Uraufführung des Films „Die Stille schreit“ von Josef Pröll

„Ein filmisches Ausrufezeichen
für die Augsburger Stadtgesellschaft“

Über die Großeltern Miriam Friedmanns, Augsburger Geschäftsleute,
die von den Nazis in den Suizid getrieben und ermordet wurden

31.1.2019


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Am 20. Januar wurde der Dokumentarfilm „Die Stille schreit“ im Mephisto uraufgeführt. Er handelt von den Großeltern Miriam Friedmanns, angesehenen Geschäftsleuten in Augsburg, die von den Nazis in den Suizid getrieben und ermordet wurden. Wir wollen zunächst auf das Filmteam und das Medienecho eingehen. Dann soll auf die Homepage des Regisseurs Josef Pröll „Die Stille schreit“ eingegangen werden http://www.diestilleschreit.de/. Hier finden sich weitere interessante Gesichtspunkte und Themen. Dann wollen wir eine Rezension des Films durch Leo Hiemer bringen, der selbst Filmregisseur ist. Ergänzend folgen einige Anmerkungen Josef Prölls zu seinem Film. Wir wollen die Teilnahme des Oberbürgermeisters an der Uraufführung würdigen. Es folgen einfühlsame Worte von Claudia Roth sowie der Hinweis des Moderators Tobias Brenner auf die Halle 116 als ehemaliges KZ. Der Film „Die Stille schreit“ ist „ein filmisches Ausrufezeichen für die Augsburger Stadtgesellschaft“ – wie Leo Hiemer treffend formuliert. Auch darüber wollen wir am Schluss etwas nachdenken, z. B. wie der Film und seine Themen weiter gefördert werden können.

Das Filmteam

Das Filmteam besteht aus Josef Pröll, der schon mit dem Film „Anna, ich hab Angst um dich“ über seine Mutter als Widerstandskämpferin bekannt wurde, und Miriam Friedmann M.A., in den USA geboren und 2001 nach Augsburg gekommen, um „ein verlorenes Kapitel ihrer Familiengeschichte“ zu erforschen. Sie überredete Josef Pröll zu dem Film. Ferner wirkten der Ehemann Miriams, Dr. med. Friedhelm Katzenmeier, der sich auch mit der Geschichte der Medizin während der NS-Zeit befasst, sowie Dr. Bernhard Lehmann bei der wissenschaftlichen Recherche mit. Bernhard Lehmann initiierte als Direktor am Paul-Klee-Gymnasium in Gersthofen wichtige Schulprojekte über die Widerstandskämpfer der Familie Pröll und die Zwangsarbeit in Gersthofen. Die Recherchen der Schüler musste er gegen den damaligen Bürgermeister erst einmal gerichtlich durchsetzen. Seine Mitwirkung am Film „8744“ über das Schulprojekt und die italienischen Militärinternierten in Gersthofen brachten zwei erste Plätze bei Dokumentarfilmfestivals in Italien. Die Zusammensetzung dieser Crew geben dem Film eine unwiderstehliche Stärke. (1)

Uraufführung des Dokumentarfilms „Die Stille schreit“ von Josef Pröll im Mephistokino, 20. Januar 2019 Foto:Pröll/Privat

Hervorgehoben wurde auf der Filmveranstaltung die Unterstützung durch den Förderverein für internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau. Unter seiner Schirmherrschaft steht auch das Filmprojekt.

Das Medienecho

Das Medienecho auf den Film war nicht unbedingt überwältigend, so brachte die Augsburger Allgemeine nicht einmal ein Foto von der Uraufführung. Dennoch waren die Artikel erfreulich und bemerkenswert deutlich, weil sie wichtige Aussagen und Anliegen des Films schonungslos wiedergaben. Dies dürfte wahrscheinlich immer noch zu einer gewissen Unruhe bei der Industrie- und Handelskammer und den Augsburger Fabrikanten führen, die ja damals ihre jüdischen Kollegen und Konkurrenten sehenden Auges ins Messer laufen ließen.

In einem erstaunlichen Vorbericht lässt das Sonntagsblatt Josef Pröll in aller Offenheit zu Wort kommen (2):

„… Wir haben viel und intensiv gearbeitet. Ich habe es nicht bereut.

Warum?

Pröll: Weil es ein, wie ich finde, sehr eindrucksvoller Film geworden ist. Ich hatte mich vorher noch nicht mit dem Thema „Arisierung“ beschäftigt. Die Großeltern Miriam Friedmanns dachten ja lange, ihnen geschieht nichts – trotz der Machtergreifung durch die Nazis: Sie seien doch angesehene Bürger. Sie glaubten, dass Hitler auf parlamentarischem Weg abgewählt werden würde. Und doch mussten sie alles zwangsverkaufen, in Judenhäuser umziehen, verloren ihr Hab und Gut. Erschreckend daran ist die Selbstverständlichkeit, mit der das alles ablief.

Was meinen Sie damit?

Pröll: Wie gnadenlos systematisch dabei vorgegangen wurde. Nach dem Tod der beiden Ehepaare hat das Finanzamt sofort sogenannte „Lieferscheine“ erstellt. Was sie an Besitz hatten, wurde an Privatbürger verkauft: Bettlaken, Tische, Unterwäsche. Nicht nur die Nazis profitierten so von ihrem Tod, sondern auch ganz normale Menschen – ohne je zu hinterfragen, was denn mit den Besitzern passiert ist. Das war auch noch lange nach dem Krieg so.

