Besorgten Eltern“ hier in Augsburg unterstützt haben. Auch Euch herzlichen Dank!

In meiner heutigen Rede gehe ich kurz darauf ein, warum „Pegida“, „Besorgte Eltern“, „Demo für Alle“, „Initiative Familienschutz“, „AfD“ und all die anderen rechten Erscheinungen einer gemeinsame Strategie unterliegen und warum es kein Zufall ist, dass diese in letzter Zeit vermehrt Schwung bekommen haben.

Es handelt sich nämlich bei all diesen Projekten nicht um zusammenhangslose Einzelereignisse, sondern um gezielte Versuche, ultrarechtes Gedankengut und Überzeugungen in die Gesellschaft hineinzutragen. Hierfür werden große Finanzbeträge ausgegeben und die gesamte bürgerliche Presse, Rundfunk und Fernsehen, sowie bezahlte Politiker aus allen etablierten Parteien mobilisiert. Es handelt sich keinesfalls um einen Ausdruck, der aus der „Mitte der Gesellschaft“ kommt, sondern es ist gerade umgekehrt. Einflussreiche finanzstarke Kapitalgruppen versuchen, rechtes Gedankengut in die Massen verstärkt hineinzutragen und die Massenbasis für reaktionäre Politik zu vergrößern.

Warum haben einige Kapitalgruppen ein Interesse an so einer Entwicklung?

Es handelt sich um eine Strategie, die im 20. Jahrhundert entwickelt wurde und die sich in bestimmten Situationen als sehr nützlich für das Kapital herausgestellt hat. Wie bei allen Projekten im Kapitalismus unterliegen diese natürlich auch der Konkurrenz, so dass sich die verschiedenen potentiellen „Dienstleister“, also ich meine hier die Anführer solcher Bewegungen, verbissen darum bemühen, die „Besten“ zu sein, um am Ende den großen Zuschlag oder zumindest ein beträchtliches Stück vom Kuchen abzubekommen.

Die Aufgabe dieser Gruppen ist die Verteidigung der Privilegien der Mächtigen und Reichen, und die dafür notwendige Niederhaltung der restlichen Bevölkerung.

Diese wird vom Kapital in Zeiten, in denen die Kontrolle des Denkens der Bevölkerung durch Massenmedien und gekaufte Politiker nicht mehr sicher funktioniert, als notwendig erachtet, um von ihrer Verantwortung für die katastrophalen Fehlentwicklungen ihrer Politik und Wirtschaft abzulenken.

Natürlich spielen hier Vorgänge in den kurdischen Gebieten oder der Ukraine mit eine Rolle, wie von einigen Vorrednern erläutert. Viel wichtiger dürfte jedoch das zunehmend spürbare soziale Ungleichgewicht in Europa selbst und das beginnende Erstarken von linken politischen Alternativen wie in Thüringen und vor allem auch in Griechenland sein. Das Kapital fühlt sich durch solche Entwicklungen im Mark getroffen und fürchtet um seine Dominanz.

Als wirksame Strategie des Kapitals hat sich hierfür folgendes Schema herausgebildet:

Eine erkennbare Personengruppe wird herausgegriffen und für bestehende oder auch vermeintliche Missstände verantwortlich gemacht. Dabei wird diese Personengruppe in Gänze beschuldigt, herabgewürdigt und stigmatisiert. Historische Belege hierfür gibt es vor allem für die Gruppen „Farbige Menschen“ und „Menschen mit jüdischer Religion oder Vorfahren“. Jüngeren Datums sind „Menschen mit asiatischem Erscheinungsbild“, „Menschen mit islamischer Religion“, „Queere Menschen“, also „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter*“, „Nichteuropäer“ aber auch „Nichtdeutsche“, allen voran türkische und nun auch griechische Menschen. Die Liste ist lang, jedoch ist das Muster immer das gleiche. Die gesamte Gruppe wird beschuldigt und die tatsächlich Verantwortlichen geraten so aus dem Blickfeld.

