Salaum aleikum – Aus dem Leben afghanischer und tunesischer Frauen

Autorinnnenlesung des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt
mit Nasima Ebrahimi (Afghanistan) und Kaouther Tabai (Tunesien)

Eine Veranstaltung im Rahmen der 25. Augsburger Friedenswochen am 12.11.04 im Augustana-Forum

 

Leseprobe

Das Geburtstagsgeschenk  »»

Kaouther Tabai, 1964 in Tunis geboren, seit 1983 in München. Informatik-Studium an der TU-München, arbeitet als Software-Entwicklerin und schreibt in ihrer Muttersprache Arabisch und in Deutsch. Publikationen von Kurzgeschichten in Anthologien, Zeitschriften sowie im tunesischen Nationalrundfunk.

Mit liebevollem Humor und Einfühlungsvermögen schildert die Tunesierin Kaouther Tabai, die sich schon als Übersetzerin zeitgenössischer arabischer Literatur einen Namen gemacht hat in kurzen Erzählungen, beinahe anekdotenhaft, ihren Weg aus dem Alltagleben eines kleinen Dorfes bei Tunis an die Universität München, in den „zur Selbstkritik unfähigen Westen“. Beinahe mühelos gelingt es der Autorin, mit einfachen, dramatischen, poetischen und gelegentlich erotischen Geschichten das Bild der arabischislamischen Welt, die heute allzu schnell mit Gewalt und Terror gleichgesetzt wird, zurechtzurücken, Fremdes in Vertrautes zu verwandeln. »»

 

Tunesien – die vergessene Diktatur

von Doug Ireland

Am 24. Oktober wurde Tunesiens Präsident Zine El Abidine Ben Ali wiedergewählt - mit 94,49 Prozent - ein Ergebnis, das an Nicolai Ceausescu erinnert. …
Tunesien, mit seinen Prachtstränden, ist ein wahres Touristenparadies - mit extrem polizeigesicherten Beachresorts. Jährlich kommen mehr als 5 Millionen Besucher ins Land - das meiste Europäer. Der Tourismus ist ein wesentlicher Wirtschaftszweig. 2003 dankte die Europäische Union Ben Ali für dessen Unterstützung im Krieg gegen den Terror, indem sie das Land zum größten Empfänger von EU-Beihilfen im südlichen Mittelmeerraum erhob. Die Finanzhilfe des Westens floss, die Touristen hatten ihren Spaß, und gleichzeitig erschien in Paris ein Buch, das sich en détail mit der Repression, der Korruption und persönlichen Bereicherung des Ben Ali auseinandersetzte. Titel: ‘L’Europe et ses despotes modernes - Quand le soutien au modèle tunisien fait le jeu du terrorisme islamique’* (erschienen bei Les Editions de la Decouverte). Le Monde feierte das Buch als “unvergleichbar präzise”, was die Darstellung der Ben-Ali-Diktatur angeht. Die Verfasser sind: Sihem Bensedrine und Ko-Autor Omar Mestira. Die Autorin Bensedrine saß mehrere Male in Ben Alis Gefängnissen. Sie ist die kraftvolle Stimme der demokratischen Opposition - als Herausgeberin des Online-Magazins Kalima. Bensedrines Bücher sind in Tunesien verboten.  »»

Weitere Infos über Tunesien beim Friedensratschlag: »»

und bei IMI über die Führungsrolle der EU im Nahen und Mittleren Osten: »»

Nasima Ebrahimi, geb. am 1. 1. 1958 in Kabul (Afghanistan), Mathe-Physik-Studium, eine Zeitlang als Lehrerin tätig, seit 1982 in der BRD. Schreibt Prosa und Lyrik über Frauen- und Kinderrechte und gegen die Unterdrückung und kämpft für Menschenrechte und Freiheit.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich will über Afghanistan berichten.
Afghanistan hat 28 Millionen Einwohner mit 99 % Muslimen. Afghanistan ist dreimal größer als Deutschland. Nur 2 % der afghanischen Frauen sind gebildet.
1979 hat der Krieg in Afghanistan angefangen, als die Russen angriffen. Bis heute sind 2 Millionen Menschen im Bürgerkrieg gestorben. Seitdem leben 3,5 Millionen Flüchtlinge im Ausland.
Jedes vierte Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag in Afghanistan. Die Lebenserwartung liegt bei 46 Jahren. Das Trinkwasser ist rar. Die Gesundheitsversorgung für Frauen gibt es nicht.
1992 kamen die Mujaheddin. Die waren fanatische islamistische Kämpfer.
1994 kamen dann die Taliban an die Macht und vertrieben die Mujaheddin, Die Frauen haben damals keine Rechte gehabt, in die Schule zu gehen und zu arbeiten. Musik war verboten. Die Männer mussten Bärte tragen.
Durch die Anschläge am 11. September wurden die Taliban von der Macht vertrieben.
Es folgte die Karzai-Regierung. Karzai ist ein Demokrat. Jedoch kämpfen Taliban sowie Mujaheddin gegen Karzai um die Vormacht in Afghanistan.
Die Lage in Afghanistan hat sich mit Herrn Karzai sehr verbessert.
Am 10. Oktober durfte das afghanische Volk zum ersten Mal frei wählen gehen. 41 % der afghanischen Frauen haben nur Karzai gewählt. Insgesamt gewann Karzai 72 % der Wählerstimmen. Nach 25 Jahren Unterdrückung und Gewalt durften die Frauen wählen.
Diese Wahlen sind ein großer Fortschritt in die Zukunft für Afghanistan.

Kommentar: Die Darstellung von Nasima über die jetzige „Demokratie Afghanistan“ rief im Publikum viel Widerspruch hervor. Auf die konkrete Frage, ob sich die Lage der Frauen in Afghanistan denn nun konkret verändert habe, sagte sie „nein“. Die Frauen haben immer noch unter der patriarchalischen Gesellschaftsform zu leiden, die seit den Mujaheddins wieder verstärkt aufgelebt ist. Es gibt nach Aussage von Nasima auch keine Partei oder Organisation, in der Frauen in Afghanistan für ihre Rechte kämpfen könnten.
Die Stationierung von Bundeswehrtruppen dort wurde von Nasima als positiv eingeschätzt. Das Publikum teilte diese Einschätzung großenteils nicht und wies auf die eigenen Interessen der Bundesregierung Deutschlands hin. Nasima meinte, das afghanische Volk sei im Moment auf die Auslandstruppen angewiesen, würde aber in der Lage sein, diese auch wieder loszuwerden, wenn sie nicht mehr benötigt würden. Dazu kann man nur sagen viel Glück!
Elli Frana
 

Karsais Chancen in Afghanistan  »»

Zur Person Karzai:  »»

In ihren Gedichten kommt die Widerstandskraft Nasimas zum Ausdruck:

weitere Gedichte  »»

Burka

Wer hat diese Burka in unser Land gebracht?
Wer hat dieses Symbol der Sklaverei auf die Häupter unserer Frauen geworfen?
Wer hat Arbeit und Schule für die Frauen verboten?
Wer hält für unsere Rechte die Augen geschlossen?
Ich bin als eine Frau ein Opfer des Krieges geworden.
Ich muss im Dunkeln wegen der Gewalt weinen und auf Besserung warten.
Unsere afghanischen Frauen, wenn ihr eure Rechte und eure Freiheit wollt,
dann wirft alle Burkas des Landes in Kabul zusammen und verbrennt sie.
Gibt jenen die Antwort auf Gewalt und Fanatismus,
und ihr bekommt eure Rechte und eure Freiheit.

 


   
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