Inwiefern?

Pröll: Der Film zeigt am Ende, wie die neue Besitzerin, der die Nazis den Betrieb und das Haus der Oberdorfers zugesprochen hatten, im Jahr 1962 das 100-jährige Betriebsjubiläum feierte. Sie erwähnte dabei mit keinem Wort die eigentliche Geschichte der Manufaktur.“

Nicht minder unverblümt die Augsburger Allgemeine online und auch die Papierausgabe vom Freitag, drei beziehungsweise zwei Tage vor der Premiere mit einer Ankündigung, die sicher auch zu dem Ansturm auf den Film beigetragen hat (3):

Die Gründer der Firma wurden beim Jubiläum mit keinem Wort erwähnt

‚Wie ein Mosaik‘ habe sich der Film aus Bruchstücken entwickelt. Eines davon ist ein Foto der Schirmmanufaktur der Oberdorfers in der Maximilianstraße. 1862 wurde sie vom Urgroßvater Miriam Friedmanns gegründet, 1938 ‚arisiert‘ und von der Familie Hoffmann ‚übernommen‘. Als das Unternehmen 1962 Firmenjubiläum feierte, gratulierte die IHK der Inhaberin Wilhelmine Hoffmann zur 100-jährigen Geschichte. Mit keinem Wort wurden dabei deren Gründer erwähnt. Auch heute gebe es an dem nach der Zerstörung neu aufgebauten Gebäude in der Maximilianstraße keinen Hinweis auf die Familie Oberdorfer. ‚Deshalb heißt der Film ,Die Stille schreit’‘, sagt Josef Pröll. Überall in der Stadt gebe es noch Orte, die auf das Unrecht der Nationalsozialisten hinwiesen, ‚aber in unserer Stadtgesellschaft existieren sie nicht‘.“

In einem relativ knappen Artikel berichtet die Augsburger Allgemeine über die Premiere (4):

„Der Andrang im Mephistokino war überwältigend: Zur Uraufführung des Dokumentarfilmes ‚Die Stille schreit‘ von Josef Pröll am Sonntagnachmittag kamen so viele Besucher, dass trotz Notbestuhlung viele Zuschauer keinen Einlass fanden. Der Film erzählt vom Leben und Schicksal der Familien Friedmann und Oberdorfer. Deutlich wurde hierbei, wie tief verankert die jüdischen Familien in der Augsburger Stadtgesellschaft waren, ehe sie von Nazis enteignet, deportiert und ermordet wurden. (…)

Die Anregung zu diesem Film hatte Miriam Friedmann gegeben. Sie selbst war in den USA aufgewachsen und 2001 wieder in die Heimat ihrer Groß- und Urgroßeltern zurückgekehrt. Erst spät hatte sie vom konkreten Schicksal ihrer Familie erfahren. Umso drängender hatten sich für sie nach und nach viele Fragen aufgetan. ‚Mir fehlten die Zeichen der Vergangenheit unserer Familien. Und diese Stille schrie mich an: Tu was!‘

Sehr kritisch wird im Film der Moment der Enteignung und Übertragung von Eigentum beleuchtet. An diesem Unrechtsprozess war auch die Kommune mit ihren Behörden intensiv beteiligt. Doch der Film möchte keine Jagd auf Augsburger Familien oder Institutionen eröffnen, die von dem Schicksal der Juden damals profitiert hatten. ‚Mir erscheint wichtig, dass sich der Betrachter fragt, wie er sich verhalten hätte. Das Gedenken allein genügt nicht‘, erklärt Regisseur Pröll, ‚wir brauchen konkrete Beispiele, um die Gefahr des Mitläufertums zu begreifen und um so unsere Demokratie zu schützen.‘ Der Film kann ab sofort für Schulvorstellungen gebucht werden.“

Die Homepage „Die Stille schreit“

Auf seiner Homepage „Die Stille schreit“ bringt Josef Pröll noch wichtige Informationen. Wir wollen hier nur zwei kurze Auszüge bringen von der Seite über die Filmgeschichte und der Seite über den Filminhalt.

Zur Filmgeschichte schreibt Josef Pröll (5):

„(…) Die Aktenlage wurde immer umfangreicher. Jetzt erforschten wir auch die Namen der Täter, die mit unserer Recherche im Zusammenhang standen. (…)

Die Arbeiten an diesem Film kosteten, vermutlich nicht nur mich, viele schlaflose Nächte und Energien. Jede Information schien wichtig. Schließlich geht es um Menschen und ihr Schicksal. Und über allem stand auch die Frage: Was ist wichtig um diese Geschichte in die Gegenwart zu tradieren? Erinnerung und Gedenken allein waren uns zu wenig.

Nach mehr als vier Jahren müssen ‚nur noch‘ unsere Zuschauer*innen entscheiden, ob unser Projekt tatsächlich wichtig und sehenswert ist.“

Zum Inhalt des Films schreibt der Regisseur(6):

„(…) Die ‚Arisierung‘ in der Zeit des Nationalsozialismus zählt unbestritten zu den größten Raubzügen des 20. Jahrhunderts, wobei es nicht nur um materielles Gut ging, sondern auch um das Lebensrecht der Opfer. Daran war nicht nur die ‚geheime Staatspolizei‘ beteiligt, sondern der gesamte damalige deutsche Verwaltungsapparat (z. B. die Finanzämter).

