Vorstellung einer Anthologie

08.07.2004 Brechthaus

Im Jahr 2003 hat die Stadt Augsburg gemeinsam mit dem Geest-Verlag »» und der Zeitschrift Die Brücke »» einen Lyrik-Wettbewerb zum Thema „Frieden“ ausgelobt. Der Erfolg dieser Ausschreibung war überwältigend: Über 300 Autorinnen und Autoren aus dem ganzen deutschsprachigen Raum und darüber hinaus haben sich mit 950 Gedichten und 500 Werken der bildenden Kunst daran beteiligt. Lyrik in 14 verschiedenen Sprachen kam an. Der vorliegende Band versammelt ausgewählte Texte des Wettbewerbs und stellt eine der wohl umfangreichsten Sammlungen von Gedichten und bildender Kunst für den Frieden dar.

Die Idee des Wettbewerbes kam von dem Schriftsteller Bratislav Rakic (rechts im Bild), Autor im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt in Augsburg und wurde vom Ausländerbeirat und dem Ausländerbeauftragten der Stadt, Robert Vogel, aufgegriffen. Bratislav Rakic gab sich als Herausgeber viel Mühe bei der Zusammenstellung und Gestaltung des Werkes. Hier auf der Veranstaltung von Kulturbüro und Ausländerbeirat am 08.07.2004 im Brechthaus.
 

Gerald Fiebig beim Vortrag seines Gedichtes taverne agora, münchen-sendling »»

Da dieses Gedicht zum Thema Krieg, Faschismus und Widerstand den Schauplatz München hat, ließ es sich der Autor nicht nehmen, auch zum Schauplatz Augsburg einige Worte zu verlieren. Das war insofern auch fast nötig, sonst wäre von Kriegsursachen, Kriegsverbrechern und Rüstungsfirmen überhaupt nicht die Rede gewesen.

Gerald Fiebig: Zum Thema “Friedensstadt Augsburg” möchte ich anmerken, dass wir uns in Westeuropa doch sehr daran gewöhnt haben, dass Krieg etwas ist, das immer anderswo stattfindet, sei es im ehemaligen Jugoslawien oder in Afrika. Günter Gretz bemerkt dazu in der Zeitschrift “testcard” (Nr. 13): “In der Zeitung steht nur drin, dass sie sich in Afrika kloppen. Das wird dann reduziert auf Stammesgeschichten. Dabei liegt das meist an konkreten existenziellen Problemen. Was gerade im Kongo passiert, könnte man ganz einfach lösen: Kein Militär hinschicken, sondern vor jede Munitionsfabrik der Welt – es ist ja bekannt, wo die sind – UNO-Truppen stellen und gucken, wohin die Ladung geht.”
Auch für andere Konflikte als den im Kongo wäre das ein Modell. Man stelle sich vor: Blauhelmsoldaten aus Ghana demontieren die Localbahnschienen vor dem EADS-Werk in Augsburg, um den Abtransport von Kampfflugzeugteilen zu verhindern. Namibische Blauhelme demontieren die Straßenschilder im Univiertel, weil sie Namen von Kriegsverbrechern tragen. Die hätten dann im Gegensatz zu den meisten Afrikanern in Deutschland auch kein Problem mit ihrer Aufenthaltsgenehmigung.

Erich Pfefferlen

DEN FRIEDEN

überrrundet
hat
unsere schnelle Zeit

überrumpelt

Und dabei
die Zunge verloren
(fast)
glickzungig nur
stammelt sie

FRIEDEN

ins Beben
verkraterter Herzen

Es glimmt
erschossener Frieden
am Docht
der Hoffnung

 

Erich Pfefferlen
geb. in Nördlingen, lebt und arbeitet in Horgau/Augsburg; Studiendirektor. Zahlreiche Veröffentlichungen (v. a. Lyrik) in Zeitungen, Zeitschriften, Kalendern, Dokumentationsbänden, Anthologien, im Rundfunk und Fernsehen. Mehrere Lyrikbände; etliche Auszeichnungen, so 1996 Fedor-Malchow-Lyrikpreis des Landes Schleswig-Holstein und 1998 Preisträger beim Lyrikwettbewerb zum 28. Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Kenan Özer

Vom Gastarbeiter zum Deutschtürken

Vor 40 Jahren hieß man mich am Münchner Hauptbahnhof
mit Orchester herzlich willkommen
Ein Holzkoffer in der Hand, eine Mütze auf dem Kopf
Einen dicken Kuss auf die Stirn habe ich bekommen.

Ich arbeite am Band, ist schwer und scheußlich,
Heimat, Kinder, Frau, Eltern sind unvergesslich
Ich koche, wasche, war vorher unbedenklich
Aber jeden Monat regelmäßig Geld unbeschwerlich. »»

 

Vorstellung ausgewählter Gedichte des Lyrik-Wettbewerbs anlässlich der Aktion Friedenssamen des Ausländerbeirats im Botanischen Garten.

Sommer 2003

 

Hier noch einige ausgewählte Texte aus dem Band Friedenssamen

Augsburg, Mariana Blank

Macht, Elsbeth Freier

So weit mein Auge reicht, Christine Gradl

Es ist Frieden …, Bratislav Rakic

Ihr Menschen einigt euch!, Karl-Heinz Schreiber

Das Leersein, Beloš Slavica

 


   
nach oben