Positive Nebeneffekte, aus Sicht des Kapitals, können dabei weiter sein:
  1. Gewöhnung der Menschen an rechte Massenbewegungen, so dass die Wachsamkeit der demokratischen Öffentlichkeit nachlässt

  2. Verschärfung von Gesetzen zur Unterdrückung von Protestbewegungen im Allgemeinen

  3. Bildung und Stärkung von Netzwerken und Zellen der radikalen Rechten, die im "Ernstfall" gegen die Bevölkerung eingesetzt werden können

  4. Bindung von linken Kräften zur Verteidigung dieser bedrohten Menschengruppen

  5. Profilierung von kapitaltreuen Politikern und Institutionen, die als „Verlässliche Vorkämpfer der Demokratie“ hochstilisiert werden. Insbesondere wenn Einzelnen dieser Bewegungen vorübergehend oder auch gänzlich die Unterstützung wieder entzogen wird (z. B. weil sie sich zu dämlich verhalten haben oder die Bedrohung für das Kapital vermeintlich wieder nachlässt).

Fazit

Da es sich bei diesen Massenerscheinungen nicht um vorübergehende „Geschmacksverirrungen“ eines „Mobs“ handelt, der sich von selbst wieder legt, wenn man ihn nur keine Beachtung schenkt, sondern um kräftig finanzierte und planmäßige Strategien zur Lenkung des Massenbewusstseins, ist eine aktive Entlarvung des Charakters solcher Erscheinungen für uns äußerst wichtig. Die kann bei den leider vorherrschenden Kräfteverhältnissen in der öffentlichen Berichterstattung nur durch machtvolle Gegenkundgebungen geschehen, die eine vollständige Unterdrückung durch die Medien erschwert.

Deshalb müssen wir auch weiterhin aktiv gegen jede dieser Bewegungen auf die Straße gehen und dabei möglichst zahlreich, laut und auffällig sein. Anders werden wir keine Chance auf Gehör erhalten.

Damit komme ich zum zweiten Punkt meiner Rede

Auch dieses Jahr wird die NATO in München ihre alljährliche sogenannte „Sicherheitskonferenz“ durchführen. Was da genau besprochen wird, ist natürlich geheim. Wir dürfen allerdings mit Sicherheit davon ausgehen, dass auf dieser Konferenz auch militärische Maßnahmen gegen das abtrünnige Griechenland besprochen werden, falls es nicht gelingt die SYRIZA-Partei von ihrer Aufkündigung der europäischen Verarmungspolitik abzubringen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Sigmar Gabriel hat ja Alexis Tsipras unmittelbar nach dem Wahlsieg bereits eindringlich gewarnt, so weiterzumachen wie bisher.

Ich bitte euch deshalb dringend, am 7. Februar mit nach München zu kommen, um dort in einer zentralen Demonstration unsere Ablehnung der Kriegspolitik der NATO zu bekunden und um uns geschlossen vor das griechische Volk zu stellen. Wir müssen klar machen, dass wir eine Bedrohung Griechenlands und eine Zerstörung des Landes, wie damals Jugoslawiens, auf keinen Fall zulassen werden!

Keinen Fußbreit den Faschisten!

Kein Frieden mit der NATO!

Hoch, die internationale Solidarität!

Peter Feininger, 16.2.2015

zur Druckversion  

alle Artikel zum Thema finden sich unter kultur & wissen/Religion und Weltanschauung http://www.forumaugsburg.de/s_6kultur/Religion/index.htm

alle Fotos stammen von der Kundgebung von AugeNAuF – Augsburg gegen Nationalismus, Ausgrenzung Fremdenfeindlichkeit am 26. Januar am Königsplatz / kurze Bahnhofstraße

 


Anhänge

Studien zu Pegida

[1] „Pegida-Anhänger auf Facebook: Wer sind sie? Dürfen wir vorstellen: Die Freunde von Pegida. Wer bekennt sich zu Pegida? Keiner weiß es genau. Auf Facebook aber sprechen die Anhänger der Bewegung. Diese Grafiken zeigen, was Pegidisten ausmacht, von Kai Biermann, Paul Blickle und Sascha Venohr“, Die Zeit, 05-Feb-2015. [Online] Verfügbar unter: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/wer-ist-pegida-facebook-daten. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[2] „Was und wie denken PEGIDA-Demonstranten? Ergebnis einer dreimonatigen Fallstudie aus einem Methodenseminar des Dresdner Politikwissenschaftlers Prof. Patzelt, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Dresden“, 02-Feb-2015. [Online] Verfügbar unter: http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/ifpw/polsys/for/pegida. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[3] „Die Sprache Pegidas“, 0x0a, 29-Jan-2015. [Online] Verfügbar unter: http://0x0a.li/de/die-sprache-pegidas/. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[4] „Studie zu NoPegida, Franz Walter, Göttinger Institut für Demokratieforschung“, 26-Jan-2015. [Online] Verfügbar unter: http://www.demokratie-goettingen.de/blog/studie-zu-nopegida. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[5] „Welche Einstellungen führen zu Pegida? Neue Umfrage der Dresdner Kommunikationswissenschaft unter Leitung von Professor Wolfgang Donsbach, Pressemitteilung“, 23-Jan-2015. [Online] Verfügbar unter: http://donsbach.net/aktuell-unsere-studie-zu-was-erkl%c3%a4rt-sympathie-f%c3%bcr-pegida/. [Zugegriffen: 15-Feb-2015]