Viele Bürgerinnen und Bürger haben von der ‚Arisierung‘ der Juden profitiert und sich auch persönlich bereichert. Die Selbstverständlichkeit, mit der solche, höchst unmenschliche, mörderische Handlungen seinerzeit möglich und alltäglich wurden, soll nachdenklich machen.“

Rezension von Leo Hiemer

Der Filmemacher Leo Hiemer aus Kaufbeuren hat an der Uraufführung im Mephisto teilgenommen und danach eine Rezension geschrieben, die er uns freundlicherweise zur Veröffentlichung überlassen hat. Er ist selbst Filmregisseur und Autor und hat vor Jahren in Augsburg den herzzerreißenden Film über Gabriele Schwarz „Leni muss fort“ gezeigt (7). Die Mutter von Gabi, Lotte Eckhard, eine Augsburgerin, wurde 1942 in Bernburg an der Saale, ihre Tochter Gabi 1943 mit fünf Jahren in Auschwitz ermordet. Leo Hiemer schreibt:

Eugen und Emma Oberdorfer (geb. Binswanger) 1937 in einem Garten in der Kasernenstraße in Augsburg Foto: aus Film „Die Stille schreit“

Die Stille schreit

von Josef Pröll und Miriam Friedmann

‚Die Geschichte‘ ist zumindest auch die Geschichte ‚normaler‘ Menschen. Ihre Geschichte nicht zu vergessen, ist vor allem dann wichtig, wenn sie Opfer der ‚großen‘ Geschichte geworden sind. Wie schmerzhaft die Spurensuche nach diesen ‚normalen‘ Menschen ist, wie weh die Wunden und Narben noch nach Jahrzehnten tun können, spürt man besonders dann, wenn die Opfer der eigenen Familie angehörten. Miriam Friedman hat das sicher erfahren – und auch Josef Pröll weiß als Sohn von Widerstandskämpfern ein Lied davon zu singen. Dass er mit seiner Geschichte und seiner Art, die Untaten der Täter und die Verletzungen der Opfer dem ‚gnädigen‘ Vergessen zu entreißen, sich mit Miriam Friedmann für eine filmische Spurensuche nach den Opfern in ihrer Familie gemacht hat, ist ein Glücksfall – für Miriam Friedmann, für Josef Pröll, für Augsburg und weit darüber hinaus. Pröll hat ein Projekt verwirklicht, das jeder Förderung würdig gewesen wäre. Gottseidank hat er es mit Hilfe vieler Freunde und Unterstützer geschafft, es auf die Beine zu stellen!

Der Film zeichnet die Geschichte zweier Familien nach, aus deren Verbindung Miriam Friedmann als tragende Gestalt des Films hervor gegangen ist. Sie ist als Kind jüdischer Emigranten irgendwo in Arkansas/USA aufgewachsen – ohne Großeltern. Die Eltern thematisierten die Vergangenheit beider Familien in Deutschland, Verfolgung und Vernichtung, bewusst nicht, um die Kinder zu schonen. Doch das Familiengeheimnis wurde gelüftet – spätestens als Miriam Friedmann 2001 nach Augsburg ‚zurück‘kam und begann, nach ihren Vorfahren zu suchen. Die ‚nackten‘ Tatsachen schildert der Film überzeugend: das eine Paar stirbt einen Tag vor der Deportation den Freitod, das andere fällt dem Völkermord an den Juden zum Opfer, Miriams Eltern entkommen über Italien nach Amerika.

Der Film holt dabei weit aus und bezieht auch die Generation der Urgroßeltern mit ein, die sich im Zeichen der Emanzipation als Juden nach Jahrhunderten erstmals wieder in Augsburg niederlassen dürfen. Dass sie wirtschaftlich erfolgreich sind, Unternehmen gründen, fleißig sind und ‚zu etwas‘ kommen, gehört ebenso zu dieser Wahrheit wie die Tatsache, dass auch Augsburger Juden im Ersten Weltkrieg fürs deutsche Vaterland gekämpft haben und gefallen sind. Miriams Großeltern gehören in Augsburg dem gehobenen Bürgertum an, sind anerkannt und beliebt.

1933 wird plötzlich alles anders. Die Verfolgung beginnt. Der Film beschreibt eindrücklich die fast über Nacht gänzlich veränderten Bedingungen für das Leben als Jude in Augsburg. Er zeichnet die Bedeutung des Kaufboykotts am 1. April 1933 ebenso nach wie die der Nürnberger Rassengesetze 1935 und die verheerenden Auswirkungen der Reichspogromnacht, die verzweifelten Versuche, sich ins Ausland zu retten und schließlich die Konsequenzen der auf der Wannseekonferenz beschlossenen ‚Endlösung‘ für die beiden Großelternpaare.

Der Film unterschlägt neben dem Völkermord auch nicht den Raubmord an den zumindest in Augsburg in der Regel wohlhabenden Juden. Im Zeichen der ‚Arisierung‘ bzw. der Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben, wechseln auch Immobilien von Miriam Friedmanns Großeltern den Besitzer. Über die fragwürdigen Umstände dieser Rechtsgeschäfte und den Charakter der unterzeichneten Verträge lässt der Film keinen Zweifel.

