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Unruhe
wegen bayerischer Bildungspolitik
Teil 2 |
Die
Funktionäre der CSU und die Regierungsbeamten beten die
Parolen der Staatskanzlei doktrinär, blechern, lustlos
bis ahnungslos nach: Deutschland müsse wettbewerbsfähiger
werden, man brauche jüngere und leistungsfähigere
Abteilungsleiter und Manager, die Anwärter dafür
bräuchten die Hochschulreife mit 18 Jahren. Die Jugendlichen
müssten früher in den Arbeitsprozess. |
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| Karl
Freller |
Kultusstaatssekretär
Freller zaubert einen „miesen Trick“ aus dem Hut.
Ein Leserbrief an die Augsburger Allgemeine rechnet mit Herrn
Freller ab: „Ja es stimmt wirklich: Eine neue Zeitrechnung
für das Gymnasium hat begonnen. Man darf wirklich gespannt
sein, welcher miese Trick von den Befürwortern des G8
noch aus dem Hut gezaubert wird. Da behauptet Kultusstaatssekretär
Freller doch tatsächlich (wenn denn die Zahlen stimmen),
dass ein Mensch vor 30 Jahren von 15 bis 65 gearbeitet habe,
heute dagegen erst mit 25 seinen Beruf antreten würde.
Er vergleicht also einen Hauptschul-Absolventen von 1970 mit
einem Akademiker im Jahr 2000.
Nach meinem Wissen haben Absolventen eines Universitätsstudiums
vor 30 Jahren ebenfalls ihren Beruf mit etwa 25 Jahren angetreten.
Wer verbreitet hier Fehlinformationen? – Ein Taschenspielertrick!“
Augsburger Allgemeine 24.1.2004 |
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Reinhard
Pachner möchte die Jugendlichen „früher in
den Arbeitsprozess“ bringen.
Reinhard
Pachner, Friedberg, ist Landtagsabgeordneter der CSU aus dem
Stimmkreis Aichach-Friedberg. Der verdiente Agrarbeamte Pachner,
mit seinen 59 Jahren sicher ein wertvolles Mitglied des Landtagsausschusses
für Bildung, Jugend und Sport, ist der Auffassung, die
Jugendlichen müssten „früher in den Arbeitsprozess“.
Augsburg TV 23.1.2004
Verwechselt da Pachner in seinem jugendlichen Leichtsinn nicht
was? Eine Managerkarriere nach durchlaufenem G8 und Eliteuniversität
wird er mit „Arbeitsprozess“ ja wohl nicht gemeint
haben. Solche Leute „führen“ oder „forschen“,
sie stecken nicht im „Arbeitsprozess“. Wie kommen
Jugendliche durch das G8 „früher in den Arbeitsprozess“?!
– Ein schlimmer Verdacht kommt auf. Sind die Jugendlichen,
die wegen des G8 auf der Strecke bleiben werden, und wegen
überfüllter Realschulen auch dort keine Chance mehr
haben, bereits einkalkuliert – für den „Arbeitsprozess“?
– Oder plant die CSU insgeheim, die allgemeine Schulbildung
zu verkürzen?
Ein weiterer Verdacht kommt auf. Nach Aussagen der bayerischen
Kultusbürokratie soll die „Verwaltungsgebühr“
in Höhe von 50 Euro pro Student und Semester auf ein
stattliche „Studiengebühr“ von 500 Euro angehoben
werden. Offensichtlich ist mit den „Centers of Excellence“,
von denen unsere excellenten bayerischen Wissenschaftsminister
schwärmen, eine gezielte Auslese und Abweisung von Studierenden
geplant, die neben den Abbrechern auch zu einem Abbremsen
und Rückgang der der Studienanfängerquote führen
soll. So wird vom Elitewesen im Bildungsbereich nicht nur
hochfliegendes, schneidiges Leitungspersonal erwartet, sondern
auch ganze Scharen von in diversen Bildungskarrieren ein-
bis mehrfach Gebrochenen, die die CSU-Bildungspolitiker dem
„Arbeitsmarkt“ bzw. dem „Arbeitsprozess“
freundlicherweise zuführen wollen.
Selbstverständlich sträubt sich Pachner, den zahlreichen
Petitionen bzw. einem Antrag der bayerischen SPD nachzugeben,
die eine Aufhebung der Zensur von Schülerzeitungen in
Bayern fordern.
Auf der Homepage von Herrn Pachner heißt es: „Wer
dem „Urbayern“ Reinhard Pachner begegnet ist nicht
selten recht verwundert, dass der Abgeordnete des Bayerischen
Landtages Heimatvertriebener aus dem Böhmerwald ist.
Besser wussten es die Delegierten auf der schwäbischen
Bezirksversammlung des Bundes der Vertriebenen, die ihn am
Samstag in Friedberg zum neuen Bezirksvorsitzenden wählten.