[6] „Wer geht zu PEGIDA und warum? Studie eines Teams um den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Hans Vorländer von der TU Dresden“, 20-Jan-2015. [Online] Verfügbar unter: http://tu-dresden.de/aktuelles/newsarchiv/2015/1/pegida_pk. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[7] „Untersuchung zur Dresdner Pegida-Demonstration, Prof. Dr. Dieter Rucht (Koordination), Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung“, 19-Jan-2015. [Online] Verfügbar unter: http://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/untersuchung-zur-dresdner-pegida-demonstration. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[8] „Studie zu Pegida, Franz Walter, Göttinger Institut für Demokratieforschung“, 19-Jan-2015. [Online] Verfügbar unter: http://www.demokratie-goettingen.de/blog/studie-zu-pegida. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

Medienberichte über die Studien zu Pegida

[9] „Wer Pegida mag, der mag auch…, Markus Beckedahl“, netzpolitik.org, 06-Feb-2015. [Online] Verfügbar unter: https://netzpolitik.org/2015/wer-pegida-mag-der-mag-auch/. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[10] „Dresden: Studie sieht Fremdenfeinde bei Pegida in der Minderheit“, Die Zeit, 03-Feb-2015. [Online] Verfügbar unter: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/pegida-dresden-studie. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[11] „Pegida-Studien: Der sichtbare Teil von Pegida“, Die Zeit, 19-Jan-2015. [Online] Verfügbar unter: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/pegida-studien-proteste-umfrage-ergebnisse-rucht. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]

[12] M. Meisner, „‚Pegida wird nicht schnell verschwinden‘. Leipzig kennt Multikulti, Dresden ist traditionell konservativ - Frank Richter von der Landeszentrale für politische Bildung erklärt, warum die Anti-Islam-Bewegung Pegida in der sächsischen Landeshauptstadt so stark ist.“, Der Tagesspiegel Online, 16-Jan-2015. [Online] Verfügbar unter: http://www.tagesspiegel.de/politik/islamisierungsaengste-und-fluechtlinge-in-dresden-pegida-wird-nicht-schnell-verschwinden/11235976.html. [Zugegriffen: 09-Feb-2015]



1] PEGIDA – Rechte Fanatiker oder fehlgeleitete Systemopfer? Gegendemonstration in Augsburg am 19. Dezember 2014 http://www.forumaugsburg.de/s_6kultur/Religion/141220_pegida-gegendemonstration-in-augsburg/index.html

5] Mail von Ulrike Bahr vom 11. Februar

6] AugeNAuF – Augsburg, Protokoll des Treffens vom 26.01.2015

9] AugeNAuF – Augsburg, Protokoll des Treffens vom 26.01.2015

10] AugeNauF – Augsburg gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit, Aufruf zur Kundgebung am 19. Dezember ab 18:00 Uhr am Königsplatz http://www.forumaugsburg.de/s_6kultur/Religion/141220_pegida-gegendemonstration-in-augsburg/aufruf-augenauf.pdf

11] s. „Elitäres Kalkül. Der Bremer AfD-Parteitag entscheidet über die Führungsstruktur. Nicht Parteirechte, sondern Zentristen wie Lucke sind die größere Gefahr für die Demokratie, von Thomas Wagner“, junge Welt, 29-Jan-2015. [Online]. Verfügbar unter: http://www.jungewelt.de/2015/01-29/002.php. [Zugegriffen: 12-Feb-2015].

12] Nach: F. Jansen, „Pegida und AfD: Die Brache zwischen Union und NPD wird besiedelt“, Der Tagesspiegel Online, 08-Feb-2015. [Online]. Verfügbar unter: http://www.tagesspiegel.de/politik/pegida-und-afd-die-brache-zwischen-union-und-npd-wird-besiedelt/11344762.html. [Zugegriffen: 09-Feb-2015].

13] Siehe Anhänge/Studien zu Pegida [2]

14] Ebd.


   
nach oben