Bemerkenswert, dass der Film sogar Nachfahren der einstigen Profiteure präsentieren kann, die angesichts der vorgelegten Dokumente zugeben müssen, dass die Verdrängung der Juden aus ihren Unternehmen und der Verkauf ihrer Immobilien wohl nicht ganz ‚normal‘ war. Beschämend, dass Unternehmer, die durch die ‚Arisierung‘ in den Besitz alteingesessener Geschäfte gekommen sind, ihr hundertjähriges Firmenjubiläum feiern können, ohne die jüdischen Firmengründer und Vorbesitzer auch bloß zu erwähnen.

Der Film bindet in seine Schilderung und Aufarbeitung neben einigen bekannten Wochenschauaufnahmen von Nazi-Größen auch Dokumente aus dem lokalen Bereich ein, etwa ein beeindruckendes Bekenntnis des in Augsburg residierenden Gauleiters Karl Wahl, der öffentlich bekannte, er glaube daran, dass die Vorsehung den ‚Führer‘ geschickt habe, um andere Völker zu bestrafen. Klar, dass er da vor allem an die Juden dachte …

Der Film entreißt die beiden Großelternpaare dem Vergessen und präsentiert exemplarisch eine Geschichte, wie sie sich in vielen jüdischen Familien Augsburgs in der Nazi-Zeit abgespielt hat. Das macht den Film wichtig. Und in dieser Hinsicht ist er auch gelungen. Dennoch kommt man den geschilderten Personen nicht wirklich nahe. Das liegt einerseits am vorhandenen Material: außer den in mühevoller Kleinarbeit zusammen getragenen Archivunterlagen, ein paar persönlichen Briefen und Fotos ist wenig geblieben von den beiden Großelternpaaren.

Der Film ist gezwungen, den fast durchgängigen Kommentar mit sich gelegentlich wiederholenden Bildern zu belegen und Ausflüge in die allgemeine Politik zu unternehmen. Die reichen bis hin zu Abschweifungen, die von den Rassengesetzen bis zur Karriere seines Kommentators Globke in Adenauers Regierungsapparat reichen. Das Bemühen, die Geschichte von Miriam und ihren Großeltern dicht zu erzählen, führt auch zu einer Informationsdichte, die manchmal anstrengend wird. Die eine oder andere Pause ‚zum Sackenlassen‘ hätte dem Film gutgetan. Auch ist der Aufbau der Erzählung nicht immer schlüssig. So wird etwa die Geschichte von Miriams Eltern bis zu dem Punkt erzählt, wo sie beide eine Frist von 6 Monaten bekommen, um Italien zu verlassen. Die aufgebaute Spannung angesichts dieses Ultimatums wird allerdings verschenkt – erst viel später wird dieser Punkt wieder aufgegriffen und lapidar erzählt, dass die beiden über England nach Amerika auswandern konnten, was ihre Großeltern nicht schafften und so zu Opfern des NS-Regimes und des Rassenwahns wurden.

Trotz dieser Schwächen legt der Film ein überzeugendes Zeugnis dafür ab, dass sich aus Familien- und Lokalgeschichten, geschickt verknüpft mit der Geschichte der Haupt- und Staatsaktionen, eine spannende, kenntnis- und erkenntnisreiche Filmerzählung entwickeln lässt, gerade was die Zeit des Nationalsozialismus betrifft. Josef Pröll ist unter Mitarbeit von Miriam Friedmann ein Film gelungen, der gerade in unserer heutigen Zeit, wo die Demokratie sich aufs Neue mit sogenanntem ‚rechten Gedankengut‘ konfrontiert sieht, wichtig ist und zumindest in Augsburg auch an die Schulen gehört. Darüber hinaus ist ‚Die Stille schreit‘ ein filmisches Ausrufezeichen für die Augsburger Stadtgesellschaft und als Anregung für viele andere empfehlenswert.“

Anmerkungen von Josef Pröll

Auf unsere Nachfrage hat uns auch Josef Pröll einige Anmerkungen zu seinem Film geschrieben, die wir für sehr interessant und wichtig halten:

„Ich kann Kritik sehr gut stehen lassen. Er (Leo Hiemer) hat auch mit seiner Einschätzung recht. Aber: Die Geschichte der Eltern von Miriam (die von Italien über England in die USA geflüchtet sind) bricht bewusst im Film mit der Flucht aus Italien ab. Die Geschichte die dann folgen würde, wäre so umfangreich, dass sie den Film (für den Zuschauer) weiter komplizieren würde.

Es ist eine spannende Geschichte – das Leben in England als Flüchtlinge und dann die Überfahrt nach USA. Wir haben versucht, uns nicht noch weiter vom ursprünglichen Thema zu entfernen. Über Prof. Dr. Dr. Friedmann könnte man einen eigenen Film produzieren. Mir ist erst während der Aufnahmen in Rom klar geworden, wie beliebt und bekannt er eigentlich war (auch in Italien).

Das nächste sind die wenigen Bilder, die aber im Film wiederholt werden müssen. Als Filmemacher ist mir klar, wie wenig der Zuschauer im Gedächtnis behalten kann. Anders als in einem Buch, vermittle ich dem Zuschauer innerhalb von Sekunden das Bild, den Text und eine Geschichte, an der er hängenbleiben sollte und die man im Kopf verarbeiten soll.

