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Einleitender
Beitrag von Michael Tonfeld
Friedenslesung
in den Mai – so lautet das Motto der heutigen Veranstaltung.
Gerald Fiebig schrieb dazu im Pressetext: „Den altehrwürdigen
Tag der Arbeit poetisch auffrischen - das haben sich die Augsburger
AutorInnen vorgenommen, die hier im Striese heute lesen. Eine
gerechte, friedliche Gesellschaft braucht nicht nur Arbeit,
sondern auch interkulturellen Dialog“. Heute vormittag
wurden, wie es in dieser Stadt seit einigen Jahren geradezu
Mode geworden ist, einmal mehr Texte des ehedem ungeliebten
Sohnes Bert Brecht bei der DGB-Mai-Feier vorgetragen. Nicht
von ungefähr drehte es sich bei der Podiumsdiskussion
schließlich um das Thema “Kulturhauptstadtbewerbung“.
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An Brecht als gleichwertigem Werbeträger neben Leopold
Mozart oder der in unmittelbarer Nachbarschaft des Striese
befindlichen Augsburger Puppenkiste haben wir uns mittlerweile
gewöhnt. Wen die Ehre ereilt hatte, an der Auftaktveranstaltung
der Reihe Die Literaturlandschaften Bayerns in Schwaben
teilzunehmen, für den wird die Bedeutung der christlichen
Erziehung des Atheisten Brecht in seinem Werk nach Prof. Mosers
Vortrag sicherlich nachvollziehbar geworden sein. Wobei Ich
Dietz-Rüdiger Moser zugute halten muß, als einziger
Podiumsteilnehmer kritische Aspekte der Literaturrezeption
geäußert zu haben.
Engagierte
Literatur hat es heutzutage nicht schwer, sie wird vielmehr
größtenteils totgeschwiegen, da die Kritik an den
hiesigen wie weltweiten Verhältnissen in der Germanistik
einen Anachronismus darstellt. Dennoch gibt es nach wie vor
kritische junge AutorInnen, wie beispielsweise diejenigen
Augsburger Schriftsteller, die sich an der, auf den vergriffenen
Band Freistaat Bayern – Land der Amigos folgenden
Anthologie Alles in Ordnung? – Bayern zu Lande,
zu Wasser und in der Luft beteiligten. … |
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Die Trendwende, wenn nicht Abkehr von kritischen Betrachtungsweisen
an den Universitäten wird sich in der Germanistik fortsetzen,
da mit Prof. Rüdiger Scholz, der 1968 an der Universität
Freiburg seine Antrittsvorlesung über Günter Wallraff
hielt, der letzte linke Germanist Anfang dieses Jahres in
Ruhestand ging. Am Ende seiner allerletzten Vorlesung sang
Prof. Scholz ein Lied, das ich vor mehr als zwanzig Jahren
bei einer DGB-Mai-Feier in der Augsburger Sporthalle zu hören
bekam, als versehentlich statt „Brüder zur Sonne,
zur Freiheit“ die Rückseite der Schallplatte aufgelegt
worden war. Ein Lied aus der Zeit der Pariser Commune 1871,
nämlich Die Internationale.
Das
genannte Buch Alles in Ordnung? – Bayern zu Lande,
zu Wasser und in der Luft erschien im Alibri
Verlag, Anm. d. Red. |
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Wer
waren wir
Durch
dieses Land
Schritt
ein Zug
Der
Stolzen,
Betrogenen,
Angehauchten,
Reingelegten
Vor
dem Tode
Vergrabenen,
»»
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Es
lasen, sangen und spielten
Süleyman Erdogan
Gerald Fiebig
Ali Reza Kaya
Ibrahim Kaya
Lienus Nguyen
Bratislav Rakic
Maria Reiter
Peter Schinke
Taifun Solgun
Michael Tonfeld |
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sans
papiers
eine papierbreifiktion
1
ja: es
war eine stadt in mitteleuropa.
sie hatten einen himmel aus blauem löschpapier
hinter die skyline gehängt,
damit man nicht merkte, dass alles nur auf dem papier existiert,
& als ich näher kam, wurde er von minute
zu minute dunkler, als breite sich ein wasserfleck aus
wie ein stein, der seine kreise in papier zieht,
anstatt es zu schneiden.
als ich die stadt erreichte, biss mir graupel ins gesicht,
mit fetzen der letzten morgenzeitung vermischt,
die mir ins gesicht wehten & meine augen erstickten:
EU STARTET INITIATIVE ZUR ENTSCHÄRFUNG DER KOSOVO-KRISE
& ich höre deine telefonstimme aus belgrad zwei abende
vorher
mit musik aus dem wohnzimmer deiner schwester dahinter,
die nicht so klang, als würde bald in deiner nähe
eine bombe einschlagen,
& saß hier inmitten von dem, was sich für abendland
hält
& westliche welt nennt oder gar freie,
im club der toten dichter & gehenkten toten, »»
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Meldungen
aus aller Welt
Augsburg. Zu einem regelrechten Aufstand führten
die Geldbußen, die das Marktamt wegen wiederholten Verstoßes
gegen das Kopftuchverbot verhängte. Die Fundamentalistinnen
aus den Landkreisen Aichach-Friedberg und Schrobenhausen sollen
die Ordnungshüter von ihren Ständen aus mit Eiern beworfen
haben. Während der Bayerische Bauernverband zu keiner Stellungnahme
bereit war, kündigte der Geschäftsführer des Landesverbandes
der bayerischen Trachtenvereine eine Eingabe beim Petitionsausschuß
des bayerischen Landtages an. »»
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