… Pachner, am Moldau-Stausee geboren, hob auf die lange
und erfolgreiche Geschichte des deutschen Volkes ab, aber
alle würden ausschließlich von der schlimmen 12-jährigen
Nazizeit reden. …“ Pressemitteilung 23.06.2003
Herr Pachner hat nicht nur in Bayern eine angenehme Heimat
gefunden, nein, er wohnt auch noch in einem Dorf namens „Heimat“:
dennoch muss er den Tschechen ihre Heimat an der Vltava streitig
machen und Kritik am deutschen Faschismus abschwächen.
Vielleicht meint er ja, es reiche, wenn den „Jugendlichen“
in der Schule „die lange und erfolgreiche Geschichte
des deutschen Volkes“ vermittelt wird? Den Rest blende
man besser aus, das hält die doch nur vom arbeiten ab.
Jedenfalls kann man diesen Eindruck bekommen, denn auf seiner
Web-Seite findet man inhaltlich vom „Bildungsexperten“
Pachner nichts als das.
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Reinhard
Pachner
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Johannes
Hintersberger |
Hintersberger
weiß nichts außer, das G8 sei „notwendig,
um wettbewerbsfähig zu bleiben“.
„Johannes
Hintersberger hat vermutlich schon angenehmere Abende erlebt
als den Montag. Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Reform
des Gymnasiums musste sich der CSU-Landtagsabgeordnete harte
Kritik an den Plänen der Staatsregierung anhören.
Das Publikum bemängelte auch das Verhalten Hintersbergers:
Es vermisste konkrete Aussagen. … Hintersberger als
Vertreter der Regierungspartei hatte keine Fakten zur Hand.
Stattdessen entwickelte sich eine Debatte aller gegen einen,
während der einige Zuschauer ihre Emotionen nicht verbergen
konnten – oder wollten.
Am Rand des Podiums sitzend, war Hintersberger nicht nur optisch
der Außenseiter. Seine Versuche, die Pläne des
Kultusministeriums zu rechtfertigen, stießen beim Publikum
auf keine Gegenliebe. Vielfach riefen die Aussagen des CSU-Politikers
Empörung hervor. Dass das G 8 keine „Sparversion“
des bisherigen Gymnasiums werden soll, wollten die Zuschauer
jedenfalls nicht glauben.
Kritisiert wurde die geplante Einführung des G 8 für
die fünften und sechsten Klassen zum Schuljahr 2004/05,
obwohl es noch keine Lehrpläne gebe. Hintersberger nannte
das G 8 dagegen notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Verkürzung sei eine Reaktion auf gesellschaftliche
Entwicklungen.
So wenig wie Hintersberger Konkretes benennen konnte, so viel
musste er sich konkrete Kritik anhören.“ Augsburger
Allgemeine 21.1.2004 |
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Hubert
Lepperdinger entpuppt sich als Vollstrecker des Maulkorberlasses
für bayerische Lehrer in Sachen G8.
Der
leitende Oberstudiendirektor und Ministerialbeauftragter
für die Gymnasien im Aufsichtsbezirk Schwaben:
Schreiben 19.12.2003
An
alle stattlichen Gymnasien in Schwaben
zur Kenntnisnahme an städtische und private Gymnasien
Sehr geehrte Kolleginnen und
Kollegen,
die
derzeitige schul- und arbeitspolitische Diskussion in unseren
Gymnasien nimmt in diesen Tagen an Heftigkeit zu. Bei allem
Verständnis für die große Betroffenheit aller
Kolleginnen und Kollegen ist jedoch festzustellen, dass die
Emotionalisierung der Debatte leider immer öfter zum
Verlust der nötigen Sachlichkeit führt und in Einzelfällen
Formen annimmt, die mit dem Dienstrecht nicht mehr zu vereinbaren
sind. Es sei daher Folgendes festgestellt:
• Die Verteilung von Schreiben der Personalvertretungen
oder „der Lehrer des Gymnasiums X“ an Schüler
oder deren Eltern ist in den Schulen nicht zulässig.
• Der Personalrat vertritt die Anliegen der Beschäftigten
nur innerhalb der Dienststelle gegenüber dem Dienstvorgesetzten
bzw. dem Dienstherrn.
• Die Vertretung der Schule nach außen erfolgt
durch den Schulleiter. Aber auch dieser ist gegenüber
dem Dienstherrn zu Loyalität und allgemein zur Mäßigung
verpflichtet. Keinesfalls kann er Eltern und Schüler
zu Protestaktionen aufrufen. ...
»»
zum Rundschreiben |
Hubert
Lepperdinger |

Ein
Konrektor protestiert in Kreuth gegen den Maulkorberlass.
Ein Polizist solidarisiert sich. |
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