Die aufgezeigten Familiengeschichten sind verzweigt, weil ja auch die Familien unterschiedlich strukturiert waren. Gleichzeitig spielt der Kontext, in der sich diese Geschichten abspielen, auch im Film (bewusst), eine wesentliche Rolle. Das heißt: Wie hat sich ‚das Umfeld‘, die Stadtgesellschaft und wie haben sich ‚die Ämter‘ verhalten.

Dazu sind viele Dokumente notwendig. Wenn ich jetzt (dazu) noch viele Bilder der betroffenen Personen verwende, verlange ich vom Zuschauer Unmögliches.

So, wie ich das versucht habe, kann man immer wieder zur Person, um die es geht, zurückkehren. Die Kommentare sind selbstverständlich umfangreich – so wie die Geschichte auch.

Sie sind aber darauf ausgerichtet, dass der Zuschauer sich keine Details merken muss. Entscheidend ist das, was am Ende bei den meisten zurückbleibt:

Angesehene Bürger einer Stadt werden vom Staat beraubt, enteignet und getötet. Die Stadtgesellschaft macht mit. Der Grund dafür wird in einer entsetzlichen Nüchternheit aufgezeigt – so wie es auch damals war.

Täter werden benannt – sie gehören dazu, zum Vergessen des ‚Unbequemen‘. Im Gegensatz zu den Toten: Sie haben, ohne belangt zu werden, einfach weitergelebt. Meist als angesehene Bürger. Im Film heißen sie: ‚ … die kleinen Eliten der Nazigesellschaft.‘

So wie die Kehrmaschine im Bild bewusst eingesetzt wird, wird der Zuschauer schon gefordert, auch über alle anderen Mittel der Tradierung der Geschichte im Film nachzudenken.

Das beginnt dann meist danach – auf dem Nachhauseweg oder am nächsten Tag.

Und gerade das zeichnet den Film aus, er wirkt nachhaltig. So sind wir alle, die am Film mitgewirkt haben, zufrieden.“

Grußwort des Oberbürgermeisters

Hoch zu bewerten ist die Teilnahme des Oberbürgermeisters an der Veranstaltung. Oberbürgermeister Kurt Gribl sagte in seinem Grußwort:

Das Haus der Familie Oberdorfer in der Maximilianstraße mit dem Schirmgeschäft (zweites Haus von rechts). Die Aufnahme dürfte von 1943 stammen, es steht schon der Name der Hoffmanns über dem Laden. Foto: aus Film „Die Stille schreit“

„Herzlich willkommen, schön dass Sie so zahlreich zu dieser Uraufführung gekommen sind. Es ist wirklich ein wichtiges Engagement, das hier stattfindet. Wir leben in einer Zeit, in der wir genau wissen, welches Unrecht in der Vergangenheit geschehen ist. Das findet Ausdruck in unserem täglichen Leben, das ganze Jahr über, durch Formate der Erinnerungskultur von der Reichspogromnacht bis zu Holocaust-Erinnerungen und die Erinnerung an die Bombennacht und all die Dinge, die dazu dienen, diese Zeit aufzuarbeiten. Und gleichzeitig leben wir in einer Zeit, bei der wir spüren, dass die sozialen Medien schneller sind als unsere Archive Antworten oder Richtigstellungen geben können. Und deswegen ist es wichtig, dass wir immer wieder neue Ausdrucksformen, neue Formate entwickeln, um dasjenige nicht in den Hintergrund treten zu lassen, was wahr ist und was richtig ist. Und dazu sind Zeitzeugen und Berichterstattungen über Geschehnisse auch hier vor Ort von außerordentlicher Bedeutung. Es sind Formate, die uns anrühren.

Wenn wir über Nachrichten und Geschichte diskutieren und sprechen, dann ist es oft so, dass es weit weg ist in der Zeit und weit weg in der Distanz. Wenn Zeitzeugenformate aufgerufen werden, dann hat das eine ganz andere Bedeutung, dann ist dasjenige, was Unrecht ist, dasjenige, was in unserer Erinnerung richtig und wahr ist und Grundlage von unserem Tun sein sollte, gesellschaftlich und politisch, hier und jetzt und vor Ort, nicht weit weg, sondern hier und jetzt.

Ich bedanke mich bei denjenigen, die dieses Engagement hier auf sich genommen haben, das getan haben. Die Familie Friedmann ist mir gut bekannt durch viele Initiativen, die sie in der Stadt Augsburg antreibt, und immer dafür kämpft, dass ihre Positionen auch Anklang finden. Das ist nicht immer ganz einfach, weil Erinnerungskultur eine gesamtgesellschaftliche Entscheidung und Akzeptanz haben muss. Aber nicht weniger verdienstvoll ist genau dieser Antritt. Ich bedanke mich auch bei Herrn Pröll. Ich habe zugegebenermaßen erst jetzt in der Vorbereitung des heutigen Termins wahrgenommen, wie vielfältig Sie aktiv und tätig sind. Das verdient ein hohes Maß an Bewunderung und Anerkennung. Ich danke Ihnen allen, dass sie da sind.“

Moderator Tobias Brenner sagte nach dem Grußwort: „Herzlichen Dank Herr Oberbürgermeister, dass sie dem Filmprojekt, aber vor allem den im Film gezeigten Personen die Ehre erwiesen haben. Sie waren Bürger der Stadt Augsburg – wie wir.“

Wenn der Oberbürgermeister sich im Namen der Stadt bedankt beim Filmteam und dessen Engagement als verdienstvoll bezeichnet, so ist das sehr wichtig und verschafft den Akteuren Rückhalt bei der Stadtverwaltung. Dies ist nicht selbstverständlich und die Stadt wird ihr bisheriges Verhalten, den Film nicht zu fördern, wohl überdenken. Immerhin kann Dieter Ferdinand, der frühere Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, nach der Filmpremiere schreiben: „OB Dr. Kurt Gribl versprach, sich dafür einzusetzen, dass auch die Stadt genügend Geld zur Verfügung stellt, damit die bewegende Dokumentation weiterverbreitet werden kann.“ (8)

Und es geht nicht nur um das Filmprojekt, sondern um die betroffenen Menschen, ihr grausames Schicksal, ein würdiges Erinnern ihrer Person und der Verhältnisse, die ihnen das Leben nahmen, und eine angemessene Haltung der Stadtbevölkerung und der Stadtverwaltung gegenüber den Nachkommen. Kurt Gribl äußert, wie wichtig Zeitzeugen und ihre Nachkommen sind, und betont, dass eine unnachgiebige Erinnerung an das Unrecht „Grundlage von unserem Tun sein sollte, gesellschaftlich und politisch, hier und jetzt und vor Ort, nicht weit weg, sondern hier und jetzt“.

Dies ist ein Wort, das wir festhalten wollen. Den kuriosen Satz in Gribls Statement „Wir leben in einer Zeit, in der wir genau wissen, welches Unrecht in der Vergangenheit geschehen ist“ wollen wir dagegen lieber vergessen. Denn der Film „Die Stille schreit“ ist ja das beste Beispiel dafür, dass wir eben nicht genau wissen, welches Unrecht in der Vergangenheit geschehen ist und wie enorm wichtig für unsere Stadtgesellschaft ist, dass nicht nur die Geschichte der Friedmann und Oberdorfer jetzt endlich aufgedeckt wird, sondern auch möglichst viele andere Geschichten aus dieser Zeit, die ebenfalls zum Himmel schreien in ohrenbetäubender, gespenstischer Stille.

Worte von Claudia Roth

Sehr einfühlsam äußerte sich Claudia Roth gegenüber dem Regisseur. Dies geht aus zwei Videoaufnahmen hervor, die sich auf der Homepage Die Stille schreit finden (9). Wir zitieren daraus:

„Ich habe es sehr bedauert, dass es so lange gedauert hat, bis überhaupt es möglich war, die Stolpersteine auch vor diesem Haus zu installieren. … Es geht darum, was gibt den Menschen ihre Würde, den Opfern ihre Würde wieder?

Ich habe überhaupt nicht verstanden, warum der Widerstand beim jetzigen Hausbesitzer so groß ist, denn die Nachfahrin Frau Friedmann stellt ja keine Ansprüche. Wenn die Ansprüche gerechtfertigt wären, dann hätte sie natürlich alles Recht der Welt, die Ansprüche zu stellen. Und dann müsste sich auch ein neuer Hausbesitzer oder eine neue Hausbesitzerfamilie natürlich damit auseinandersetzen.

Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht darum, ein Haus und eine Geschichte zu öffnen. Die Geschichte des Hauses hat ja nicht in der Nazizeit begonnen, es gibt eine Geschichte vorher. Und ich verstehe das Motiv gar nicht, und ich finde es sehr, sehr schade, weil möglicherweise könnte da sogar eine Begegnung stattfinden oder eine Beziehung stattfinden, die dann auch eine Brücke zueinander schlägt. Ich kann über Motive spekulieren, ich weiß es nicht. Ich finde es auf jeden Fall sehr schade.

Ich finde es schade für Frau Friedmann und ich finde es schade auch für Herrn Hoffmann, weil ich glaube, er braucht keine Angst vor einer solchen Begegnung haben. Aber er würde vielleicht einen Lebenswunsch einer älteren Dame erfüllen, die sich auf die Spurensuche nach ihren Wurzeln gemacht hat. Und ich glaube, wir können uns kaum vorstellen, ich kann es mir kaum vorstellen, wie viel Schmerz daran hängen muss, wie viel auch lange Zeit, Jahrzehnte, an Verdrängung in der unmittelbaren eigenen Familie, in den USA. Denn da sind ja viele der Überlebenden oder Nachfahren von Überlebenden, die die Geschichte nicht angesprochen haben, weil sie so verletzend ist, weil der Schmerz so überwältigend ist.

Aber es begibt sich ein Mensch, der beide Großelternpaare ja verloren hat, durch die Verbrechen der Nazis, zurück an einen Ort, wo ihre Wurzeln sind. Großeltern sind natürlich die Wurzeln. Und will das vielleicht spüren, will vielleicht in diesem Haus hören, was ihr die Wände sagen, was ihr die Zimmer sagen. Will vielleicht im Dachboden oder im Keller eine Spur finden von ihrer Familie. Und ich glaube, es wäre ein großes Zeichen von Brücke, statt Mauer, das Haus und diese Türe weit aufzumachen für jemanden, zu dessen Leben auch dieses Haus gehört. Auch wenn ihre Familie hier nie gelebt hat.

Für uns alle war es wichtig, beispielsweise die Lebensgeschichte von Max Mannheimer und andere zu hören, ihn zu erleben. Oder ein Treffen, in dem sich Angehörige oder Überlebende der Shoah aus Augsburger Familien, die die Shoah nicht überlebt haben oder die sie überlebt haben, und deren Angehörige jetzt in diese Stadt Augsburg zurückgekommen sind. In die Synagoge, 100 Jahre Synagoge gefeiert haben. Das war für mich einer der bewegendsten Momente, dass Kinder, Kindeskinder, Angehörige, Freunde, deren Vorfahren hier schreckliches Unrecht erlebt haben, Mord, Vertreibung, schrecklich, alles verloren haben, – dass die hierher kommen und mit einer großen, fast Glückseligkeit hier sind. Mit einer unglaublichen Offenheit uns hier begegnen, den Nachfahren ja auch einer Tätergeneration.

Und ich glaube, dass in einer Zeit, wo die überlebenden Opfer des Holocaust in ein Alter kommen, wo es immer weniger Überlebende gibt, ist es umso wichtiger, Geschichte trotzdem lebendig zu halten. Zu erinnern, an Straßen, ihnen Ihre Bedeutung zu geben, an Häusern klarzumachen, dieses Haus war das Haus einer Familie, die den Holocaust nicht überlebt hat, die enteignet worden ist, denen alles genommen worden ist. Also auch Gebäude können mit uns laut sprechen, auch Gebäude können laut schreien, auch Straßen können Geschichten erzählen, können erinnern. Und diese Erinnerung lebendig zu machen, über Erzählungen, über Stolpersteine, über Bänder, über – ja Sichtbarkeit ist nicht etwas, was eine Gemeinschaft schwächt. Oder ist nicht etwas, was Schande über eine Stadt bringt.

Ganz im Gegenteil – ich glaube es macht unsere Gesellschaft stark, wenn wir sichtbar machen, was in einer Stadt mit Menschen passiert ist, die nicht mehr hier leben konnten oder nicht überlebt haben.Warum? Weil sie Juden waren – der einzige Grund. Das aufrechtzuerhalten, zeichnet eine Stadt aus, das ist nicht irgendwie Nestbeschmutzung.

Ich bin auch beschimpft worden, als ich vor vielen Jahren gesagt habe, wir müssen uns mit denen beschäftigen, die von Zwangsarbeit profitiert haben. Welche Unternehmen waren das eigentlich? Wie gehen die mit ihrer Unternehmensgeschichte um? Auch Orte, wo Zwangsarbeiter, Zwangsarbeiterinnen gedemütigt worden sind, ermordet worden sind. Da wurde ich als Nestbeschmutzer von Teilen beschimpft. Ich habe gesagt, das ist doch nicht Nestbeschmutzung. Augsburg als Stadt ist nur dann stark, wenn es nicht ganze Jahrzehnte der eigenen Geschichte ausblendet, sondern wenn sie sagt, ja, das ist auch Teil unserer Geschichte. …

Und den Angehörigen der Nachfahren von Opfern gibt es die Sicherheit, dass diese Opfer Anerkennung finden. Anerkennung! Anerkennung heißt ganz oft gar nicht materielle Entschädigung. Was kann man überhaupt entschädigen? Wiedergutmachen kann man dieses Unrecht sowieso nicht, aber Anerkennung, ja, wir haben hier gelebt. Es gibt den Opfern ihren Namen zurück, ihre Würde zurück, ihre Biografie zurück. Und das ist unglaublich wichtig.

Wir wollen den Worten Claudia Roths eigentlich nichts hinzufügen. Ihre Worte bekommen besonderes Gewicht auch dadurch, dass sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages ist.

Hinweis auf die Halle 116, Schlussbemerkung

Am Ende der Uraufführung des Films „Die Stille schreit“ platzierte Tobias Brenner als Moderator noch eine wichtige Bemerkung zur Halle 116. Tobias Brenner war wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Gassert und hat an dessen Konzeption für das Gebäude 116 im Sheridan Park vom Jahr 2015 mitgewirkt (10). Tobias Brenner ist auch Mitglied im Sprecherkreis der Initiative Denkort Halle 116, die sich vor einem Jahr im Bürgerhaus Pfersee neu gegründet hat. Er sagte nach der Filmvorführung:

„Sie sehen, wie wichtig diese wertvollen Mosaiksteine der Erinnerungskultur sind, wie wichtig in diesem Zusammenhang bürgerschaftliches Engagement und Privatinitiative sind.

Wie Sie vielleicht aus aktuellerem Anlass wissen, soll in der so genannten Halle 116 in Augsburg-Pfersee ein zentraler Ort entstehen, an dem wir uns als Stadtgesellschaft über die im Film behandelten Themen, wie Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen, Gewalt, Totalitarismus, auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts, verständigen und auseinandersetzen können.

Quasi am geschichtsträchtigen Ort ein Zentrum für historische Dokumentation und politische Bildung in und für Augsburg. Freuen wir uns darauf und seien wir gespannt, wie es dort weitergeht.“

Dies war quasi ein gewichtiges Schlusswort. Es wird sich zeigen, ob die Stadtverwaltung die Zeichen der Zeit erkennt und die Halle 116 jetzt endlich als Denkort entwickelt für die dringend anstehende Recherche, Erinnerungs- und Bildungsarbeit.

Und es gibt noch vieles aufzuarbeiten. So schreibt Josef Pröll zum Beispiel auf der Homepage „Die Stille schreit“: „Das Thema ‚Wiedergutmachung‘ konnten wir in unserem Film leider nicht so deutlich beleuchten wie wir das gerne getan hätten. Gerd Modert hat sich u. a. mit diesem Thema und der ‚Arisierung‘ intensiv beschäftigt“ (11). Josef Pröll hat aber wichtige Video-Interviews zu diesem Thema auf der Homepage des Films platziert.

Die VVN, die Erinnerungswerkstatt, die Initiative Denkort Halle 116, Leo Hiemer und andere sind dran an wichtigen Vorhaben. Leo Hiemer will sein Buch GABI (1937-1943) geboren im Allgäu - ermordet in Auschwitz herausbringen und plant auch eine Lesung in Augsburg, die er „gerne mit der Einweihung der Erinnerungsbänder vor der Gesundbrunnenstr. 3 für Gabis Mutter Lotte Eckart, deren Mutter Anna Schwarz und Lottes Onkel August Einstein sowie Gabi verbinden würde“. Im Oktober will Leo Hiemer eine lang geplante Wanderausstellung über Gabi eröffnen, mit der er sicher auch nach Augsburg kommen wird.

Für das Filmprojekt „Die Stille schreit“ fehlen nach Auskunft von Josef Pröll jetzt 30.000 Euro für eine englische Übersetzung, damit der Film auch international verbreitet werden kann. Die Stadt Augsburg sollte diesen Betrag übernehmen als ihren Beitrag zum Film, der ja noch aussteht. Auch die Industrie- und Handelskammer sollte sich nicht lumpen lassen. Vor allem sollte die IHK ihr beschämendes Schweigen brechen, ihre Fehler eingestehen und sich bei den Angehörigen entschuldigen auch im Namen ihrer (damaligen) Mitglieder. Nach allem, was man durch den Film und seine mediale Verarbeitung jetzt erfahren hat, wäre dieser Schritt der Industrie- und Handelskammer überfällig. Und die Frage von Claudia Roth bleibt größtenteils im Raum stehen: Wie gehen die Augsburger Unternehmen mit ihrer Unternehmensgeschichte um?

Peter Feininger, 30. Januar 2019

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1 Näheres zu den Biografien des Teams siehe https://www.diestilleschreit.de/die-stille-schreit/filmteam/

2 Jalsovec, Andreas. „Film zeigt Schicksal jüdischer Familien in Augsburg“. Sonntagsblatt, 16. Januar 2019.
https://www.sonntagsblatt.de/artikel/bayern/film-zeigt-schicksal-juedischer-familien-augsburg.

3 Müller-Bardorff, Birgit. „Filmpremiere: 50 Reichsmark für die Fahrt nach Auschwitz“. Augsburger Allgemeine, 17. Januar 2019. http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/kultur/Filmpremiere-50-Reichsmark-fuer-die-Fahrt-nach-Auschwitz-id53221451.html. bzw. Augsburger Allgemeine, Ausgabe vom 18. Januar 2019

4 Augsburger Allgemeine, 21.1.2019

5 „Ein ganz besonderes Projekt“. Die Stille schreit. Zugegriffen 22. Januar 2019.
http://www.diestilleschreit.de/die-stille-schreit/filmgeschichte/.

6 „Die Stille schreit. Inhalt des Films“. Zugegriffen 22. Januar 2019.
http://www.diestilleschreit.de/die-stille-schreit/filminhalt/
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7 Herbert Heinzelmann. „Leni … muss fort. Leo Hiemer. BRD 1994. Film-Heft“. Bundeszentrale für politische Bildung und Institut für Kino und Filmkultur, 2001. https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/leni_muss_fort.pdf.

8 Dieter Ferdinand. „Berührend und lehrreich. Der Dokumentarfilm?»Die Stille schreit®«?wurde am 20. Januar im?»Mephisto«?uraufgeführt“. a3kultur - Feuilleton für Augsburg, 22. Januar 2019. https://a3kultur.de/positionen/beruehrend-und-lehrreich.

9 „Wir fragten: Claudia Roth“. Die Stille schreit. Zugegriffen 22. Januar 2019.
http://www.diestilleschreit.de/die-stille-schreit/claudia-roth/
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10 Philipp Gassert. „Die Halle 116. Lernort Frieden in Augsburg. Abschlussbericht an die Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung GmbH (AGS) zur Erarbeitung einer wissenschaftlichen Konzeption für das Gebäude 116 im Sheridan-Park, Augsburg, Prof. Dr. Philipp Gassert, Historisches Institut Lehrstuhl für Zeitgeschichte, 68131 Mannheim www.geschichte.uni-mannheim.de/zg, BSV 16/1113 Anlage“. Stadt Augsburg, März 2015. https://www.augsburg.de/fileadmin/user_upload/kultur/erinnerungskultur/02%20bsv%20_16_1113_anlage1
abschlussberichthalle116vommaerz2015%20konzept%20gassert.pdf
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11 „Wir fragten: Gerd Modert“. Die Stille schreit. Zugegriffen 22. Januar 2019. http://www.diestilleschreit.de/die-stille-schreit/gerd-modert/.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


   
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